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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-04 · Heft 582 (4.9.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 582 (4.9.1920)
Date
1920-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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September. ten im Herzen von Europa hat sichfeit Jahresfrist schon einStaatsregime ausgeion,. welches mit jedem ZWe".'He.uLlicher beweist, daß es mif seinen Idealep ins dunkelste Mittelalter gravitiert. Seit die Kommunisten''' episM unrühmlichen Angedenkens, aus Budapest.zu. ffnde gegangen Ist, find finstere Elemente am -Werk, um-. Las uflglückttchi? Ungarn mit allen Mitteln um alle neuzeitlichen Errungenschaften zu bringen und. einen politischen/, ssvzralen und geistigen- Zustand herzustellen,-den. die Minen geschichts- und traditionslosen Kölker, welche, eben erst, ihre staatliche Unabhängigkeit errungenhaben, mit- Erfolg zu überwinden bestrebt sind. In Ungarn,. tvelch'es.auf feine, politischen, und nationalen Traditionen so stolz tut, wo man seit je gewohnt war,,sich.mit einer , besonderen nationalen Emphase aus die jahrhundertelangen Uehcnlieferungen zu berufest, hat nran ,mit'Kern... schlechten Latem der politischest Phraseologie auch bte letzte Scham und alle Rücksicht auf das 'Urteil- --eines höherstehenden Auslandes' beiseite geworfen' und hatda' die Thronfrage den 'Zankapfel zwischen dem einzelnen Machtgruppierungen - bildet und darinn einer E rledigung vorläufig nicht zugeführt werden kann,, inzwischen das' nÜckte'.Betyarentum uns den Throngesetzt,- welches mit wahrhaft absoluter Gewalt regiert, die von keiner-Seite wirlsatn bestritten wird. Die Reaktion, die auf das Purschregime Bela/runs eingesetzt. hat, .' hat in ' allen Instanzen gesiegt und liegt , wie ein.u.ndurchdriuglicher Nchel 7 über dem Land.. E^ - ist- .schwer zn Wg e'n/; V"mv Der Reichsverweser teilt hiMwll"GM5sii/auZ-'uN-K^k''' Münziationen pon. sich, wie?sie selbstbewußter, auch in dyn Verschollenen Zeiten des Gottesgnaöentums nicht zu erklingen pflegten.' Der herrschende Militansmus rasselt beständig mit dem. Sabel und neben der Nationalarmee gibt es spezielle Brüchialformgirosten, welche' die Unfgäbe haben, das aufrechtzuerhalten, was man gegenwärtig in Budapest „Ordnung" nennt, und. die in Pogrom, 'Raub, Folterung . und Mörd eiste außergewöhnliche Bravour entwickelt haben. Regierung und Parlament wetteifern in der Entfaltung der reaktionärsten Gesinnung. das Zerrbild eines-politischen Christentums. 8aS hon christlicher Liebesgefinnung so. weit entfernt ist wie her Dag von der Nacht, ist die herrschende Maxime und. beständig regt sich ein neuer Putschgeist, der. wie die Enthüllungen im ungarischen. Parlament dargetan hahe'y, dem. jetzigen System mit dem Machtmittel der Gewalt, die heute in Ungarn so hoch im Kurse steht, .seine,besondere. .Richtung bestimmen-möchte. ' . ' Aber in-einem sind sich alle Liese Strömungen völlig, 'ermg:. .In der Entfaltung' einer zügellosen Reaktion, .Wie sie schlimmer nicht mehr gedacht werden kärm. Dieses - mÄIfyürdige:-Christentum, das mit Bajonett- und Säb.el arbeitet, unschuldige Menschen sottert und aus den Raub b'ön Maschinengewehren ausgeht, hat in seinem System eiste'Lücle gelassen^ die nunmehr! geschlossen werden soll. Die Nationalversammlung hat die Vorlage* über die ' PEgelstrafe zum Gesetz erhoben^und was' bisher als Exzesse' verwilderter Horden gelten mochte, erhält nunmehr die legale Sanktion. Man - kann sich ohne besondere Phantasie vorstellen. in welch ausgiebigem Maße Ungärlls Behörden von dieser ihnen gewährten Freiheit gebrauch machen, werden. Das Bild des heutigen Ungarn erhält hiedurch jedenfalls emenNeuen undcharakterisiischeu'Zug einverleibt. Ungarns Machthaber sind unaufhörlich bemühst den von ähnelt' entfesselten Pöbelinstinkten die gesetzlichen Grundlagen zu liefern, und gegenwärtig steht ein Gesetzentwurf auf-der Tagesordnung, der sich schamlos genug Hochschulrefonn nennt und, wie der Berichterstatter unverblümt mitteilte, bestrebt ist, mit dem bisherigen Grundsatz der Lernfreiheit in radikaler ^Wesse .zst brechen. Was bisher das Um und Auf jeder irgendwie neuzeitlichen Regieruttgsordnüng bildete, der Grundsatz-der Lernfreiheit, soll nunmehr dem Numerus clausus weichen und auch ohne die Ausführungen des antisemitischen Unterrichtministers Haller wäre kein Zweifel möglich gewesen, daß es in erster Reihe darum geht, sämtliche jüdischen Studenten vom Besuch einer ungarischer Hochschule auszuschließen. Die ungarische Gesetzgebung ist schlau genug, ihre Absichten entsprechest^ zu verklausulieren, sie spricht davon, daß die Anzahl der jüdischen Hörer einer Prozentno nn unterworfen werden?