Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 606 (1.10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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* ’i 1 | y&m. Mttch ‘trt'ijCrll.'jC Uun$ l Votier 192Ö ' Seite j, '.. ' Die Pfmßi MxetzrSo^G'MOven. In der gestrigen Sitzung des Finanz, und Budget- Ausschusses Wurden MnäMr ir Reihe von Gesetzen MM Neferrst zugewiesen. Abgeordneter Schiegl berichtet sodann über das Gesetz, bctreffmd Krad itoperatio nen. i Mktionschef Dr. G ri mm verweist zunächst darauf,!d'H:Oer Eingang an Wlttichm OinnWmen nicht gleicher: >§WW HW Mit der' NotwenN^ett, die fälligen Aus-! ftri&ett M bestatten. Hiezu kormnt, datz dcrs Finanzamt bei He» Letzten beiden Krediterrnächtigungen rnit gewissen spÄMSN unvorhergesehenen Ausgaben nicht uKnen konnte. "Diese beriechen sich vor allem arff die Aushilfen,, die M Verschiedenen Formen den Staatsangestellten gewährt werden Mußten. Die. JrckiMushilfe, die Vorausbezahlung auf die Besvldungsreform, die neuerliche Er- Hähung der gleitenden Zulage eignen allem einen Mehrb^ag vo^ 2800 Million en, auf das Jahr umge- Ferner hqt sich das prälünmlerte Erfordernis der Kriegsgetreidegefellschast mit Rücksicht darauf, daß! nunmehr die Auslcmdsbezüge von Getreue auf Grund Von Krediten ins'Stocken geraten sind und daher in ebt**m erhöhten Maße Getreide im Inland angekanft!,nnd BararrSlandskäufe, vorgenommen .werden muffen, wesentlich erhöht und beträgt für die -nächsten drei Monate allein zirka 2,5 Milliarden. Ron den sechs Milliarden, 'die das Finanzamt auf Grund der letzten beiden Krediterrnächtigungen bewilligt erhielt, find bis Ende September bereits 4,9 Milliarden verausgabt, beziehungsweise gebunden. Nit pem angesprochenen Betrage doN 3000 Millionen hofft das Finanzamt bis zu jenem Zeitpunkt, in dem die Nationalversammlung das Finanzgesetz für düs laufende -Fahr verabschieVen wird, das Auslangen zu finden. - Nach einer weiteren kurzen Debatte wird die Vorlage unverändert angenommen. . Der dritte Nachtrag zum Besoldungsübergangsgesetz (Erhöhung der gleitenden Zulagen) wird nach M Referat des Abgeordneten Z e I e n k a angenommen. Berichterstatter Steinegger referiert über die Denfionistengesetznovelle. Der Gesetzentwurf wirdange- Nommen und eine Resolution Zelenka, Dr. Gürtler, Pauly Geschloffen, durch welche die Regierung aufgefordert wird, die Mpensiomsten ebenso zu behandeln wie die nach dem 29. Februar pensionierten Staatsangestellten, ferner der neuen Nationalversammlung eine Gesetzesvorlage, betreffend die Regelung der Pensionistenfrage, vorzulegen «nd bis zur Erledigung dieser Vorlage - den Altpensio- Nisten eine Verbesserung ihrer Bezüge durch Zulagen zu gewahren; weiter eine Erhöhung derGnaöenpensionen vor- Zunehmen rmd schließlich die bereits fälligen Pensionen,; beziehungsweise , Erhöhungen raschestens ' flüssig zu machen. . f. Teilnahme Oesterreichs an der Verkehrs- Konferenz in Paris. * Da« StaatSamt drs Arußern teilt mit: Die österrrichüche Rrgienmg hat die Einladung zur Beteiligung an der am 18. d.M. tu Paris stattfindende«- Konferenz des „provisorischen Verkehrs- und Transttkvckitees* des Völkerbundes zur Erleichtenma drS iuteruationalen Reiseverkehrs und derHamit znsqwmenhängenden Zolk-««-Paßangelegeuheiten angenommen und die hiezn dckegiertm Fachmänner namhaft gemacht. Ausschuß für soziale Verwaltung. Der Ausschuß für soziale Verwaltung hielt gestern vormittags eine Sitzung ab. Der GeseHentwurf, betreffend