Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 606 (1.10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 606 Wien, Freitag Sttfieiteit nur IOO.OO9 Pfund erhalten hat. Um das Kkisenbahnneh im ganzen Lande in Ordnung zu bringen, wären 8 Millionen Pfund erforderlich. ^>iese Summe soll von der Anleihe hergegeben werden, die der Ober- Hommissär aufzubringen erhofft. Auch die Verbreiterung des Geleises zwischen Ludd und Jaffa hat bereits begonnen, obwohl noch nicht festgesetzt ist, wo sich die Bahnstation der Stadt Jaffa befinden wird. Falls sie nickt hinter Del-Awiw, sondern im Zentrum Jaffas sein wird, wird man zahlreiche Häuser niederreißen NNssen. Colonel Holms, der zum Militärperwalter der Bahnen in Aegypten, Syrien und Palästina designiert war, wird nach Ratifizierung des FriedensverirageH mit der Türkei seinen militärischen Posten verlassen und die Oberleitung des palästinensischen Eisenbahnwesens übernehmen. Generalversammlung dev LänderbanK. Unter Vorsitz dcS Gouverneur Max M 0 n t e e u c c 0 I i fand gestern die XXXIX. ordentliche Generalversammlung der Länderbank statt. Nach Verlesung des Geschäftsberichtestellte Aktionär H 0 f s m a » « die Anfrage, wie wert die P a r i s e r Brr Handlungen gediehen sind. Generaldirektor Roller erwiderte, daß die Verhandlungen a u ß t rotbunt* l i ch weit vorgeschritten seien, er sich aber « Details nicht einlaffe» kann, welche für den weiteren Gang der Verhandlungen vielleicht schädlich sein könnten. Nach einer bei der Bank eingelaugten Depesche ist die Ansbebnng deSPariserSequesters in kürzester tzeit z« gewärtige«. Die Anträge des Berwaltnngsrates wurden einstimmig genehmigt. Vom Reingewinn pro 1919 X 18.204.270 werden X 4,000.000 dem Pensionsfonds der Beamten «nd Diener -«geführt «nd der Rest von X 1,719.261 ans neue Rechnung vorgetragen. Die D i v i d e n d e beträgt X 24, daS ist 6%, und die Superdividende K 4. Ansschub für Handel «nd Gewerbe, Industrie und Bauten. An brr gestrigen Sitzung deS Anschusses für Handel und Gewerbe wurde die V 0 r l am e, betreffend einige AbänderungendeSGesetzeSüberdieEinigungSämter für Streitigkeiten ans bestimmten LiefernngSverträgen, angenommen «nd die Gültigkeitsdauer des Gesetzes bis 90. Juni 1921 erstreckt. Zum Berichterstatter wurde Abgeordneter Brand! bestellt. Wetters wurde daS handelspolitische E rmächtignngSgesdtz angenommen und hiebei ein Passus in dasselbe eingeschgltrt, wodurch die Regierung auch zur Abschließung von Uebereinkommen in betreff der vorkriegSschulden ermächtigt wird. Ein Rsiolutionsantrag deS Abgeordneten P a r 1 i k wegen Erreichung von Erleichterungen für die österreichischen Schuldner wurde gleichfalls zum Beschluß erhoben. Zum Berichterstatter für diese Vorlage wurde Abgeordneter Doktor G i m p l gewählt. AKtiengeleVschaft Mr Zuckerln drrstrie. In der g-stern «nter dem Vorsitz deS Präsidenten deS BrrwaUungSratiS