Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 585 (7.9.1920)
- Date
- 1920-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Wims Zukunft. V *V ,'.F. Stert. 7. September. j;. Zwifchen Oesterreich und Frankreich sind nunmehr die mormalen -staatlichen BeziehnngÄr eingetreten. Der österreichische Gesandte in; Parisc hat. vor einigen. Tagen söLwBeglaubigungsschreiben. überreicht und -ist bei diesem offiziellen Anlaß mit freundlichen "Worten des fransösifchwL. Mäsidsnteir. ^bedacht -worden,/ welche Jbre Zukunft O^sftrxerchs bötrafem: Wenn ^mündliche, SympathieheipMe \ ünd s.fchone^ Worte zu. Wttrgey vermöchte^ so nckHe- Oösterreich usid speziMMieir -zu -den.glücklichsten uutchMestürr Gemeinschaften l Äöö Welt zählen. Seit Lag hören wir l von Kundgebungen des Mii- LefilchlS'-für diesen darmedsrli'egenhen- Staat und feine i^.Hgottie liegende Hauptstadt- und immer wieder wird diLcfMwendigkeit betont, Oesterreich-zu Hilfe zu kommen undlfeine - Wirtschaft ins' -normale Geleise zu bringen. Äe 'Wkkeklrtnr's-- - daß' Oesterreich üüs eigener Kraft - sich nW ZU erholen vermag und auf. Sanierung von außen angewiesen ist, bricht sich immer stärker Bahn und die n^tu^ehr zweijährige Geschichte... dieses unglückseligen kann,.auf keiner Seite' MiWl,übrig lassen, daß ^s??Ak,"Defterreich.'nicht lebenssäl)^. eist Aber' aüst den auf sich' warten'und mMschen versÄllt'Sjtäat und' Hauptstadl pon Tag zu Tag. . Me Produktivität stockt, unser sich-rftühsesig von -KM zu^ Efe^Me- Bettler/W^nwir.- Mgft'Urrft alleSchcmr gWlcht?*!sMdrg -Nchtz'-HE-Äsid' unsere elende Valuta- -nicht mehr diesen.-Nameft verdient-, ist liM^mir.-MÄenF^UMaublich dies klingest mag. Die sZorge um Brot und Kohle laßt Uns nicht den Mut mtWringen^zu - weiter . ausgreifenden Plänen, jede. Unruhe iw Ausland bedroht, den ohnehin gedrosselten MMangunserer Betriebe- und die einzige Produktivität, die Mir.entfaltest^'spM sich in ünsever Nötenpresse ab, wahrst allen- Mfswiste^ einer fortgeschrittenen Technik die Dahl jener kilauen sind roten Scheine, welche bei «Mdas Geld ersehest,' mit' unheimlicher Geschwindigkeit vermehrt wird.,Der. Streik ist bei dieser Lage der Dinge eftL/.Däuerzüstand geworden und während ein Pariser Blatt. zum'wievielten Male geschieht dies schon? — in her-Betrachtung von Wiens tragischem Schicksal zu der. stichtmehr neuen Feststellung, gelangt, daß esgroß- SpSMn Handelns bedarf, um Wien zu retten, und daß der Völkerbund etngreifen müsse, damit dieses Zentrum von Kunst, Musik und Wissenschaft erhalten bleibe, sind unsere' Buchhandlungen geschlossen,-weil ihre Angestellten hungern»und ist, als neueste Spezialität^ um die Liste vollständig zu machen, ein Theaterstreik ausgebrochen, der jette Schichten, die sichs noch leisten können, um . das letzte geistige Genußmittel zu bringen droht. Österreichmit seinem am meisten kranken Teile, "Wiest, ist durch die wohlgemeintesten Tiraden allein nicht zu helfen, und bevor der noch nicht konstituierte Dölferbund den Willen oder die Kraft aufbringen wird, hier, einzugreifen, kann lange Zeit vergehen. Oesterreich und Wien kann nur geholfen werden, wenn die Friedens- Verträge revidiert werden, auf welche Notwendigkeit als einzige Rettung der durch seine Kritik der Verträge bekanntgewordene Cambridger Professor Keynes wieder mit allem Nachdruck hinweist. Bei der Neuordnung Europas wurde hauptsächlich auf Betreiben Frankreichs, welches seinem einzigen Ziele, der Schwächung und Einkreisung Deutschlands, alle übrigen Rücksichten unterordnete, die alte Monarchie zerrissen, ohne daß, durch dsese Neuordnung wirklich lebensfähige Gebilde geschaffen worden waren. Die eben abgeschlossene kleine Entente, deren Unvollständigkeit durch die eben veröffentlichte Erklärung,, daß ihr bisnun Zkumänien noch