Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-09-12 · Heft 590 (12.9.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 590 (12.9.1920)
Date
1920-09-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979668--05219-2991049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

KflAO kl« JHN* WtfritftA . . Äfid«M *£*>• BimVÜkblhk „ »0- ÜttVÜM^Mk Hat Me» a* ft.,1». - - . . WpW*W« IHpkkMch. . .fteoacti »O.- LWcho-Vwoakitr rn*m*m.. «ron» Si&SSSßSltAaBlkui Ö«sme By; Wm' H^mmcv WM^Nch.. »**. *4- P«W^IM»«ch' » «*- Uttl» K.*4M PrL»mae»atto»»ptzeitztz 9lM<i<tM-f!lf8l«^ MLd «Ic*t«littrll4 » ia »olirtscher «ähn», «-»Mich??'? «ar» »«^ «-»-iU«^!??". Stt-Sq> Moo«ttttch??'?^ra»eA «»» Für da« übriq« AuSlaud; j ‘ vlerteljährlich Krone» i rlk^> flff thatilon tu 2IknitaifttttHM| «öt«,.».Ve^.ral»orftr^u.» Zkeleph-a« MbmMftntlm 44038. R-daktto« 493I8U ob o Utzr abends Str. 1Srr<» V-Ap-riaFeakoat» UMM; Nr. 590 Wien, Sonntag, den 12. September 1920 2. Jahrgang W ar legen des Milchen Rrufshrsfestr« erscheint dir nächste Nummer der „Wiener Morgen-, reikung" Mittwoch den 15. d. W. MH M gewohnten Stunde ® © ® wmmmmmmmmmmmmmmmm^wm Amn Neuen Jahre. k'-Wi r«, IS. September. - T>eS Widderhorns mahnender Ton, der in diesen Taßen erschallt, wo jüdische Menschen auf der Erde das Neujahrsfest feiern, mahnt zur Einkehr und kündetNeubeglnn. Das religiöse Gewand dieses jüdischen Festes vermag sein nationales Wesen nicht zu verhüllen, wie überhaupt im Judentum das Religiöse mit dem Nationalen eine untrennbare Einheit bildet. Letztes Gesetz aller religiös-nationalen Aeußerungen. des jüdischen SHaffensprozesses— die ewige Dauer ttsiseres Volksseins zu gewährleisten, auch hier, wo alles in die rein religiöse Sphäre gehoben zu sein scheint, bewährt es M-noch und schon, Laß wir, und , auch der Assimilierteste unter unsin fremder Umwelt und seit zwei Jahrtausenden fern von heimischem Mutterboden nach alt- Wischer Weise wie in Urvätertagen mch unser altes Neusäß feiernzeugt von der Unzerstörbarkeit, die un8 auf Ärsexem Schmerzensgang durch die, Geschichte begleitet. Diese Tage, der Butze und der inneren Einkehr g^HK-'.ackf<.Ka5 der .Jude rem und geläutert ein neu^ Wye tzchiW uwh did game - chüMMwt dekinnerlichte UHMMKMMtz-MBtztz.^ydevLum, sind Zeugnis, und.Wt Mischen Geistes und. darum ebenso durchaus Nationalen.Gehaltes wie andere Firste, deren nationaler MyrMer mit voller Eindeutigkeit hervorleuchtet. Die Mische Lebensanschauung, stets darauf bedacht, Ding, rjich -Erlebnis, sinnvoll, einzuordnen in eine höhere Esche Zweckhaftigkeit, ist auch mit dex ununterbrochenen Kette der Leiden, die unser Weg durch die Galuth Hildes auf ihre Weife fertig geworden, sie wälzt ihre letzte Urfache, auf des Juden eigenes Gewissen, ohne darum die Frevler an Israel ihrer Schuld zu entlasten. Wer sich ans ^jüdischen Volke vergreist, ist ein Sünder, aber wir leiden um.unserer Vergehen willen. So wird noch äußerste. Passivität des wehrlosen Duldens in zukunstsbejahende Richtung umgebogen und zu einem sittlichen Untrjeb, der daMsolk an seine wahre Aufgabe mahnt, wie ja . unser Nationalismus kein Machtbestreben und kein Aewalttrieb ist, sondern m seinen letzten Wurzeln sittliche Aufgabe. Das jüdische Jahr, das heute von uns Abschied nimmt,, ist wie kein anderes in der Geschichte der letzten Zeiten bis an den Rand gefüllt mit intensivsten Erleb'- nisten. Großes und Grauenhaftes, das zermalmende Gefühl letzter Kraftlosigkeit vor den Bestialitäten vertierter Horden und dem triumphierenden Ueberschwang eines jähen Glücksempfindens, Niederlage und Er- Hebung, Schmach und Stolz — all das enthält dieses Jahr in me gekanntem Matze. Die Hölle, in 'der Millionen unserer östlichen Brüder leben, ist bis heute das gottverfluchte Inferno geblieben, und kaum vergeht ein Tech, an dem nicht neue Schreckenskunde an unser Ohr dringt. Der Boden d?r unzähligen kleinen Städte und Recken der Ukraine und Polens, ist buchstäblich getränkt