Herrn Flitz Redlich abgehaltmm neunten ordentliches« Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Zucker Industrie wurde der Rechnungsabschluß für das Geschäftsjahr 1918/19 genehmigt und der Beschluß gefaßt, eine Dividende von Xö 86 ver Ältte zur Verteilung zu bringen. — De« Prokurist Herr Theodor Berger Mrde vom vcrwaltungsrare zum kommerziellen Direktor der Gesellschaft ernannt. . Behandlung der falfchgestempelten Rote» in der Usckecko-Slowakei. Wie aus Prag gemeldet iwrd, gibt die Filiale des Bmkanues bekannt, daß fene Banknoten, die feinerzeit wegen gefälschter Stempel vom Bankamte beschlagnahmt wurden, den Parteien argen Borkaaeder Bestätigung über die Beschlagnahme mit geürichqnem Stemvel zurückaestellt werden.' .Eigentümer -biffer Banknoten erhalten sonach gültiges ungcstemvelies Geld, das >n tsche'cho-isloni^kischen Banknoten ilmgkstnMelt werden tüiin. Das Prager Bankamt hat noch kenie d'Mkzsialiche Bekanntmachung ausgegebm, hat aber über Anfrage di« Nichtigkeit der Meldung bestätigt. - Die neuen Zuckerpreise ln derUschechy--Vlawalhei, Wie aus Präg berichtet wird, wurden nach vielfach gkänderten Vorschlägen d>e lür das Gebiet der Tlchecho-Slawakei geltenden Zuckerpreise wie folgt festgesetztr Für Nahmcker Erstprodnlt Xö 408. mr Ralsinade-Konsumzucker XL 704.50 4- X 20 PlM'ctmlmniatzsteuer. Dies« nur im Inland geltenden Preise wurden vom Finanzministerium bereits genehmigt. Die ungarische Gisenknprrftrie. Ans Budapest wird uns berichtet: In der ordentlichen Generalversamnisung der Rimamirrany - Salgö-Tarjüner Eisenwerk s-A.-Gwurden die vereinigten Schlußrechnungen der Geschäftsjahre 1918/19 und 1919/20 sowie die Vorschläge der Direktion hinsichtlich der Gewinnverteilung genehmigt. Bon dem Reingewinn von X 8.941811*69 werden vro 1918/19 als 5°/oifle Dividende X 10 und vro 1919/20 als 7°/oige D i v i d e n d e X 14 per Aktie ab 1. November zur Auszahlung gelangen. ValnteirKnrse. Im gestrigen freien velkehr waren besonders Dollarnoten Gegenstand lebhafter Nachfrage» sie wurden bis X 320 umgesttzt. Mark notierten X 517, L e i X 610, Lire X 1380, Rubel X .827, Schweizer F r a n e S> X 5175, französische Francs X 8110, Pfund Sterling X 1140, D i ri a r X 1035, Agram X 262, tschechischeKronenX 420, ungestempelte N 0 t e n X 100, ungarische NotenX 102, pslNische M a r k X 115. _ 1. Oktober 1920 Seile 7 r— 2.—).Ht>sherr L Sckrantz 970.50 (4-19-50), Sigl Lolomoti, 1585.— (4L.—), Rustou 2890.— (— 45.—). Simmeringyt 1375.- f- 4.-). Etbemühl 8050.- f-i- 100.-), Leykäm-JoM tftölct 4150,4- (-4 50.—), Neusiedler 12.700.— (4 720.—), Apoll, 7510— (-4 Fanto —— —.—), Karvütbev 19.020,- (4- 22,-). Galizia tzS.7254- (4- 725.-). Cchodmca 15 8J0.— ), Eosmanos 4000.—(4- 400.—), Fezfabnken 6440.— <—10.—), Schoeller Zucker«7750.— (— — M, Schön« vriesener ZWO.— (- 70.-^), .DeffW Eisen bähnvevk. 9050.- (^a 100 — v llng. EifenbahnMl. 1515.— (4- 25.