die Abänderung und Ergänzung des Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung wurde angenommen. Ebenso das Gesetz' über die Abänderung des Jnvalidenentschädigungsgesetzes. Das Gesetz, betreffend die Abänderung des Gesetzes über die Arbeiterkammern, wurde angenommen. Weiters wurde eine Resolution beschossen, welche die Durchführung der Wahlen an einem Sonntag und die Ermöglichung der Wahl für den Arbeiter auch an feinem Wohnsitz beinhaltet. Ferner wurde das Jnvalibenbeschäftigungsgesetz und die Novelle zum Zahntechmkergesetz angenommen. Schweizer KredtthNfe für Oesterreich. Bern, 30. September. (Tel.-Komp.) Im Schweizer Ständevat erklärte der Berichterstatter für eine, internationale Kred itaktion zugunsten Zentraleuwpas, der Kredit der 'Schweiz werde ausschließlich Oesterreich zufallen. Die Durchführung der Schweizer Hilfsaktion ist teilweise durch LebeusmitteNieferungen an Oesterreich bereits erfolgt. Zur Heimschaffung österreichischer Gefangener aus Rußland wurde eine Million aufgewendet. ______ Die internationale Donaukvmmission. Paris, 39. September. Die zweite Tagung der Internationalen Donaukommisston, die unter dem Vorsitz des Mmirals Trvubridge rm französischen Mnisteriümdes Aenßern am 15. September begonnen hatte, ist gestern zu Ende geführt worden. Es wurden Richtlinien , festgesetzt,, hie der Internationalen Kommission als provisorische Statisten dienen sollen, bis endgültige Statuten durch die Kommission festgesetzt sind. Die Kommission wird mindestens zweimal im Jahre in einer Stadt tagen, die auf der vorhergehenden Tagung bestimmt wirb, liebet den Sitz des Generalsekretariats, das sich augenblicklich in Budapest befindet, wurde noch wiu Beschluß gefaßt. ♦' Die nächste Dagik"g find'! am 1■ Dezember tu .statt. Jede jüdische Stimme.!N u ß i n d e n D reust d e r bedrohte n j ü d r s cheü Gemeinschaft gestellt werden! Jede j üd t f ch t S't'imme muß so .verwendet werden, d a tz. s i e z um S ch u tz e d e r . g 6^äh rd et e n iü d i s ch e n Ex ist e n z bei t r ä gt! Es . sind das keine, zu. WaMvecken frisch- ., geprägten Schlagworte, das ist der Inhalt des Programms, / für welches die Jüdischnationale Organisation in Oesterreich mehr als zwei Jahrzehnte arbeitet. Die unter unsäglichen Schwiengkaiten begonnene, anfangs von Hohn, Spott und Verdächtigung begleitete' Arbeit hat. schließlich Früchte getragen. Der Ausgang der letzten Parlaments- und Gemeindewahlen hat bewiesen, daß sich die Erkenntnis' vom Werte jüdischer Volksarböit durchgerüngen bat. Die jüdische Wählerschaft' hat überall dort, wo die ungerechte Wahlkreiseinteilung die Bildung geschlossener jüdischer Wahlgruppen ermöglichte, die jüdischnationalen Kandidaten gewählt und unzweideutig dokumentiert, daß sie nicht länger jüdische Sturmen dem eigenen Volke rauben und in dm Dienst fremder Parteien ptrö Klstbs stellen will. Mit voller Zuversicht tritt jetzt die jüdische Organisatton in den Wahlkampf, u?rtihrem Programm, welches' den Interessen der Juden und -es Staates Oesterreich gerecht wird, zum Siege zü bringen; Das Programm äutet in seinen Hauptpunkten:. Schutz der politischen Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürgers rücksichtslose Bekämpfung aller antt« emitischen Aebergriffe, welche geeignet sind, die Existenz des jüdischen Individuums oder die Ehre des jüdischen Volkes zu. beeinträchtigen. Verständigung mit den nichtjüdischen Bürgern durch offene, ehrliche Aussprache. Gesundung und