mit jüdischem Blut, das grauenhafte Morden, von Menschesi verübt, die vorgeblich einen Gott im Herzen trügen, sich Christelr nmnen und zu jenem Wischen Manne beten, von dem sie die Lehre der allumfassenden Menschenliebe empfangen haben, hat Dimensionen ang-flpmMÄi, mit denen verglichen die blutigen Episoden der Kreuzzüge zu harmlosen Kinderspielen verblassen, und, einen Umfang, der seine Matze aus einer Zeit bezogen hat, die das herrschende europäische Heidentum die „Drohe" zu nennen gewagt hat. Not, Krankheit unh Hunger setzen fort, was der Pogrom begonnen hat pnd vollende« so den Ruin ganzer großer Volksteile, densyr auch die ausgedehnteste Hilfe kaum wirkliche . Rettung zu bringen vermag. , Wie leidvoll der Rückblick auf umittelbar vergangene Zeiten auch werden mag die ihre Fortsetzung auch in der Gegenwart finden, so bedeutet das verflostene Jahr dentzoch einen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte. US ist die große Wendung zur Aktivität und der Aufschwung zur volksbesreienden Tat. Wir leiden und unser VolkSkorper blutet aus tausend Wunden. Aber Die Konferenz in M lez-bains Paris, 11. September. Im „Oenvre" bespricht Ioirvenel die bevorstehende Kon-' serenz von Aix-les-Bains und erklärt, die erste zu behandelnde Frage werde hie Haltung der Entente Nutzland gegenüber fein. Hier sei kaum eine Verständigung möglich, da die Anschauungen zu verschiedenartig seien. Ein weites Gebiet für Besprechungen eröffne aber die Lageim übrige« östlichen Europa. Die erste Sitzung der VölkerbAndversammluW Amsterdam, 11. September. Der „Telegraas" meldet aus London: Die vorlausige Tagesordnung der ersten Sitzung der Bölkerbundversammlnng ist bekanntgemacht worden. Daraus sind folgende Punkte hervorzuheben: Zulassung der Staaten, die in der Beilage des Bölkerbundvertrages genannt sind; vorläufige Festsetzung des Sitzes für 1921; Pläne für die Errichtung des permanenten internationalen Gerichtshofes; Errichtung einer permanenten. Organisation des Gesundheitsdienstes; Errichtung einer permanenten Organisation, die die Fragen, betreffend internationale Verbindungen und Verkehr, welche laut des FriedensverKages von Versailles zu den Befugnissen des Bundes gehören, LehäiMlrt soll; Errichtung von Gerichtshöfen zur Beilegung?.von Streitigkeiten; Vorschläge der iuteruationalen Finanz^ konfcrenz; Vorschläge für die wirtschaftliche Waffe VeS' Bundes, die im Notfall, gebraucht werden soll; .Oberaufsicht über die Ausführung der Abkommen, beLrfffe.rch' den Mädchen- und Kinderhandel; Anträge mit Bundesvertragsvorschlägen der dänischen, der norwegischen und' der schwedischen Regierung;' allgemeine Oberaufsicht über die Ausführung ‘ der Abkommen, L.Lrcsfenr» den Handel mit Opium nach Artikel 23 des Friedens/ Vertrages. . .V Die Friedenskonferenz in Riga V^rfteeier 'Vier - entsendet. London, 11.. SeptembM.MMHer „Picher Morgenzeitüng".) -Der Rät der-Ääb'öur PMy' birsVrach in einst ' besonderen Sitzung die auf feer polnisch-russischen Front geschaffene Lage und beschloß die Herausgabe eines Communiquees, inwelchem aüsgeführt wird: Mit Rücksicht auf den Appell der polnischen Arbeiter au die englische Arbeiterschaft, in welchem mit bezug auf den polnisch-russischen Konflikt ein rein polnischer Standpunkt eingenommen wird, mit Rücksicht ferner auf die andererseits . von der Arbeiterschaft Sowjetrntzlauds abgegebene Erklärung und daß ferner die Verhandlungen in Minsk ergebnislos verlaufen sind, hat das Exekutivkomitee, um nicht in die Einseitigkeit der französischen Arbeiterschaft zu verfallen, und angesichts der divergierenden Standpunkte der polnischen und russischen Arbeiterschaft eine eigene unvoreingenommene Meinung sich bilden zu können, beschlossen, die Parlamentsdeputierten Adamson und Parcel als Delegierte der Labour Patty nach Riga zur Friedenskonferenz zu entsenden und auf Grund deren Berichterstattung den Standpunkt festzustellen, welchen die englische Arbeiterschaft in