Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 600 (25.9.1920)
- Date
- 1920-09-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^Seilr 2 Wien, vamsrag Polttifche^undscha«. Die PrSfidentenwahl in Frankreich. A»S Versailles wird berichtet: Nach Beeningrmz der Sitzung der Nationalversommluns begab sich der Bräsident des kenatts L^cu Bonraeois mit d<m Jnitizm'mister 8H o v i t e a », dem Kammerpräsidentcu P e r et und einigen Levators und Dr-uriertrn in den Salon des Präsidenten der Nationalversammlung. M i l l er a n d sagte : Das siegreiche Fraükreich muß seine Ruinen wieberaafbauen, ferne Wunden verbinden und sich wirderhersiellcn. Um dies zu erreichen, nun) es die v o l U ständige Durchführung aller auf Grundlage des Versailler Fnedemever'.rages rhm yegenüder nngegangenen Bervilichlungeu erlangen. Eine neue Periode ist ins Leben gerufen worden. Die französische Demokratie wird im Einverständnis mst ihren Alliierten, über ihr Fortbestehen und ihre wetere Entwicklung wachen. Der Präsident der Republik hat die besondere Aufgabe, unter Mitwirkung der Minister und der Präsidenten der Kammern die F o r t s e tz n n g einer äußeren Politik zu sichern, die unserer Siege und unserer Toten isLrdig ist. Inland. -^ tf Der hvrthy-magyarifche Nachbar. Die „Arbeiter-Zeitung" hält ihre Behauptungen bezüglich de- Echtheit der Dokumente, welche die magyarilche Propaganda in der Wiener .Hetzpresse beweisen sollen, auch weiterhin aufrecht und veröffentlicht in ihrer letzten Nummer ein Schreiben des Gesandten Kania in Budapest an den Ministerialrat Reich, betreffend die Unterstützung der in Wien erscheinenden Blätter „Dolksstur m" und „S1 aatsweh r", ferner einen Brief des Budapester Sektiorrsrntes Eckhardt an Ministerialrat Reich und ein Schreiben des letztgenannten an den Herausgeber der „Staatswehr^, worin es sich darum handelt, ob die „Staatswehr" ihre Angriffe gegen die deutschnationale Partei einswtten solle. Hingegen hält die ungarische Gesandtschaft in Wien, beziehungsweise deren Pressechef Ministerialrat Reick» daran, fest, daß die von der „Arbeiter-Zeitung" veröffentlichten Briefe erfunden seien. Inzwischen hat dir Angelegenheit durch eine Grazer Wahlrede des Staatssekretärs Dr. Renner eine bedeutende Verschärfung erfahren. Die' Behauptungen der „Arbeiter-Zeitung" sind durch ein Mitglied der Regierung ausgenommen und in der OeffentlickMt erörtert worden. Die bezüglichen Stellen in Dr. Renners Rede lauten: „Es muß gesagt werden, daß Ungarn uns auch jetzt nicht zur Ruhe kommen läßt, so wie es uns nicht zur Ruhe kommen ließ, als es unter der Herrschaft des anderen Extrems, unter der Rätediktatur, stand. Auch damals wurde mit denselben östlichen Methoden gearbeitet, mit Bestechung und Korruption. Die Arbeiterschaft ist damals diesen Versuchungen nicht erlegen. Ein um so größeres Anrecht hat sie darauf, sich aufs schärfste dagegen zu verwahren, daß das reaktionäre und monarchistische Ungarn unser öffentliches Leben in den Bann einer Politik zu ziehen sucht, die das deutsche Volk in Oesterreich wieder in das Schlepptau fremder Interessen zu bringen strebt und von der wir das eine sicher wissen, daß sie uns leicht in einen Konflikt mit den Nachbarstaaten bringen kann, der Nur die eine Wirkung haben kann, unser Elend zu vergrößern. Die Methode der Verschwörung und der Bestechung und des Zeitungskaufes zu wählen, wäre ein Zustand, den kein Staat sich gefallen lassen könnte, wer immer auch