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Wiener Morgenzeitung · 1920-10-15 · Heft 620 (15.10.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 620 (15.10.1920)
Date
1920-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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' Die Sozialdemokraten des Wahlkreises Nordost ivetdm in ihrer , Angst vor dem sicheren Siege-der jüdischnationalen Liste nicht müde,' in einer sich irnmor erneuernden Flugblätterflut, die:sie über-dieDcihlMchast rmsgietzerl, die angebliche Aussichtslosigkeit der Jüdisch- - nationalen zu ..' errechnen. Ein i.bon. gemeinsten Zchmähnngen strotzendes Flugblatt; scheint .nicht - die gewünschte Wirkung getan .zu-, hohen-.denn sie verbreiten rin 'Neues, : in dem sie die JüdischnaLianalen als Helfer der. Antisemiten hinstellen und durch ^eine.-langweilige Vetechmmg '„be. '.sen" wollen, daß die Stimmenabgabe für hie Jüdi schnntionalen dew^Christljchsozialen zugute kolsimen Müsse., y ' •:>*■» *J* > Diese Beweisführung ist,- wie hier ausdrWlich fest, gestellt sei, vow.Aufang .bis zu'Ende-.erlogen und nur auf plumpen Wcihlerfa.ng berechnet. -Weil dre Jüdischnatjoiläken bei den früheren Wahlen gekoppelt haben und .auf diese Weise ihr Mandat erlangten,'jetzt aber eine Koppelung -nicht zulässig sei, sollen sie keine Aussichten haben! Die .Genossen vergessen, - daß. die - Jühischnotionalen bei den Wahlen zur. Konstituante als neue politische Partei )y i den Wahlkampf zogen, und wollen die nichtinformierten Wähler, die. ihnen etwa üufsitzen könnten,' vergessest machen, daß. seit öamqls: - der jüdischnationale Abgeordnete Stricker Gelegenheit hatteeine ersprießliche ' und fruchtbare TäKgkeit im Interesse, des' von allen Seiten, a n ch v o n d.en SoZ.ialhemökrate.n,. verlassenen und - Michen tu in s/ M^enMW^^eE ^isW>"'WlHe.'.sihnt den einN'Wstm und. ''8ie'i größte' Anhänglichkeit der jüdischen.Mässen^röbert ch'oit',^ di.^ sofe"n sie noch ein FiinWen jüdischen Empfindens in sich, haben, sofern ihnen.der Zusamchenhangsimt ihrer ajtcn, gegenwärtig in aller Welt zu neuer Aktivität erwachenden Gemeinschaft noch etwas gilt, wie ein Mann hinter' .Robert Stricker und seiner Liste und nicht-zuletzt' hinter her zweiten Kandidatin ’ - Frau Anittn Müller; stehen,. die sich durch ihre nimmermüde, segensreiche und wahrhaft. soziale Volksarbeit ein dauerndes Denkmal in^ Herzen der jüdischen Bevölkerung 'gesetzt hat. .? . Die Zahlen, mit be njsn die Sozialdemokraten des W ahlkHises Nordost operieren, sind falsch!: Und selbst wenn sie richtig wären, so beweisen sie nicht das mindeste gegen unsere Aussichten. Seit .den letzten Wahlen für die. Kpn.st.ituante haben sich die Reihen der J.ü d ischstatiönalen gewaltig ver- 'g r ö ß er t und unser. Anhang von solchen Wählern, d.ie .früher organisatorisch nicht erfaßt werden 'tonnten, ist inüberaus bedeutendem Maße gewachsen. Die gesanite jüdisch süblende Bevölkerung, alle jene, .die es müde geworden sind und im Gefiihl ihrer menschlichen und'jüdischen Würde es ablebnen,. sich als Stimmvieh von', jenen gebrauchen zu lassen, die sie nur vor den Wahlen kennen, über ein wirkliches Programm nicht^verfügen. Und den alten, für das Judentum verhängnisvollen Schwindel, wiederholen will,' mit Hilfe der Jüdenschaft den toten deutschen Freisinn zu galvanisieren, und so den Antisemitismus noch zu vergrößern:' der so programmtreu. und prinzipienfest ist, sein Judentimi vor der WM in. die Tasche zu stecken und. vor der Gefährlichkeit deh jüdischnationalen Bekenntnisses in jener das Judentum schädigenden sogenannten „Judenpresse" zu warnen, die für die großdeutscken Rasfenantifemiten