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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-20 · Heft 596 (20.9.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 596 (20.9.1920)
Date
1920-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrgang Nr. 596 DteGeschichte eknerKandidatnr Die neugegründete »Bürgerliche Arbeitspartei* (anläßlich der Wahlen durch Zusammenlegung der »Arbeitspartei*, bisheriger Führer Abgeordneter Friedmann, und der „Demokratischen Partei* Führer Dr. Ofner und Dr. Schwarz-Hiller, gebUdet) hat bei der Ausstellung ihrer Kandidaturen große Schwierigkeiten zu überwinden, welche hauptsächlich durch die ganz eigenartige Haltung des Gemeinderates Dr. Schwarz-Hiller verursacht wurden. Die Gruppe der Deinokraten hat beantragt, Dr. Schwarz-Hiller die Listensührrmg im Wahlkreis Leopoldstadt- Brigittenau zu überlaffen und Dr. Osner cm die Spitze der Reichsliste, welcher nach dem Gesetze die Reststimmen aller Bezirke zugezählt werden, zu setzen. Der Vorschlag wurde angenommen. Da erschien Dr. Schwarz-Hiller' bei der Gruppe der Arbeitsparteiler und erklärte, den von seiner eigenen Gruppe gestellten Antrag nicht annehmen zu können. Der Kampf gegen die IÜdischnationalen in derLeopoldstadt-Brigittenau sei aussichtslos underwolle ihn nur bann führen, wennihm anderswo ein Mandat gesichert werde. Er stellte das, Verlangen, die Herren von der Gruppe der Arbeitspartei mögen Dr. Ofner beseitigen und ihn, Dr. Schwarz-Hiller, auch an die Spitze der Reststimmenliste setzen. Darauf erklärten die Arbeitsparteller, sie hätten keine Lust, diese wenig angenehme Arbeit des Absägens Dr.. Ofners zu besorgen. Dr. Schwarz-Hiller möge gefälligst selbst die Entfernung seines Freundes 'Ofner^beforgett.v Doktor Schwarz-Hiller, als Mannwelcher nur auf absolut sicher gehen will, mußte sich auch zu dem unbequemen direkten Weg entschließen. Er berief eine Sitzung der demokratischen Gruppe ein, erklärte dort gleichfalls, daß die Leopoldstädter Kandidatur geg en die Jüdischnatio nalen aussichtslos fei, daß er das Opfer dieses vergeblichen Kampfes nur dann bringen könnte, wenn er an der Spitze der Reichsliste „verankert* würde. Wolle man ihm auf diese Weise nicht ein Mandat sichern, dann müsse er ganz zurücktreten. Nach langer, erregter Debatte der im letzten Moment überrumpelten Herren Demokraten erhob sich Dr. Ofner und sagte, daß er angesichts der durch Dr. Schwarz-Hiller geschaffenen Zwangslage und um die Partei vor einer Blamage zu bewahren, wenn auch schweren Herzens, dem Dr. Schwarz-Hiller den Platz räume und hiemrt endgültig aus dem politischen Leben» an dem er mit allen Fasern seines Herzens hänge, ausscheide. Die Geschichte ist lehrreich sowohl für Dr. Ofner und.seine demokratischen Freunde als auch für die Wähler. Vor kurzem erst hat es in der demokratischen Partei, großen Krach gegeben. Dr. Ofner erklärte, daß Dr. Schwarz-Hiller ein unzuverlässiger Mensch sei, der aus Streberei die demokratischen Grundsätze verraten habe und mit dem er nicht in einer Partei bleiben könne. Daraufhin wurde Dr. Schwarz-Hiller seiner Obmannstelle entsetzt und verschwand aus der Partei. Da es nun aber ein Mandat zu erringen galt, wußte er wieder einen Weg zu Ofner zu finden und dieser ließ sich verleiten, dem vom rechten Weg abgeirrten Schüler zu verzeihen. Dem Herrn Dr. Ofner ist das Verzeihen übel bekommen und er mag jetzt,' wenn auch spät, zur Einsicht gekommen sein, 'daß er bester bei seiner