Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 581 (3.9.1920)
- Date
- 1920-09-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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jlfc S8r Wien. Freitag Die Ernährung. Der Marktbericht. ' „ Beschickung drr GrÜnwar e n m ä r'f t e; ist eilte anhaltend gute, btc Preise sind aber ziemlich unverändert. Bloß dei einigen Artikeln zeigte sich leichtes Nachgeben. So, waren Gurken wieder von K 1.- für das Kilogramm aufwärts und Paradeiser zu K 8.— zu baben. Gute Zwetschken waren auch um K ®'XT '^r Kilogramm zu haben. Birnen und Achsel gehen >m Preise auch t etwas zurück. Von diesen drei Obsigattungen werden für die nächsten Tage große Sendungen erwartet, so daß unbedinat mit emem Rückgang der Preise girechnet-rvcrden kann. Dte Obstsendungen aus Steiermark setzen jetzt erst ein. Auch Paradeiser sind in größeren Mengen angemeldet, so daß die Hausfrauen noch zu billigeren Preisen werden einkochm tonnen. Fleisch und Geflügel gibt es in großen Mengen, d'.e zum überwiegenden Teil unverkauft bleiben. Die Errrährungsfrag« in der tschecho- ■ slowakischen Republik. Prag, z. September. Das »Prager Tagblatt" meldet: Gestern fand eine gemeinsame Beratung der führenden Persönlichkeiten der deutschen nnd tschechischen sozialdemokratischen Organisation .i statt. An den Beratungen, die Ernährnngsfrage» galt u, nahmen auch Ministerpräsident Tufar nnd Ernährung minister I o h a n i S teil. Die Marktlage auf dem Fifchmarkte. Von fachmännischer Seite wird uns geschrieben: Die Preise der Süßwassersiische haben derzeit eine enorme Hoße erreicht. Jugoslawische Karpfen werden beispielsweise auf den hiesigen Märkten mit K 120 per Kilogramm ferlgeboten. Die Ursachen sind in dem Tiefstand unserer Valuta, deni^Transportrisiko in der heißen Jahreszeit und in den hohen Frachtspesen? zu suchen. Es ist jedoch begründete Aussicht vorhanden, ja fast mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich die Preise der Karpfen in kurzer Zeit beim Smken der Temperatur auf ungefähr die Hälfte ermäßigen werden. Auch bei den Seesischen ist vorläufig an einen fühlbaren Preisabbau nicht zu denken. Buhne und Kunst. ■ Deutsches VolksZheaLer. ^'Jn löblicher Pflichterfüllung einem Dichter gegenüber, der-in Wien wirkt und allen Anspruch daraus hat, gefordert zu werben, nahm das.'Deutsche 'BolksLheater Anton W i l d g a n s' Tvagödie „L i.e b e" wieder in den Spielplan auf. Die zwischen „Ärmu^ und „Dies ime" entstandene Bühnendichtung,, das schwächste seiner drei Dräuten (ein viertes, „Kain"', soll noch in diesem Jahre zur Aufführung gelangen), erweist gleichwohl die'hohs^sittlilhe 'Kraft dieses, echterr Dichters, der seine eigene Welt hat und sie zu erlösen mit Inbrunst am Werke ist. Wie der Dämon „Geschlechtstrieb" Mann .und Weib durch die Hölle der Setbstanklagen, der Mue Verras an?Weib unh, Kind, der rohen Lüge niM/iws"'Ekels peitscht, dieser Zwiespalt: Sexus und Treiw, lit auch dÄnen nicht erspart bleibt, die guten Willens sind,' wird zwar nicht dramatisch gestaltet, aber in Ergrifßenhej.t besungen und man läßt sich sogar die prätenziösp Orgel im Schlußakte gefallen, weil er wahihafüg^ .aus dew ErMlfall ins Allgemerngültige hinäusstreb't und die aUlagenden Orgelakkorde ein beMminerter älliebender Seele entgusllendcs GehHf:'begleiten. . 'Mnsölveniger darf man übdrfehen, was in diesem Stück mißglückt und des -Dichters nicht würdig ist: Die Dirne Wera ist kein Kind der Wildgansschen Druse, sondern nach'einet abgegriffeneu Schablone effektvoll ge- «rbHet'.und.Mr Vitus Werdegast ist recht willkürlich konstruiert. Mn Mädchen für alles, Salvnlöwe, ungebundener, skrupelloser Abenteurer, genial-paradoxer Phraseup, und ' dann plötzlich sentinientaber Biedermann. Hingegen .zählen, wir die Epispidenflgur des. „greisen Herrn" pan Karl/G ö tz wirklich rührend verkörpert zu den ' 'kostbarsten Schöpfungen des Dichters. In der Rolle der Frau, Anna überraschte Margarete K ü ck