Kräftigung der jüdischen Gemein- 'chaft durch Micnälle Erziehung unserer Jugendlichen;u überzeugungstreneN Inden und arbeitsfähigen Meuchen. Berufliche. Umschichtung des jüdischen Volkes durch Aeberfübrrmg möglichst vieler Individuen zu produktiver Arbeit. Forderung einer Außenpolitik, welche die Versöhnung und einen freundschaftlichen politischen und wirtschaftlichen Verkehr mit de« Nachbarstaaten, insbesondere mit den Sukzessiv,rsstaaten, ehrlich anstkebt und ihre Hauptaufgabe in der Ermöglichung des schleuniqSn Eintrittes' Oesterreichs in den Völkerbund erblickt. Strengste Neutralität, keine Ochutz-und Trutzbundpolittk. sondern Völkerbundpelktik! Gerechte Steuerpolittk, welche alle Bevölkerungsklassen nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit erfaßt Freier Verkehr und freies Gewerbe unbeschadet ( der Sicherung der wichtigsten Lebensmittel unbeschadet der artikel Kr.-die Bevölkerung und des Schutzes vor Ausbeutung dlttch gewissenlose Spekulation. Die nächsten Wähleroersammlungen. Morgen, Samstag den 2. d. M., Ahr abends, Ettfabethheim, II., Malzgaffe 7. Referenten: Anitta M ü l l e v, Gemeind erat Dr. Ehrlich. Morgen, S a m s t a g den 2. d. M., Vß Ahr abends, Restaurant Goldstern, II,, Zirkusgaffe 7. Referenten: Abgeordneter Srr cker, D. RAb enzahl. Morgen, Samstag den 2. .d. M., V28 Ahr abends, iw Saale, II., Praterfiratze 17. Referenten: Anitta Müller, Gemeinderat Dr. Ehrlich. , 6 bis 8 Uhr' CaK Bürger, Praterstraße 11; P r a t e x* straße 17, 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends: Cast Küffner, Stuwerstraße 13, .4 bis 7 Uhr; Cast S ch w ä r z, Leopvldsgasie 26, 7 bis 8 Uhr abends. Sonntag den 3. d. M., 3/aiO Uhr vormittags, Hotel Stephanie^ II., Taborstraße 12. Referenten: Abgeordneter Stricker, Anitta Müller» Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s. Sonntag den 3. d. M.» VrlO Uhr oormtttags, Augartevkino» ll, Untere Augartenstraße 28. Referenten: Abgeordneter Stricker, Cma P a t a k, Dr. Destder F r i e d m a n n Sonntag den 8. d. */at0 Ahr vormittags, Cast zu den lustigen Finken, II.» Zirkusgasse 50. I Referenten: Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s, AnAa \ Müller, Gemeinderat Dr. G h r! i ch. S 0 n n t a g den 3. d. M., 1klO Uhr vormittags, Leopoldstädter Kino, II., Taborstraße 75. Referenten: Abgeordneter Stricker, D. Nebenzahl. . __ Wichtig für die Wahlagitation! Die jüdischnativnale Hauptwahllei L u n g befindet sich: II., Taborstrahe 20 a. Auskunft-lokale im n. Bezirk. Cafs Weber, Obere Donaustraße 37, 6 bis 8 Uhr; Cast Durst, Untere Augartenstraße 1», 6 bis 8 Uhr» Sonntag von 10 bis 12 Uhr; Cast Zeitzl, Große Sperlgasie 35, 6 bis 8 Uhr, Sonntag Vsll bis 12 Uhr; Restauration Baron, Große Schiffgasse 19, 7 bis 8 Uhr; Cast Reis, Stephaniesttatze; Cast I gl au er, Taborstraße 49, 6 bis 7 Uhr, Sonn- » Sfc U Mfc; VL Auskunftsbureau für den XX. ist: Karl Meitzlstratze 5, Tür .' für dm l.Bezirk: Cast City, gaffe 3 (Ecke, Börsegasse 10), Telephon 18.710, EglW von 12 bis 2 und 5 bbs 7 Uhr. für den M. Bezirkr.Untere Viad»ktgaffe 13, von 5 bis 7 Uhr«abends; für den IX. Bezir k: Lre ch t en st einft ratze 11. Tür 13. J Für den IV, und V. Bezirk täglich von 9 bis 4 Uhr nachmittags^ Faooritenftraße 21, Te< lephon 53.426; von 4 bis 6 Ahr abends, IV., Favorttensttaße 42, I. Stock (Max Straußs, Tel. 58.639j Für die Bezirke VI bis Vkü: AusDGeM Wahlangelegenheiten, VI., Amerlingstraße 19, Hossttege j täglich von 9 bis 2 Uhr nachmittags. K; Das