Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 607 (2.10.1920)
- Date
- 1920-10-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Lette 4 Men, Samstag belegt haben ofccc flcg als Pfleglinge daselbst in einxr Anstalt aufhalten oder sich in amtlichem Auftrag am Wahltage in Wien befinden/ können bei jener Ortsivahlbehörde in deren Wählerverzeichnis sie mit Micksicht auf ihren vorherigen Wohnsitz eingetragen erscheinen, den Anspruch auf Ausfertigung der Wahlkarte stellen. Voraussetzung bildet im Falle der Wvhnsitzverlegung die Bestätigung des' Bürgermeisters des neuen Wohnsitzes über die erholgte Verlegung des Wohnsitzes, die durch den polizeilichen Mldezettel und die zweite Ausfertigung dieser Bestätigung durch ein amtlich beglaubigtes. Duplikat des Meldezettels vor» Wähler auszufüllen, mit dem Vermerk, Duplikat zum Zwecke der Ausfertigung einer Wahlkarte zu versehen und mit dem Mnädezettel bei deren Entgegemrahme der Woh- NungL Meldung berufenen Stelle, in Wien beim zuständigen -Bezirkspolizeikommissariat zu überreichen. Dort wird das Duplikat durch Beisetzung des Amtssiegels beglaubigt. Im Falle des Aufenthalts in einer Heil- und Pflegeanstalt genügt die Bestätigung der Leitung dieser Anstalten. Handelt es sich um einen Aufenthalt infolge eines amtlichen Auftrages, so wird eine' Bestätigung der betreffenden Dienststelle, vorzuweisen fein: Ansuchen um Ausstellung einer Wahlkarte können mündlich und schriftlich auch durch Beauftragte geltend gemacht werden. Potttische^Rundschau. Die Fsrdermngsn vor sftgattzischLn Inden. London, 29. September. Reuter verbreitet folgende Meldung des Iewish Correspondance Vuceuu: Der Präsident des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien, Dr. Leon Reich, ist dieser Tage in London singetroffen. Der Zweck seiner Mssron in London ist, die Rechte der oftgalizischen Juden anläßlich der eventuellen bevorstehenden Entscheidung über die politische Zukunft Ostgaliziens zu wahren. Seinen Informationen zufolge beläuft sich die Zahl der Juden in Ostgalizien aus 670.600. was einem Verhältnis von -11 Prozent der Gesamtbevölkerung gleichkommt. Die oftgalizischen Juden, hauptsächlich in den Stadien wohnend, sind vornehmlich im Handel, in der Industrie und in freien Berufen beschäftigt. In Je m b e r g, als der Hauptstadt Ostgaliziens, macht die jüdische Bevölkerung 40 Prozent aus. Die Lage der oftgalizischen Juden ist eine eigenartige, da sie, zwischen Ukrainern und Polen eingepfercht. tafi das ganze Zünglein an der Wage bilden! Die Inden wären wohl imstande, zugunsten der einen oder der anderen Partei zu entscheiden, sie würden sich/aber dadurch, wie sie es übrigens disher am eigenen Leibe, erfahren hab'w. den größten Gefahren und Verfolgungen seitens der sich in, ihren Rechten gekürzt fühlenden Partei oussetzen. Es handelt sich somit in. diesem- Falle nicht mehr um .die Wahrung der einfachen Bürgerrechte, es sei vielmehr ein Lebensmteresse fiir die Juden Ostgäliziens, sie als eine besondere Rationalität anzuerkennen, damit sie aus dieser schwierigen Situation gerettet werden können, umsomehr als sich 98 Prozent der oftgalizischen Juden tatsächlich zur jüdischen Nationalität bekennen. - Ter Friedensvertrag von Versailles hat wohl den Schutz der Minoritätenrechte gewährleistet, dessenungeachtet hat Polen, obgleich seine Regierung den Vertrag ratisizierte, bisher von der Publikation der auf dm Mmoritätenschutz beznghabenden Paragraphen in der Slaatszeitun g Abstand genommen. wodurch der Vertrag noch immer keine Rechtskraft erlangen konnte. Uebcrdies hat der Versailler Friedens- Vertrag die besondere Lage der oftgalizischen Juden noch wicht berücksichtigt. Die Hauptforderungen der oftgalizischen Juden sind: 1. Das Recht auf Selbstbestimmung in üllen interterritorialen jüdischen Angelegenheiten durch einen von diesen Juden gewählten ^rationalen Vertretungskörper. 