Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 584 (6.9.1920)
- Date
- 1920-09-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Men. OTtonfng f In Polen wäre eine Kommission von jüdischen Historikern einzusetzen, die Alle Archive des polnischen Staates, so in Krakau, Lemberg, Lublin, Warschau, wie auch andere, ebenso auch die jüdischen Gemeindearchive auffuchen, genaue Verzeichnisse über die dort befindlichen Aktenmaterialien, welche auf die Geschichte der Inden in Polen Bezug haben, anzulegen hätte. Diese Kommission seyt dann in den Städten, deren Archive bearbeitet werden sollen, und auch in. größeren Juden-. gemeinden Subkommissionen ein, denen die Ueberwachung und Durchführung der richtigen Abschriften obliegen soll. Auf Grund der angelegten Verzeichnisse sind die Arbeiten auf die Skriptoren zu verteilen und die AbschnfteN Herstellen zu lassen. Freilich müßten von minder wichtigen Aktenstücken, Urkunden, nur Regesten oder Exzerpten nach Weisungen der betreffenden Fachleute gemacht werden/ Analog müßten auch von jenen Fried- Höfen, deren Inschriften noch unveröffentlicht sind, bie Inschriften kopiert, womöglich aber photographiert werden.*) Alle diese Abschriften, Exzerpte, Regesten von den ältesten, soweit sie nur zugänglich sind, bis zu den neuesten Zeiten, müßten von diesen Subkommissionen kollationiert, beglaubigt und sodann der Hauptkommission des betreffenden Landes übergeben werden. Diese hätte dann das Material territonell, chronologisch und lachlich zu ordnen und an das Jerusalemer Zentralarchiv rbzngeben. Allerdings wäre diese Arbeit jahrelang zu leisten und das Knlturdepartemxnt müßte eine gehörige Finanzierung dieser wissenschaftlichen Unternehmung sicherstellen, um sie zu Ende führen zu können. Auch Kreise, die außerhalb unserer Bewegung stehen, iedoch Sinn und Verständnis für jüdisch-wissenschastliche^ Bestrebungen besitzen, wären für diese wissenschaftlichen Arbeiten zu gewinnen und so mancher würde gerne für diesen Zweck auch größere Geldsummen spenden. Die Begründung eines Zentralarchivs in Jerusalem, rn dem sich dann die Abschriften des Akten- und Urkunden- Materials zur Geschichte der Juden in den Diasporaländern befinden, dürfte auch praktisch für die jüdische Wissenschaft von unumgänglichem Werte sein. Tenn hier wird der jüdische Historiker an einem Orte das für seine Forschung notwendige, wichtigste Ouellenmatenal finden und jeder würde gern eine gewisse Zeit nach Jerusalem, dem Künftigen Zentrum jüdischer Kultur, ceiien, um dort eine Zeirlang seinen Forschungen zu obliegen. Durch die Begründung eines solchen Zentralarchivs wäre auch eine der wichtigsten Kulturaufgaben unserer neuen Heimat erzielt, denn in Erez Jsral wollen wir eine jüdisch pulsierende Wissenschaft zu schaffen. Hier soll nur eine Anregung, gegeben werden; hoffen wir. daß sich unsere wissenschaftlichen Kreise mit diesem Gedanken näher befassen und auch Weisungen zu dessen Ausbau und Durchführung geben werden. Dr. N. M. Gelber. Spendet für den Wahlf 3uden und Jüdinnen! Die Wahl fn die Nationalversammlung bedeutet für uns: Sicherung der einzigen jüdischen Vertretung im Parlament. Schutz des österreichischen Judentums vor den Angriffen einer immer übermütiaeren und gewalttätigeren antisemitischen Reaktion, welcher im Parlament niemand in de« Weg getreten ist als unser Vertreter Stricker. Der Ausgang der Wahl ist ausschlaggebend für