—V Wienei Waggonteihgcsellschaft 1325.— i— —.—). Gerngroß 886.-7 (4- 10.—), Holzhandclsgesellfchaft 8585;— (4-180.—), Türkeulose 2600- (+ 35.-). t j TransportsIlntsrnehmUflyen, Adria 13.5°0.—H-.90O.—)j Aussig-Trplitzcr 4950.— (— 100.—), Buschtehrader üt. A 4200.— {— 50—'. Buschtehrader lit. 6 —(— —Donyn- Dampf.10 6!0.— (— 1 SO —), . FerdinyndZ-Nordbahn 14.700.— (4- 200.—), Graz-Kösiacher 8875,— (——.—), Kaschqu-Ödev» berger 1850.— >— 150.—), Lemberg - Cztrnowitzer '2199.—,!-s- 19.—), Lloyd —>— —^ Nayiaäzionr' 10.09&-4 [-Staatsbahn 4420.- (-f 17Y.-), Lombarden 15884^ (4 28.—), 3°/» Tüdbabn-Brigr. 1355.— (—24.—))Staätshcihri- Genußscheme 2700.-(4-85.-). - " > Renten. Mairmte 9810 {— Februarrenle 99.25 Oefterr. Kronenrente 98.— (-Oesterr« Gold» ' rente —.— (— Ungar. Goldrente —(— Ungar. Kronenrente —(— -4-—). ' i Parrken» Analo-Panl M.—- (4- . 5.—), Oestnr.-bosw Bank —(— —.—), Britisch - ürsgar. Bank i09Ö.— — —Bankverein 792/— (— —Bodenkrebit 1865.— (— 2.50), Oesterr.' Kredit 93?.— (— 3.—), Ung. Kredit 1665.— (— 22.—), Depositenbank 780.-7- (— Niederöst. Eskompteges. 1195.— l— 3.—),' llng. Hypot hekenbank 589.— Länderbank 1180.— (— 25.50^ Bosn. Landesbank 651.— (— 14.—), Mercur 869.— (— 1.—); Oesterr.-ungar.' Bank 5450.— (— 100.—, ilnionbank 812— f— 8.-), vrrkchrsbank 636.— (— 4.—). ZivvostenZka 1778.— (-\ Wiener Börse. An der gestrigen Börse wandte sich das Jntereffe vornehmlich oen Staatsbahn-Aktien »n. die mit Rücksicht auf di» günstige Bilanz und auf Grund von Nachrichten über wichtige Bestellungen bei den Elfenwerken Resckitza stark beciebrt waren und mit X 170 höher schloffen- StaatsbalimGmußscheine erzielten eine Avance van X 85. Holzhandels-Alcren gingen um X 180 in die Höhe. Von Schrankenpapieren waren besonders Petroleumwcrte getragt. Schodnica schlossen um X 280 höher. Apollo X 520, Galicia X 725. Schiffahrts-Akrien lagen uneinheitlich; während Damvsschiff X 13) einblißten. gingen Adria um X 300 höher aus dem Markt. Praai'r Ei'en prosirierten ebenfalls X 800. Zuletzt trat wieder Geschäftsstille ein. Der Elnstußder Finanzkonferenz in Brüsiel auf -je Börse ist unwesentlich. Wir verweisen auf nachstehende Schlußkmse: - A«Nusteie-UnternehM«ngen. Allgemeine Bmmesellschast 660 — (4. 5.—), Umonbtut 730.— (-.—), Wiener Bangesellschaft —(-KLmgshofer Zement 8580 — i— 20.—), Perlmovser Zement 2800.— (— Wienerberger Ziegel —(-.—), Liesinger Brauerei 1390.— (— 40.—), Sarajevo S10Y.— (4- 800.—), Aussig Chem. 8600.— >4- 270.—), Brosche Spiritus —(— —), Carborundum s-.—). Elnthilde 2870.— (— 30.—). A. E. G. Union Elektr. 1660.— (— 60.—), vereinigte Elektrische 1350.— (f 30.—), Siemens Schuckerl 1720 — (— 6.—). Astum 4075.— (4- 70.— Berg- und Hüttenwerke 10.600,—(—100.-^-), Austria Email 4400.— l4- 50.—), Egydier 2415.— - —.—), Enzesielder 2027.— (— 8.-). Felten & Guilleaume 4725.- (+ 75.-), Greinitz Eisen 2150.— (-.—), Hutter & Schmutz 1545,—(— 67,—), Kruvv A.