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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-12 · Heft 590 (12.9.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 590 (12.9.1920)
Date
1920-09-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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'den, Sonntag Wiener Morgenzeirrmg 12 September 1920 'Nr. 590, Sette 4 b Der Keren tzajeffod ln Argentinien. t ©jtcnat*?tizr*, S. September. sJewish Corr. Bur.) Die «mlsttsche Or?avisa^>« ArgentinU'us hat sich an bl« jüdiscke «tevölkeiu«^ deS FandcS mir einem Aufruf für die rascheste Aufbringung vvn 50.GOß Pfund für den»Keren Hajefsod NSründunHSsnu» für den Ausbau Palästina-) geioendet. In Zer ersten Sa'nmelivc'che find 10.000 Pfund Sterling auftzedrachi worden. Man hofft, spätestens binnen drei Monaten jten Gesamtbetrag einzutreiben. \ Die Lage in Oberschlefie». Brerla», 11. Scptember. iWolff.) Hier lagm Nachrichten ^d»r. anS drum auf rin brvorüehendrs WikderaMaclern deS -vlnnchrn AwstandrS geichlosikv wird. Schovinitz wird als Mittelpunkt der neuen Bnveguna angesehen. Dn Stadt P l t § ist von dtp französischen Beiatzung verlassen worden, hingegen tvurde in R y b n, k die Italiener durch btc Franzosen abgelöst. Przelaika und Jingo« sollen von den Polen erneut heseyt sei«. { Revolte in Agram? | Slow, 11. September. (Steiam) «Messaflgrro" meldet an- Zsra: Nachrichten aus A g r a m zufokoe befindkn sich die Anhänger Radrc' im Aufstand. Serbische Truppen sollen a u f d i r Menge geschossen haben, wob« mehrere Personen getötet oder verwundet wurden, l D-s Urteil rm Tisza-Prozetz wird Mittwoch | verkündet. | Budapest, li. September. tUng. Tel -Korr.-Vur.) In her Verhandlung des Tiiza-ProzefseS kündigte der DerhgndlungSlruer an, daß die S5r Handlung b i S Mittwoch vertagt werde. An diesem Tage werde der Gerichtshof daS Utei* -klmk». __ l Tagesbericht. t - - ^Ak-ch-nferrn Freunden» MiLarbeirrrn!| d und Lesern entbieten tvir dir W'V herzlichsten Glückwünsche zum Neuen Jahre! STTTDTSS Rrdaklion und Verwaltung % der „©lener Morgenxeitung" - Gruß an die Jugend. Peute abends beginnt das erste Jahr deS Aufbaues, Kern jüdischen Volke gegönnt ist, seine Heimstatt in ez Jstael zu erarbeiten. Als die Botschaft von San Remo nach dem füM* Osten kam, spielte sich in Krakau und in anderen DlLdten eine unvergeßliche Szene ab. Erst gingen die Extraausgaben von Hand zu Hand, dann wurden hastig ®te Läden geschlossen, die Leute eilten nach Hause, Mgten Sabbatllrlder: an, versammelten sich in ihrer ^Schul" und holten die Thorarollen aus der Bundes lade. Alsbald sah man ans allen kleinen Gäßchen die Fähnchen jbet Frommen, denen die Thora. vvrangetragen wurde, «v dem Zuge stoßen, der sich feierlich nach dem Fried- Hof bewegte: Sie kamen, ihren teueren Doten zu sagen, bas jüdische Volk wieder seine Heimat hat. s Die tiefe Bedeutung dieses herrlichen Brauches sei «nnit nicht geschmälert, daß tvi.r heute am Rosche!haschanah des ersten Anfhonjahres jenen Weg ein- ^schlagen, der dem Friedhof entgegengesetzt ist, und die jüdische Jugend begrüßen kommen. Ihr gehört diese jVegenwart, ihren Schultern ist das Geschick des BolkeS ^gmvertraut, und ein Augenblick der Wehmut, ein leises .Gefühl