die Entwicklung des österreichischen Judentums und unserer Bewegung. Anspannung aller Kräfte sichert uns das Mandat und gibt uns die Möglichkeit-, weitere Mandate zu erringen. Spendet für de» Wahlfondsl Das Iüdifchnationale Zentralwahlbureau II- Taborstratze 20a. Spenden werden an den Schaltern der „WienerMor g e rr-eitrr ng",1l., Taborstratze la, und im Zentralwahlbureau gegen Quittung entgegengenommen. Geldsendungen sind mit dem Vermerk „Wahlfonds" *« die »Wiener Morgerrzeitrrrrg* zu richten. Achtung! Gesinnungsgenossen und -genosinnen, die in der Schiffamtgaffe 2 bis 20, Obere Donaustraße 57 bis 81- Leopoldsgasse 21 bis 51 «nd 24 bis 28, Kleine Pfarrgaffe, Grotze Schiffgaffe, Kleine Schiffgaffe, Nickelgaffe, Floßgasse, Herminengaffe, Krumbaumgaffe, Im Werd wohnen, werden dringend ersucht, sich heute um V28 Ahr abends oder an einem der folgenden Wochentage zwischen 1Ji7 und V28 Ahr abends im Restaurant Baron, N, Große Schiffgaffe 19, zwecks eine^ äutzerst wichtigen Besprechung einzufinden. Die Leitung der V. Sektion Leopoldstadt: *) Ebenso müßten auch lehr wichtige Urkunden Photo- SNtzMrt werdey, ' •' SÜteKcr Morgenzeirung Wählerliste für den U. Sprengel der Leopoldstadt. umfassend die Häuser: Obere Dottaustraße 43 bis 45 a, Untere Angartenstraße ungerade 1 bis 39, Rembrandtstraße gerade 2 bis 36, Forstergaffe ganz; Haasgafse ganz. Zwerggaffe ganz und Krafftgaffe ganz, liegt im Cafb Durst, II.. Untere Augartenstxatze 1a, auf, woselbst Einsicht in dieselbe und Reklamationen an Wochentagen zwischen 6 und 8 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen zwischen 10 und 12 Uhr vormittags, vorgenommen wtrden. — Gesinnungsgenossen und -genossinnert aus obigem Sprengel werden dringend ersucht, zwecks wichtiger Besprechung in den nächsten Tagen im genastttten Lokal bestimmt zu erscheinen. Jüdische Wähler und Wählerirftien! Wer «icht in der Wählerliste steht, ist nicht wahlberechtigt. . In diesen Tagen liegen die Wählerlisten zur Einsichtnahme auf, H e u t e. Sonntag, von 8 bis 12 Uhr vormittags, an den Kommenden Wochentagen von 3 bis 7 Uhr nachmittags. In j e d e.m Hause ist ein V e r z e i ch nis angeschlagen, aus welchem zu entnehmen ist, wo frie Wählerliste aufliegt. In dieser «H a u s wähl e t I i st eÄ sind die Wähler des Hauses nicht Mit Namen verzeichnet, wohl aber ist ersichtlich, wieviel männliche und weibliche-Wähler in jeder Wohnung vorhanden und eingetragen sind. Wahlberechtigt sind alle deutschösterreichifchrn männlichen und weiblichen Staatsbücher, d i e v 0 r d e m 1. I 8 n n er 1920 z w an zigJahre alt geworden sind. Wer erst am 1. Jänner 1900 oder später geboren ist, ist kein Wähler. Staatsbürger ist: I. Wer in einer Gemeinde der Republik Deutschösterreich heimatberechtigt (zuständig) ist. II. Derjenige, der nach dem Umsturz die Staatsbürgerschastserklärung abgegeben hat. Auch die Frauen und Kinder derer, die eine solche Staatsbürgerschaftserklärung abgegeben haben, sind wahlberechtigt. Ferner diejenigen Personen, die nach Deutsch-Westungarn zuständig find, denn gemäß dem Friedensvertrag gehört Deutsch-Westungarn zu Deutschösterreich. Als in Äeutschösterreich heimatberechtigt kommen für diese Wahlen auch diejenigen Personen in Betracht, die nach Deutschböhmen. Deutschmähren (einschließlich Brünn, Iglau und Olmütz) sowie dem deutschen Teil Schlesiens zuständig sind. .Um.eingetragen zu werden, mutz man das Alter