dem polnischrussischen Konflikt einzunehmen hat. Barrikadenkämpfe in Triest. Eingreifen des Militärs. Trieft, 11. September. (Stefani.l Gestern abends Labe« Demonstranten, größtenteils Slame«, im Viertel S.Giaeomo Da rribade« errichtet; Infanterie zerstörte dieselben rasch. Die Zahl der bei den Zusammenstötze« Getöteten dürfte drei betragen. E» wurde« etwa 100 Verhaftungen vor- ^enamine«. Die Nacht ist ruhig verlaufen. Die Arbeit dürste, wie e» scheint, heute vormittag» wieder ausgenommen werden. / * . z unsere höchste Volkshoffnung schickt sich an, Wirklichkeit zu werden,. und täglich . lehr schreitet unsere Volkwerdung fott. Wir haben die Anerkennung als Volk bei den Mächtigen dieser Welt errungen, und unser Anspruch auf die nationale Heimstätte ist feierlich verbrieft und bestätigt.. Der Weg nach Erez Jsral eröffnet sich und uns ist es vergönnt, die große Wiedergebutt noch in unseren Tagen zu erleben. Durch das dunkelste Gewölk. das unseren Horizont umdüstert, leuchten die ersten Strahlen einer neuen Sonne. Wieviel wir auch als Einzelne noch dulden mögen, unser Volk wird dauern und zu neuer Blüte erstehen. Von der Tatbereitschast unserer Generation wird es abhängen, den Leiden unseres Volkes ein Ende zu bereiten. Hente, da wir nach vielen ihre Befreiung wird von allen Berichterstattern .als aussichtslos hingestellt. Dazu kommt noch,-MW die Verkehrswege und Eisenbahnen, welche eine Verbiwf^ düng mit Bagdad Herstellen, an vielen.Orten undexf'^ brochen sind. Die. gefangengenvmmenen errHlischM^ Offiziere werden von den Stämmen kalten Blutes er-; , mordet. Als Zeichen für die SchwierigkeitLN>..mA'- welchen die in Mesopotamien operierende englische Armee! zu kämpfen hat, wird auch die Tatsache angesehefr,^daßsr das englische Ariegsministerium bisher über die.. wiegenden Vorfälle bei Samawa, in denen die. ständischen auch Geschütze erbeuteten, keine detaillierten. ‘ zuverlässigen Berichte zu erlangen vermochte.. ,' ' Ernste Lage in Italien. r-. ':p Anarchie in Mesopotamien, s . - Myd u, 11.. September: <M..-.der ztg.".) Sämtliche englischen Blätter beschLftttzMHsM'- mit Anarchie in Ms-opotämiM' 'welche -:NvD dä--! durch verschärft wird, daß die cinflußreichstender Besatzungsarmee entweder feindlich oder indifM-rnt^ gegenüberstehen. Der heilige Religic>nskrieg, zu dr,n-iwfolge der Aufveizungen, durch einzelne HäuptliuM/.hio^ englische Besetzung Mesopotamiens gestempelttvird,.-Mchhj die Situation nur noch schwieriger. Es . scheint, daß, die^. (Engländer in Kutaund Samawa am unteren-Euphrats von Aufständischen v öllig e in ge f chlo ssen sind..und'^ Nene Verhandlungen Giolittis. London, 11. September. (Funkspruch.) Nach Melbungcht' aus Mailand ist die' letzte Hoffnung' au s. f'rktz.tz-!. licheBeilegung der Zwistigkeiten zwischen Metallarbeitern-' und Fabrikanten im Schwinden. Die Fabrikant«: hahyk' einen Aufruf erlassen, in welchem sie die Forderungen der? ' Arbeiter als unmöglich bezeichnen und die Negierung' wegen-" ihrer untätigen Haltung verurteile,!. Die Läge ist fehrs? e r n st. G t o l i t t i hat nach ' Melbungen aus Nom nrnj? Verhandlungen auf der Grundlage von Konzessionen'an die.' Ausständigen angekündigt. " Mühen. und. Kämpfen. unser Recht auf den Mutterboden durchgcsetzt haben, heute mahnt uns der Tön des?' Schofars, daß unsere Befreiung neue und erhöhte'Ver-? pflrchtungen bedeutet. Ein neues Licht will aufgeheft. über Zion, dessen Strahlen die versprengten Glieder , unseres Volkes zu lebendige? Einheit verbinden'soflen.s' Wer heute noch abseits steht, da es um Sein oder Äicht"?' sein geht, der schließt sich selbst aus aus unserer ewige«, | Gemeinschaft, welche vor großen und unerhörten, Auf- , i gaben steht. Wir gehen.hinüber in das neue Jahr'ck.ft dem Bewußtsein, daß für uns eine neue Zeit angehrschm./,! ist. Das mahnende Horn ruft alle Kräfte, die im Juden-, tun: noch lebendig sind, zum Werk. ' . ' '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.