Propaganda zu machen wagt, nachdem er bei den letzten Wahlen mit aller Anstrengung danach gestrebt hat als — jüdischnationaler Listenführer zu kandidieren, die gesamte jüdisch fühlende Bevölkerung wird die jüdischnationale Liste Robert Stricker, Anitta Müller und Genossen wählen-und . den Ansturm der sozialdemokratischen und „bü'-gerlich - freiheitlichen" Sp^nlanten zuschanden machen. Es-geht um den Schutz der angegrif.feuen jüdischen Gleichberechtigung, um die Verteidigung und Erweiterung unserer errungenen Position und um die Fortsetzung einer Politik, welche allein zu einem Abbau des Antisemitismus, zu einer ehrlichen Verständigung von Volk zu Volk und zu - deiner inneren Reaenerieruna des Judentums Mren kann. Wahltag ist übermorgen, Sonntag den 17. Oktober. Wahtzeit von 7 A^r.frirh bis 5 Ahr abends. Den Wdifchnat-oiralen Stimmzettel aufbewahren! Er wurde jedem jüdischen Wähler und jeder jüdischen Wählerin, zugestellt. — Hätte e i n Wähler ihn verloren oder durchVersehen keinen bekommen, so kann er in jedem jüdi'schnationalen Agitativnslokal oder bei jedem jüdischnationalen Agitator St i m m-z e t t e l er h-a lt e n. Der Wähler wird von der Wckhl nicht verständigt. Er muß in das Wah (1 okal gehen, das durch Anschlag im Flur des Hauses, irr welchem e: wohnt> nrUegeb^n ist. '. Der ^.od.er^d.ie^."W'ahlbere.chtrgte. mutz:, ins WahAoksl witnehmen 1. Den jüdischrratipstalen.Stimmzettel, 2. e i n e s der nachstehend angeführte-^ Doknmenter Geburtsschein, Trauungsschein. Heimatschein, StaatsbürgerschaftsMunden, Anstellungsdekrete, Passe; jeder Art, amtliche Legitimationen, das alte Arbeitsbuch oder die neue Auswerskarte des Arbeiters, das alte Dienstbotenbüch oder die neue Dienftkarte der Stimmzettel unterschieben. Achtest au! unsere Stimmzettel! * Wer die Versöhnung von Volk ru Volk will, wer die Wiederqufrichtung der jüdischen Würde er e nt, wem die Errettung und Erlösung des zirdischen Volkes am Herzen liegt, wen der Verrat der Wiener jüdische» Afsimilauteu an ihren östliche« Brüder» empört, wer die mannhafte Bekämpfung der antisemitischen Reaktion nnd die Errrngnnx der tatsächlichen Gleichberechtigung fordert, der wirbt in ganz Oesterreich f ü r die j ü d i s ch n a t r o n a le L i st e n Stricker, Anitta Müller und Genossen^ l kulakionsschern, Meldüngsbuch etiler Hochschule. Schul Zeugnisse, militärische Dokumente und.dergleichen. Der Wähler tritt vor die Kvmmisfion «nd legitimiert sich wir dem Dokument. , Sodann erhalt er von der Kommission ein Wahlkubert. Er geht in die Wahlzelle, legt den jüdischnationalen Stimmzettel iw das. Wahlkuvert, ' verläß; die Wahlzelle und überreicht d as Wahlkuvert mit dem jüdischnationalen Stimmzetto! der Kommission. st Die Wahl ist geheim! Niemand erfährt, wie ein Wähler gestimmt hat. Laßt euch keinen sremden Miclit atisschneiden, da »ngdltig! .;;.i Stimmzettel zur Wahl M die Nationalvefsammlöng ' ain 17. Oktober 1920. ■ Jüdischnationale Partei / ■ . .. Stricker, Anitta und Genossen. ■ i mBmmsKwmmm Der jüdische Nationalismus nnd der Iüternattonalismns. Das Zenlralbureau der Zionistischen Organisation hat eine Broschüre herausgegeben, welche die Reden im Wortlaut enthält, die auf der denkwürdigen ziMistischen Massenkundgebung, welche im-Juli in London anläßlich der zionistischen Ja-Hreskonferenz stattfand, von englischen StaatSmännern gehalten wurden. Besonderes Interests verdient' die Ansprachewelche Sir Robert C e ci l, während des Krieges Staatssekretär für Aeüßeres und als solcher Balfours, Wiit^ arbeiter, bei dieser GegleßLnheit gehalten, hat. Man muß sich die Tatsache vor. A«ugen halten, daß C e c i l. als einer der bedeutendsten