seine auswärtige Politik leitet. Solche aus dem dunkelsten Balkan stammende Methoden empfinden wir als Schmach für unseren Namen. Wir wollen unter keinen Umständen den Krieg und deshalb warne ich die breiteste Oeffentlichkeit davor, diese Dinge leicht zu nehmen. Abgesehen davon, welche Lösung auch die Frage nach Echtheit oder Unechtheit jener Dokumente finden wird, so ist doch zweifelsfrei festgestellt, daß die Rachbarschaft Horthh-Ungarns für Oesterreich eine Kette von Unannehmlichkeiten bedeutet, die sich immer ernpfindlicber geltend machen. Sollten sich die Beweise der „Arbeiter-Zeitung" selbst als Fälschungen erweisen, -so gibt es einwandfreie Beweise genug für ein Treiben, dessen Gefährlichkeit außer allem Zweifel steht. Den Wühlereien einer kriegslüsternen Soldateska, die einmal mit Waffen- und das anderemal mit Menschenraub operiert, muß endlich das Handwerk gelegt werden! Die gleitende Zulage an die Staatsaugesteklten. Der Hauptausichuß hielt gestern eure Sitzung ab, in der die Regierung zunächst über die von ihr in Aussicht genommene Gesetzesvorlage, betreffend die Erhöhung der gleitenden Zulage an b\< Staatsarigestelllen um K 100 per Kopi, berichtete und sich die Ermächtigung zur unverzüglichen Anweisung der aus dieser Erhöhung für den Monat September sich ergebenden Nachzahlung erbat. Die Einbringung der Gesetzesvorlage und die Absicht, diesen Vorschuß auszuzahlen. wurden einstrnunig zur Kenntnis genommen. Die Zucke rverharrdlurrgen in Prag. Prag, 24. September. Die zwischen der österreichischen uno der tschechoslowakischen Negierung unter der ff&widjii&M GeMchtschaft in Prag Wiener Morgenzeltnng Aus Palästina. Die Tätigkeit der^Pro-Iernsalem-Gesellfchaft". Jerusalem, 18. September. (Jewish Corr. Bur.) In der letzten Sitzung der Pro-Jerusalem-Gesellschaft wurde ein aus vier Mitgliedern bestehendes Komitee zur Bestimmung der Straßennamen in Jerusalem gewählt. Die Anglo American Society hat der obigen. Gesellschaft zum Zwecke der Anlage einer Spazierattee nächst der Zitadella einen größeren Betrag gewidmet. Die Unifizierung des Gewichtssystems. Jerusalem, 18. September. (Jewish Corr. Bur.) Die zionistische Kommission hat im Einvernehmen mit derMgierung eine Konferenz der Kolonievorsteher zwecks BespreHung der Gewichtsunisizierung emberufen. Düf, Regierung' beabsichtigt, das europäische Gewichts- und Maßsystem «inzuführen, um den Sandelsver^hr mit, Europa zu erleichtern. Der neue Chefredakteur des „Paleftms Weeklh". Jerusalem, 18. September. (Jewish Torr. Bur.) Harry Sacher, ein bekannter englischer Publizist, der früher Redaktionsmitglied des „Manchester Guardian" war, hat die Hauptschriftleitung des „Palestine Weekly" übernommen. Der jetzige Redakteur, E. M. Epstein, verbleibt weiter im Redaktionsverband. Deutsche Schiffe in Palästina. ' Jaffa, 18. > September. (Jewish Torr. Bur.) Amtlich wird verlautbart, daß deutsche Schiffe palästinensische Häfen nunmehr anlaufen und ihre Ladungen dort löschen dürfen. LieferurrgskoutrakrLe mit jüdischen Kooperativen. Jerusalem, 18. September. (Jewish Corr. Bur.) Das Regierungsdepartement für öffentliche Arbeiten hat mit den Kooperativen der Zimmerleute „Hamikzoah" und ,Hacharash" Lieferungsbertrüge abgeschlossen. 