zionistische Bureau, X., F a v o; i t^e pstraße 130, etteilt Auskünfte ttl .535achIangelegenh eiten täglich von 3 bis 6 Uhr^ nachmtttaas. ' . - : Für die Bezirke Xll, XIV und XV: XV., Herklokgaffe 21, I. Stock, täglich von 3 bis 6 Uhr. > Für die Bezirke XVI und XVH Auskünfte tüg-j sich zwischen 2 und 4 Uhr nachmittags, XV7^ Brunnen-! gaffe 41. Provinz. Die Agitativnsleituny sur. ch'^iei gesamt e P r o v i n z befindet sich in /unserem' Bureau, II., Zirkusgasse 33 (Telephon 45325).' Drei Gesinnungsgenossen aus der Provmz werden e sich in allen Fällen an das Bureau zu wenden. AgitationSleitnngen für die ProLMZwahlkreifel Viertel 0 b e r d e m Wie n er w a l d i Wözasek, Amstetten, Telephon Nr. 14. . V i e rt e l u n I e r dem Wien crw a Id:j M o d lin g. Enzersdorferstraße 6, Telephon 223/VI1 interurban 209/VIH; für die Bezirke W Ke n e-r- Neu st a d t und N e u n k i r ch e n Dr. Leopold Bauer, Wiener-Neustadt, Hauptstraße 30, Telephon Nr. 343. B i e c t c I ober dem Ma nn hartsb e r g: Kuttusgemeindesptengel K r e m s bei Kt»! Rephahn» Krems, Telephon Nr. 40, Kultusgerneindosprengel Waidhofen an der Thaya, bei Kar? Löwy, Gmünd, Niederösterreich. , Viertel unter dem Wannhnrdsb erg: Für Stockerau Dr. Erwin Gtotz, Stockerüu; für Korneuburg, Fritz Lederer, Komeuburg; TeMbdn Nr. 21; für Großenzersdorf und Umgebung: Julmsj Fleischmattn, Großenzersdorf. - i . Linz, Paul Stein, Franz Josefs-Platz 29 Graz, Jüdischer Nattonaloerbcmd, Graz, platz 11. ‘ Anttta Müller. Die gestrige Ausgabe der „Wiener. meinen Zeitung" enthält nachstehende Charakters sierung Mitta Müllers: < , , Eins der interessantesten Persöulichkeiienin de/ Reihe der. Kandidaten .für die Nationalvers ist .unzweifelhaft Frau Anitta Müller. Man über die Betätigung der Frauen im hfsentlichvr Lebert urteilen, wie man will -- Anitta Müller hat dnrM ihr Wirken bewiesen, daß auf zahllosen,Gebieten gercünt bas weibliche Empfinden, Erfahrungen und UrM dtt Frau Wunder wirken können. Man lernte Jbte ArM» dieser mutigen uno energischen Frau während de^ Kriegsjahre kennen und schätze«. W die FÜtt der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina über We« hereinbrach, war sie es, die mtt bewuubernstvchrdem Organisationstalent im Handumdrehen eine Reihe von Institutionen ins Leven rief, welche die mangelhafte Fürsorge des Staates sehr wohltätiss unterstützten unÄ ohne allen Zweifel sehr viel dazu beitrugen, baß das! Elend und die Sterblichkeit unter diesen Derlassensterr und Verlorensten gemildert wurde. Einige dieser Institutionen wurden auch, nachdem das Flüchlsingsewüß verebbt war, für die Bedürftigen Witznß erhalten ausgebaut. Mustergültig ist der Säuglings- und Mutte schütz, den Anitta Müller ins Lebäu rief, tzroßzügi und selbst unter den schwersten Umständen dmchgesü-rtz^ die verschiedenen Ausspeiseaktionen für Kinder Erwachsene. Ihre Kinderaktion hat ihr auch die und Bewunderung des Ausbulbes eingetragaw . r. Bei der tiefgründlichen Arbeit dieser Frau e$ nicht verwunderlich, baß sie sich nicht dam« beguügte. Nvt znlindern, sondern sich auch milden sozialpettttsche» Frag«: beschäftigte, welche letzten Endes die Msachie» sozialer Mißstände sind. Mutvoll sprach Anitta schon zu einer Zeit gegen den £vifc|, als e» «och «W gefährlich und töricht galt, die künstlich geschürt« Kriegtzs Legeisterung der Massen zu dämmsn. Sie tost für dip Frauenrschte ein und sprach z« ntn 'fttaaex t>m Ihre« politischen Pflichten, ries ji.' zu für boß m