Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 600 (25.9.1920)
- Date
- 1920-09-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 600 Samstag LStener Morgenzeitrmg /Lo. «veplemver U&U SeUe jt - ötttt des tschecho-s.'owaklschen F-lnauzuckilisieruurls teilt mit, baß eine geringe' Partie Auslage wir Hundertkronen- Noten der Serie 0008 d.'.> Drucks-chler u. sw eist, daß nach dem Wort „Ccskoslovriskych" kein Punkt verkommt. Aehnstcherweise gelangten durch Versehen einige Noten zu 600 Kronen in Umlauf, bei denen im Untergrund der Bildseite die beiden seitlich tief angebrachten matten „600" nicht heraus-- gekommen sind. Diese mißlungenen Exemplare werden an den Kassen des Bankamtes gegen makellose umgetanscht. Gör'itzer Wa^gonfabriks - A.-G. Die Görlitzer Waggonfabrik.s--A.-G. schlagt die Verteilung einer Dividende von 17 Prozent sowie eines Bonns von 42 Mark, auf je B’PO Mark Aktienkapital vor. Die Aktion der letzter: Ausgabe in der Höhe von 6 Millionen Mark nehmen an der Gewilmausschütiung zur Hälfte teil. Konkurs 91t. Karüa. Vom W'ener Handelsgerichte wurde zur. Prüfung der mm Konkurse der Holzbandclsfirma M Kaiba, IV., Mmgaretensiwße 49 nachträglich angcmeldelcn und bis zur Tagsatzung etwa noch angemeideten Forderungen rne ^aglatzung gut den 22. Ofipbcs? 11 Uhr vormittags, ^munei 98 dieses Gerichtes anberaumt. Wiener Börs^. Die gestrige Börse verhielt sich wegen der Versorgung re'ervieet. Die Spekulation wartet die mormge Prolongation ab. Auch das Wochenende hat zur Zurückhaltung beigetrapen. Im Schranken lam es zu etwas lebhatteren Umsätzen als in der Kulisse. Die Kulissewerte gingen zum größeren Trrte zurück. Süd-» Hahn-Prioritäten büßten L 22 ein, Alpine IC 30, Tmkcnlose K 120 * dagegen anvancserten ZivnostmSka Banka nm 34, Holzhandels-Äktitn um.. K 60 uyd Salgo um K 135. Von Schrankenpapieien verloren. Berg? und Hütten L 880. .. Dampfschiff K 95, während Pekröleumwerte Gewinne m verzeichnen hatlen und Galina sich iw I 250 erhöhten;, Oestmeichischnngarischc Bank-Aktien besserten sich um K 110, Trotz der Meldung voch MüMngFtt^Kr'one konnte. sich der. BßrWp am Schlni; nicht beleben. Auch der Anlagenmarkt lag'sehr ruhig. Im übrigen vcrwciien wir auf die nachstehenden Schlußturse: Industrie-rirrtexnehprrrns.en. Allpememe Bgugesellschatl 870.— (—30.—), ' Unionbau 820.—!(+-2Ö.—), Wiener Baugesellschast 855.-->.(— 4.—), Königshofcr Zement S000.-r- (— Perlmooser Zement! (— i—5, Wienerberger Ziegel 3730 - (4- 50 -), Liesingcr Brauerei 1440.— (— 35.—), Sarajevo —,—■■(-), Aussig Ehern. 7950.— < + 50.—), Brosche Spiritus 350.0— (4- 40.—), Carborundum — f- Clo,Hilde LdOO - (4 100.-), A. E. G. Union Elektr. 1650.— (--48.—), Bereinigte Elektrische 1310.— (4 17«—), Siemens Sckuckerb-1761 — 47.--). Alvme 4090 — (— 30.— Bergtutb Hürtenwerkc 10.550 — (— 250.—), Austrm Email 4100.— (4.130.—), Egydiex —(-Enzestelder 2018.— (•- 2 —). Felten & Gullkeailme 4775.— (— 65.—), Greinitz Crscn 2330.— (4- 50.^). Hutter L Schmutz 1635.- (— 5.