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Wiener Morgenzeitung · 1920-10-25 · Heft 630 (25.10.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 630 (25.10.1920)
Date
1920-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bei ke'- Wäs'runasvercinhci'lichinrg in der Bukowina und Siebenbürgen in der Relation 1 zu 8 mit einem Bon auf 40 Prvzent, in drei Monaten zahlbar, hat die Negierung die wirtschaftlichen Interessen der betroffenen Kronländer arg geschädigt. Besonders sah sich 'her kleine Mann, der Arbeiter und Beamte, schwer enttäuscht und benachteiligt. Allem hm -er lieben Ruhe willen ließ inan sich alles gefallen.! Ganz anders sah es mit der Einlösung in. Betzarabien aus. Die Regierung fixierte den Einlösungskurs mit 1 zu 1 für Romanow-Rubel, 1. zu 0,30 für! Lwow-(K.erensky-)Rnbei mit einem Bon.auf 40 Prozent, ,in -drei Monaten zahlbar. Man sollte altz» .für den Lwow-Rubel 18 Bani in bar und 12 auf einen Pchl-.ausbezählt erhalten. Bet dieser Nachricht ging ein Sturm. der Entrüstung durch die gesamte Bepöllernng -Beharabiens. Man veranstaltete Enqueten, Protestversümmlungon und die Negierung mußte nachgeben. Ein neuer Einlösungskurs zugunsten der Bauern, Arbeiter.und Beamten wurde für Beßarabien festgesetzt. Besitzern von -höchstens 60.000 vngemeldeten Lworv-Rubeln jvird ausbezahlt werden: Für die Summe von 1 bis 5000,-1 Leu; für die Summe von 5000.bis 15.000, 80 ^rni:; fürdie Summe von 30-000 bis 60000- 40 Bani'PrHeuMubM.:Den.ienigen, big. inehr als 60.000 W in der Relation 1 zu 0.30 ausbezahlt werden. -Ronwnow-Rül.l werden zu folgendem,Kurs eingelöst: von 1 bis 5000 Rubel,, 1,35 Lei;-von 5000 bis 15.000 1,80 Lei; von 15.000 bis 30.000, 1,20 Lei; von 30.000 bis 60 000, 1,10 Lei., Neber- 60.000 Rubel werden in d8r Relation 1' zu 1 eingelöft. Diese Verordnung erstreckt sich nur auf Beßarahien,. In-.den, anderen Gc5le.cn Großrumäniens erfolgt die Einlösung in der früher fixierten Relation. - - Die Ausweisung der Ortssrqmdeu scheint sich wie eine epi)e!nis5-L Krankheit Überfälle Sukzessionsstaaten der alten. Monarch-e' ausUlbraiLen. Dies geschieht trotz der Bestimmungen über Friedensverträg rund OptionSrfcht.-: Anck^die Bukowina, sollte-wou-.dieser Krankheit nicht verschont, lverden. Dir Bukowrnaer Regierung erließ jene fanrosc Ordorau.a, ne.W die Ausweisung aller noch 1914. ^hier Ansässigen verfügte. ..Alte Schichten der Bevölkerung lieseu gegen diesen llkas Sturm. Der Erfolg blieb nicht aus. Es stefttesichheraus, daß unser. Staatssekretär für Inneres hiese. Verfügung aus eigene- Faust erlassen hatte. Bukörest. zeigte Verständnis für die Sache und sistierte die Verordnung, welche 30.000 Inden ins Verderben stürzen sollte. Das Staatssekretariat für Inneres sah sich daher veranlaßt, die seinerzeit erlassene Verordnung zurückruziehen...(Von uns bereits gemeldet. Die Red.'i DieHe Verfügung -der 'Bularester. Zentralregierung bedeutet einen schweren Schhag für die Bukowinaer Vertvaltungsbehörde und dürfte die Demission. einiger höherer Beamten zur Folge Haben. Aus Siebenbürgen kommt die'Nachricht, daß man dort eiste förmliche Jagd auf die Ortsfremden, veranstalte. Es werden Massenausweisunzen vorgenommen an Leuten, die mehr als ein Menschenalter im Lande wohnen. Die Bukarester Zentralregierung dürste auch für Siebenbürgen ähnliche Verfügungen erlassen und Katastrophen verhindern. Denn was für die eine. Provinz recht ist, muß auch für die a:<?e e billig sein.' . Die. Regierung A v e r e s c u s steht . vor einer 'schweren Krise. Sia hat sich zwar im Hause eine Majorität