früheren Meinung über Dr. Schwarz-Hiller hätte bleiben sollen. Jedenfalls wird er in Hinkunft schwerlich den Mut aufbrmgen, der Oeffentlichkeit seinen Freund Schwarz-Hiller als ideal veranlagten» aufopferungsvollen, ehrlichen Politiker zu empfehlen. Die jüdischen Wähler des Wahlkreises Leopoldstadt-Vrigittenau-Floridsdorf könnerr aber ersehen, welch E frivoles Spiel Dr. Schwarz-Hiller mit ihnen zu treiben bereit ist. Von der Aussichtslosigkeit einer Kandidatur selbst Überzeugt, will er ihnen einen möglichen Erfolg vortäuschen und sie verleiten, die Stimmen zu zersplittern und so die einzigen jüdischen Mandate preiszugeben. Schon einmal hat Dr. Schwarz-Hiller die Wiener Juden so um ein Landtagsmandat gebracht, nun soll auf dem Altar seines persönlichen Ehrgeizes auch das jüdische Parlamentsmandat geopfert werden. Aber auch die Arbeitsparteiler, die neuen Freunde Dr. Schwarz-Hitlers, find nachdenklich gestimmt morden und ru einer eiacncn Mciuurw über den Wert dieser Dundesgenostenschaft gelangt. Diel Nutzen Kann ihnen dieser Weggenosse wirklich nicht bringen, dafür Ueberraschungen mannigfacher Art. Dr. Schwarz-Hiller war ja erst bei der letzten Gemeinderatswahl bereit, mit der jüdischnationalen Liste zu kandidieren, allerdings auch nur als Listensührer. Wenn er sich nunmehr wieder der Deutschen , Arbeitspartei als guter Deutscher anbietet, ist die Annahme dieses Anbotes immerhin eine riskante.Sachet Wie uns von zuverlässiger Seite gemeldet wird» ist zwischen der Arbeitspartei und Dr. Schwarz-Hiller! eine Differenz entstanden, welche den Rücktritt Schwarz- Hillers sowohl von der Reichsliste als auch ovi ‘nr Leopoldstädter Liste zur Folge hatte. vie itsiieniOen SmMchMn droben mit der (Besetzung aller Tabriken. Berlin, 20. Septeßrber. Der „Lokalanzeiger* meldet aus Lugano, daß da» Akttonskomitee der Mailander Arbeiter die Delegation für die Besprechungen in Rom beauftragtes der Regierung und den Industriellen ein Ultimatum mit der Forderung der gewerkschaftlichen^ Kontrolle zu stellen. Im Ablehnungsfälle würden sofort alle Fabriken in ganz Italiens besetzt werde«. .Im Senat bat Giolitti am Samstag «m Vertagung der Besprechung einer Anfrage! bezüglich der sozialistischen Bewegung. Der Senat stimmte z«. \.. Rom- 19. September. (Stesani.) Ministerpräsident Giolitti empfing heute nachmittag- Vertreter der Industriellen und der Arbeiter. Vormarsch der Pole».! ß 20^0»; y$:W^ür$? stabsbericht vom 19. d. M. In weiterer Verfolgung des Feindes besetzten wir'den Unterlauf des Abrucz sowie die Ortschaften Husiatyn, Trembowla, ferner Olejow, Tarnopol und Brody. Nach harten Kämpfen eroberten unsere Abteilungen D.ubno. Erheb, liche feindliche Kräfte wurden am Njemen und an der Szezara konzentriert. Westlich Sejmy befestigten die Litauer ihre Stellungen. Die Verhandlungen in Riga. Riga, is. September. (Poln. Tel.-Ag.) Gestern haben die Vorsitzenden btt beiden Frirdcnsdclegationen ttt Riga ihre Eiultitungsbesprechung abgehalten. Die erste Vollsitzung der Friedens-, konferenz findet Dienstag statt. Der Kampf «m den französischen Präsidentschastsstnhl. i Parks, 19. September. Falls Millerand sich entschließen sollte, Dienstag dem Wunsche beider Kammern nachzugeben und die Kandidatur für die Präsidentschaft anzunehmen, wird immermehr damit gerechnet, daß B r i a n d mit der Bildung der neuen Kabinetts betraut würde. „Echo de Paris* hält auch rin Ministerium Steeg (?) für möglich.da Millerand in den