fernesteht, noch augenfälliger geworden, ist, wird allein diesen Zustand nicht zu ändern vermögen. Sie soll den franzosischen Absichten nach Schaffung einer Donauföderation ein fiir allemäl ein Ende setzen und begegnet darum in Paris Zimmer lauter werdendem. Mißbehagen. Aber mit dpr, Rückkehr zu einer größeren Produktivität in Europa mch mit der größeren Anhäufung von Naturprodukten unh Industneerzeugniffen wird keine national-politische Einstellung die Tatsache zu verschleiern vermögen,. daß die Gebiete von Bodenbach bih zu den Alpen und von da- biszur Boche di Cattaro einander berührende Wirtschaftsinteresien besitzen, die sich durch bloße politische Neuordnungen nicht aus der Welt schaffen lasseir. Erst Jiosm bk io vielsaK rmnatürlicherr Achranken fallen und tschechische Legionäre und Sozialisten für einen nationalen Mgleich. .Prag, 6. September. (Korr.-Bur.) Sowohl auf der gestrigen Konferenz der sozialistischen Linken wie auf dem ‘ Legionärtag wurden Entschließungen angenornmen, in denen für die n atro n al e V e rt r ä. gl ich k c it und das Zusammengehen' des tschech.ischjen und des deutfchen Proletariat.s -eingetreten wurde. In der Entschließung der marxistischen Linken^ heißt es nach dem Bericht der. „Prager Abendzeitung" uftter anderem : Der N a t r o n a l i s m u's muß sowohl'in.den 'Massen dertschechischen wie auch der deutschen Arbeiterschaft ü b erw-u n d e n werde n. Die nationale ^dee muß werd.en,< was sie ist : Eine unscheinbare Idee im Vergleich' zur großen Idee internationaler vroletarischer Solidarität, des revolutionären Wettkampfes für die Befreiung aller Arbeiter/ Nur dann, wenn sich nach Uoberwmdung des Nationalismus, die tschechische und die deutsche Arbeiterschaft m einer gemeinsamen Reihe des Revolutionskampfes ^finden wird, nur dann, wenn es gelingen wird, für diese Klasien» einheit auch die bewußten magyarischen, polnischen und ukrainischen Arbeiter zugewinnen, nur dann wird man an eine Regierung des Proletariats und die Umwandlung der Republik m eine sozialistische denken können. . In der. Entschließung der Legionäre heißt eS nach dem „Pravo Lidu": Im.Bewußtsein, daß die Gleichberechtigung auch die Erfüllung gleicher P.f l i ch t e n v e r l a n g t, fordern wir die arbeitenden Klassen der anderen Nationen Unserer Republik auf, sich auf den Boden dieses Staates zu stellen und sich, an der Arbeit fiir eine bessere Zukunft unser aller zu beteiligen. Wir erklären, daß wir für eine sozialistische Republik Mitarbeiten wollen. Im übrigen enthält auch die Resolution der Legionäre die aus früheren Kundgebungen bekannten sozialistischen Forderungen. Die polnisch-russischen Ber- HMMngen/ W a 11 d> a tt, 6, September. (Funkspruch. Der pol«ische Vertreter in Letland. Kamreneeki, hat dem Ministerium für Aeüßeres tele, graphisch mitgsteilt, daß die lettische Regierung die von Tschitscherr« aufgesteltteu Bedingungen, betreffend die Sicherheit und den ungestörten Verkehr der Sowfetdelegation, die an den polnisch-russischen Vor« handlunqeu teilnebmen soll, angenommen bat. Tschitfcherin wurde gleichzeitig davon in Kenntnis gesetzt. Krakau, 6. September. (Privat.) Nach wie vor werden pie Aussichten für den Abschluß eines Waffenstillstandes in Riga sehr günstig beurteilt. An den Fronten sind anscheinend keine größeren Kampfhandlungen mehr geplant. Es ist sehr wahrscheinlich, daß in kurzer Zeit an der Front ein vollständiger Stillstand als Vorläufer des formellen Waffenftrkftaudes eintritt. Der polnisch-litauische Konflikt Warschau, 6. September. (Funkspruch.) Die polnische Regierung hat bei dem Generalsekretär des V'ölkesbunÄes telegraphisch Klage über das Vorgehen der Litauer erhoben. Die polnische Regierung erklärt, daß sie gezwungen sein würde, sich als im K r i e g s z u ft