~), Kruvv Ä.-G. 1740- (4 10.-,. Poldchütte 2550.— (4 98.-), Prager Eisen 8200.— 4 200.— ), Rimamuranv 3850.— (— 45.—), Skvdarverkr 2445,— v 4 15.—), Wasientabril 3875.— (— 75.—), Brürer' Kohlen . 6980.— (— —\ Gran- Szaszvarer 3065.— <4- 35—), Nordung. Kohlen —.— ’(•-.—), Oderung. Hütten 3870.-r- {-.—). Rossitzcr 3160 — t— 120.—). Salgo 9 Tarjaner 6445.— (4 135.—), Trüailer Kohlen 3840.- (— 9.-). Ung. Allg. Kohlen 7680.^- (-l-110.-). Urikany —> (—' —Beitscher Magnesit 14 600.— <— Wesiböhm. —(---.—-), MoliSegg 1639.— (—. —.—), Danek Maschinen 2385.— (4 35.—), Brunner Maschinen 22l5.— «4 17.—), Daimler Motoren 1265,— (4 5.—), Ftalwerke 1397.— (— 3.—), Heid Maschinen 918.—. c —2.—), Hosherr L Schrantz 893.—(4 3.—), Srgl Lokomotiv 1630.— (4- 25.—), Rüstöu 2404 — (— 6.—), Simmeringer 1350.— f-f 5.15), Elbemühl —(-.—), Leykam-Josess- Ihgler 3635.- (4 50.-), Neusiedler 11.720.- (-160.-), Apollo 6500.— (— —Fanto —.— — Karvatben 17.020.-!- (4 70,—). ©ahm 24.800.- (4 250.-), Cchodnica —(— — —Cosmanos 3538.— (4 18.—), Fczfabnken 6395.—(4 45.—), Schveller Zucker 7640.— (——.—), Sckiönpmesever 3350.— (4 100.—!. Oesterr. Etsenbabnverk. 2700.— (-- » Una. Etsenbabnverk. 1450.— (— 7.—>, Wiener Waggonleihgcsellschaft 1380.— (— 15.—), Gerngrosi 850.- (— 1.—), HvlzhandelSgesellschast 3249.— (-ch 60.—), Türkenlose 3410 - (- 120.-). Transport-Anternehmungen. Adria 13.1''0.—(+ 30.—), Aussig^Teplitzer —(— —i—), Buschtehrader lit. A. 4000.— (4 3)0.—\ Buschtehrader lit. B 1970.— (4 20.—), Donau- Datmn. 10.800.— (— 95.—). Ferdmands-Nordbahn 13.950.— (4 200.—). Graz-Kbi'.ücher —.- l— — •—), Kaschau-Oderberger 2200 - r-.—), Lemberg * Czcrnowitzer 2245.— i— 45.—). Lloyd —(— —Navigazione 10700.— —.—), StaaiSbaknr 4l30.— (-.—), Lombarden 1380.— (— 18.—), 3% Südbabn-Prior. 1348.— (— 22.—). Staatsbahn- Genuß'cheine 2668.- (4 28.-). Renten. Maircnte 95 50 -—). Febrnarrenle 96 — (-.50), Oesterr. Kroncnrente 95.50 (-.—). Oesterr. Goldrente 186.— (— —.—), Ungar. Goldrente 22 — (— 2.—), Ungar. Kronenrente 103.50 (— 2.50). Banken. Ana!a-Bank 838.— (— 7.—), Oesterr.-bosn. Bank 725.— (— 23.—), Britisch - uns ar. Bank 1132.— >— 13.—), Bankverein 805.— (4 4.—), Bodcnkredil 1868.— (— 2.—). Oesterr. Kredit 964.— (— 8.—), Ung. Kredit 1729.— (4 5.—), Depositenbank 776.— l— 14.—), Niederösi. Eskomvteges. 1267.— (4- 27.-), llng. Hypothekenbank 558.— 33.—), Länderbank 1180.-7- (— 2.—). Bosn. Landesbank 670.— l4 17.—), Mercur 862 — (4 5.-). Oesterr.-ungar. Bank '6700.— (4 110.—, Ilmonbank 822 — i— 6.—), .Berkebrsbank 640— (— 5.—). ZivnostenSka 1784 — (4 34.