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Wiener Morgenzeitung · 1920-10-16 · Heft 621 (16.10.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 621 (16.10.1920)
Date
1920-10-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Keine andere Partei steht dieser Frage so selbstlos gegenüber, kein anderes Programm besaht die Existenz dieses «Staates s o uneingeschränkt. Es ist nicht notwendig, dies als Patriotismus zu bezeichnen. Dieses Wort ist durch die Niedrigkeiten, die es im Kriege decken mutzte, Zu anrüchig geworden,^ und auch heute noch borgest sich hinter ihm gerne die lichtscheuesten Elemente. Wenn wir für den Staat eintreten und von unsrem Volke verlangen, dasz es seine'Arbeit und sein Können ihm widme, so geschieht dies aus unserer Erkenntnis. von der zum größten Teil ttiWerschirlWnltrmlngU'LägL'ches Staates und von der weltwirtschaftlichen Situation dtzs jüdischen Volkes, dem alles-daran gelegen sein - mutz, daß sich an der zentralen Wasserader Europas , ein lebensfähiges Staatsgebilde Erhält. Es liegt im jüdischen Interesse, daß Oesterreich gesund wird und' zum; KristaMsativnspunkt aller auf die Erholung der Welt'gerichteten Bestrebungen werde. Unsere Auffassung der österreichischen Existenzfrage hat nichts damit zu tun, datz der Staat nur sieben Millionen Einwohner zählt. r :r haben int Kriege gesehen, datz die kleinen europäischen Staaten. Wie Holland (das dem jüdischen Herzen durch seiüe Mnderfürsorge so teuer geworden ist),, wie die Schweiz, dem großen Unglück doch so weit fern' bleiben konnten, datz sie nicht in den blutigen Wahnsinn hineingerissen werden konnten. ES ist nicht wahr, datz ihre NsrstralW nur bestehen bleiben konnte, weil sie ein Wünsch der Kriegsmächte war. Sie blieben neutral, weil ihre Völker dies wollten, und den Krieg, dessen Wirkungen sie vor ihren Türen erblickten, verabscheuten. Sie haben sich durch ihre geschmeidige Politik unk durch Verträge gesichert, hinter denen der entschlossene Wille zum Frieden stand. Nichts kann ^Desterceich hindern, dieses Beispiel nachzuahmen. Ein Staat, der Frieden will, und diesen heißen Wunsch seinem Volke in die Seele legt, behalt den Frieden. Oesterreich hat keinen Feind, - der ihm nach Gebiet trachtet, und kann in keinen Krieg geraten, wenn es eine vorsichtige Politik betreibt, dM sich von ken wirkschaftlichen: Erfordernissen sticht ' entfernt. Oesterreich kann nicht allein leben. Aber, Liese Tatsache, aus der die einen die 'Notwendigkeit des Anschlusses an Deutschland, die anderen die des Anschlusses an Ungarn begründen wollen, hesteht ja nicht allein in Oesterreich.- Kejrr staatlich abgegrenzter-Teil der heutigen Organisation -er Welt kann für sich und aus sich lebest. , Er mutz, die ihm fehlenden Waren aus dem Ursprungsland beziehen oder strit gleichzeitigen bezahlen. Das verlangt einen vertraglichen Zustand, keineswegs aber einen politischen ZuiMmenWuh. QchWM ist b-j all tönern ®l*n& & tee glücklichen Lage, mit allen' Nachbarn gut auszukommen, wenn sich seine auswärtige Politik in den engen Grenzen hält, die' ihm durch seine geographische Lage un-' durch dem Friedensvertrag gezügen stK, , " / ^^Äi^ perhÄten^ch ' nD ^> -re ' großen PcüsteieN 'M^ dihsenFragest^ /Gie'alle haben nur das Interesse,' den - Staat -'ihren, ParteiMcken dienstbar zu machen unh eiste Herstschast ihrer- 'Alüsß aufzirrichten. Sie - alle Preben die Diktatur'ihrer Klasse an. Der Kampf zwischen den Soztaldejnokräten 'nnd 'den in ihrer Mehrheit - christlichsozialen Agrariern ist. gar nichts anderes, und-diesem Streben wird auch die äußere Politik dieser Parteien an gepa ßt. Die Sozialdemokraten, stehen unterder Hypnose des. politischen Anschlusses an ein sozialistisches Dcutschland, das sich aber in der Wirklichkeit imNter weiter nach rechts entwickelt (was die Grotzdeutschen.mit stolzen' Hoffnungen erfüllt), ein Teil der Christlichsözialm sucht im Westen Fühlung mit dem agrarischreaktionären Bayern, der andere Flügel sucht - mit brutaler Gewalt die Angliederung an!das noch schwärzere Ungäcn durchzuseßen. Allen diesen Parteien ist der Gedanke der Unabhängigkeit Oesterreichs nichts als ein Spiel, das mün so lange treibt, als sich nicht etwas anderes findet. Für die jüdische Bevölkerung aber, aus deren Rücken die Pai-wien auch diesen Streit auszutragen beflissen sind, in