Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 618 (13.10.1920)
- Date
- 1920-10-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ol- V tober, an dem es gilt, der österreichische« Judenschast ' ihre Vertretung, zu sichern. Die letztev Tage vor i der Wahl benütze Leder Jude zu intensivster Werbearbeit ' für die Liste Rovp"t S^ickt^r.Ani^ta M^ll-r 5 Wenn Ihr alle Eure Kräfte in den Dienst der Sache stellt, ist die jüdische Vertretung im Bolkshausgesichert! 3km Wahltag wählt jeder Jude, der feilte und seines Volkes Sicherheit und Ehre durch eine aufrechte jüdische Vertretung geschützt wissen will, dir Liste Robert Stricker, Anitta Müller und Genossen! Kein. Jude darf gleich, gültig beiseitestehen, wo es sich darum handelt, sich selbst, zu schüben. Juden, niemand schützt Euch, wenn Ihr Euch selbst nicht schnbet! Glaubet keinen leeren $et« fprechungeN. höret nicht aus böswillige Verleumdungen; seid einig und stimmt geschloffen für dle Liste der jüdif^an Einheit «nd Einigkeit, Der Polnische Gesandte Dr. Szarota bei Dr. Renner Amtlich wird . gemldet: Der polnische Gesandte Dr. Szarota sprach in Vegleitnng der Ministerialräte Binder und Smolka beim Staatssekretär sür Aeußercs Dr. Nenne r vor, um über die Harten bei der Heimbesörderung polnischer Untertanen Klagen zu führen. Unterstaatssekretär Dr. Renne r betonte, daß solche Härten der österrcichischrn Regierung ferne liegen, aber sie habe angesichts der Wohnungsnot in Wien und der Ernöhrnngsfchwierigknten die 'Pflicht, für. ihre eigenen Staatsbürger Raum zu schaffen. Mit Rücksicht auf die kriegerischen Ereignisse im Osten sei die Repatriierung fr ins Stocken geraten. Die österreichische StaatSregicruug erwarte jedoch, daß, sobald der Friede hergestettt sein werde, die Heimbesörderung wieder organisiert und in. raschem Zrigr vorgenommen werde. Der polnische Gesandte brachte sodann die Frage der Depots polnischer Staatsangehöriger zur Sprache und ( regte an, das; auch zwischen der polnischen und der öfter, reichlichen Republik Verhandlungen über die Durch.; sührnng des Friedensvertrages von Saint-Germain eingeleitet werden. Der Staatssekretär begrüßte diese Ab*' sicht und kündigte hie vorbereitenden Maßnahmen an. der indischen Ehre und Sicherheit, sür Robert Strickee, Anitta Müller und Genossen! Für jeden jüdischen Wähler besteht moralische Wahlpflicht; ■; '* '* ■ ' ' :; 'r * •. ' für die Lifte Robert Stricker, Anitta Müller uüd Ge^ nossrn sind im Hauptagitationslokal,, 2. Bezirk, Tabor* ftraße 20 a, in den im.Innern des Blattes verzcichueten. Agitationslokalen und bei unseren Agitatoren erhältlich. Für VolksFreiheit und soziale Gerechtigkeit! Je weiter die Wahlkampagne für den österreichischen "Nationalrat fortschreitet, je mehr wir uns dem Wahltage nähern, umso notwendiger wirb es. daß das jüdische Volk in- Oesterreich sich darüber klar wird, worüber am Wahltag entschieden wird. Sein größter Feind ist nicht so sehr der Antisemitismus als das Unverständnis breiter Schichten über ,die Lebensbedingnngen der österreichischen Juden, über die Aufgaben des modernen Staates und schließl'ch über die richtigen Mittel, die. zur Verwirklichung einer mod rn?n jüdischen, österreichischen und sozialfreiheitlichen Volks- Politik führen. Der Antisemitismus ist ein rein negatives Programm, das naturgemäß von anderen Voraussetzungen ausgehen und zu anderen Schlüssen gelangen muß, je. nachdem.es sich um nationale, konfessionelle oder ökonomische Gründe handelt-. Der Nassenant'semitismus, so unberechtigt und kulturfeindlich er auch sein mag, er allein ist als naturgemäße Konsequenz eines chauvinistischen Radikalnationalismus, wie ihn ein ansehnlicher Teil der sogenannten Großdeutschen repräsentiert, von ihrem Standpunkt aus logisch. Wenn man aber als Zweck des modernen Staates nicht die Verwirklichung