von zwanzig Jahren (am 1. Jänner 192V), die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft und den Wiener Wohnort Nachweisen. Also braucht man: Meldezettel, Geburtsschein, Heimatschein, eventuell Staatsbürgerschaftserkläcung, Reisepatz oder ein altes Arbeits- oder Dienstbotenbuch» wenn man nichts anderes hat, ein Militärzertlfikat ufw.; kurz die Dokumente, in denen Alter und Staatsbürgerschaft amtlich angegeben erscheinen. Verheiratete Frauen müssen auch den Trauüngsschein bringen. Die Deklamation mutz nicht persönlich geschehen. . Auch diejenigen können reklamieren, die erst jetzt nach Wien gekommen sind. Auskünfte und Durchführung von Reklamationen Hauptbureau, II., T a b 0 r str a tz e 20a, von 9 bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 5 Uhr nachmitt.ags. : ’.iV - ' ß -Die Eintragung jener Juden ZU., innen in die Wählerlisten, welche wahlberechtigt sind, deren Namen aber bisnun in der Wählerliste fehlten, ist für unseren Erfolg entscheidend! Wichtig für die Agitation! Das Hauptgewicht ist auf die Werbearbeit von Mann zu Mann zu legen. Der Wahlbezirk ist in Agitationssprengel eingeteilt, deren Lage und Umfang im Hauptbureau, U., Taborst r a jj e 20a, zu erfragen ist. Tagesbericht. Ein Theaterstreik in Wien? Die Krise, in der sich infolge der Differenzen mit dem Personal die Wiener Theater .befinden, ist gestern in ein kritisches Stadium gelangt. Der Bühnenverein hatte vormittags dem Direktorenverband ein mit 48 Stunden befristetes Ultimatum für die Annahme der neuen Forderungen gestellt, dessen Frist jedoch nicht eingehalten wurde. An vierTheatern, und zwar amDeutschen Volkstheater, an den Kammer spielen, am Theater a. d. Wien und am Raimundtheater proklamierte vielmehr da8 Personal schon für den gestrigen Sonntag den Streik, so daß an den genannten Theatern die Vorstellungen am Nachmittag und am Abend abgesagt werden mußten. Ueber den Verlauf der Streikbewegung und den Stand der Angelegenheit der Gegenverhandlungen wird uns aus Direktörenkreisen mitaeteilt: 6. September 1820 -Nr. 584/ Der Bü bnenv erein hat vorgestern bsüj Direktorenverband Forderungen überreicht, die von den Direktoren als maßlos übertrieben bezeichnet wurden.! Die Erfüllung dieser Forderungen würde, so erklären die Unternehmer, nicht nur materiell pon einschneidender Wirkung auf die Tbeaterbetriebe sein, sondern auch best künstlerischen Betrieb in Frage stellen. Der B.ühttenvMu verlangt folgendes: . ' Für sämtliche JahreSgagen bis 86.000 K. 13V Prozent Erhöhung; . „ JahreSgagen von 36.001—48.000 K. 100 Prozent Erhöhung mit einem Mindesteinkommen von 82.000 K. - 0 Jahresgagen von 48.001— 60.000 K, 8b Prozent Erhöhung mit einem Mmdesteirikommey von 96.000 K. 0 JahreSgagen von 60.001—72.000 K. 65 Prozent Erhöhung mit einem Mindesteinkommen von 112.000 K. > ' » Jahresgagen vvn 72.001—84.000 K. 50 Prozent Erhöhung mit einem Mindesteinkommen von 118.000 K. „ JahreSgagen von 84.001—96.000 K 35 Prozent Erhöhung mit einem Mindesteinkommen von 126.000 K. ' « alle Jahresgagen über 96.000 K. einen Zuschlag' von 33.600 K. Ferner: Minimalgapen von 42,000,& für alle Kategorien des darstellenden Personals, also auch für den Chor; Minimalgagen von 96.000 K. für Kapellmeister und Regisseure^ für diese außerdem einen Arbeitsvertrag, der den Kap^ll« > meistern die musikalische Leituug, den Regisseuren die Bühnenleitung mit Ausschluß des Direktors überträgt. Die Bedingungen, die Eingriffe in die künstlerische Leitung darstellen, wurden vom Direktorenverband kurzerhand abgeleh'nt. Auf die materiellen Forderungen unterbreitete der Direktorenverband folgende Gegenvorschläge: , Bewilligung der Minimalgagen von & 30.000. Für Gagen bis K. 36.000,60 Prozent Erhöhung . . . 