■$, L.hsL h::S' RMfülfistn^.-s-orfabren, welchem die! Zusammenkunft Millerands ' mit Lloyd George und GioMti. P a r r 3. September. Gavas) Ministerpräsident M i I I c v c « b wird ans 5. d. M. der Feier des Jahrestages der Marne-Schlacht in Meaux beiwohnen und sodann eine Reise durch das brsetzte R h e i n L a n d und die n e n § ewv n n ene » Provinze n nnternehmen. Die Reise wird bis znrn 12. d. M. dauern, worauf fich der MnWeeprLftdent nach A i x - l s s - B a i n s begibt, wo er mit dem Minifterprasidsnten Gi o 1 i tti und L l o y d G e o r'g e zufaMmentreffen soll. / TrotzW Wer die Lage'im . ..Mo s k a u, 3. September.. (FupkspMM-^M«iesttjv" veröffentlicht eine Unterredung mit dest^WMMis dem Kübangebiet zurückgekehrteu T r o tz ki j. Kanach/mddie fremdländischen Meldungen, daß dieMh^üVankosäken sich init Wrongel vereinigt hgtt^^UFi'ch t i. g. Wrangel habe den Kosaken ern Bündnis Angeboten, das aber a b g e s ch l a g e n worden sei. Die Nachricht über die Räumung von Baku sei völlig ans der Luft gegrissen. Die Oelanlagen seieu in voller Tätigkeit; bisher seien 150 Millionen Pud Heizöl von Baku nach Sowjetrußland geschasst worden. In Grosny seien außer sehr großen. Mengeu von Heizöl gegen.10 Millionen Pud Benzin gur Behölieru nicht möglich sei. Die Stellung der Sowjetinacht rin Nordkaukasus sei nicht im geringsten bedroht. Studenten sich, bezüglich ihes Verhaltens während der Revolution unterwerfen sollen, wird schon dafür, sorgen, daß jüdische Studenten in die Hallen der nsagyarisch geeichten Wissenschaft feinen Zugang findew Man will in Ungarn den Juden den Weg zur Bildung sperren und sieht darin das beste Mittel, mit ihnen fertig zu werden. Die Pogrome und Folterungen machen zu viel unliebsames Aufsehen im Auslande, als daß sie in ein System gebracht werden könnten, man versucht es also mit dem unblutigen Pogrom, - welchen die Gesetzgebung besorgen soll. Aber mich die Bäume der magyarischen Reaktion werden nicht, in den Himmel wachsen. Es muß mit Bedauern konstatiert werden, daß diese Rückschrittlichkeit ihre Stärkung in dem Gefühle findet, nicht völlig isoliert dazustehen. Die französische-Politik, welche überall die Hand im Spiele hat, inn Europa nach ihrem Willen zu .formen und gegen Deutschland einerseits und die Bolschewiken andererseits einen möglichst festen Block zusammenzuschweißen, ist vor etlicher Zeit mit Budapest in Unterhandlungen einget'reten und man begreift, daß sich der magyarisch-chauvinistische Militarisinus förmlich dazu' drängte, an der Seite Polens vom Leder zu ziehen, in der Erivartung der ihm allem Anschein nach versprochenen. Kompensationen in der Form der Milderung der harten Friedensverträge. Die Antwort auf dieses Beginnen bildet die kleine Entente, welche zwar ein-sehr unfertiges .Gebilde^darstellt, aber ihren primären Zweck,' die Rücken- ' deckmrg * gegen kriegerische Absichten Ungarns, immerhin erreicht. Eine innere Umkehr in Ungarn herbei» -zusühren, .wird sie ssreilich nicht vermögen.- .Aber schon ihre Schaffung, die den Rückzug Frankreichs, zur Folge hat, der sich nunmehr hinter bittersüßen Zeitungsstimmen vollzieht, wird in Ungarn ein deutliches Gefühl des Katzenjammers erregen. ' - Auch in Ungarn wird man bald erkennen, daß das bisher eingeschlagene System keinen Erfolg verheißt. Die Judenhetze und die Verfolgung jedes auf Denunziationen hin Dc-i-dächligten sind kein Programm, das imstande ist, ein aus feinem sozialen und politischen Elefch hinaus?,uni.Oven. Dieses System wird an seinen eigenen Sünden zusammenbrechen und einer , menschlicheren Ordnung Platz machen müssen. Darob mag freilich noch etliche Zeit vergehen, aber die Entwicklung und der Fortschritt, die sich nirgends werden hemmen lassen, werden auch- 'die Grenzpfähle zu überschreiten wissen, an denen heute die Korthy-Garden Wache basten. Ratistkattsn Äer Vertrkge mit Jugoslawien. Wie bekannt, haben die anfangs Juli von^ ösrec» reichischen Regierungsvertretern gesührien . Verbandlungen in Belgrad zum. Abschluß eines provisorischen- Handelsvertrages sowie eines Kontigentabkoinnrerrsgeführt, welch letzterem ein besonderes Abkommen übev leihweise Ueberlassung von Lokomotiven an.'