Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 588 (10.9.1920)
- Date
- 1920-09-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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K a m t n c w übermittelte der englischen Regierung gestern die Antwortnote TschitscherinS auf die Rote Balfours vom 1, d. M. Tschitfcherin erklärte in seiner Note, daß Rußland trotz der militärischen Ereignisse der letzten Zeit das Recht des Siegers für sich in Anspruch nehmen dürfe, da seine militärischen Kräfte viel größer seien als die Polens. Er sagt ferner, daß Rußlands tz a uptzielder Friedesei und der Krieg gegen Polen nur eine Episode im Kampf um de« Frieden darstelle. Tfchitscherin versucht ferner, die russischen Forderungen nach Errichtung eines Arbeiterheeres in Polen zu rechtfertigen, und verteidigt ausfützvUch das Somjetregime. » ■ Moskaus BeÄiuWKgM für hm AMchlUß der französischen SOziMsten an die <*"***«■■- nationale. Paris, 9. September. (Korr.°Bur.) Daniel Renoult verössentlicht iu der „Humanitee" die Antwort, die der Vollzugsausschuß der Moskauer Jnteruationnle auf die Vorschläge erteilte, die Cachin und Frössard ans Moskau gebracht hatten. Diese Antwort enthält die neun V egu« gen, die die Sowjetregierung ursprünglich .dem fraNzösischLN SozialtsymsitMe/und M n'ün der. fNMMe.AuMtUdUHMM'MMäsionaleMrk'^ Grundlage der Debatte der Partei zu machen wünscht. 1. Die sozialistische Partei soll von Grund auf den Charakter ihrer Preßpropaganda ändern. ' In Koloumlsragen soll die. sozialiftischc Partei de». Standpunkt vertreten, die Kolonien seien nufzugeben, m der Arbeiterschaft seien brüderliche Gefühle für die koloniale Bevölkerung zu entwickeln und iu der Armee sei eine systematische Propaganda gegen dü Bedrückung der Kolonien zu entfalten. 3. Dir Verlogenheit und Hinterhältigkeit des Sozial- Pazifismus ist aufzudecken. Es ist den Arbeitern svstc> «atisch zu erklären, daß ohne den revolutionären llm° stürz des Kapitals kein Schiedsgericht und keine M° -rüstüng die Menschheit vor neuen imperialistischen Kriegen bewahren kan«. 4. Die französische sozialistische Partei soll die Organisierung der kommunistischen Elemente im Schoße des allgemeinen Gewrrkschaftsverbandes anstreben und .gegen die Sozialverrater, die an der Spitze des Verbandes stehen, den Kampf aufnehmen. . 5. Die sozialistische Partei soll in Wahrheit, nicht nur in Worten, die vollständige Unterordnung der parlamentarische^ Gruppe durchsetzen. 6. Die gegenwärtige Mehrheit der Partei soll radikal mit den Reformisten brechen und alle Elemente, hie nicht ’ den neuen revolutionären Weg eiuzüschlagen.bereit sind, abstoßen. ' \ \- 7. Die Partei soll ihren Namen ändern und vor der ganzen Welt als kommunistische ParteiFrankreichs Zeug- ’ nahmszustand über die Arbeiter und deren Führer.verhängt, sollen die.französischen Parteigenossen die Not' Wendigkeit anerkennen, eine Aktion im Rahmen der Gesetze mit einer Ak t i o n außerhalb eine s Ge s e tz c o zu verbinden. - 9. Die sozialistische Partei wie alle Parteien, die sich der Dritten Internationale anzuschlicßen wünschen, müssen alle Entscheidungen der kommunistischen Jnterj nationale als unbedingt bindend anerkennen. Die kommunistische Internationale könne verschiedene äußere Bedingungen stellen, unter denen die Arbeiterschaft der j einzelnen Länder den Kampf zu führen verpflichtet ist. t Drei Vorschläge sollen nun der Partei unterbreitet werden: 1. Anschlußerklärung an die Dritte Internationale. 