Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 604 (29.9.1920)
- Date
- 1920-09-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 604 Men. Mittwoch 3.;aofÄ 3£&r "«i«n*j 29ch September 1S2t Seite f Noch größtenteils unverarbeitet liegen. Deshalb erließ di« Regierung ein Einfuhrverbot für Rohbaumwolle, das sich vorläufig bis zum Februar nächsten Jahres erstreckt, bis zu welchem. Zeitpunkt. man die-, erwähnten Lager aufgearbeitet zu haben hofft. - " ^Wie'bekannt, wurden'sämtliche slowakischen Wollen zum Höchstpreise von 56 tschechischen Kronen für das Mogramrw Ungewaschener Schur vom Staate bechlagnahmt. Ueherseeische Wollen, die über ^England, Dänemark, Holland.und Belgien importiert werben, kommen uns, da der Weltmarkt um 30 bis 40 Kronen niedriger notiert, wesentlich billiger zu stehen als die eigenen und es vergrößert sich der Unterschied ^gen des stetigen Rückganges unserer Valuta um ein bederüendes. ,■ Infolge zahlreicher Vorstellungen .der Industriellenverbände, denen sich auch im eigenen Interesse die'Arbeiter angeschlossen haben, ist es wenigstenzum Teil gelungen, Ausfuhrbewilligungen — wenn auch nur kn beschränktem Mäße — zu bekommen. Natürlich ist es heute schwer, das Versäumte nächzuholen, da einer unserer Haupt- 'aVnehmerplätze (Wien) wegen des Tiefstandes Erkner 'Währung außerstandeist, bet uns Ware einzusenden, und sich dort die italienische'und englische Konkurrenz deutlich fühlbar macht. Das' gleiche gilt von Budapest. Auch der O sten, der früher , eines unserer größten Absatzgebiete für Textilartikel Yorstellte, kömiiit heüte^- 'wegen' der" MsichMü^ DethäMisP^für uns ganz außer Frage. Desgleichen ist nach dem Westen jede ExportmögdWfgeschwurtbejtzHMÄ' sich die deutsche, englische und sranzö^^ Textiljn^ustri^vU? leistungsfähiger als di« unsere erweist. -Mit Jugoslawien allerdings stehen wir schon längere Zeit en geschäftlichen Unterhandlungen, doch werden diese Geschäfte nur dann möglich fein,. wenn der heimischen , Textilindustrie bezüglich der Ein- und Ausfuhr von seiten des Staates i weniger erschwerende Hindernisse in den' Weg gelegt werden. Die Hauptschwierigkeit - liegt heute für die Industrie darin, daß jede Berechnungsgrundlage fehlt: So werden über Nacht neue Zolltarife festgesetzt,' neue Bahnfrachten etngesührt, was . nritWückstcht. auf den Umstand, baß für einige Monate tm voraus produiziert werden Muh, eine sichere Kalkulation von vornherein gänzlich ansschließt. Jedermann Weiß, daß in letzter Zeit ber uns grobe Fehler unterlaufen sind, unter denen die-Industrie sehr schwer zu leiden hat. Hi-ezu gehören vor allem die.Einführung der Kohlensteuer und die neuerliche - Erhöhung der. Rohstoffpreise. Ä'a die Kohlenzuweisungen nicht pünktlich. eingehalten werden, ist die Industrie vielfach, .genötigt, sich die Kohlen int Schleichhandel zu verschaffen (85 bis 90 tschechische Kronen - und mehrfürden Meterzentner). Außerdem darf mau. sich. Wer bis gesteigerten.. Evzsugungskosten schon deshalb nicht wundern, weil bei der derzeitigen Beschäftigung der Betriebe (ein Sechstelder . Erzeutzungskapazität) an ein rationelles -und rentables Arbeiten überhaupt -nicht gedacht . werden kann._ «; So lang« es daher nicht gelingen wird, diese Uebelständ« zu beseitigen, die Lebensmittelpveise vor allevr heravzusetzen und Hand in Hand damit die - Erzeugungskosten zu verbilligen, wird man sich-auch weiterhin mit einer verminderten Aufnahmsfähigkeit