des Neides mag diejenigen überkommen, welche Hie herben Jahre zionistischer Entwicklung vom Tage -eS Auftretens Theodor Herzls mitgingen und recht Herbraucht, recht übermüdet am Tore der Erlösung stehen. m waren fünfundzwanzig Jahre des StürrnenS — Nicht des Bauens. Der Unverstand assimilatorischer Epigonen hat die Bannerträger deS zionistischen Gedankens förmlich mit einem neuen gelben Fleck gekennzeichnet. Und wahrlich: Wiederheimzufinden in die Häuslichkeit ihres Volkstums, das Judentum wieder zu ergingen, das ihnen eine grausame Entwicklung vorent- Kalten hatte, war diesen Ersten nicht gegönnt. Die Bahn stveigemacht zu haben dem aufsteigenden Geschlecht, das «rit dem wiedererworbenen hebräischen Sprachgut.und Mit dem unsagbaren Glück, auf eigener Scholle zu Arbeiten, nach Erez Israel zieht, ist ihre Genugtuung; ,mrd zu wissen, daß unter den jungen jüdischen Menschen Dmf der ganzen weiten Welt, wo immer die Teile unseres ^GvlkS leben und leben werden, mit dem Wachstum Mseres neuen Gemeinwesens in Erez Israel die Gesundung, die Erneuerung, die Befreiung von jedem Ghetto* rbel kommen muß — das ist ihr Stolz. Seid gegrüßt, ihr jungen jüdischen Menschen an Diesem Nosch-haschanah! Welche Züge das Antlitz deS »rneuerten VolkStumS vor aller Welt tragen wird, dies Ist in eure Hand gelegt. Niemand kann ench führen Hnb nichts soÜ euch Beispiel sein. „Die Welt, sie war Hicht, eh' ich sie nicht schuf." Aber daß euch die Reinvvung des Volkstums über alles geht, daß ihr frei pteibt von nationairDtfchee Hevsttegentzeit und vs« chanvsjntstischer Ueberhebu»-. daß mich die hrennon-e Sehnsucht nach der Bersjhimng «it den anderen Völkern pie verlasse, dies sei euch und dem B-lk an dirsem> Tag aujK mniAfde gamünschi v 0. A. Mittcilllngcn ans dem Publikum. Mali Rossnfeam Siegmund Fahrer Dresden l. Fa. J. L. Führer, Wien Verlobte. Dresden A., im September 1920. ssti Lonia Hirschfeld Leo Sack Przemysl x Przemysl empfehlen sich als Verlobte. Wien, Im September 1980. *M* Charlotte Coldberg Hermann Messer Wien, II. Wien, VII. empfehlen sich als Verlobte. Wien, Im September 1980. n» Vermählte. Wien, im September 1920. . »is Allen Verwandten Bekannten und Mitgliedern des Vereines „Tefil ath Jeschunm“ die herzlichsten Glückwünsche zum Jahreswechsel. «94 Bernhard Mayer und Frau. Juwelier Max Reiskin VI., Mariahilferstrasse 100 gratuliert allen werten Kunden und Bekannten berzlichst zum Neuen Jahre. t# Familie Hellmer Wien, II. Taborstrasse 51/34 gratuliert allen Verwandten, Freunden und Bekannten zum Neuen Jahre. sso Möbel u. Innen- I CÖIDJ1 dekoration »■ v* ■W n grösster Auiwahl. Nur gediegene Hii&ß, VP., _ i 1 fl. 2 61S Erzeugnisse. (Ecke Karl Sciiweigiioiergwse). RILLANTEN, Perlen, Gold, Silber, Platin n-Uhron ksuit isd Ttrksaft T79 ETTER Eotenturmatr. 23, Mariahilferatr. 