-G. 1661.- (- 39.-), Poldihütte 2800.—(+ 132.-), Prager Eisen 8800.— 4* 800.—), Nimamnranp 3295.— (— 5.—), Skodawerke 2480— 24.—), Waffenfahtrf 3720.— (— —.—\ Brürer Kohlen 6900,— (4- 50.—), Gran- Szaszvarcr 3075.— (— 23—), Nordnng. Kohlen 2500.— '-.—), Oberung. Hütten 3750.— (— —Rossttzer 3250.— -4 60—), Salgo - Tarjaner 6600.— (— 6.—), Tnfailer Kohlen 3780.— (4-150.-), Ung. Allg. Kohlen 7600 - (- 185.-), Urikany 5000.— (4- 30.—), Bei sicher Magnesit — (— Westböhm. 3800.-(- 175.-), Osltsegg 1783.- (4- 83.—), Danek Maschinen 2480.— (— 20,—), Ärünner Maschinen 2390.— <■— 10.—), Daimler Motoren 1269,75 (4- 31.75), Finttverke 1375 — ^— 20.-). Seid Maschinen, 688.- Budapester BSrse. Vndapest, 30. September. .Während des heutigen .Verkehrs überwog die Neigung zu Realisationen. Per Spekulation standen nur ungenügende Geldmittel zur Verfügung und sie mußte besonders in dem sübrenden Spekulationspavier, fn Südbabn-Aktien, umfangreiche Abgaben yornchyien. Südbahn-Äktien eröffneien unter dem gestrigen Schlußkurs, gingen dann bis X 1570 zurück, um sich später ,m Emklgng. mit Heu Meldungen aus Wien bis X 1606 zu erholen. Rach Schluß gab dieses Pap'er bis X 1560 erneut nach. Äuch die übrigen Kulissenwerte mit Ausnahme von Staattzbahn- und Salgo-Aktien, die größere Festigkeit autwiesen. neigten, zur Schwäche. Hoher lagen noch Gam-Danubius-, ungarische Zucke!-, Gatt mannnud die gestern neueinge)ührten Mikes'Zabolaei-Holzindustrie-Aktien. Gewinnsicherungen erfolgten auch in zahlreichen-Schraukenwerlen. Wo« durch sich auch hier Knrsetubußen bemerkbar machten. Lebhafte« Interesse begegneten die heute ein geführten Aktien der Körösbanyaer-Holzmdnstrie-Aktiengesellschaft. . i Auf dem Valutenssiarkt trat nach anfänglicher Schwäche einst Befestigung ein. 1 Im vssiziellen Balutenhandel notierten: Napoleons X 925.—! bis X 940.-"» Enal. Psvvd X l080>^ bis 1110.—, Leva X 4it0.—< bis X 480.—. Dollar ■ K 3)0.— bis 320—, französische Franken! K 2040.—r bis 2080.—, Mark K 400.— bis 510—, Lire K 1280.- bis 1320.-, österr. Noten X 98.— bis 99—, Rnbeh X 310.— bis 330.-. Lee K 600.— dis X 635.—, Sokolss K 390.— bis 4?0.—, Schweizer Franken X 4800.— bis 50OO.—/ Kronen-Dinärs X 950.— bis '1015.—, Franken-Dinars X 940.—■ bis X1000.-. j Von Devisen notierten: Amsterdam X 8600.— bis X 9600.—/ Kopenhagen X 8900.— bis X 4300.—, Cbristiania X 3850.-4 bis X 42QO.—, deutsche Bankplätze X 500 bis X 620/ italienische Bankvlgtze X 1890.— bis X 1350.—, Prag X 407*/ bis X 4274/,. Stockholm X 5750.— bis K 6250.—, Schweizev Bankplätze X 4900.— bis X 6200.- und Auszahlung Wien X 96*/J bis XlOOV*« - __ Berliner BSrse. . Berlin, 80. September. Die Börse eröffnete bei ziemlich angeregtem Verkehr in fester Grundstimmung. Die Kursbewegung Hot ungefähr dasselbe Bild wie gestern. Auf dem Markte de« Montanwerte fand die Auswä'tsvewegung in müßigem Umfange Machdrult »erbotr».) Marienbad. Kstsi Roman, sondern eine überaus verwickelte Geschichte, die zwischen Warschau und . Morienbad spult, in 38 Briefen. 