Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-09-23 · Heft 598 (23.9.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 598 (23.9.1920)
Date
1920-09-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979676--05301-2991139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

vti* S U90 hl Me m ' wr»^r? tMSdtP^i^K MasaNtch.. Kroae» 8®rlYMM-ljÄrNch „ S0- 18U Postversartd für Wir» m» OlftCRRlfi: Moimtftlh . . Krott«« 50.- Tschrcho-Slowilei: t^DiiatliA .. Kronen IN — Vierteljährlich „ »».- ß» tjchkch»slew«kischcrWLHr»»H Lqp»«tt Moantttch .. Krone» 50.- Jugoflewie«: pt»»atltch «• Dia« Vierteiiührlich * *8— \ Prannme-nüNnsprerftz Pole« Mottatlich .. Mark r»-B ' '^WWL Ä«^ «o«-Utch^!^Mark iO*-<J «ottattiOM»»^ vrouatltch 3f!Ö!5?‘. Lire S.-^ Schweiz: ' ' I Monatlich. -. . FraneS s^ .Für dao.übxlaeMrland:; vierteljährlicheKronen 1.^8.—-' / Kedaktio«»1.Avmi»iftratio» LÜten.L. Bez..SÄj>^rftrUl—9 Telephone: iUdmittiftratio« 4408», Redaktion 48»1». cft 6 ÜhravenvüStt.L«M Poftsvarkaffenkitmo lSLÄ» Nr. 598 Wie«, Donnerstag» den 23. September 192V 2. Jahrgang PrSfidentenwahl in Paris. i?. Wien. 23. .September. Die Frage des künftigen französischen Staatsoberhauptes steht gegenwärtig in Paris im Mittelpunkt des Interesses. Präsident Deschanel ist ins Privatleben untergetaucht und . in diesem Falle ist nicht die übliche diplomatische, sondern wirklich physische Krankheit der Grund des Entschlusses gewesen. Man hat in erster Reibe all Herrn Millerand gedacht, der sich jedoch anfangs mit Händen und Füßen geweigert - hat, die allmächtige Stellung des heutigen französischen' Kabinettschefs mit der dekorativeren, aber minder einflußreichen eines Präsidenten der Republik zu vertauschen. Nunmehr aber, ist Millerands Widerstand allem Anschein nach gebrochen und die' heute zusammentr'etende Kammer wird vermutlich den - bisherigen -Ministerpräsidenten als künftiges Staatsoberhaupt auf den Schild heben. Herr Millerand, der gewes-me Sozialist, hat in seiner weit Zurückreichenden Laufbahn manche Handlung durchgemacht, ehe er sich im Wanze derhöchsten Würde sonnen durfte, die Frankreich: zu vergeben hat, und die Stärke feiner Position erhellt aus der Einmütigkeit, mit der ihn die öffentliche UMnung als Deschanels Nachfolg er sehen will, und bezeichnenderweise denkt man in gewissen politischen Kreisen vom Paris sogar an eine Verfassungsrevision im Sinne der Zubilligung größerer Vollmacht an den Präsidenten. Herr Hillerand als Präsident von Frankreich wird sich keipestyegs mit den repräsentativen Funktionen eines solcher^ begnügen, er wird zweifellos, wie einst Eduard .L§tzMMsnteiw'England,fern eigener Minister sein '-MllW,.,.' .■■/-v.fV T^'7-r'T'. . s Mir -das nichtfranzösische Europa, läuft : die- Auge--' legenheit der künftigen.französischen Präsidentschaft aüf die Frage hinaus, ob ein Wechsel in der Person auch eine Äenderungder -französischen Politik bedeutet.. Die Antwort hierauf muß leider-verneinend lauten. Frankreich wird immer deutlicher die europäische Großmacht, welche sich. anschickt, die politischen Schicksale des europäischen Konünents bestimmen zu wollen und das entscheidende Wart, in gllen Fragen der Festlandsstaaten zu sprechen. Wälrrrrrd England'gegenwärtig vollauf damit beschäftigt ist, die durch den Krieg erlangte Festigung seiner Weltgeltung zu behaupten, den Vorgängen in Vorderasien sein Augenmerk zuwenden muß- und mit der immer heikler, werdenden irischen Frage und der auf einem kritischen Punkt angelangten Auseinandersetzung mit den großen Arbeiterorganisationen genugsam zu laborieren biü, während Italien in ökonomischer Hinsicht in völlige Abhängigkeit vom Ausland geraten ist, von Schulden gedrückt und von den revolutionären Ausbrüchen des unzusrisdenen Proletariats erschüttert wird und hie Auseinandersetzung mit Jugoslawien in der Adria-Frage um keinen Schritt vorwärtskommt, herrscht in Frankreich-noch immer die Siegesatmosphäre, das Bürgertum