2. Nicht allein die Errichtung von jüdischen Volksschulen, sondern von eigenen Mittelschulen auf Kosten des Staates. 3. Die Schaffung eines jüdischen Departements bei der Zentralregierung, beziehungsweise Landesverwaltung, welches sich mit allen jüdischen Angelegenheiten im Lande befassen soll. Die jugoslawischen Truppenarrsammlnusen an der österreichische« Grenze, Nach' Meldungen, die der osterreichisch'en -Regierung zugekommen sind, finden auf jugoslawischem Territorium nächst der österreichischsn Grenze Truppen- Ansammlungen statt, die in der Bevölkerung der Abstimmungsgebiete ümso größere Besorgnis erwecken, als zu gleicher Zeit jugoslawische Zeitungen in einem Sinne schreiben, der eine Besetzung des Abstimmungsgebietes rmmittelbsr vor oder nach der Abstimmung befürchten Wt. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, hat das Staatsamt für Aeußeres den österreichischen Geschäftsträger in Belgrad beauftragt, die Aufmerksamkeit der jugoslawischen Regierung in freundschaftlicher Form aus diese Tatsachen zu lenken, anzufragen, welchem Zwecke diese Trnppenansammlungen dienen, und HvMtzielt deren Zurückziehung zu verla-wen. . pWWSjMWKWWWWUj Wiener Mvrgerizeitmrs MitteilnuM Ms dem Publikum. emptehlen sich als Verlobte Wien, im September 1920 aus Ich gratuliere meinem Bruder S&cnson Nagler zu seiner Verlobung mit Fräulein Blanke Einhorn aus Czernowits und» wünsche ihnen herzlichen Maseltow. Selo Nagler RIUANTSN, Peilen, Gold, Silber. FSatin TLÜhren kauft nnd verkauft 778 ETTER Botentmrmstr. 33, SSarlahilferstr. 88 Ausländer! Offeriere überaus preiswert hochfeine »AMEN-LUXUS-WASCHE kür 10,000.000 Kronen von erstrangigen Unternehmen, band* gestickt, auch in Seide. Sofort greifbar. Expreesonfragen an B&ldstein. Baden bei Wien, Vöalauerstrasse 8. 0 t-ü!\ Telegramme. Weizmmm geht «ach Amerika. Lovdorr, 1. Oktober. (Iewish Corr.Bur.) Der Präsident der Zionistischen Weltvrsanisation Professor Werzmaurr hat seine Absicht, nach Palästina zu reisen, vorlarrsig anfgegeken und begibt sich demnächst in zionistischen Angercaonheiten räch %ntexi%a. Reorganisation der jüdischen Legionen in PalMna. Jerusalem, §7. September. (Jrwish Corr. Bur.) Das militärische Hauptquartier ber palüstinenjischrn Regierung hat dom englischen Kri.'g-5minist>rrium die telegraphische .Weisungerhalten, -di: jüdische Legion in Palästina zu revrganisisven. Die Bersügwrg hat - im Lande großen Eindrück.gemacht. Nathan Straus — Ssnator. 30.' September. (Iewisb Corr. Bur.) Nathan SkrauZ junior, der einzige Sohn d-S bekannten Bhilanlhr sperr Nathan Straus, hat die ihm von der DemorratrupartLi angebotene Senatorenwürde in den Senat der Vereinigten Staaten fl «- ge no m men. Kiew don den Afrnmer» besetzt? . Paris, 2. Oktober. /Tel.