begnügen müssen und es sind die Aussichten auf sine bolle Beschäftigung der Betwebe wohl auf län. geve Zeit hinaus nicht sehr günstig. . Preisfall in den Vereinigten Staaten. „Times" melden aus Neiv-N ork: Die Preisminderung .der Handelswaren in Amerika ist Stadtgespräch. Mehrere Firmen 'kündigen PMsMndernngen von 30 b'I 40 ^)ro ent an Der Handelssekretär . stellt einen weiteren .Pr-riS, all m Ansicht. Die amerikanischen Geschäftskreise, sind allgemein der Ansicht, das; die' Steigerung der Kurse ryren Höhepunkt erreicht, hohe und jetzt in absteigender Lim: stk. Du amerikanische Ausfuhr betrug im August 68^4 Millionen Dollar das sind 70.-Millionen mehr als im Julr; .die Einfuhr 519 Millionen, das .sind 19' Millionen welliger als im Julr. Jmportv^rhültnisis in Portugal. Hierüber erhalten Interessenten in der Exportäbbeilung der Handels- und Gewerbe lamnrev - (Zimmer 206) unter Zahl 24.233 eisten Bericht. Wahkon in die Kiimnwr fii« Handel, Gewerke und Jitdnftris in Wien. In' per kommenden Woche gelangen die Mandate der Handels sektion, der Gewer b e sektion und der Industrie stktion im* Wahlkreis 'Wiest zur Besetzung. Die I. Wahlkörper die)er Sektionen wählen Dienstag den 28. d. M., die II. Wahlkörper Mittwoch den 29. d. M., die III. Wahlkörper Freitag den 1. Oktober 1920. Für die ersten zwei Wahlkörper ist die Wahl?,eit von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags, für die dritten Wahlkörper vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis. 6. Ubr. Die Wahllokale.befinden sich in den Amtsgebäuden der Bezirksvertretung-en der 21 Wiener Gemeindebezirke. Für die Zugehörigkeit zur Kommission isti'der Sitz des Unter- -nehmeus maftgebeird. Die Wähler haben die ihnen zugestxllten ÄnSweMarten i i'nzbringen, tm Falle des Verlustes ' dieser den Gewerbeschein. Die Stimmzettel liegen in den Wahllokalen auf. In jedem Wahlkörper werden 7 Mitglieder und 7 Ersatzmänner getvählt. ValrrLenkurse. Im gllrigen freien Verkehr wurden nmgrsetzt: Marknoten bis K 526, % c t K 590, 8 i re K 1322, Rndclä 323, Dolla r ft 815, S ch w e i z r r Francs K 5100, französische Francs ft 2225, Pfund.Slcrlrngll N00, Dinars 1035, Agram K 260, t s ch e rb i s ch e K r o n e n ft 418, ungestempelte Noten K 108.50, u n g a r i s ch r N o t e u ft 102.75, p»lnischeMarkft 113. Wiener Börse. , Infolge der Meldung aus Tr-est, dasi stch die italienische Regierung m den Besitz der bei uns und in Deutschland vcrliigbarim Lombarden erseht hätte., so daß, falls es zu einer Verstaatlichung der iialiernlchen Linien käme, die restlichen Aktien nur noch in Pins anfgekaukr zu werden brauchten, lam es an der gestrigen Börse zu Ängstdecküngen der Konürm'me in diesen Aktien. Lombiiden setzien gleich mu einer Hausse von K 108 ein und stiegen im Verlaute dcs Verkeb's um weitere ft 53. Die Pr'oritäien avancieren um K 06. Infolge der bedeuienden Krnsstkigeruiiaen der ftchechischm Industrirwerle auf der Prager Börse dcsjencrr sich diesePav>e e auch hier: Ckoda-Akiien schlossen um ft 60 hoher. Eiste starke Höhcrbrwerwng zeignn die Petroleum- Aktien. Karpathen besserten sich um ft 800, Gol-zra um K.3700. Staa öbahu-Aktitn baden eine Avance von K 195 zu verzeichnen. Sonst zeigte der Markt lerne besondere Bewegung; man will erst da« Resultat der Finanzkonferenz m Brüssel nbwarien. Bon dem entgegenkommenden Bei halten der Revaralionswn'iMivn wird eine Besserung der wirt'ch.rftllchen Berhältnrsse Oesterreichs «hofft- Dre Renten lagen fest. Im übrigen verweisen wir auf die nachstchendeu Schlußkurse: . InDustrie-Unternellmunxen. Allgemeine Baugesellschall 840—Nmonhou —' -Wiener Baugeseüschüt 648.