98 Brillanten Perlen, Juwelen, Gold. Platin und Silber kauft und verkauft Oskar Sachs, Juwelier, IX., Alserbaehstrasse 5. Zahnarzt Dr.M.DOLLER ordiniert W Keu eHSffnetl iL Borensteins Herrenmodehaus si» nur II., StefanicBtrasse 10. AnzQge nach Mass und fertig sowie alle Herrenvode* und Wäscheartikel in tadelloser Ausführung. Gesinnungsgenossen eventuell auch gegen Teilzahlungen, Hsrrensardergben.Frl edensstoüe.nacii Min Nlllist - I U L 8 0 H 1 C K & o o, S. m. b. H., >. Kohlmwkt 8, Ksm»lu TM. «VE ELEGANTE HERRENOÄRDEROBEN w NACH NEUESTER MODE Gelbhard& Fürst, II. Stefaniestrasse 16 HUTSEPARATUR-AHSTALT Panama, Oirardihöt* and allerhand Hutreparataren werden nach neu-eter Med« prompt und billiget modernisiert Xmi., WEhrlnrer Gürtel 21 und Vn, Mariahilfer»tra»a* SS Erklärung. Im Heft Nr. 8 bet „Kritik" hat bet Verlag „Der Kwall" eine Erklärung abgegeben, baß ich zum Verlag in einer gewissen geschäftlichen Beziehung stand und jetzt nicht mehr brrechttgt lei, im Namen de- Verlags zu sprechen. Ich sehe mich daher zur fftfoft« nachstehend« SeSäeung gezwungen; Ich bin niemals zum Verlag in einer gewissen geschäftlichen Beziehung gestanden, sonbern war vielmehr Mitinhaber und allrinlser technischer und lemmersteller Leiter und bin nur an« da« in »achsteheuder drfürattg bas Barla-S drwAhnkn Srmed» «n»4geiret«»: „Mir ttf.iwi htemit, htft lfm Herchan m* da« ttarlag au-Oetreben ist, da er eia sah, daß ihm «tu Zasaemnea^ arbeiten mit .^rrn Mesch« Oilburg nnmS,ktch m. Harr London hat den Antra« selbst gr^rllt. Für Berla-Sgesellschaft „Adria". Abieilu»- „Der Siu-aff-' W^n-S^Hrschau-Samdeeß: Ll. Blumevlald." F. LMi«. Chaluzim. Immer öfter. Eindringlicher und mahnender ertdnl dieses, für westsiche Ohren fremdkltngcnde Wort, i Das sind Clalu.^im? 's Das Wort bedeutet Pioniere, Palästina-Pioniere^ Menschen, welche sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, den Traum unseres Volkes zu verwirklichen, den Boden Palästinas in Besitz zu nrhnien und ihn durch ihre, Arbeit für ihr Volk erst wahrhaft zu erwerben. Junge Menschenkinder, die entschlossen sind, in schwerer physischer Arbeit ihre Ideale zu verwirklichen, die, bewußt und freudig, Mühen, Strapazen und Gefahren entgegengehen und bereit sind, wenn nötig, auch ihr Leben für die Sache herzugeben. Es sind schlichte, einfache jnnge' Männer und! Frauen, welche au) dem Osten kommen und anverschiedenen Gründen nach Palästina wandern wollen; eine graue Menschenmenge, bei deren Anblick sich zu-- nächst Mitleid regt, sy. armselig, verhungert und zer-. fetzt sieht ihr größter Teil — schon inmitten des WegeS! — aus. Es gibt in dieser Menge verschiedene Menschen!. Wir finden dort Burschen und MLdck-en, zumeist Minel- und Hpchschüler, welche schon nach der Balfourschen Deklaration, zum Teile noch früher, den Entschluß gefaßt haben, das Studium beiseite zu werfen und altz einfache Landarbeiter nach Altneuland zu gehen. Die eigentlichen „Chaluzim" haben sich zu Gruppen „Kwuzoth" zusammengeschlossen und in den Gutsbesitzungen und Pachtungen, auf gemieteten Grundstücken oder in Bauernhöfen in monatelanger mühevoller Arbeit die Landwirrschait erlernt. Andere haben sich zu Handwerkern ausgebitdet und sich alle das Hebräisch^ mehr ober weniger als Umgangssprache zu eigen gemacht. Die Zeugnisse, „Tendoth", über den Erfolg dieser zähen Bemühungen tragen sie stolz und sorgsam mir sich. Von ihrem kargen Arbeitslöhne ersparten sie siH einen Teil des Geldes für die Reise, das Fehlende sollten ihre Lokalorganisarionen beschaffen. Sie standen bereit, einem Rufe nach Palästina sofort zu folgen. Und als die Konferenz in San Remo die Fundamente für das jüdische Heim