—s. Georg Cochplats 3 f llllen il Uez. Telephon 18-1-35 Kulanteste Durchführung aller bankmässigen Transaktionen sowie Besorgung von Zahlungen und Ueberweisungen an alle Plätze im In- und Auslande Eigene Korrespondenten In Berlin, Budapest Prag, Krakau, Agram 409 Dudapester Börse. Budapest, 24. September. Auf Gerüchte, daß die erhöhte Börsensteuer beteils für die heuligcn Geichä te Gcltuna habe, machte sich gleich bei Beginn größere Zurückhalluna geltend. Andererseits suchte die Spekulation auf verschiedenen Umlatzgebieten ihre Gewinne sicberzustelleu. so das eine Ne he, von Papieren K,rr§- einbußen erlitt. In der Kulrsse lagen Britisch-Ungarische Bank- Attten auf Gerüchte über in London abgeschlossene Lransakironen weiter fest. Ocsterre chrsche Kredit- und Hungaro-Jtaliano-Aktien waren werter gesucht. Lombarden wurden von einer mit italienischem Kapital in Verbindung stehenden Barrkfirma m größeren Posten gekauft und zogen brs K i486 im Kurse an, ohne aber diesen Stand bis zum Schluß behaupten zu tonnen. Staaisbabn- Ak'ien wurden weiter ansaebotcn und büßten über K 200 ein. Im Schranken schwächte sich die Haltung im Verlaute weiter ab. Die Haltung des Valutenmarktes war weichend. Im ossizrellen Balutenhandel notierten: Ler K. 565.— bis K 590,—, Mark K 475 — bis 505.—, Pfund Sterling K 980.— bis L 10-0.—, französische Franken K 1980.— bis 2040.—, Schweizer Franken k 4700.— bis 5000.—, Dollar K 290.— bis K 310.—, Napoleons K 900— brs 950.—, Lire Li 1260.— bis 1310.—, Romanow-Nubel K 305.— bis 320—. Sokols K. SSO.— bis 410.—. österr. Noten 93 bis 98, Kronrn- Dinars K 90().— bis 960.—, Frankrn-Dmars K. 910.— bis 965.-. Leva K 420.— bis 465.—. Von Devisen notierten: Anisterdam K 8000,— bis K 8300.—, Kopenhagen K 3700.— bis K 3900.—, E.bntt'rama K 37t.0.— bis K 8Ö00.-, deutsche Bankplätze K 490 bis K 515. italienische Bankplätze K 1285.— brs K 1330.—, Prag K 395 ins- K 415, Stockholm K 4700.— bis K 5500.—, Schweizer Bankplätze K 4700.— bis L 5000.— nnd Auszahlung Wien K 961/* bis K 100‘/4. _ VerUrrer Börse. Berlin, 24. September. An der heutigen Börse.setzte das Geschäft in ausländischen Zahlungsmitteln mit beträchtstchen Preissteigerungen ein. Die Rückwirkung auf den übrigen Verkehr trat zunächst nur in einer Kurserhöhung der Valutawerte, namentlich der mexikanischen Anleihen, zutage, während jonst die Kauflust ziemlich beschränkt blieb. Allerdings trug die Haltung das Gepräge der Festrgkeit, da in Montanwerten unter Bevorzugung von Hösch-, Mannesmann- und Rheinstahl-Slktien die Besserungen überwogen und sich für Farbwerte wieder Nachfrage zeigte, die eine weitere Aufwärtsbewegung dieser Papiere zur Folge hatte. Im übrigen schleppte sich der Verkehr weiterhin 8» mäßigen Schwankungen träge dahin, da die Börse mit Rü» sicht auf die Brüsseler Konferenz und in Erwartung wirtschaftlicher Maßnahmen der Regierung Zurückhaltung beobachtetem Die Airrsveräilderungeri blieben jedoch geringfügig, teilweise ergaben.sich leichte Abfchrvächungeir.»Bochunrer-Mtien waren nach der vorailgegangen-en starken - Steigerung? aüj Realisationen gedrückt. Bank-Aklien.gaben- 5et geringen Umsätzen etwas nach. __ . _ , ' Die Devisenkurse. . Wien, 24 September- «Kurse der österr. Devismumtralt.) Amsterdam 8.0o.— 8000.—). Berlin 510.50 518 50). Mich 4100.— <4109.—), Chrtstiania 3700.— (3700.—), Kopenhagen 3700.— 18700.—), Stockholm 5150.- (5150.—), Mark-Noten 504 50,512.50). Lei-Nöten 515.