2. Annahme der neuen Bedingungen unter Vorbehalten. 3. Unverzügliche Verständigung der neuen Delegation, die den Anschluß an die Internationale praktisch durchführen soll.! In der gleiche» Nummer der „Hinnasritee" spricht! sich Cachin neuerdings f ü r den Anschluß an die Dritte Internationale aus. Im Grunde genommen werde nur eine einzige Bedingung gestellt, entschieden das Zn- , sammenarbeiten mit anderen Gesellschaftsklaffcn abzni lehnen, als Sozialisten zu handeln und die Revolution i vorzubereiten. Pogrome der Peiljura-Bandett Unmenschliche BestlattMerr. London, 8. September. (Jewish Corr. Bur.) Tie ostukrainischen Petljura-Banden setzen ihre entsetzlichen Pogrome iu Ostgalizien fort. So wird ans Bukaezowce am Djnestr gemeldet, daß die dort am 20. August eingetüdie Reiterabteilnng vou 300 Mann am hellichten Tage und mitten im Stadtring mehrere jüdische Mädchen geschändet habe. Als sie von den Pferden! absüßeu, begynnen die berüchtigten Revisionen in den einzelnen jüdischen Hausern, wobei sie einen, jüdischen Schneider, der nicht in der Lage war, das sogenannte Lösegeld herzngeben, durch einige Säbelhiebe i« Stücke zerhauen haben. Die Petljura-Banden drangen daun ins Rab. binerhauS hinein nnd forderten vom Rabbiner und feiner Frau, ihnen das Versteck ihrer Tochter anzugeben. Als der Rabbiner eine derartige Auskunft verweigerte, haben die vMhmnischcn SäldUkrhvrdcn den greise» Rabbiner und seine Frau mit den Sabeln so zugerichtet, daß kerne Hoffnung auf ihre Genesung besteht. > Bielen anderen Juden wurden einzelne Glieder in grausamster Weise weggeschnitten. Im Hause des Bürgers Mendel N. wurde seine hochschwangere Frau i mitsamt ihrer dreizehnjährigen Tochter unter unsäglichen Bestialitäten vergewaltigt und geschändet. Zwölt Stnnden hintereinander dauerten diese Entsetzlichkeiten, wobei der gesamten jüdischen Bevölkerung ihr letztes Hab und Gut weggeplündert wurde. Bielen Juden wurde das künstliche Gebiß aus dem Munde gewaltsam entrissen. Eine Anzahl jüdischer Mädchen entging der Schändung nur dadurch, daß einige barmherzige polnische Bürger sie in ihren Häusern bargen. Bukaezowce war früher von den polnischen Truppen besetzt, die dann ans einen anderen Frontabschnitt abgezogen wnrden, worauf die Stadt von ihnen den Petljnra-Banden »ber* geben wurde. Die Operateure des kranken Ungarn. Kr. W i e u, 10. ^Eptnuba Am Montag den 7. d. M. begann in Budapest der. erste Landeskongreß der Erwachenden Ungarn seine Beratungen. Sie teilten sich in geheime Sitzungen und ' öffentliche Versammlungen. Das, was in diesen öffentlichen Verhandlungen gegen die öffentliche Moral, gegen' den Begriff der Menschlichkeit und Nächstenliebe verbrochen wurde, was hier an Geschichtsfälschung und an ' Erfindung geleistet wurde, gibt soviel Aufschluß'über, die! Mentalität des Erwachenden Ungarn, daß wir/'uns die; Neugierde ersparen können, erfahren zu wolleir,' was in; den geheimen Beratungen dieses schwarzen Bundes gegen. Menschlichkeit und Kultur ansgeheckt worden ist.' Man' braucht nur zu wissen, daß der Gründer und Präsident^ des Bundes der Erwachenden Ungarn Georg Szmrecsanhk, ist, dem jeder selbstbewußte Mensch, der das geringste Reinlichkeitsgefühl hat, die Hand verweigern mutz, unr feststellen