— (— —), Königshofer Zement 3500.—;-- ). Perlmooser Zement 8350— ..Eicsterberger Ziegel 2730— (— 20—). Lieftnger Brauerei 1400.- . Sarajevo 2990.— '(+ 10.—), Aussig Chen». 8000 — >+ .60.^--), Brosche Svirrtus — — (— Cardorunduni —!-Cloiluide 2735 — (— 45.—), A. E. G. Union Elrktr. 1735.— (H- '40,—), Bereinigte Elektrische 1318.— (— '—.—), Siemens Seliuetert 1700 — (— 41.-1. Alvine 4060 — (-s- 6V.—' Berglind Hüttenwedki' 10.750.—(4-150.—), Anstria Email 4400.— -Együier 2120.— (-Enzesielder 2048.— l— 2.—), Felten & Guilleaume 4550.— (— 25.—), Gremitz Eisen —(— '—>. Hutter & Schrantz 1583.— (— 17.-1, Knivn A.«G 1704.— 4-3 —>. Pold:httttc 2639.—-+45,-), Prager Esten 8395.— (4- 96.—), Rimamuranh 3340.-; (— 7.—), Skodgiveikc 2520,— ' *f 60.—), Wallen sab rik 3820.- (— 60.—), Br irrer Kohlen 6750.— (— 50.—), Gram Szaszvarer 8190 — IJr 190.-), Nvrdvng. Kohlen — —^ ), Oberung. Hütten 3875 — (-f 55.—), Nossitzer 8185.— i+ 6.—), Salgo « Tarjaner 6655.— (+ 255.—), Trrtail« Koblen 3750 — — 40.—), Ung. Allg. Kohlen 7785 - (+285.—); Urikauh 5t00— (— Leitscher Magnesit 14.500.—' i— Westbölm«. 3900.— (— 100.—), Wolssegg 1660.— (+ 2,—), Danek Maschinen 8500-— (+ 50.—), Brstnnet Maschinen 2350.— l-l-95.—-'.Daimler Motoren 1227.— (— 35.—), Fiatwcrke 1380.—20.-r), Heid Maschinen 880.— — 12—).Hosherr <^Schrantz951.— (-29.—), Sigl Lokomotiv 1598.— (-4-27.—). Ruston 2401.— (+26.—), Simmering« 13^8.— (4- 8.—). Elbcniühl —.— (-.—), Lehkam-Josemthölcv 4000 —(+ 260.—), Neusiedler 11.750)— (+ 250.-),Avollo 6990.— (+ 195.-), Fgnto 23.200.—-.—-), Karvatbe« 18.700,- (+8)0.—), Galrzm 29.600.— (+ 3700.—), Schodnis» 15.600.— (+ 170.—). Cosmauos 3580.— (— 20.—), Fezfabrikeu 5850.— (+ 50.—), Schoeller Zucker 7650.— l+ 20.—), Schön* vriescver 34-50.— (— —.-7-), Oesterr. Eisenbabnverk. 2950.— (— ——, Uug. Eisenbalinverk. 1460— (+ 16.—\ Wien« Waggvnleihgcsellschast 1370.— f— 10.—), Gerngroß 820.— (-83.-), Holzhandels««ckaft «170.— (+ 40.-), Türkenlof, 2560.- (+ 10.-). TranKport-AnLernrhmmege«. Adria 18.200.—l+ 800.—''. Aussig-Teplitzer —Buschtehrader lit. A 4500.— (+ 300,—\ Buschtebrader lit. B 1970.— (— —.—), Donau* Damvs. 10-800.— (+ 240—). Ferdmands'Nordbabn 14.500.— (+ 2(0.-). Graz-Kösiacher 3390.- (+ 15--). Kaschau-Odev* berger 2100 — r— 50.—), Hemberg - Czenrowitzer 2150.— 1+ 50—), Aohd —(— —.~i, Navigazionr 10.150.— — 5(1—), Staats bahn 4805.— (+ 195.—), Lombarden 1583.— (+161.-). 3°/. Südbahn-Prior. 1390.- (+ 66.-). Staatsbahn* Genußscheine 2630.— (+ 75.—). . Renten. Mairente 97.— (+ —.90'. Februarrente 97.80 (+ 1.—). Oesterr. Kronenrente 97.— (+ —.90), Oesterr. Gold* reute 188.— (+ 1.—), Ungar. Goldrmte —(— — Ungar. .Kroncnrente 110.— (+ 4.—). Banken. Anglo-Bank 830.— (— 8.—), Oesterr.-bosn. Bank 745.— (+ 1.—), Britisch-ungar. Bank 1115.— —.—), Bankverein 797.— (— 3.—), Bodenkredit 1867.50 (-.50). Oesterr. Kredit 999.— ( + 8.—), Ung. Kredit 1702 — .(— 33.—), Depositenbank 790.— (-.—), Nrederost. Eskompteges. 1220.— (— 25.—), Ung. Hypothekenbank 531.— — 8—), slänoerbau? 1174— (+ 23—). Bosn. Landesbauk 655.— (— 18.—), Mermr 865.— (+ 8,—). Oesterr.-ungar. Bank 8590 — (— —, Unionbank 818 — (— 7.—), Bertehrsb«^ 637.— (+ 5.—), ZrvvostenSka 1778.— (+ 2.