der Freiheit und materiellen Wohlfahrt der Gesamtheit seiner Bürger erstrebt, sondern Üen Gegensatz dazu, brn nationalen, beziehungsweise den konfessionellen oder Klassenstaat. und zu diesem Zwecke einer nationalen, tonfessionellen oder ökonom'schen Herrschaftspolitik huldigt, dann ist man ein Reaktionär, mag man welcher Partei auch immer angehören. Es beweist.aber die ganze Kurzsichtigkeit eines' Teiles der Juden und auch der Angehörigen anderer Völker» nicht zu erfassen, daß die Reaktion unter verschiedenen Masken auftritt.und daß keine Reaktion, keine Tyrannei und kein Antisemitismus so schlimm ist wie. der, welcher unter, der Maske der Freiheit und des Fortschrittes einherschreitet. Jr.-r Vergewaltigung von Individuen, von Völkern, Rassen und. Klassen, unter welcher Firma sie auch immer auftreten mag, ist reaktionär und genau so ein Mißbrauch des nationalen und sozialen Gedankens sowie einer reinen unberfälschten Demokratie, wie. vielfach der B>rgriff des ^christlichen Sozialismus mißbraucht wird. Wenn man die Verbrüderung aller Völker in Christo predigt, wenn man weiters als logische Konsequenz des sozialen Gedankens den Kampf'gegen Ausbeutung und Korruption ohne Rücks'cht auf Abstammung und Glauben ihrer Repräsentanten proklamiert, dann mutz ein solcher logisch zu Ende gedachter christlicher Sozialismus zu« eut'chiedensten Ablehnung des Rass'nant'.semüismus gewie ec be'nr englischen Kardinal Manning, bei otxi Führern des katholischen Zentrums in Deutschland WaffenstiWaKv zwischen Pole« und Nutzland. ' Warschau, 12. Oktober. (W: P^G) AuS Riga wird berichtet, daß gestern die Unterzeichnung des Waisen, ftillftanhes erfolgt ist. Gleichzeitig ist über alle strittig<n - Fragen eine Verständigung erzielt worden. 3Ns Demar. kistionSltine lvurde mit weichungeit ^int Notveu Ae WgelErtrg^Äktlinie ancrkännl! Der Waffenstillstand wurde vorläufig aus 21 Tage mit 48ffun. digcr Kündigungssrist beschlossen. Insofern keine Kün, digung erfolgt, tritt eine automatische Verlängerung des Wasfenftillstandes bis zur Ratifizierung des Friedens ein und es gilt für diese Zeit eine zchutagige Kün. digungSftist. Die Einstellung der Feindseligkeiten erfolgt 144 Stunden nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes. Polen und Rußland erkennen die Unabhängig, feit der weißrnthenischen und der ukrainischen Republik, an. Die Ostgrenze Polens wird im Einvernehmen zwischen Polen und der weißrussischen und der ukraini. scheu Republik festgesetzt werden. Rußland und die Ukraine verzichten ans alle Rechtsansprüche aus die westsich dieser Linie gelegenen Gebiete, Polen anf alle A«- sprüche auf die östlich gelegenen Territorien. und beim protestantischen Pastor Naumann zum Ausdruck kam. Daß naturgemäß unter solchen Umständen der nationale «rtb christliche Antisemitismus, bereit Hauptvertreter sich gegenseitig Verjudungvorwerfen — die D-eutschösterreichische Volkspartei des Herrn Orel hält ja beide für verjudet und nach der Meinung des Herrn Dr. Riehl, des Führers der Deutschnationalen Sozisl'.sten., sind alle zusammen Judenknechte — sich über kein positives, realisierbares Programm in der Jud-enfrage einigen können, sondern nur von den steten Fehlern der jüdischen Assimilantcn leben (so wie diese wieder nnr von der steten Furcht der Juden vor dem Antisemitismus existieren),,ist allen vernünftigen und ehrlichenMenschen / in Oesterreich längst klar. Aber nicht ohne Grund sinkt ja der-Parlamentarismus und der Glaube an seine Zukunft in Oesterreich von Tag zu Tag, weil die Meinung immer mehr und mehr an Boden gewinnt, daß im Wechsel und Wandel der Regierungen und ritäten in Oesterreich bei der überwiegenden Mehrzahl der Politiker es nur ein dauerndes Programm gibt, d-as Prinz'p der Prinzipienlosigkeit. Lllle Gegensätze zwischen^ National'smus und Internationalismus, zwischen