gegenwärtigen Minister des Innern großes Vertrauen setze. ES heißt auch, daß Poincarö in das neue Ministerium als Finanzminister eintreten würde. Für daS Portefeuille des Aeußern soll B i v i a n r in Aussicht genommen fein. Man denkt aber auch an Jonnart, deffen Kandidatur für die Präsidentschaft in den Hintergrund gerückt ist. Besonders bemerkt wird,' daß sich» alle Präsidentschaftskandidaten von Paris entfernt haben. Jonnart ist nach Pas-de-Calair, Pöret ist nach Poitiers und Millerand nach Versailles abgereist. Jonnart erklärte, er werde nicht vor Ende dieses MonatS zurückkchren. Präsident DsSchanel wird in eine Irrenanstalt! Aberführt. s Genf, 80. Sepeember. (Tel.-Komp.) 'Nach dem .Tenips^ von Samstag wird Präsident Deschanel auf Anraten der Aerzte m den nächste« Tagen in eine Privat-Jrrenheilanstalt überführt/ Die englische Arbeiterschaft gegen die Arbeiterräte. Rotterdam. 20. September. (Tel.-Komp.) Wie die „Morning-Post* meldet, hat die Trade Union die von dem radikalen Flügel des Hafen- und Bergarbeiterverbandes beantragte Kundgebung auf Errichtung von politischen Aröeiterräten in England mit allen aegen fünf Stimmen abgelchnt. 1 Einberufung des englischen ParlEentK, j Dertt», IS: September. Der Meldet »Daily Mail* das englische Parlament werde fe tim nächsten Tagen einberufen werden. Llohd George verte hm Parlament Angehende Auskünfte über dm Ksnflikt «ft de» Sowjetvertretrr Kamenew gebe». v , . Me deutschen Vertreter für die Konferenz H Brass«». ■ ,M i Berlin, 19. September. lKorr-Bur.) Al» Vytntn'l» Dextschen Reiches werden die Herr« Bergmann, Staatssckreti« ,im ReichSmmisienum, von Glafenapp, Vizepräsident der. Reichs bank, und Urbig, G schäftSinhaber der DiSkontv'Gesellfchoft, ft« der Konferenz m Brüffel teiluehmm. Die Vorgänge in der SlowakeS. Prag, 19. September. (Tfchecho-llov. Preßbons Biß .Regierung der tschecho-slowakischen Republik hat de« Minist«' Dr. Martin M i c« r a auf Grund des Gesetzes vom 14. Dezember 1918 mir Beschluß vom 17. September 1920 die B o l fc‘ macht erteilt, Derordnmgen zu erlaßen und allezn Erhattung der Ordnnng zur Konsolidierung der Verhältniffe und zur Sicherung des ordentlichen staatliche» Lebens in der Slowakei vorz«- kehre«. _^_ Der Kampf in der tschechischen Soziak-! demokratie.! Prag, 19. September. (Tschecho-ftowakisches Preß» bureau.) Die Kommunisten unternehmen jetzt Versuche zum > Ausgleich. Heute hielten sie eine Beratung ab, in der sie beschlossen, dem Vollzugsausschuß die Rückgabe der Druckerei und der Redaktion des „Pravo Lidn* und Unterhandlungen über den Frieden unter der Bedingung anzubieten,' daß ihr Gegen ko ngreß anerkannt werbe und daß auf die Kandidatenliste des neuen Vollzugsausschusses einzelne Führer der gewesenen Rechten nicht gesetzt werdend Diese Bedingungen werden allerdings von der ostziellen Parteileitung entschieden abgelehnt. Der Voll-' zugSauSschuß beharrt aus dem Beschluß der Parteiver« tretung und ist darin einig, daß man nur dann verhandeln könnte, wenn die radikale Strömung-in . der «Partei sozialdemokratisch wäre, gereinigt von den Kommunisten. _ Eine ostgalizische Delegation in London. London. 19. September. Die Times meldcn: In einige» Tagen wlrd eine Mission, die die ostkalizisch-uk,x.uüsche gierung vertritt, in England eintreffen, um die Uuab!^i.ie.i,vt Osigaliziens zu fordern. Die Mission hofft, von Lisyd Ge^.gk uud 9ord C«r.;o» rmvsauüen zu werden«

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