—)« Berliner BSrse. Berlin, 28. September. Im heutigen Börsenverkehr; war eine feste Grnndstimmung nicht zu verkennen, was auf die Hoffnungen hinsichtlich des Ergebnisses der Brüsseler Finanzkönfsrenz zurückgeführt wurde. Der gleiche Grund wurde geltend gemacht für das weitere Nachgeben der Devisenpreise. Die Kursveräliderungen für Jndustriewerte erreichten aber nu» in einzelne^ - bevorzugtenWerten, einen größeren Umfang was hauptsächlich dem Umstand zugeschrieben wurde, daß eine Besserung der Matkvalnta auf die Kauflust für Wertpapiere einschränkend zu wirken pflegt. In Montanwerten spielten wiederum Phönix-Aktien, die um.14 Prozent höher einsetzten, die Hauptrolle. Aber auch Mannesman»-, Gelsenkirchener-, Hösch- und Hohenlohe-Aktien gewannen mehrere Prozent. Eine sehr, erheöliche Besserung erfuhren Bismarck- Hütte-AMM, nämlich um 52 Prozent. Man sprach vielfach von neuen Transaktionen der Montanunternehnmntgen. Farbwerte schwächten sich durchwegs infolge von Realisationen - ab. Auch Elektro werte waren meist nicht behauptet. Im G'egeirsatz hiezu hoben sich Felten & Guilleaume-Aktien umi 18 Prozent und Bergmann-Aktien um 4 Prozent. Spezias werte zeigten keine einheitlich« Kursgestaltnng. Als höher -sind Adlerwerke- und Stettiner Diilkan-Aktien hervorzuheben. Petroleumwerte verzeich'Neten zum Teil wieder ein angeregtes Geschäft zu anziehenden Kursen. Bank-Attien wiesen bei fester Tendenz nur mäßig« Veränderungen auf. Valutapapiers stellten sich niedriger. Deutsche Anleihen konnten ihren Stand behaupten. Machdrvck Verbote».) Warienbad. Kein Roman, sondern eme überaus verwickelte Geschichte, die Mschen Warschau, und Marienbad spielt, in 36 Briefen. 14 Billei-doux und 46 Tclegrammen. Bon Scholem AleZchem. Aus dem Jüdischen übertragen von S i e g f r i e d Schmitz. 135. Fortsetzung.) , Nr. 32. bhciim Soroker aus MarienVad an Belcie Kurländer in Marienbad. Es ist ein Unglück mit den Weibern von den Naletvki. Zu Hanse sieht man sie nur Samstag nachmittags im Sächsischest Garten.' Und wenn sie ins Ausland kommen, so wissen sie nicht, wo sie überall herumsteigen sollen. Ich will Ihnen nicht Maral predigen und nichts vorwerfen.' Es wundert mich nur, warum Sie. woich sie doch' Meten habe, ins „Miramont" zu kommen — ich wallte Ihnen, etwas Wichtiges Mitteilen — nicht gekommen sind, aber mit der liederlichen Gesellschaft einen Ausflug nach Eger gemacht haben. Wahrscheinlich macht es Ihnen Vergnügen, mit denen die Zeit zu verbringen Gott helfe U-nen . .. Brauchen Sie vielleicht noch Geld? Heute abeuds hoffe ich Sie -auf der .Promenade zu treffen. - Ihr bester Freund Ch . S. Nr. 38. Ptejer Marjaririschik aus Markenbad an Belcie Knrlönder in Marienbad. Teure Belcie! Jswinitje (entschuldigen Sie), daß ich mir eine svlche Familiarität erlaube, obwohl wir einander noch Nicht so bliske (nahe) stehen. Ich habe diese Gewohnheit: Wen ich uwaschaje (schätze), den muß ich beim Vornamen nennen, besonders Sie, da Sie einen so tiefen Andruck auf mich gemacht haben von der ersten vstretsche (Begegnung) an! Sage'n SiL mir, Duschenki,. )b das wahr ist, was Ihre Rodftwen-ca Tschapnik mir »on Ihnen erzählt hat: Sie sagen auch hier an jedem Freitagabend den Licht,egen? Von der Madame Scherendes und der Madame Pekeles hätte ich das geglaubt, weil sie sehr wenig Kultur haben und auch glupowate (dumm) sind. Allerdings weiß ich aus.einer Tatsache, übrigens nicht aus einer Tatsache, sondern aus mehreren, daß die Scherenzes und die Pekrles hi-Lr auch nicht so