Freidenkertum und Klerikalismus, zwischen Kapitalismus und Sozialismus, hält die Parteien nicht ab, unbeschadet aller dieser prinzipiellen Gegensätze im ausschließlichen Interesse einer Machtpolitik sich zu koalieren. Ist esda ein Wunder, wenn immer weitere Volksschichten zur Meinung gelangen, daß unter solchen Umständen das bisherige Parteiwesen und der durch dasselbe verkörperte Parlamcntarismus zum alten Trödel gehör-cn, oder aber, da sie die tieferen Gründe nicht ersassru, zu dem Schlüsse gelangen, betäubt durch antisemitische Schlagmorte: „Die Juden schüren den Nationalitat^n-- hader, die Juden schüren den Kulturkampf, die Juden schiireu den Klafsenkampf zu dein Zwecke, um die ^verhetzte Bevölkerung zu Lcherrscheu und auszubeuieu!" Horthys mrLLtLvrfche Vorbereiturigen. . Preßburg, 12. Oktober., (Privat.) ' „Bratistavskh Denuik" behauptet, daß Hort Hy seine Divisionen an : dem südlichen Dönau-User konzentriere. WxitcrS .meldet dieses Tagblatt, daß größere. mqgyarische Truppen* abteilnngen auch bei Baureve, östlich von Riiyä-Szchp». bath, bemerkt wupdrn. , < i. i Die englisches BerKardeiter Itfymn‘■ah.i " LoÄds», 12.; Oktober. (Reuter.) -Die. Abstilünmng der? Bergarbeiter hat; überall eine starke Mehrheit gegen! die Annahme des Angebotes der Bergwerkbesitzer ergeben^' Man glaubt,, daß eS 'nicht zum Ausstanb. kommen werbe/^ sondern daß nach neuerlichen - Verhandlungen einp; neue- Ab--- stiinmung der Bergarbeiter über die Frage, ,den.StMtfalf-i einem Schiedsgericht zn unterbreiten, stattfinden werbe. Schwierige Lage in Mesopotamien. Paris, 12. Oktober. Wie die Agenee Havas auö Konstantinopel vom 9. d. M. berichtet, sollen aus Mesopotamien schlechte Rachrichten vorliegen. Bolschewiken bedrohen das Land im Norden, während die türkischen Nationalisten es an seinen anderen Grenzen angreise«. Gerade das Gegenteil aber ist wahr: Die moderne» Nationaljuden als d'e erbittertsten Feinde der nationalen und religiösen Verhetzung erblicken als die oberste Voraussetzung der politischen Konsilidierung und wirtschaftlichen Regenerierung Oesterreichs den inneren -Friede» genau so, wie sie Frieden und den wirtschaftlichen Zwsammenschluß mit den Nachbarstaaten als den oberste»' Pro grammpunkt einer wirtschaftlichen Realpolitikim Interesse sämtlicher schaffenden Volksschichten erblicken.' Zu den vielen, durch die politische und wirtschafte liche Entwicklung überholten Schlagworten, durch welche unser öffentliches Leben verseucht und' heillöse Könfusiön angerichtet wird, gehören auch die so dehnbaren Begriffes mit welchen die Vertreter verschiedener Mittelstands- und Arbeiterfraktronen gegeneinander operieren. Irr' sozialwirtschaftlicher Hinsicht kann im allgemeinen und mit besonderer Berücksichtigung der sozialen Struktur des jüdischen Volkes es nur eine einzige Scheidung,^ geben: Hüben die Anhänger der von ihrer physischen und geistigen Arbeit Lebenden, drüben die Nutznießer' der Kapitals-- und Grundrente. Hüben die Vertreter der Individuellen Freiheit und sozialen Gerechtigkeit für; ülke, drüben. die Repräsentantender Sonderinterrsseni' Privilegierler irgendwelcher Art. Wer die Nationen,- die Konfess-'onen oder Berufsstände verhetzt und auf diese Weise der Reaktion, der kapitalistisch.'n Ausbeutung und. dem Antisemitismus in srinen verschwdLnen Verkleidungen Vorschub leistet, ist in gleichem Maß ein Schädigerdes jüdischen Volkes, der echten Demokratie und des-, wahren Sozialismus. Das jüdische Volk in Oesterreich ist «S aber müde, als der Sündenbock für alle Fehler der äußeren und inneren Politik verantwortlich gemacht und als Spielball der einander bekampfend'en Parteien. öehandelt zu werden. Weil es keiner der bisherig«i' parlamentnri'chen Parteien sein Schicksal auvertraueu faitu, weil es. parlamentarische Vertreter braucht, ditz P 6481