aller Schattierungen wird durch eine einheitliche nationaliftische Stimmung zusammengehalten, die Armee ist noch immer von einer beträchtlichen Stärke und die sozialistischen Parteien sind zu politischer Einflußlosigkeit herabgedrückt. Die französische Politik hat diese günstige Situation bis aufdie., letzte Möglichkeit ausgenützt und sie ist bemüht, unentwegt in diesem Fahrwasser weiterzusegeln. Seit dem Tage, da Frankreich und sein Marschall das Triumphgesühl des Siegers auszukosten begannen, seit Foch und Clemenceau dem zusammengebrochenen und durch revolutionäre Wirren erschütterten Deutschland diktierest'konnten, hak sich die französische Politik ein völliges-System geschaffen, das ihr ermöglicht, in allen europäischen Fragen die Hand im Spiele zu haben. Der Geist des Diktatfriedens, Clemenceaus Werk,' trumu -vlriert -auf allen Linien und die Mäßigung, welche nach deni schönklingenden Eommuniguee von Aix-les-Bmns die Pflicht der Sieger ist, steht bloß auf dem geduldigen Vapier.' Frankreich hat Deutschland einen würgenden Frieden.aufgeuötigt, in der-Rußland gegenüber eingeschlagenen Ostpolitik einen unerwarteten Erfolg zu verzeichnen-— einen Erfolg freilich, der. neues Blutvergießen, neues Elend und die Hinausschiebung der inneren Poziftzierung des.aus den Angeln geratenen Europa zur Voraussetzung hat und auf andere, mens-^sthere und politisch klügere Weise zu erlangen geto.i... ^äre — die fran-öfische Politik, die ihrem einzigen Ziel, Deutschland kaUz'.-strllen und zu schwächen, alle übrigen "Rücksichten ni iei ordnet, hot Dr- Krümarsch in Samt-Germain zum Siege verholjen und die traurige Mißgeburt Oesterreich Beginn der UerMlBngen in Riga. ^erlitt, 22. September. Die Blätter geben eine'vom 21. d. 321. datierte Meldung des „Anitsd Telegraph" aus Riga wieder, worin es heißt: Zn der ersten Sitzung der polnisch, russischen Friedenskonferenz erklärte D o m b f k i Polen wünsche aufrichtig den Frieden und wolle sein Bestes tun, um ihn herbeizuführen. I o s s e entgegnete, die Russen seien seit drei Jahren bereit, Frieden zu schließen. Sowjetrußland wolle Frieden und Versöhnung, es wolle,. daß es keine Sieger und steine Besiegten gebe. Hierauf wurden die Vollmachten geprüft und als richtig befunden und die Sitzung geschloffen. Warschau, 22. September. (W. P. G.) Wie die hiesigen Blätter Mitteilen, soll Minister-^ Präsident Wito s vom Vorsitzenden der polnischen Frisdensdelegatton Drzeminister Do mb-sst^ ein Telegramm erhalten haben, worin die Aussichten der Rigaer Verhandlungen im großen; und ganzen optimistisch beurteilt werden. Die Hauptschwrerigkeit dürfte die ukrainis ch e F«age bereiten. In der gestrigen ersten Sitzung wurden beide Delegationen vom lettischen Ministerprüsidenten Mejerowiez begrüßt. Dombski und Joffe dankten hierauf in längeren Ansprachen dem lettischen Premier. , KameueH-PodolsK von den Ukrainern genommen. Tornow, 22. September. (Ukr. Pressedienst.) In der - Mchv vom 29.. M bett.21 i Truppen in breiter Front bei. Jwanjegufte-den. Hrbmz überschritten und die Bolschwiken. aus ihren am östlichen Ufer gelegenen befestigten . Stellungen geworfen. Kamenetz-Podolsk, die Hauptstadt Podoliens, ist genommen.; - j Der polni]yje Fronlberrcht^ s. - Warschau, 22. September. (Poln. Tel.-Ag.) Frontbericht vom 21. September: Unsere Truppen haben die Linie des Zbrucz erreicht. Die Bolschewiken flüchten in raschem Tempo, wobei sie Führwerke benützen. Weiter ostwärts haben die ukrainischen Truppen dep Zbrucz überschritten. In Wolhynien nahmen wir in scharfer Verfolgung des Feindes Wyszegrodek und Kremieniec. Gleichzeitig erreichte unsere Kavallerie die Linie des Horyn-Flusses und besetzte O st r o w o, B o b r Y n und Derazno. An der Njemenfront beschossen die Litauer abermals unsere Patrouillen in Strzeltowizny. Im Laufe des 19. d. M. beschoß die feindliche Artillerie unsere Posten am Glnchysee. Litauische Patrouillen, die bis in die Gegend von Froncki