- «515.—), Leva-Noten 860.— 380,—>, Schweizer Noten 4075.- (4075.—V Französische Noten 1700.— (1700.—), Italienische Noten 1090.— (1090.—), Englische Noten 850.— (8ü0.—), Dollar-Noten 235.— (235.—), Rubel-Noten (Romanows) 280.— (280.—), Wien, 24. September (Kurse i m f r e i e n B e rk e h v.) Agram 247.— bis 267.—, Budapest: Zahlung in Postsparkassagcld 96.— bis 106.—, Budapest: Zahlung in gestempelten Noten 96.— bis 106.—, Ungarische gestempelte Noten 96.— bis 108.—, Warschau. Krakau m voln. Mack 100.— bis 115.—, Prag 402.— bis 428.—, Tichecho-slow. Kronennoten 6000er 401.— dis 427.-, kleinere 401.— bis 427.—, Neue Dinarnoten 1000.- bis 1050.—. Prag, 24. September. (Kurse der Devisenzentrale.) Amsterdam 2348.50 2358.50), Belgrad 249.— (249.—). Berlin 122 25 (122.25), Bukarest 144.75 149.25. Sofia 100.75 (10025), Zürich 1218.50 1208.50), Kopenhagen 1008.50 (1008.50), Stockholm 1478.50 (1538.60), Mailand 329.— (329.—), Baris 513 50 l479.-) London 265.- (257.-^). New'Aork 75.50 (73.-). Wien 23.60(23.75, Brüssel 540.60(518.50). Agram 61.50 61.50), Marschau 25.- «26.-), Budapest 23.50 (23.75), Jugoslawische Noten 845.— (245.—), Martnoten 121.25 <121.25). Rumänische Noten 140.75 (145.25), Bulgarische Noten 98.— 97.50), Schweizer Noten 1214.50 (1204.50), Dänische Noten 1004.60 (1004.50\ Schwedische Noten 1474.50 (1534.50), Italienisch« Noten 326. — 326.—), Französische Noten 510.50 (476.—), Englische Noten von 1 Pfund Sterling auswärts 263.— «255.—), bis 1 Pfund Sterling 262.— (254.—); Amerikanische Noten von 10 Dollar auswärts 74.50 72.—), von 1 dis 10 Dollar 73.50 (71.—), Oesterreichische gestempelte Kronen 22.50 '22.75Holländische 8343.50 (2443,50), Belgische 537.50 (515.50), Polniiche Noten 24.— (25.—). Berlin, 24. September. (Devisenkurse.) Amsterdam 1953.— (1883.10), Antwerpen 446.55 (439 56). Christiama 826.65 (80420), Kopenhagen 856.65 (824 15), Stockholm 1256.26 (1223.75), Helsingfors 175.80 (179.80), Italien 262.70 (264.70), London 22050 (214.25), New-Aork 62 93 (61.43). Paris 424.55(417.05), Schweiz 1021.50 (984.—), Spanien 919 10 881.10), Wien altes (24 47), Wien adgestempelt 26.72 (26.47), Prag 60.65 (80.90), - Budapest 19.98 20.59V,X Berlin, 24. September. (Kurse der Devifenzentrale.) Noten: Dollar 62.77V, (61.02l/,), Belgische 446.50 (444.50), Pfund 2,9.75 (214.75), Französische 424.50 (414.60). Jtalienische 280.- (264.50). Polnische 22.25 (22.2.V), Dchecho-slowakische 80.20 (80.15), Alte österreichische 19 45 (19.32'/,). Oesterrerchische g stempche 19.45 (19.95), Rumänische 118.— (116.—), Schweizer 1022.- (979.-). ,; .y ..... Zürich» 24. September. (Devisenkurse. — Mitgeteilt von der Schweizerischen Kreditanstalt.) Berlin 9 60 (1030), Holland 192.60,7(192.75), Ute^or! 62t— (620—), Lonoon 2168 (21.68). Paris 41.80 ^42 20), ' Mailand 25 60 (26.65 . Brüsiel 44.20 (44.25), Kopenhagen 84.75 (84 50, Stockholm 124.75 rl26.—), Chrtstianie 84 75 ^84.50), Madrid 9045 (90.75), Buenos-Aircs 230.- 225.