14 Biller-doux und 46 Telegrammen. Don Schalem Alejchem. Äus dem Jüdischen übertragen von S i e g f r i e d Schmitz. . (37. Fortsetzung.^ Nun? Ich begreife Dich nicht, teure Belebe. Du selbst schreibst, von Marienbad nach Franzensbad sei ein- Katzensprung. Sa packt man sich zusammen und springt. Wozu erst jammern und weinen? Ich sende Dir heut« Geld und bitte Dich: Tu' mir keim Schande an, sondern fahr' sofort nach Franzensbad, aber ohne Begleiter, ohne Ritter und ohne Führer. . . Ich gebe Dir einen, guten Rat, wie m das tun sollst: Steh' sehr zeitlich auf, wenn Gott selber noch schläft, setz' Dich in den Zug, fahr' hinüber, beginne wieder mit dev Kur vom A und vergiß, daß «s ein Marienbad auf der Welt gibt mit Kavalieren, Odessiten, Dentisten und ähnlichen Scharlatanen. Tu' mir einmal wenigstens einen Gefallen und. Du wirst selbst sehen, daß ich Dir ein besserer Freund bin als die alle. Ich sage Dir das. Gott bewahre, nicht, weil ich etwas von Dir denke oder weil ich etwas gegen'die Kerle habe, denn was haben sie mir getan und was liegt mir daran, .wenn fte dort um Dich herumianzen? Nm den Todesengel mögen sie heruintanzcn. Ich will Dich nur vor den Mäulern der Leute bewahren. Ich will nicht,'daß die Jamaikerin was zu reden hat und Maierl Uarjamtschik mit der 'Feder zu klecksen, und ich will nicht, daß so ein beßargbischer Maisfladen, wie der CH arm Povoker, es noch jemals wagt, Liebesbriefchen an fremde Weiber zu schreiben . . . Ich wäre eher darauf gefaßt gewesen, daß er krepiert, als daß er solche Sachen anstellt. Nun, sei gescheit und rate, wer ein guter Freund ist und wer ein Feind. Verl Tfchapnik ist wahrhaftig Gold gegen den Kerl. Und ich tuar ein solch'r Narr und dem getraut und habe über o it ch'.w.!;i:n .wl. wn? Int Buche steht; uno der iial ist nicht ,ant imj zuigt atl.es oer Tschapnikin — jetzt habe ich anszustehen, daß Gott bewahre! Verl Tschapnik ist mit einem rot-n Kops zu mir gelaufen Fekommen und hat mir ein Darlehen auf Nimmerwiedersehen erpreßt. Du kannst Dir lebhaft vyrftellen, daß ich dem So roter, dem Schwein, auch nichts geschenkt habe. Ich Hape ihm vor ein Mak Tagen einen Brief p.n den Kppf geschmissen und bin ihm Über die Fresse gefahren, daß noch seine Kiydeskinder daran denken werden! Du brauchst keine Angst haben — von seinen Briefen an Dich habe ich natürlich nichts erwähnt. Ich bitte Dich, teure Belcie, mir zu schreiben, wieviel Du während der ganzen Zeit aus meine Rechnung, bei ihm genommen hast. Hast Du ihm Bestätigungen unterschrieben oder hat er Dir das Geld einfach aufs Wort gegeben? Es wäre ein großes Verdienst, so einen Hund zu lehren, daß er nicht bellt. Und höre, was ich Dir sage, teure Belcie: Fahr' weg andem verfluchten Marienbad. Mer fahr' mit niemandem, fahr' allein