vorrückten, wurden samt ihren Kommandanten und Offizieren gefangengenommen. Die Litauer befestigen ihre Stellungen. Der russische FrAntbürüchl. Moskau, 22. September. (Funkspruch.) Frontbericht vom 21. d. M.: Im Gebiet von Grodno ist der Feind nach Heranziehung großer Kräfte zu einer Offensive vorgegangen. Es entwickeln sich hartnäckige Kämpfe auf einer Front von 60 Werft, insbesondere bei Swislocz. Westlich von Wolkowijsk Kämpfe mit wechselndem Erfolg. Nordwestlich von Pruschau nahmen wir einige Ortschaften. Der Versuch des Feindes, den .Gorin bei Tutfchin, östlich von Rowno, zu überschreiten, wurde blutig zurückgeschlagen. Im Raume von H u s i a t i n und Moloezysk besetzten wir einige Stellungen am Zbrucz. In der Krim hartnäckige Kämpfe gegen die feindliche Reiterei. Der polnisch-litauische Konflikt Warschau, 22. September. (W. P. G.) Heute findet unter Vorsitz des Staatschefs Pi l f u d s % % eine HitzyW Wort auf den bekannten.Vorschlag des VölkerbundDE betreffend die Beilegung des polnisch-litauischen'.Höst-, flikts, endgültig festgestellt werden soll. sti ,. DstgalLzien. prpteftrsvt. Stettin, 21. September. (Wolfs.) Die bevollmäckstigts Delegation des Nationalrates -und. der Regierung. vom Ostgalizien hat bei dem Präsidium der Friedens-! konferenz in Riga Verwahrung dagegen eingelegt, daß! bei der Bestimmung der Staatsgrenzen zwischen'üHetz Ukraine, Rußland und Polen über das Schicksal.: Ost-i galiziens entschieden werde, ohne die Bevölkerung' dieses! Gebietes zu hören, welche, überwiegend, ukrainisch, neyt-j schieden die Unabhängigkeit des -ostg-ä.H31*’ scheu Staates,verlange. Nur 'diese würde^stdenst Selbstbestlmmungsrecht der'Völker entsprechen. E'rue ostgaLiZLschs-DetegatLo,L. ' ' Lemberg, 22. September. (Tel.- d, „Wr.- Morgen«' zeitung".) Wie die „H r 0 m a d f k a -D «ml a" meldet»! find gestern auf Veranlassung Englands Delegierte aus! Ostgalizien behufs Teilnahme an den'Friedensber-! Handlungen zwischen Polen und Rußland.nach R i g a-ab-i gereist. Führer der Delegation ist der bekannte Parka-; mentarier und ehemalige Ministerpräsident Dr. Kost; L e w i c k y j, der vom Abgeordneten der Stadt Lemberg;' Ernst Breiter, dem ehemaligen ukrainischen Mnister; Dr. Ossyp N a z a r u k, ferner von Dr.- Äikas M Y s ch n h a und Josaphat Jean begleitet wird. Bolschemikenaufstarv in SWi' china. M ö s k-r a u, ,22. Septembrr. (Furürspruclr.) Aus 5^iachta wird über Werchne-Ndirrslr oemcldet^ daß die aukslandischen revolutionären Truppen , die Stadt Tanton (Südchina) besetzt, baden 1 die Bourgeoisie nnd die chinesischen Regis-- rungstruppen seien geMchteL. auf dem Gewissen, sie war noch zuletzt bemüht, dre bereits beschlossene Auseinandersetzung in Gens,, die als eine Fortsetzung der Beratung von Spa gelten soll, zu hintertreiben, weil es ihr besser paßt, zu diktieren, als sich mit dem Gegner von gestern in Gemeinschaft mit anderen Interessenten an den grünen Tisch zu setzen, und sträubt sich gegen Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund. - Frankreich hat tm Kriege unendlich gelitten nnd seine Frrrcht vor Deutschsand, ivo der Säbelraßlergeist nach nicht ansgemerzt ist und das reaktionäre Feuer , \ im (jfelieimcn unter der Oberfläche schwelt, mag nicht > ganz unbegründet sein. Aber wie gewiß es ist,- daß die restlose Zerstörung aller Giftkeime im Interesse der Menschheit liegt, die eine Wiederholung des mittels einee von der Kette des regulierenden Geistes losgerisienen Technik betriebenen Grauens fürchtet, ebenso sicher kanw die mangelnde Mäßigung, die starr aus ihrem Schein be4 steht, ohne mit den Lebensbedürfnissen der Völker zu rechnen, den Geist, den sie bannen möchte, nur zu neuem Aufleben erwecken. Solange diese Einsicht in Paris nW. einkehrt, ist es letzten Endes gleichgültig, ab Herv Millerand Mnüsterpräsident bleibt oder > ' d -?.i -afsgeinächerir des QUjiec residiert. }■! -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.