-), Prag 8.10 «8.35), Agram 5.05 (5.15), Budapest 2 - 12.20,, Marschau —(-.—), Belgrad 22.25 (22 50). Wien Geld 2.75 f2 85>, Wien Ware österr. gest. Kronen Geld 2.40; (2.40V österr. gest. Kronen Ware- Amsterdam, 23. September. (Devisenkurse.). Londpn 11.24'/, (11.27'/,)., Berlin 5.27'/, - (5.35), Paris 21.90 (21.75). Schweiz 52.— (52.—), Wien 1.42'/, (1.42'/?,Kopenhagen 43.80 (43.60), Stockholm 64.80 (65.10), Chrrstiania 42.80 (43 60), New-Aork 321.50 (324.50), Brüssel 22.95 (22.95V Madrid 47,— l4r—).-Italien 14 — (13.80). Machdnuk verböte«.) Marienbad. Kein Roman, sondern eme überaus verwickelte Geschichte, die Mischen Warschau und Marienbad spielt, in 36 Briefen. 14 Billei-doux und 46 Telegrammen. Bon Scholem Alejchem. Aus dem Jüdischen übertragen von S > e g f r i e d Schmitz. (32. Fortsetzung.) ' Sie heiß!: Seide. Wpnn Du das Zuckerl sehen würdest, Du gnrqest ,rch«er drauf. Ich will sie Dir beschrelben: Augen — schwarze Kirschen, Wangen — rote Aepfel. Zähne — weiße Perlen. Nase — gemeißelt, Hals — Elfenbein, und das ganze geht gekleidet — der Teufel soll mich holen! Und so eine Kostbarkeit gehört einem alten Kracher. Alle sind hier hinter ihr her. Besonders uinschivarmt sre ein Odessit, der nach Warschaü geheiratet hat, Marjatntschik: heißt er,^ jeder kennt ihn, er lügt wie gedruckt und sieht auswie ein Kadett. Ich hatte mit ihm eine kleine Affäre, beinahe wäre ein Duell daraus geworden. Wegen eines, Unsinns, aber es ist wert, erzählt zu werden. In Marienbad gibt es eine Warschauerin — man nennt fic Jamaikerin;' die hat drei Töchter; die sind schon etwas übertragen, haben recht ausdrucksvolle Nasen nnd suchen Männer. Und da man es mir nicht an >?r Nase ansieht, daß ich verheiratet bin, haben sie mich als Heiratskandidaten in AuDsicht genommen, und die Mutter mit ihren drei Töchtern verzärtelt mich wie einen einzigen Sohn. Der Schadchen redet mir Locher m den Bauch und alle Bekannten sprechen mir Mut zu. Am meisten redet mir eine von den Warschauerinnen zu, eine richtige Abenteuerin; sie raucht Zigaretten und spielt mit Männern Preference. Madame Tschapnik heißt sie. Diese Tschapnik verbittert mir das Leben. Sie sagt, daß die Jamaikerin reich ist wie Korach, eigene Häuser in Warschau hat und Ge sch niie und Güter i tak dali. Kurz, man redet mir eine Partie. Ich 'stelle' mich tot. Partie — Partie. WaS geht das mich an? Da ereignet sich folgendes: Der Odessit, von'dem ich Dir erzähle, hat ein Lied auf die Töchter der Jamaikerin im Jargon.gemacht; es ist gestohlen, aber er gibt es als seines aus. Das hat mich geärgert. Ein Wort hat. das andere, gegeben, bis es zu einem Duell gekommen ist. Zn seinem Glück hat er .mich um Verzeihung gebeten und vor allen Leuten eingestanden, daß das Lied nicht von ihm ist, sondern daß er es gestohlen h>cvt i tak dali. Kurz und gut, ich lasse es mir hier gut gehen und bereue es wirklich nicht, daß ich in Marienbad bin statt in Ems. Laß Dir raten und komm'' her. Und sag' Sergius, er möge auch nach Marienbad