48.000 35 . „ . 60.000 25 „ , * . . 72.000 15 , Der Bühnenverein erklärte die Vorschläge der Direktoren nicht annebmen zu können und stellte gleichzeitig ein Ultimatum. Eine Stunde nach diesem Beschluß erging' * an die Mitglieder des D e u t s ch e n Bo lkstheaterS, d derK a m m e r s pi el e, des R a i m u n d-T heaterS und des T h e a t e r S a. d. W i e n d i e W e i s u n g,1 eS dürfe nicht gespielt werden. Die Weisung zum Streik wurde um 2 Uhr telephonisch' gegeben. Dem Kassapersonal wurde vom Streikkomitee verboten, dem.Publikum das Geld für die gelösten Karten zurückzugeben. Dieser Vorgang erweckte naturgemäß an den Kassen lebhafte Entrüstung beim Publikum und eS hätte nicht viel gefehlt, so wären die Kassen gestürmt . werden. I Sonntag nachmittags versammelten sich im Theatera. d. Wien die Angehörigen des technischen und Chor-, personal-. Es waren ungefähr 600 Personen, die gegen' das Vorgehen des BÜHnenvereincs Stellung nahmen.' Heute um 9 Uhr früh versammeln sich in den *3 Engels- Sälen die Musiker, um zu beraten, was geschehen soll. Heute soll auch in den Übrigen Theatern der Streik proklamiert werden. Ausgenommen sind nur , die Staatstheater sowie die Bolksoper^ das Strauß-Theater und das Apollotheater, die dem Direktorenverband nicht angehören. _____ Jnlaudsaktion der Jüdische« Kinderfreunde. Wer das Wiener Kinderelend tiefer kennt, der weiß, daß es nur durch eine zielbewußte Jnlandsaktion erfolgreich bekämpft werden könnte. Die Auslandsaktion für Kin'der, diese Kinderzüge in ferne Himmelsstriche, bieten ein die Phantasie bestrickendes Phänomen. Jedoch nüchtern genommen, muß man sagen, das Wiener Kinderelend wird auf diese Weise bloß löffelweise ausgeschäpft. Die Auslandsaktion ist verurteilt, Stückwerk zu bleiben, falls sie nicht durch eine großzügige, zielbewußte Jnlandsaktion ihre Ergänzung erhält. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der unterernährten Kinder genießt doch nur ein Bruchteil das Glück der Auslandsreise. Und die übrigen? Andererseits verlieren auch die aus dem Auslande Heimgekehrten bald das Mehrgelvicht, da sie die alte Lebensweise fortzuführen gezwungen sind. Aus den angeführten Gründen halten wir eine Jnlandsaktion für Kinder als unumgänglich notwendig, wenn uns die Wohlfahrt junger Meuschenpflänzen am Herzen liegt. Wir beabsichtigen, sie in Form einer Liebesgaben- Verteilung vorläufig unseren Heinistättenkindern zuzuführen, und zwar wird jedem Liebesgabenspender auf die Zeit von zirka sechs Wochen ein Kind zugewiesen, um zwischen Geber und Empfänger einen persönlichen Kontakt herzu stellen. Die Abgabe erfolgt in den, Heimstätten-int Beisein der Spender. Auf diese Art wird manches K'md liebgewonnen, man gibt alsdann mehr und vsk-rs. - 9 Es kommen natürlich nur hochweitlgc Naiu'imgs« mittel, wie Kondensmilch. Mehl, Reis, Butti/r und Fette, in Betracht. Diesbezügliche Auskünfte erteilt bereitwilligst schriftlich und mündlich das Sekretariat der ..Jndnchen Kindeffreimde", 2. Bezirk. Obere Donanstraße 91. 2. Stiege, 1. Stock am Montpü uub Mittwoch vqp 4 biß 5 Uhr mschmirtag»