-Komp.) Einer Meldung aus ukrainischer Quelle zufolge, hat die Armee Pehljuras vor einigen Tagen die bvlschew ritsche Front durchbrochen., Kiew wurde von den ukrainischen 'Truppen besetzt. Der-rsLsfische Frontbericht. MoMtt, 1. Oktober. kFunkchruch.) Frontbericht vom 30. September: Bei Slonim hartnäckige Kämpfe. Im Gebiete von Pinss für rsnS günstige Kämpfe um die Stadt. Bei Nowgorod-Wolhusk besetzten wir G orvduiz a. Südöstlich ' von Pr'oskuro w andauernde Kämpfe. In der. Krim hartnäckige Kampfe. Das bevorst'cherrde e««;Ufch-rrrssischr Handels- " irtzkommen/ Paris, .1. Oktober. (Wolfs.) Wie die Paris« Blätter berichten, verösseütlicht die „Daily^Mail" Einzelheiten über ' d-c.s bevorsteh ende englisch-russische H a nd k 10 a u l o in nt c n. Das Abtonuneu sei noch nicht unter« zeichnet worden,^ aber man erkläre, daß in einigen Wochen die Unterhandlungen über einen endgültigen F r ied e n s s ch l u ß mit Rußland beginnen können. Unter den Bedingungen wird unter anderen die genamn, daß die Soivjetrogierung sich verpflichte, jede Propaganda gegen Großbritannien zu unterlassen. Sie werde auch gewisse, von der zaristischen Regierung kontrahierte Schulden anerkennen. Man glaubt, daß es sich um Schulden handle, die sich auf Warenlieferungen und auf geleistete Dienste beziehen. Der Vertragsentwurf liege nunmehr dem Kabinett in London vor. Nach der „Daily Mail" werde Rußland ähnliche Abkommen auch, mit Japan und Italien treffen. Ei» uernc KsmMurrrftenprszetz in Budapp Budapest, 1;. Oktober. (Ung. Tel.-.Korr.-Bur.) Vor dem Budapester Strafgerichtshof begann, hents die Ber- . Handlung gegen den Crsendreher Franz Janezik, der während der Proletarierdiktatirr als Kommandant der Roten Wache fungierte, sowie gegen seinen Stellvertreter, den Privatbeainten Julius Szikra. Janczik ist unter anderem der versuchten Tötmrg angeklagt, weil er nach dem Sturz der Bolschewibenherrschast! gegen die ihn verchastonden Detektivs aus einem Revolver mehrere Schlisse abgab. Janczik war eine Zeitlang auch Vorsitzender des NevvlutionstrihnnalS in Budapest und war seinerzeit gemeinsam mit den- BolkSkommissären Szamuelh und Bantos damit be- . Müf fcsSÄW.MR wckW 2. Oitob« 1929 iStutOTi — .—' w—I iwn —iw Zuschlägen. Die Verhandlung dürfte länge« Zeit fr* Lmfpruch! nehmen, ba 99 Zeugen vorgeladen sind. Die Brnffeler Finanzkonferen-. Berlin, 1. Oktober. (Del. der „Wiener Morgenzkg.^ Aus Brüssel wird gemeldet: Bei der gestrigen Tagung bezeichnete der belgische Mnister WonterS als wichtigste Voraussetzung der Wieberaufrichtung des internationalen Handels die Freiheit in der Wirtschaft. Der englische Delegierte Bell betonte die Nvtwsndigkeit' des freien Handels. Der italienische Delegiert« H artiere forderte, der Bölkerbmrd möge jede Art.von Monopolen, soweit sie Rohstoffe der Lebensmittel Letrefsen, verbieten. i Politische Verhaftmtge» in dev SLowaLei. Pvetzburg, 1. Oktober. (Priv.-Del.) Vorgestern wurde hier der Horthy-Agent Balgo verhaftet, der der Pvopogandakanzlei des Militärkommandos Eszterges angehört. Er besuchte schon dreimal die Slowakei Zwecks irredentistischcr Propagarrda und wurde schon im März verhaftet. Damals gelang es ihm aber, zu flüchten. Gestern wurde der Pächter der Bäder in Pöstyeu, Ludwig Winter, verhaftet, und zwar wegen Ztgitatia« gegen die tschecho-sbvwakische Armee. Die Wahle« in KarpaLho-Nutzlaud. Prag, 1. Oktober. (Priv.