gesichert, allein sie kann mit ihx nicht durch, dick und dünn gehen. In gewissen Gesetzesvorlagen haben die Mitglieder der Majorität gege n die-Regierung gestimmt. Als Beweis möge das Weidengesetz angeführtwerden, das, gänzlich modifiziert, gegen den Willen bei; Regierung durchgedrungen ist. Die' Opposition arbeitet inden letzten Tagen geradezu fieberhaft. Die führenden Politik r der angeschlossenen Gebiete, wie der gewesene Ministerpräsident Bajda Voivod und die oeßarab'.schen Politiker Dr. In cnletz und Drktor Ei u g u re a nu weilten als Gäste beim gewesenen delegierten Minister der Bukowina Dr. Ni stör in Czeruotvitz; man hielt überall Versammlungeü ab und der Plan für den politischen Feldzug wurde ausgearbeitet. Bei dieser Gelegenheit wurde der gewesene Minister Beß- Arabiens, in den Fragen der Minoritäten, der Agrarreform und der innerpolitischen Situation 'interviewt, l Jneuletz üitß-erie sich, wie folgt: Wir - in Beßarabien sind nicht gegen die Minoritäten. Wir wollen deren. Rechte nicht an tasten. Wir sind jedoch dafür, daß-die, Rumänen in Beßarabien .in all'ihren Rechten und Ansprüchen unangetastet bleiben. In bezug auf dis Durchführung der Agrarreform macht Jnculetz der.Regierung den Vorwurf, daß M dieselbe'' direkt aufgehalten habe. . Dieses Vvrg^hxn Her Regierung habe den - Demagogen Stoff -gegeben zu cfner verderblichen Propaganda. - - ' '. 1 . Auch der Präsident der Bukowinaer Liquidierungskvmmission nahm in einem Interview zu allen politischen . Fragest Slelluttz? .D-r- Dorrt Po p o V i c i ist der Ansicht, daß die Dezentralisierung unter dem Regime Averescus nicht durchMührt werden wird. Dtx Verwaltung -kann nur'amsidtzW Wege des Re g io na lsystems in den vngeschlossenen Gebieten verbessert werden. Gegen die Valutavereinheitlichung in der Relation 1:2 nimmt der Präsident Stellung und meint, daß diese Einlösung eine starke Unzufriedenheit bej. den, Massen hervorgerufen habe.. In her Frage der Minoritäten ist der Präsident f ür die Anerkennung der größten Freiheit für alle. Rationen des Landes. „In der Bukowina sind di-e. Juden und Deutschen Männer von Intelligenz und es wird für uns vonnutzen fein, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Das Problem der Minoritäten wird/-tz»-mplizi!eptzrr,-..wenn -man-andie Ruthsnen henkt. D'ese manifestieren eine Feindseligkeit gegenüber den iRumänen'." Dr. Popovici ist -ein. altersahrener Politiker und weiß die Arbeit der Minoritätenemzuschätzen. Nur mit ihnen und durch sie kann das reiche Rumänien aufblühen und sich wirtschaftlich unabhängig .machen von den westlichen Ländern. . Dr. M. R. FahdDhe sozialistische Führer verhaftet. Bukarest, 24 Wtober. (Havas.) Der am 21. d. M. verLüuÄste Generalstreik ist gescheitert. Die ReKieruugHat deu B e l-a g e r u st g s z u st a n d erklärt uud eine grotze Anzahl von so zi ali stische u Mb g e o rd n e ten sowie die h ervorrq.g eud st en G ewerk- 'ji \ +v4j. •* Der englische Bergarbeiter- .i MM.- \ Günstigere Meldungen. ' L o n d o n. 24.' Oktober. <Reuter.) Die Lage in der ArVeiterfrage hat sich merklich gebessert. Die neuerliche Bersch-ebuug d e s E i s e n bah n e r st r e i k s hat das Gefühl einer allgemeinen Erleichterung hervorgerufen und ist m Arbeiterkreisen mit Befriedigung ausgensmMsn worden. Die Schwierigkeiten des Völkerbundes. Paris, 24. Oktober. (Wolff.) Der belgische Ministerpräsident Delacroix erklärte einem Vertreter d^S „Bingtiöme Siöcle", L l o y d G eo r g e wünschechei der Vollversammlung des Völkerbundes in Genf auch me Anwesenheit des Ministerpräsidenten