4 Der Besuch arabische« Scheichs bei der zionistischen KommWon. ß . Jerusalem, 18. September. (Jewish' Corr. Bur.) Eine Anzahl hervorragender Scheichs stattete der Zionistischen Kommission in Jerusalem einen Besuch ab und lud Ussischkin nach Transjordanien ein. Ussischkin versprach, die Einladung anzunehmen. Bianchini lebt. JerufaleP, '19. September. (Jewish Corr. Bür.) Ein in Actusaus Transjordanien eingetroffener drusinischer Scheich' erzählt, daß Blanchini nicht tot sei. Er sei nur am rechten Arm verwundet worden und wird in einem arabischen Zeltlager östlich von Jordan zurückgehalten. Bianchini versprach ihnen «ine große Geldsumme, wenn sie ihn nach Palästina zurückbringen, was aber wegen Transportschwierigl'eiten und Reisegesahren noch nicht geschehen konnte. Die Araber — heißt es — behandeln ihn gut. geführten Zuckerverhandlungen haben bezüglich der Liqu di.rnna d's Komp"malien'Vertrages vom Mai 1919 zu einer Einigung geführt. Oesterreich erhält die aus diesem Vertrag noch ausständigen 250 Waggon Zucker zu den damals vereinbarten Preisen. Dagegen erfolgt die Stornierung einer gleichen Menge Zucker, da Oesterreich nicht in der Lage war, die im Kompensationsvertrag vorgesehene Menge von Sechskanteisen und Medikamenten wegen Unmöglichkeit der Beschaffung dieser Ware durchzufühven. Die Verhandlungen über den neuen Zuckerkaufvertrag gestalteten sich schwierig. Da eine Einigung der beiderseitigen Standpunkte bezüglich des Preises für den neuen Zucker nicht zu erzielen war, reisten die österreichischen Delegierten nach Wien zurück, um über den Stand der Angelegenheit Bericht zu erstatten und Weisungen einzuholen. Telegramme. Gegen die Erhöhung der deutschen Kohlenpreise. Be.lm, 24. September. Die Blätter melden aus Bochum: Reichsarbeitsminister Dr. Braun verhandelte gestern mit den Vertretern der vier Bergarbeiterverbände über die neuen Darisforderungen, die unter anderem eine Lohnerhöhung vop 6 Mark enthalten. Er erklärte, eine Erhö hung der Kohle npreise müsse mit Rücksicht auf die gesamte Wirtschaftslage vermieden werden. Um die deutsche Volkswirtschaft aufrechtzuerhalten, müsse ein Preisabbau erfolgen, sonst würde Deutschland vom Weltmarkt abgeschnttten. Der sozialdemokraüsche Abgeordnete O st e rroth bezeichnet« ebenfalls eine''Erhöhung der Kohlenpreise für unmöglich. Die Vertreter der Arbeiterschaft fordertem vor allem die ^Beschleunigung der Sozialisierung des Bergbaues und des Preisabbaues. Karolhi geht nach Italien. Prag, 24. September. (Privat.) Wie „Ceske Slovo" mottet, wird Graf Michael Karolhi demnächst Prag verlassen uno nach Italien überjiedelg. 25. September 1926 tit 600 I Die Raffenkämpfe in Amerika. Lorüwir, 24. September. (Tel.-Komp.) Aus Chi- ' cago wird gemeldet: Die Wiederaufnahme der Kämpfe zwijchen der weißen und der schwarzen Bevölkerung führte am Mittwoch zur Verhängung des Velagerungs-! zustandes über Chicago. Zwei Bataillone durchziehen i die Stadt. Bis jetzt sind auf beiden Seiten mehre'-'-» Opfer zu verzeichnen. . O Die Verhaudluttgen in Riga. Berttn. 24..September.-Di 'Blätter geben eine Mel-, -düng des „United Telegraf" au? Riga wieder, worin es heißt: Die zweite Plenarsitzung der FriedensdelegatioN wird auf Anregung Joffes Freitagstattsinden. Man sieht „dieser Sitzung mit Spannung entgegen, da Joffe, wie ein. russischer Sekretär mitttittü, im , Namen der rMsth-ukrainichen Delegation eine Erklärung ,^ahzngchen gedenkt. ..... . Der russische Fxorrtberrcht. MoS?an, 24. September. (Funkspruch.) Frontbericht vom 23. d. M>: Bei Wolkowysk und Prusch anlj Kämpfe mit frechselrchem Erfolg. B'i Wolots ch h fl wurden die Angriffe des Feindes auf die Stadt abgewiesen. Im Gebiete von Alexandrowsk—- Jekaterinoflaw räumten wir nach harten Kämpfen mit bedeutenden feindlichen Kräften die Stadt..Ulex<a ndrowsk und bezogen Stellungen am reckten Itter des Dnjepr., Klara Zetkin in Moskau. Moskau, 24. September. (Funksprnch.) Die deutsche Kmmnunistin Klara Zetkin ist hier eingetroffen. Bestrafung der „Hazefirah". Warschau. 