-Del.) Wie „Tribuns"- meldet, sollen die Wahlen in Karpatho-Rußland im Dezember stattfinden. Vorher erfolgt der Umtausch döß Geldes. Tagesbericht. Jakob H. Schiff. Ueber die Persönlichkeit des verstorbenen jüdische». Milan thronen schreibt man uns: Der vor einigen Tagen gestorbene Jakob H. .S ch i f s war ein deutscher Jude von' Geburt und war in jungen Jahren nach Amerika ein-, gewandert. Er war nicht nur einer der bedeutendsten'. Financiers der Vereinigten Staaten -- das Ban^aM Kuhn, Lqeb u. Eo. rangierte in feiner Bedeutung vor dem Kriege hinter der Firma Morgan — sondern da-, neben eine Persönlichbrit, die auch auf anderen Ge-, bieten nicht ohne Bedeutung war. Während des Krieges., legte sich die Firma Schiff in finanzieller Hinsicht) große's'Zurstckhaltung auf, da es Schiff ablehnte, die- W-eltkridgKrüstüngen zu finanziererr. Hingegen ist *5; fein Merk, daß im Jahrs 1915 das Projekt einer, russischen Anleihe ' in New-Dork scheiterte. Bevor, Amerika, in den Krieg eintrat, machte Schiff, der fichtz politisch nicht unbeträchtlich betätigte, für einen baLigen^ Frieden ohrre Sieger sind Bssiegie 'Propaganda. PvlMer war Schiff NepublikaNer, der bei verschieß denen Wahlkämpfen aktiven ZLnteil nahm. Seine Freunds schaff mit R>x>sevelt hinderte ihn nicht, später für. Wilson eiuzntreten, von dessen Wahl er eine Föicke-, rung des ^FricdenswerM erhoffte. Nach Beendiguntz. des Krieges war seine Firma eine der ersten^ welche, die finanziellen Bsziehungen zu DUentschkcml^ wieder aufnahm, ' \ Auf dem Gebiete der Philarrthropie hat sich Schiff die größten Verdienste, erworben und er zeigte bei seinen^ großen Vermögen einen starken sozialen Sinn. Inf der Frage der Hilfeleistung für die jüdischen Einwan» derer hat er sich sehr segensreich betätigt, und zwavhat er die Einwanderung nicht bloß mit reichen Mittels «rrterstützt, sondern auch der politischen Seite der An-, gelegercheit sein -Arrgemnerk zugewendst. Seinen großer^ Einfluß verwendete er, um gegen die Verfolgung bet. Juden in Rußland und Rumänien aufzutreten. Eine», starke politische Bedeutung erwarb er, indem er den, Krieg der Japaner gegen Rußland finanzierte und ein Dürchhalten des Kapitals sch wachen Japan wäre damals ohne die tatkräftige finanzielle Hilfeleistung von Schiff kaum möglich gewesen. Die zaristische«! Unterhändler, beiten diese Tätigkeit Schiffs sehr unbequem .wurde, holten' sich bei ihm eine kräftige Abfuhr, dies zu einer. Zeit, als her Wiener jüdische Finanzmagnat Taussig den russischen Pogromisten eine Anleihe in Paris vermittelte.? Auch eine ganze Anzahl von kuttnoellen Jnftitu^ ftonen verdankt Schiff ihre Entstehung. So errichtetÄ er eine Universität im Staate Rew-Nork und subventwnierbe reichlich vevschiedene jüdische Lehranstalten, namentlich dankt ihm das amerikanische Institut zur; i Ausbildung von Rabbinern vieles. Mch die neugegründete Universität feiner Heimatstadt Frankfurt a. Main, die dortige Stadtbibliothek und das jüdische Waisenhaus hat Schiff reich bedacht. In ihm verliert daK einen seiner letzten Philanthropen großen während des Krieges Großes geleistet hat, um die jüdische Massennot lindern zu helfen. Schiff stand in'früherer Zeit dem 'Gedanken des. nationalen Judentums ablehnend gegenüber und hat auch in dem Kampfe zwischen dem Zionismus in Palästina und dem assimilatorischen Hilfsverein der deutschen Juden für den letzteren Partei ergriffen und' dessen geplantes Schulwerk, das den Bedürfnissen des erwachenden Judentums keine Rechnung trug, mit Unterstützung bedacht. In letzter Zeit hat sich in Schiffs Stellungnahme dem Zioms.mus gegenüber eine deutliche Wandlung vollzogen und er interessierte sich sehr für die bevorstehenden Arbeiten in Palästina, Jedenfalls -bedeutet Jakob H'. Schiss? Tod einen V?r!usk M .dM M M Mt.