Staatsmänner der Gegenwart gilt, in der englischen Politik eine große. Rolle spielt und in^ England vielfach als der kommende Mann'angesehen wird, um die politische Bedeutung seiner Ansprache zu würdigen, in welcher , er eine so nötige Auffassung des jüdischen. Problems zur Schau trägt.'Sir C e c i l s Ansprache hatte, folgenden Wortlaut: In einer glänzenden Rede gab Ihnen Dr. Weitzmann ein Gespräch wieder, das er mit^Mr. Balfour hatte. Ich erinnere nüch sehr gut der ersten. Gelegenheit, da ich die Ehre hatte, Dr. Weitzmann bei mir zu sehen. Es war im Ministerium des Tleußern,. wo Dr. Weitzmann mir einen Besuch abstattete, um.mit mir über den Zionismus zu konferieren. Ich erinnere mich wohl nicht der Einzelheiten unseres Gespräches, über eines weiß ich, daß ich' ein ü b e r z,e u g t e r Z i 0 n i st war, noch ehe er m mir kam, und -aß ich, als er von mir ging, ein heißer, ja sogar leidenschaftlicher Zionist geworden war. Mr. Bnlfour hat bereits Hervorgehoben, daß die heutige Bc-rsammlung eines'der wichtigsten und bedoirtsamsten Ergebnisse des Krieges ist. Ich glaube, wenn einst die Geschichte des Krieges unparteiisch und ünvoreinge-! nommen geschrieben werden wird,' werden als seine höchsten j Resultate hervorgehoaen werden: Die Schaffung einer [ s üdischu a t: o n a! o n H e i in st ä 11 c und die S ch a s- Diese zwei Schöpfungen sind in Mrklichkert keine 'zwei' voneinander unabhängige besondere Errungenschaften. Sie' stellen vielmehr die zwei großen' Ideale dar, für welche wir' gekämpft und derentwillen wir gesiegt haben: Die Jdeale-steS^ Nationalismus und des ^nternätionaliSmm§.- Diese beiden Begriffe unterscheiden' sich nicht voneinander und stehen' auch nicht z-ueinander in Widerspruch.' Im. Gegenteil!' Sie verlangen eines das andere und ergänzensich gegenseitig.'Sie können keinen Völkerbund haben, 'eS ser denisst'daß , alle Rät on.en frei sind. Will man an den großen-'SCfeW such schreiten, den Frieden nicht'' durch -die Macht der--GewÄlt? sondern durch gegenseitiges Einverständnis zu erzielen) so ist' die wahye Freiheit die erste -Voraussetzung dafür, - un-)' Mr. Balfour hatte recht, als et - betonte, daß. ein größerer Sieg des nationalen Geistes als die. Schaffung einer. natio--e nalen Hei-mstättefür .die-Juden in Palästina inicht idenkbar^ fei*: Mr dürfen jedoch nicht vergessen, daß 'wir vorläufig chsoß': das Fundament für dieses Gebäude gelegt haben. Und. wirdürfen nicht vom. Sieg-e. sprechen, bis der .Sieg nicht wirklich; unser. ist. Ein englisches Spftchport sagt: Gut begonnen, ist halb, vollendet. Wir aber dürfen nicht autzeracht laste«,- ^atz wir vorläufig doch nicht mehr getan haben alsgnt^be«. gönnen. Zwei große Eigenschaften sind erforderlich-idmnit^ wir diesen großen Versuch auchwirklich glücklich durchführen:: Sie müsten vom. Glauben durchdvungen sein und Energie- Haben. Und keiner, der Zeuge der-heutigen Versammlung ist,-, kann Zweifel darüber Hegen, daß der Glaube: upd. die Energie in Ihnen vorhanden sind. . Aber Sie brauchen noch viel mehr cüs das. Sie Esten. auch Verstand' und Selbstkontrolle^ haben. Dedauerlicheriveise hat nicht; jede, junge Nationalität seit dem. Kriege Verstand rmd Selbstkontrolle an den Tag gelegt. Nichts wäre leichter, als: durch wilden Chauvinismus oder durch unverantwortliche Kritik die schönsten Aussichten Ihrer Zukunft zunichte zu machen. Ich bitte Sie, erwarten Sie nicht, daß alles in kürzester Zeit vollkommen sein werde. Alle großen Ding«! müssen allmählich heranwachsen. Sollen sie von Ewigkeit sein, '.-.-itu können nicht mit einem. Male KU raschem ,tnd voll--'

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