23. ^cptcmber. (Jewish Corr. Bur.) Der Rrdaltcur der „Hazrsirob" wurde wegen Verösfentliclmng des Berichtes des Sejm-Denntierten Hartglas üher B ola mit 30.000 Mark bestraft. Niemojekrski gegen Lubomirski. Warschau, 28. September. (Jewsih Corr. Bur.) Niemos jewSki greift den polnischen Gesandten m Amerika Fürsten. Lubomirski wegen seiner Erklärung an. daß die Forderungen der Juden nach Üntcrsuchung ' der neuerliche« antstüdischen E x. z r s s e in Polnr b e r r ch t i g t seien. Nirmvjewskl behauptet, die ^iiiovmatiottcu Lubomirskis seien für Polen schädlich. Eine jüdische Kolonie in Japan. London, 23. S-eptember. (Jewish Corr. Bur.) Nach von der japanischen Insel Kobe eingetroffenen Nachrichten hat sich dort eine Gruppe jüdischer Auswander-er aus Polen dauernd niedergelassen, wo sie bereits feste wirtschaftliche Positionen innehaben. Sie haben bereits ihre Familienangehörigen aus Polen dorthin bestellt. Verhandlungen -er zionistischen Organisation mit der Iea und Baron Rothschild. London. 23. September. (Jewish Corr. Bur.) Nahum Sokolow und Dr. Weizman verhandeln im Namen der zionistischen Weltorganisation mit der Iea und dem Baron Edmond Rothschild über deren Teilnahme am Aufbaue Palästinas. Die Verhandlungen sind ziemlich weit gediehen und ist begründete Aussicht, daß sie ehebaldigst zu einem günstigen Abschluß gelangen werden. Kemal Pascha für den Bolschewismus. MosVan, 24. September. (Funkspruch.) Der Führer der türkischen Nationalisten, Keinal.Pascha, hat bei der Eröffnung der Nationalversammlung in Angora erklärt, daß er die nationalistische Bewegung im Bunde mit Sowetruß.'and leite, daß seine Ziele die des Bolschewismus, und daß für ihn nur die Interessen jener maßgebend seien, die tatsächlich arbeiten. Die Lage in der Slowakei. Prag, 24. September. (Tel.-Komp.) „Lidove Listy^ berichtet aus Preßburg, daß heute dort eine Enquete über die Kompetenz der Zivil- und Militärbehörden für den Fall der Proktamierung der Militärdiktatur in der Ostslvwakei stattsand. Es wurde beschlossen, die Regierung aufzufordern, eine ministerielle Kommission unverzüglich in die Slowakei zU senden, um die Gründe der Unzulänglichkeit der slowakischen Behörden zu prüfen. Die Forderungen der englischen Bsrgaröerter. London, 24. September. (Funkspruch,) Bei der Zusammenkunft der Vertreter des Arbditerdreibundes. wurde sestgestellt, daß die Vorschläge des Premierministers von den drei Gewerkschaften'des Verbandeseinzeln beraten und das Ergebnis der-Beratung noch am Abend der Vollversammlung der Vertreter des ganzen Dreiverbandes zur Kenntnis gebracht werden solle. Die Frage der Lohnerhöhung auf Grund ver» mehrter Förderung wird voraussichtlich Gegenstand neuerlick er Verhandlungen mit Ltohd George sein. Graf Esaky — ungarischer Außenminister. Budapest, 24. September. Das Amtsblatt veröffentlicht heute das Rundschreiben, mit welchen der Reichsverweser den Legationsrat Grafen Emmerich Csaky unter gleichzeitiger Enthebung des Minister« Präsidenten Grasen Paul Teleki von der provisorischer. Führung der auswärtigen Angelegenheiten LUM Mt« , niste,4 des ArnLern ermunt rrirb.