Leygues. Hiezu bemerkt das „Journal des Däbats*,. die französische Regierung sei darüber nicht gefragt worden. Es sei übrigens auch sehr wahrscheinlich, daß sie eine solche Einladung nicht günstig aufnehmen werde. Man scheine^ in politischen Kreisen zu besürchten, daß eine derartige Zusammenkunft eine Einmischung in die Befugnisse des Völkerbundes bedeuten und den Schein einer neum Friedenskonferenz erwecken könnte. Die Ausgabe« des Völkerbundes. Paris, 24. Oktober. (Funkspruch.) Nach dem .TeMps" werden sich die Ausgaben des Völkerbundes für das Jahr. 1921, die vom Völkerbundrat genehmigt wurden und von der Generalversammlung des Völkerbundes in Genf gutgeheißen werden sollen» folgendermaßen verteilen: Die Gesamtausgaben belaufen sich auf 20,650.000 Goldfranken. Hievon sind 13,650.000 Goldfranken für allgemeine Auslagen und 7 Millionen Goldfranken für Ausgaben des intemationalen Arbeit-, bmeaus bestimmt. Die Kosten werden gemeinsam von ^den dem Völkerbund angehörenden Staaten getragen werden. Der auf jeden Staat entfallende^Betrag soll auf Grundlage einer Einschätzung festgesetzt werden, die sich nach den gegenwärtigen Einnchmen des betreffenden Landes richten soll. Der BSlkerbundrat übernimmt die Sicherung des Minoritütenschntzes. Paris, 24. Oktober. (Havas.) Wie der „Matin" meldet, hat der Völkerbundrat gestern im Namen des Völkerbundes die Sicherung des Schutzes der Minderheiten nach den Bestimmungen der mit Oesterreich und Bulgarien abgeschlossenen Verträge übernommen. Anfnahme defterreichs in die Völkerbundv Vereinigung. Mailand, 24. Oktober. (Stefani.) Die Völkerbundvereinigung hat beschlossen, die österreichische und die ungarische Propagandavereinigung, dw darum angesucht hatten, in ihren Verband aufzunehmen. Keine Ministerkrise in Ztalieu. Zürich, 23. Ottobrr. (Schweiz. Depesch.-Agent.) Die „Neue Zürcher Zeitung" meldet aus Mailand: Gegenüber Meldungen über eine Mmißrrkrise erklärt das Regierungsblatt „Srampa", daß keine solche Krise bevorßrhe. Auch die Nachricht, daß Grolitti amtsmüde pnd entschlossen sei, sich zurückzuziehm, entspreche nicht den Talsache». Autibolschewikische Aufstände in Rußland. Helfingfors, 24. Oktober. (Havas.) Wie aus Moskau gemeldet wird, ist es in den Gouvernements Perm und Je Kate rin bürg zu ernsten Erhebungen gegen die Bolschewiken gekommen. Austausch der Gefangene» zwischen Polen und Rußland. Warschau, 24. Oktober. (Funkspruch.) Das Ministerium des Aeußern hat in der Durchführung der Artikel 6 und 7 des Präliminarfriedens mit Rußland, betreffend den Austausch der Flüchtlinge, Internierten und Gefallgenen, begonnen. Zu diesem Zwecke wird eine polnisch-russische Kommission gebildet. ___ Die Uebernahme des Kärntner Plebiszitgebietes durch Oesterreich. Wie die „Pol. Korr." erfährt, wird sich die Uebergabe der Verwaltung in dem früheren Plebiszitgebiete Kärntens in folgender Form vollziehen: Montag den 25. Oktober treffen die österreichischen Bezirkshauptleute in Völkermarkt und Ferlach ein. Mittwoch langt das übrige Persona! der. politischen Verwaltungsbehörden ein. Zu gleicher Zeit wird die jugoslawische Beamtenschaft die Dienstgeschäfte, über-- geben, um sodann nach Jugoslawien zurnckznkehren. Die österreichische Gendarmerie wird den Sicherheitsdienst von den jugoslawischen Gendarmen in den ersten, Novemllkrtagen übernehmen. Die Stärke der österreichischen Sichcrhcitstrupyen dürfte 800 bis 1900 Mann betragen. Die Auflösung, der interuniwus-Icrr Plebiszitkommisston ist für Mitte November vorgesehetl.

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