legte, fast gleichzeitig aber arabische Beduinen die jüdischen Kolonien in Galiläa angrissen und die früher nach Palästina ansgewanderten Kameraden schrieben, daß Hilfe nottut, setzten sich alle diese Gruppen wie auf ein Signal gleichzeitig in Bewegung. Sie blieben jedoch nicht allein. Der politische Horizont im Osten Europas umdüsterte sich immer mehr. In Polen, in der Ukraine, in Ungarn und anderwärtSf wütete der Antisemitismus und forderte täglich neue Hekatomben. Pogrome, wirtschaftlicher Boykott- Stagnation im Handel, allgemeine Arbeitslosigkeit/ vernl/hteren tausend« Milche Existenzen. Zuletzt stieg riefenaja**» das Gespenst des Kriegs zwischen Polen und Rußland auf, mit ihm zugleich alle Schrecken des Bürgerkrieges in der Ukraine. Wie verlockend mußte demgegenüber das Dild erscheinen, daS man sich von Palästina machte. Jeder wußte wohl, daß er dort nicht auf einen besonderen Wohlstand rechnen dürfe. Doch winkte wenigstens ruhige Arbeit fern von dem grausigen Meer deS Haffes, daS in Europa feit sechs Jahren jedes jüdische HauS und jedes jüdische Individuum umbraust und sie jeden Augenblick zu vernichten droht. , So begann man sich eines Tages mir der Idee der Auswanderung nach Palästina ernst zubefossen. Viele, die früher gar nicht daran dachten, ihren Wohnort zu verlassen, wurden durch den Zwang der Verhältnisse zu Palästina-Wanderern, zu „Chaluzim". Wer jung und kräftig ist, ein Handwerk oder sonst eine Fertigkeit kennt, die ihn leidlich ernähren kann, und wer an sein« Kraft gaubt beginnt die Möglichkeiten und Aussichten der Auswanderung zu erwägen. Leider fehlt es an vielem. Bei den meisten ist der Entschluß erst im Laufe der letzten Monate gereifte sie verfügen über kein Geld, über keine ausreichenden Reisedokumente. keine widerstandsfähige Dekleidttng, sie sind arm und ihre Brüder im Orte sind nicht imstande, sie mit alledem zu versorgen; jene haben übrigens zu viel mit sich selbst zu schaffen, als daß sie an andere denken könnten. D>»ch die Zeit drangt. Man rafft das wenige Gelb und die dürftige Habe zusammen und zieht aus gm Glück auf einer der vermeintlichen Emtgrationszentren zu, mit dem. dumpfen Gefühl einer gehetzten Kreatur, daß eS schlimmer nicht sein kann, und mit der leisen Hoffnung, daß eS doch vielleicht besser wird. Und in den ersten Tagen deS Juli beginnen sich plötzlich ln all diesen Orten— vornehmlich aber in Wien — die Massen dieser neuen Flüchtlinge aus dem Osten zu sammeln. , ES ist schwer zu schildern, unter welch schwierigen Umständen, unter welchen Abenteuern diese Menschen über alle Grenzen hinweg, durch ein Meer von Feindseligkeit, bis zur Etappe Wien gelangen, welche Ent. bebrungen si« unterwegs leiden, weiche Versol-ungen und Schikanen sie erdulden müssen, wie oH ihre Hilf, mtfy Ratlosigkeit von gewissenlosen Vlementen mißbraucht ^ird. Hinler ihnen schwingen Krieg, Rot und Rassenhaß ihre hsntigm Vtitta**; to#lm fl« fwwmjn, sind sie der VsaölkenmA und den ViUrVt« Gaste, die man mit *Vm NtNsln WtatHfrettl latoperhm will. Man herrscht sie an. man Mfliert tfacn '?. nwn sperrt siet ein und schient si« kann zurück sie „der lehren mit dem Rute ta* LemmMmm Immer wteLec, der- 79^792

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