fromm sind wie auf den Nalewki in Warschau. Dort haben sie es notwendig, vor den JtschemajerS am Freitagabend den Lichtsegen zu sprechen. Hier aber will ich Ihnen den Beweis gebrn, daß ich mit beiden am Samstag ein Eis essen gehen werde — wenn nicht, will ich nicht Mark Dawidowitsch heißen! Sagen Sie, Duschenki, haben Sie sich jetzt, nachdem ich Ihnen die Briefe gezeigt habe, überzeugt, wer mein Schwager ist? Es ist sehr priskorbne (unangenehm), daß ich mich» mit Ihnen durch Brieschen verständigen muß; aber was läßt sich tun, wenn min uns nicht für eine' Sekunda najedine (allein) läßt? Wie gefällt Ihnen mein Couplet auf die Töchter der Jamaikerin? Schreiben Sie mir ein paar Zeilen, wenigstens na pämiat (zum Andenken). Haben Sie denn Angst oder dowerajen (trauen) Sie mir auch jetzt nicht, wo ich Ihnen solche Dokasabelstwss (Beweise) gegeben habe? Är > ' - Mark. Nr. 34. Chaim Soroker ans Marienbad an Belcie Kurlänber in Marienbad. Sie verlangen von mir unbedingt, ich möge Ihnen das Wort sagen; so sage ich es Ihnen: Es ist' mir viel angenehmer, mit Ihnen zu sein, als mit allen unseren Werbern von den Ralewki zusammen. Sind Sie schon zufrieden? Oder wollen Sie, baß ich Ihnen noch das sagen soll, was ich-Ihnen zum T-eU schon gesagt habe und was Sie selbst erraten haben?... Jetzt verstehe ich auch, warum Ihr Mann so um Sie zittert. Wenn man einen solchen Schatz hat, kann man nicht ruhig schlafen. Sie wissen, daß ich nicht der Mann bin, der Komplimente macht. Aber die Wahrheit muß nwu sagen. Wenn Sie zu Ihrem Gesicht noch ein etwas weicheres Herz Sie würden die WI't erobern. Wann sc den wir uns? Wieviel Geld brauchen Sic noch?! Ich erwarte Sie im jüdischen Restaurant bei dem Tisch', an dem ich immer sitze. Ihr Nr. 35. Chaim. Majer Marjamtschik aus Marienbad an Belcie Kurlander l in Marienbad. Duschenki! Ljnbenju! Rjesko (kräftig) haben Sie meinem Schwager Chaittd-s die Federn gestutzt! Er wird das nächste Mal wissen,^ wie er mit-Ihnen umzugehen hat. Was sagen Sie guf: dem Unglück? Sie haben noch' zu wenig Anbeter; da!' muß' der Teufel "einen Dentisten aüs 5tzischinew htzr^s bringen! Daß man .so einen Mrl. nicht ausweist! Wn ' redet ihm eine von. den drei Töchtern der Jamaikerin; waS hat er . nach u'üferen Warschauer.Damen zu angeln?^. Man hat mir hmterbracht, daß er sehr erbost ist über" mein Couplet, bas jetzt alle Leute bei sich tragen. Er ' geht in ganz Wiarienbad herum und erzählt, daß das? Couplet nicht von mir ist; , deshalb will er mich auchf zu einem Duell fordern. So ein Lump! Entweder +?-' oder! Ist das Couplet nicht von mir, pritfchom (wozu)) ein Duell? So wäh r ich le'be — ich bin nur nicht rechtbei Stimmung — sonst würde ich ein Couplet über ihn machen, das würde von hier bis nach Kischinew bekannt werden. Ein Couplet machen, das ist bei mir so leicht. wie eine Zigarette rauchen. Wie ich noch in Odessa? war, da habe ich jedcn Tag nicht weniger als zwei / Dutzend Couplets gemacht. Aber nicht bloß Couplets. — ich habe gelegentlich auch Feuitletvns, Noinane und : Komödien geschrieben. Haben Sie schon den „Revisor" s gesehen? Das ist mein Werk. Von Gogol gibt es auch einen „Revisor", der taugt aber nichts! Nun — f ich will mich vor Jßueu nicht vi;fernen (rühmen), aber Sie kennen mich noch wenig. Ich hoffe, Sie werden, *- wenn Sie mich näher usnaien Kennen lernen), Ihr Mißtrauen und Ihre Zilrüelßoltnng «p'geu.' mich ganz i aufgebrn. Ihr '• f. lIortsetznng folat )