der Bestand eines freien, unabhängigen Oesterreich, das durch' Verträge mit dem Ausland feiste Warönbedürfnisse deckt, eine Lebensfrage. Denn sie Judenschaft Oesterreichs trägt in einem ihre Kopfzahl weitaus übersteigenden Maß -as Budget des Staates, und «s kann ihr nicht gleichgültig bleiben, wenn ihre wirtschaftliche Kraft für dunkle Zwecke eingespannt wird. Was'Oesterreich heute noch aufrecht erhält, was den Einsturz verhindert, ist einzig und allein die jüdische Arbeit, die diesem Staate die Verbindungen nach hem Ausland herstellt und aufrechterhält. Die Parteienkämpfe Oesterreichs haben unsere Währung im Ausland fast bis zirtn Nullpunkt gebracht, unser moralischer Kredit ist .im gleichen Tempo zurückgegangen. Nur die jüdische Organifationssähigkert und Tragkraft hat bisher die Katastrophe des Staates verhindert, dessen deutsche, christliche Städter von den ebenso deutschen, christlichen Landbewohnern kästen Herzens dem Hunger und der Auswucherüng preisgegeben werden. :Y ’ Wenn sich nun die Bevölkerung Neue Abgeordnete wählt, denen, die Aufgabe zickällt, in den nächsten Jahren die 'Wirtschaftspolitik des Staates festzulegen und fein Verhältnis zu den Nachbarn zu bestimmen, so mich die jüdische Bevölkerung alles tun, um ihre Vertretung durch jüdische Abgeordnete dnrchzirsehen, diedie Unabhängigkeit Oesterreichs, seine Freiheit nud Selbstbestimmung sticht weiter zum Spiclball gewisscnlcsv/.' vom Ausland dirigierter' Parteien' und'- Geschäftspolitiker erniedrigen/' lasten 'wüllen. Me indischen Bürger und Bürg-rinnem denen'das Gedeihen Oesterreichs am Gerzen liegt,' müssendie Liste der einzigen staytstreuen Partei, der jüdisch« nationalen Parker, wählen. - Offener Brief an Herrn Dr. Schwarz-Hiller. «MAUk ' HaMnd^nde KanLidatur Im Wahl- Für bi«, am.M NationÄratswM WWe kreise- -^pyW-dt»', MW-enqu/'- MrtdMLf . stellt. Im Nanien vieler ta'usender freiheitlicher Wähler > richten wir in - der «Oeffentlichkeit die Bitte'an Sie, von dieser Kaichidatn-r zürückzutreten nud begründen dies, wie folgt: - .; Wiederholt, .Hg?r ',ÄstltLge, haben.Sie selbst 'sefi> gestallt, datz diese Kandidatur auSsichtslos ist und' haben aus diesem lKründü' auch wiederholt diese Kan« didatur abgelehnt, dc-achdem Ihr Name stuch äuf ^ftrer Reichsliste enthalten ist, gehen die für Sxe, abgegebenen Stimmen gänzlich ^verloren. ,Sie^ kommen fürdas zweite Skrutinium nicht in Betrachts Ohrre selbst gewählt zu werden,, können Sie lediglich jüdische S t i «t m e tt zer s plit te t n und bewirkendaß - statt eines jüdischen Vertreters mit demoMtifchem, Programm ein r e a k-.t i o n ä r e r, a n t i f.« m t t i s ch e r oder tsche ch i s ch e r P e rM st t e r ins ' Parlament einziehf. ' Dieses Bedenken wurdv Ihnen auch' von Parteifreunden entgegangehalten. Wir wiederliolen es «nd machen Sie darauf aufmerksam^ daß Sie wirklich nur der freiheitlichen Sache - schaden können, was bei ruhiger steberlegung- Ihre Absicht nicht seist kann. Wohl halten wir die Wahl des Abgeordneten und Listen- ' führers Stricker für gesichert, trost JMr^dan^idatnp, - aber schwer gefährden S'e das sonst ^Mere Mandat der ReichslistenfühsteÄn. A n i t ta. M ü l le r. Halten Sie, Herr Kollege» es für gut, daß. statt dieser Frau ein antisemitischer 'Maktionär oder ein Tscheche ms , Parlament einzieht? Trotz aller politischen Gegnerschaft müssen Sie hoch zugeben, daß durch Stricker, daß durch «ine Frau A N i t t a M iU .l.e r nicht nur di« schwer bedrängwu Juden, sondern auch die Sache'der' wahren Demokratie besser vertreten ist Es ist Ihr gutes Recht, zu kandidieren. Wir aber bitten Sie, zur ü ck z u t r e te n, denn unter den geschiLdechen' Um^ ständen muß Ihre Kandidatur als ge.fährl-ich t In stamentp oliti k venlrieilt werden. Tra^n Sie diesem Bedenken Rechnung, nehmen Sie nicht eine' Verantwortung ans sich, die Sie nie werden tragen können, und Sie werdchr damit nur sich und der guten Sache dienen. Hvchachtend Dr. Jakob Ehrlich- Gemeinderar, Dr.-Leopold Pla'chkes, Gemeinderat, Dr. B. Pollek- Karnäu. Gerneinderat. » ' Mit vornehmer Äütze. wie c$ Leu. Ernst der Sil Nation erheiicht, wendan sich die jüdischnationalen Bevtreter im GemeindeM an ihren Gemeinderarskolle-ea Dr. Schwarz-Hiller, «« Um in zw???»r Stunde an te« za mfe ita Mn ainur

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