a n d e mit L-tanen befindlich zu betrachten, wenn die litauischen Trupven das polnische Gebiet nicht in den nächsten Tagen vollständig räumen und anfhören, mit den Roten Truppen gemeinsam vorzugehen. KraKm, o. Septrinber. (Poüt. Stintmen.) Wie dein „Czas" ans Warschau-berichtet wird, ist die von der polnischen .Regierung? nach Kowno entsendete Mission nach Warschau zt'.rückgekehrt. ES verlautet, daß die Verhandlrmgen der'Mission mit der littamschen Regierung-resultatlos verlaufen seien. Der ruskrsch-poinischtz i - 4'> . Moskau, 6. September. (Funkspruch.) -F'ronLbwicht vom 4. September: Per Brest-Litowsk dauern, hie Kämpfe 12 Werst östlich der Stadt an. Ebenso - wirb- 40 Werst westlich uttb 12 Werst südlich von -Hökok gekämpft. Im Gebiete von Lemberg hartnäckige Kämpfe mit wechselndem Erfolg, in denen viele Gefangene-gemacht und Gewehre erbeutet wurden. Im Krimaüschnitt schlugen die Rottruppen die hartnäckigen Gegenangriffe des Feindes bei Berislaw zurück. . Im Gebiete , von -Oriechow wurden die vorrück'wd-en Truppen des Generals Wrangel aufgehalten und zurückg-eschlagen; es wurden zahlreiche Gefangene gemacht und 15 Maschinengewehrü sowie anderes '- Kriegsmaterial erbeutet. Eine neue- Landung.weißer Truppen an der Küste der Halbinsel Taman wurde von uns ebenso erfolgreich, erledigt wie die erste. Die gelandeten Truppen sind teils vernichtet worden, teils im Meere ertrunken. * Frontbericht vom 5. September. Bei. Vrest-Litowsk Kämpfe mit wechselndem Erfolg. Am Bug hartnäckige. Kämpfe südlich und westlich von Grubiechow. Im Gebiete von Halitsch nähern wir uns kämpfend der. Stadt'. Warschau, 6. September. (Poln. Telegraphenagent.) Kriegsbericht vom 5. September: Litauische Truppen unterstützt von.Bolschewiken greifen unsere Abteilungmr an und rücken in der Richtung Suwalki und AugustowD. ' vor. Unsere Abteilungen zersprengten in kühnem Ausfall gegen . Kamienee - Litewski eine Sowjetbrigade, machten 400 .Gefangene urch./erbeuLetLN dref Geschütze mit Munitionswagen. Im Bugabschnitt wurde neuerlich ein feindlicher Angriff abgewiesen. Eine bolschewikische Abteilung wurde bei Wlodawa durch die Gruppe des. Generals Balachowic in einem kühnen Streich vollständig aufgerieben. Im Abschnitt Grrtbieszoiv, wo währeird der letzten zwei Tage wegen Umgruppierung Mtionen unterblieben, sind unsere Abteilungen zur Angriffsaktion übergegangcn.. In Kleinpolen ist die.Lage unverändert. Die Aktion bei Gologory hat uns ein« Artzahl Gefangener gebracht. taw*y-%r^r:Tt. rmumaimmrm, imwu m m i ■wawtaBaav .• tn irgendeiner Forrn die wirtschaftliche Interessengemeinschaft Mitteleuropas zum. Ausdruck kommt, erst dann werden die Nationalstaaten und mit ihnen auch Oesterreich und Wien den Weg zur wahren Prosperität wiedergesunden haben. Der Weg zu dieser Erkenntnis ist bisher bei uns wie draußen durch-manche Irrtümar verrammelt worden und die Behandlung der Fremden, unter welchen in Wien hie Juden gemeint sind, steht hier an erster Stelle. Das ungesetzliche Ausweisungsverfahren in Wien ist zu einer wahren Judenhetze ausgeartet und die Wiener Machthaber sperren sich in unbegreiflicher Lartnäckigkeit gegen die Erkenntnis, wie wichtig für die künftige Wiederbelebung -von Handel und Industrie und für die Wiederanknüpfung der so jäh zerrissenen WirLschaftsverbindungen gerade das jüdische Element ist,- das man tmToMt Mitteln abstößt und behindert. Wenn diese Stadt vor dem Verfall bewahrt und eine Zukunft haben soll, kann, sie dies nur als ein internationales Zentrum erreichenaus dem keine volkswirtschaftlich. wertvolle Kraft aus« geschaltet werden darf. Wien ist allzu verelendÄ und seine Zukunft ist derart fragwürdig geworden, daß e? sich den Luxus einer Judenaustreibung mit Berufung aus die gegenwärtige WohnungsM yW MgM dM »>