zu können, weß Geisteskind der Verbünd' der.Erwachenden Ungarn ist und wessen sich Ungarn und', die Menschheit von dieser entarteten Rotte noch zu ver^ sehen haben wird. . ' Der Verband der Erwachenden Ungarn ist auf dem' .zur Verdeckung und Vertüschüng der Malversationen und' der. politischen Felonie der ungarischen - Jugend suggerierten Irrwahn aufgebaut, daß an dem. Unglück Ungarns die Jn^en .schuld seien-- Diesem/politrschen unÄ'^ sittlichen Niveau entsprach der UNiversitätAprofessM Dr. .Michael Kmosko mit.seinem Referat über die Indens frage / im .allgemeinen. Man . wird. von Schaudern er- - hätten soll, an tvelcher ein. Lehrer 'von M^BWutung losigkeit. eines Dr. - Kmosko maßgebend ist. Daß Pro^/ fessor Kmosko rückblickend zur Feststellung gelangt, daß das Judentum, bisher keine andere Sorge haste, , als! Weltkrisen herbeizuführen, um dann irrt Chaos die- Welt-! macht, zu..erringen, mag dem tüchtigen Geschäftssinn, mit welchem er sich den im Schwünge befindliches Schlagworten unterzuordnen versteht, oder der Unzu^ länglichkeit seines, kritischen Sinnes zugeschrrebe^ werden. Daß aber ein Universtiätsprofessor sozusagen; vor dem ganzen Lande, ja vor der ganzen zivilisiertest Welt. die. wissenschaftlich anmutende Behauptung in bte( Massen.schleudert, daß das Judentum nunmehr an einest Generalstaatsstreik in allen Ländern schreite, mn an die Spitze eines jeden Staatswesens einen Indem zu stellen ., und die Staatsgewalten in jüdische Hände zu spielen, zeigt, welchergeistige Tiefstand die Volksmassen - er« griffen und welch vsrheerende Korruption in den Kreisen der Führer Platz gegriffen haben muß, seitdem der christliche Kurs Horthy-Ungarn beherrscht. Man mag ja darüber lachen, daß der gelahrte Uni versitätsprofessor seine, mehr oder weniger gläubige Zu Hörerschaft das Gruseln lehrt,, indem er ihnen ausmalt, welcher Gestatt diese Judenstaaten in der ganzen. West sein würden. „Diese Regierungsform eines solche« Judenstaates", doziert der Erwachende ungarische Pro« fessor mit trostlosem Ernste, „wird die absolute Monarch!^ sein. Sein , wichtigstes Derwaltungsprinzip sind Unters drückung und Terror. Die Grundsätze von Freiheit,! Gleichheit und. Brüderlichkeit werden in die Rumpel«! kammer geworfen. Mit der Religionsfreiheit wird auft geräunrt werden. Jedermann wird gezwungen werden^ den mosaischen Glauben anzunehmen. Die Führung de-k Staatshaushaltes -— es ist unglaublich, wessen sich dieses bösen Juden unterfangen wollen — und die Wirtschaft? der Beamten werden unter die strengste Kontrolle ge^ stellt werden nsw. . . Die Schlußfolgerung dei^ Hetzprofessors ergibt sich dann von selbst. Die Erwachen«! den Ungarn haben die . Pflicht, durch eine Politik de« Tat die Verwirklichung einer solchen schrecklichen Zu^ kunst — vor allem natürlich die -strenge Kontrolle ders gegenwärtigen Veamtenwirtschaft — zu vereiteln. j Auf derselben geistigen Höhe nnd der gleichen Ge-j schichtswahrheit stand das nächste Referat eines gewisse KarlMvlf über die Weltlage des Antisemitismus. Ma wird zum Beispiel in Frankreich nicht wenig überrasch sein, die von befreundeter ungarischer Seite aufgestellt Behauptung zu hören, daß die gegenwärtige Politi Frankreichs ihre Orientierung von semitischen und halb> semitrschen französischen Staatsmännern empfängt^ un daß da2 rein christliche .Schweden unser, der semsiA