und schreibe mir, wie lange Du noch im Ausland zu bleiben gedenkst und wann Du, so Gott will, gesund flach Haus« kommen willst. Urch wohin gedenkst Du zu fahren? Nach Franzensbad? Denn ich Habe gehört («D bleibt nichts verborgen auf dieser Welt), daß Du beabsichtigst, nach Ostende zu fahren; schreibe mir: wo liegt eigentlich das Ostende? Ürch mit wem fährst Du nach dem Ostende? Vielleicht mit einer bekannten Madame? Und bleib' gesund, und Gott helfe mir, daß ich erlebe, Dich bald gesund zu Gutem von der $ht? zurücköehren zu sehen; dann gelobe ich, Deinen beiden Onkeln einen schönen Wisezuschuß zu geben, damit sie nach Amerika fahren; denn es ist nicht mehr auszuhalten mit ihnen, sie saugen mir das Blut aus. Die Hitze ist groß, die Teuerung ist noch größer und Bettler gibt ess hier so viel, daß man nirgends Ruhe von ihnen hat. . . Schreibe mir sofort, yb Du das Geld bekommen hast und um Himmels willen, weniger spazieren und mehr kurieren! Denn Deine Gesundheit, die ist -nlr Mi’ Hauptsacke. Dein 0 mahl, ,S dj l ü jt me Vi u r 1 a uöe r. Nr. 37. Hersch Laufermann aus Warschau (auf den Naleiyki> an Chaim Soroker in Marienbad. Dem geehrten, mächtigen und gelehrten Herrn Chaim Soroker Gruß und Heil! -! Es wird Euch sonderbar Vorkommen, wieso auf einmal mich brieflich an Euch wende, wo wir Leche doch nie ein Geschäft miteinander gemacht haben; und wenn es Euch recht ist, sind wir eigentlich gar nicht so gut bekannt, außer daß wir an den hohenj Feiertagen ins gleiche Bethaus gehen. Wenn nun bas! Ihnen sonderbar ist, so erscheint es mir mach sonderbarer, wie ein Jude, ein wohlhabender Bürger,! «in solider Kaufmann und. Familienvater, dazu kommt^ sich zu erlauben, an eines anderen Frau so zu handeln-' ihr Liebesbriefchen zu schreiben und sogar Geld anzu-' bieten? vor allem wißt Ihr nicht genau, ob ich erstens! Nicht vielleicht ebensoviel bares Geick im Vermögen hab^' wie Ihr. sind genau genommen, bin ichnehmt «3j, mir nicht übel — vielleicht noch reicher als Ihr. Denn wenn wir es genau berechnen, so ist Euer Vermögest unter den Heuten verstreut und wer weiß, was in einem Jahr sein kann, wenn es, Gott behüte, eine Krisis! gibt. Ich aber habe, mit Gottes Hilfe, ein Barvermögen^ denn die ganze Welt weiß, haß ich, Gott'sei Dank,' jn der Warschauer Lotterie Bargeld gewonnen habe und ich kann es mir, Gott sei Dank, erlauben, meinet Frau nicht nur nach Marienbad, sondern, wenn darauf ankommt, auch nach Paris zu schicken. Und' zioeitens ist meine Frau, Gott bewahre, nicht so wir andere Frauen, wie zum Beispiel die Madame Tschapnik oder wie Kurländers Weibchen/ mit der.Euer Schwager, der Odessaer Kavalier Marjamtschik, schöne-Geschichten aufführt. U)r erlaubt Euch, meiner Frau — nehmö es mir nicht übel — solche närrische Dinge und fp Niedert rückt'ge Zumutungen zu schreib 11, an die ein aitftcii;dier' Mensch nicht einmal hrri::; (Jockschm'.a folftt.)