kommen. Warum sollt Ihr in dein staubigen Kitschinew sitzen? Man schreibt mir, daß Ihr dort ganz -ausgerissene Sachen treibt. Ihr fahret — so sagt man — mit einer Deputation nach Petersburg lvegen des „Landes". Wozu? Es wäre gewiß gerecht, die Juden aufs „Land" zu lassen. Aber bas ist vergMne Mühe. Unser Wolodka (Purischkiewicz) schläft nicht. Schreibe mir, was es im Klub Neues gibt. Wem folgt das Blatt und wer ist die Tinte? Ich spiele hier selten Karten. Hier befasse ich mich mehr mit dem Flirt und es geht mir — nur so weiter! Schreibe mir oft. Am besten — komm', selbst her. Und nicht, allein, sondern mit Sergius. Ich küsse Dich. Dein Freund Alfred Seidener. Nr. 27. Belcie Kurländer aus Marienbad an rhren Gatten Schlojme Kurländer in Warschau (ans den Nalewki). Dem teuren Gemahl, dem' hochgelehrten Herrn Sch los nie ehrfürchtigen Gruß! Ich muß Dir mitteil-en, daß es mir hier gar nicht gut geht. Ich fühle mich noch mehr nervös, als ich in Warschau war. Ich fürchte, daß die ganze Kur und ganz Marienbad hinansaeworfenes Geld ist; und wer ist schuld? Nur Du! .Denn.sobald ich in Marienbad von Spionen umringt bin, bin ich meines Lebens nicht sicher- Ich wußte 'gar nicht, Schlojme, daß. Du. Dir, noch bevor ich nach Marienbad gekommen..bin, schon Wächter ausgenommen hgst, die mich auf. Schritt und Tritt bewachen sollen, auf mich achtgeben, wo., ich gehe und stehe,. )vas ich esse, wann ich trinke und. mit wem ich spreche. Es'ist wirklich sehr schon von. Dir, so wahr ich lebe, daß Du Dich vor Deinem guten Freund über Deine Frau beklagst, sie ist eine Verschwenderin, und ihn bittest,, er möge mir einreden, Deine Geschäfte gingen nicht gut . . . Und er, Dein „guter Freund", ist wirklich gut und fein und vor-^. nehm; er nimmt Deine gescheiten Briefe, die Du ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit schreibst, und schickt sie seiner Esther ein, und feine Esther geht und gibt sie ihrer Schwester Chancie und Chaucie nicht faul,- schickt sie her nach Marienbad an ihren Mann Majerl Marjamtschik oder, wie Dn ihn, nennst, den"' „Odessaer Scharlatan". Und der „Obessaer Scharlatan" ist/ wenn Du es wissen willst, viel feiner als' Dein' „guter Freund", obwohl er ein Scharlatan ist. Denn ' wäre er nicht, so hätte ich nicht gewußt, daß Du Spione und „gute Freunde" in Marienbad hast, welche wich auf Schritt und Tritt bewachen. Zum Glück sind.- wenigstens Deine Briefe nicht der Jamaikerin -in die Hände gefallen. Sonst loüßte schon ganz Warschau auf ben Nalewki um die Geheimnisse, welche Du Deinen „guten Freunden" anvertraust, die bereit sind, Dich zu kaufen und zu verkaufen; Du aber glaubst an sie wie an Gvtt., Da dem so ist, muß ich Dir die Augen öffnen, Schlojme, damit Du weißt, wem man vertrauen kann und wein, - nicht. Ich sende Dir hier ein paar Briefchen Deines „girkir Freundes", die an mich sofort nach meiner Ankunft iri,; M-arienbad geschrieben wurden. Lies bk Biliels genau durch — Dn wirst Deine Freud.' ) =: (Fortsetzmm 8 '