. Jugoslawien angeschlossen war. Zur völkerrechtlichen Güttiakeit dieser Verträge war noch die, Ratifikation durch die beiden Regierungen erforderlich. Den-! österreichischen- Vertretern in Belgrad war es gelungen, W.- fugyslawische Regierung dazu zu bewege», di-e Ratifikation vorzunehmen. Am 25. und 26. Augrlst d.' I. . wurden^ das Kontingentabkommeir und der Lokomotihleihvertrag: unterzeichnt; das. provisorische HandelsübereinkömmeA- .wird nach Zusicherung,dex' Belgrader Regienlng -iw den nächsten Tagen unterfertigt werden. .. , - : ' Die Ratifikation des KontigentübereinkoMMeks' hat für das Verhältnis Oesterreichs zu Jugoslawien und. damit für unser ganzes Wirtschaftsleben die Bedeutung^' daß der Zustand der Unsicherheit, der seit dem Abschluß? der Uebereinkommen durch die Unterhändler 'geherrscht und die Aufstellung emes fundierten Versorgungs-'- planes verhindert hat, einem vertragsmäßig gestcherteic/ Verkehrsverhältnis Platz macht, das uns die Möglichkeit.- .bietet, ^die Bezüge aus Jugoslawien, beziehungsweise-die: Lieferungen dorthin in den Wir-tschastsplan nutz festen' Posten einzustellen. -- Wäs Künächst die Bezüge aus Iugoslgwien?.anlyM^ einest Vereinbarung! über .KmittgeÄe^üsämm'E^dWH sofort zu erfüllen sind, dem sogenannten „kleinen Lieferungsvertrag", und aus einer zweiten Abmachung,, dieweitere, später zu - erfüllende Kontingente an Lehensmitteln und Rohstoffen festsetzt. Mit der Abwicklung? des kleinen Lieferungsvertrages konnte noch.vor her; Ratifikation begonnen werden, da. dieser Vertrag' mir ' den Charakter^ eines kaufmännischen Abkommens 'trug.' Die Lieferung ging in zufriedenstellender Weise von statten, indem ferbischerseits bereits das ganze verein^ barte Quantunr (1500 Waggons Weizen und 4000" Waggons Mais) angeöient - und hievon derzeit'--schon über die Hälfte auf dem Donauweg auf Fährzeugs'n des« serbischen Schiffahrtssyndikats nach Wien befördert wurde. : Durch die Ratifikation ist. es nunmehr möglich geworden, auch auf die oben bezeichneten weiteren -Kon-ß tingente mit Sicherheit zu rechnen. Für die Gn>- nährungswirtschast kommen zunächst vorläufig 5000. Waggons Weizen sowie 11.000 Waggotzs Mais und; 1080 Waggons Gerste, ferner, Fettfchweine und! Fett,-, Speisebohnen und Kartoffeln in Vetracht... Are^ niaß^ gebenden Stellen wurden angewiesen, fürdie tunlichst schleunige Ausnützung dieser Kontingente,, durch rasche; Ankäufe Sorge zu tragen. . -,! > ' . i ' Für die industrielle Verarbeitung sind' RoWoffe« verschiedener - Art (Hanf, Drechslerholz, Bürstenbinder-i material, Felle, Gerberrohstoffe, Chemikalien. Metallei usw.) zu erwarten. ' - . . L ' Die reichhaltige Liste jener 'Artikel, 'deren - AusfulM öfterreichischerseits zugestanden wurde, ist für die Be-- schästigung mrd "Entwicklung unserer Industrie Wonbe»-' sonderer Bedeutung. Eisen- und Metallwaren, Fähr°- zeuge, elektrotechnisches Material, Papier. Textilien, Leder, Chemikalien und Farben sind mit namhoiftem Posten eingereiht. Der Ankauf der Kontingentwaren erfolgt beiderseits im freien Verkehr. Diese für die Entwicklung unserer Verkehrsbeziehungen günstige Bc-- - stimmung ist, was Lebensmittel betrifft, von der-jugyislawischen Regierung erst kürzlich festgelegt worden. Es ist nur zu hoffen,'daß die hei Behandlung von Änssuhrfragen überhaupt neuest hervortretende exportfrenndliche Gesinnung der jugoslawischen Regierung auch in Hinkupft anhält. Mit Rücksicht auf die Bedeutung des Vertrages find' die Staatsämter für .Handel, für Finanzen, für Verkehr und für Volksernährung schon in Verbindung getreten^ um . alle in dieser Angelegenheit in Betracht kommenden. Fragen (des Transports, der Geldbschaffung, der Beschaffung gewünschter Jndustrieattikel usw.) schleunig^ SU löj&n* 1

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