et i tz^dürch ungemeine Feinheit der Dialogführung und ' des ^Mienenspieles.. Auch Ferdinand O titt o als ihr Partner-auf voller Höhe. Daß er den ganzen Haupt-- pari'gleichsam mit der Sordine spiest, ist sehr angebracht (und wird es recht zur Geltung kommen/wenn das -Stück' dorthin übersichelt, wohin es gehört: in die. Kammerspiele). Der buntscheckigen GssbalL des BijusWerdegast.müßte eine starke Persönlichkeit! ihr Nntlitz.leihen. Der., sehr, begabte, und tüchtige- Aurel N vwo t n y ist; diese r Persönlichkeit; nicht, weiß gber .durch kluges Pointieren tvesxlich zu wirken. In Wyde Wes.sely,, welche die Wera gabdarf man nach diesenr erstensehr günstigen Eindruck-sin. starkes Ealeiit be-- grüßen. Die junge Künstlerin verfügt nicht. nur über - ungewöhnliche äußere Mittel, sondern anscheinend aizch über künstlerischen Ernst und ist sichtlich' bemüht, nicht an der Oberfläche haften zu bleiben. - v -, >. Anton' W il tz g a n s wurde w ährend - des. ganzen Abends stürmisch gefeiert. Er dankte zunächst aus seiner Loge/Nach denr letzten Mt von der Bühne, für den heget-- st»rtWBeifallf ee allerdings nicht unw.i-e'"'pracben blieb. - ' ü. Ä. Aus den Theatern. Im Operntheater gelangt morgen, Samstag, „DerFreischü tz" zur Ausfühiung. Anfang 6 Uhr. In der N e il a i s s a n c e - B ii h n e findet heute um */J Uhr die. Erstaufführung des Lustspiels „Papa" mit.Harro Waiden als Graf von Larzac und den Damen Weber, Wulf, Wie»«» Zum neuen fl*" + IhrenNerwandten, (Gästen, Zünden) in der ummer unseres Blattes. Sie sparen Geld, Zeit und Mühe! Preis für das Einheitsinserat: für Wien und Deutschösterreich . . . . . . K 60 Für die Tschecho-Shzuakei . . . ischech, K 20 Für Jugoslawien . ..fugosl. K 30 Für Polen.poln. Mark 60 Muster: & ARNOLD KOXLN Wien, II. Taborstrasse gratuliert allen Verwandten, Freunden und Bekannten %v/m Reuen Jahre t Haiitiberger, Sonnenthol. Arnold und dm Herren Sima (vom Prager Landestheater^ Friedrich. Franz, Speiß, Müuth, Machvld, Pilnei statt. Regie: Dr. Schnlbaur. Im I o s e f st ä d t e r - T h t rt t e. v wird heute die Groteske „G r 11 di e it“ von Gustav DaviZ und Leopold Lipschutz zum ersten Male gegeben. An der Neuen Wiener Bühne wird in Verlängerung des Gastspiels Oskar B e r e g i morgen, Samstag, und Sonntag „K e a vT von Dumas gegeben. Das Programm der U r a n i a für heute lautet 7 Uhr (großer Saal): Durgschauspielerin Blanko G l o s s y, Humor ,m Lied. Am Klavier Prof. Karl L'ä f'i t e. V,8 Uhr (kleiner Saal): Prof.'Dr. Viktor 33 t b I. Berühmte Männer und Frauen aus der Zeit der französischen Revolution, I. — Die nivrgen, Samstag, V,8 Uhr. im kleinen Saale der Urania stattsindende Vorlesung Karl Jagers aus Werken L u d w r g G a n g h o f e r s, zu der bereits fätniliche Plätze vergriffen sind, wird Mittwoch dm 8. d. Mwiederholt. Krmft nnd Publikum. Herr Professor Josef Hoffman», der die „Kunstschau" im Oesterreichifchen Museum anregte, richtet eine bemerkenswerte Zuschrift an uns, der wir folgendes entnehmen: . Die vollkommen veränderten Verhältnisse in politischer und wirtschaftlicher Beziehung werden auch auf die Künste eisten großen Einfluß nehmen und es wird nötig sein, alle Kraft zu sÄmmeln, um nicht in kürzester Zeit die schon errungene Höhe und damit jede Bedeutung zu verlieren. Wien ist zwar vorerst noch eine Großstadt geblieben, es ist aber fraglich, vb die Stadt und vor allem .ihre Bewohner sich auch in dieser Beziehung all ihrer Pflichten bewußt sind und jene Opfer zu bringen bereit sein werden, die man von Großstädtern verlangen muß/ Die bildende Kunst namentlich, auch die angewandte Kunst, haben bei uns mit Klimt eirken großen Auf-- schwung erfahren und zuletzt mit Kokoschka'euro--' päisches Niveau erreicht, in der ängewandien Kunst vielfach führend gewirkt uNd jedenfalls als Gesamterscheinung' große Hoffnung geweckt. , Um diese Höhe weiter zu behaupten, müssen die Be» mühungen auf diesem Gebiet tatkräftigst unterstützt werden und die begabtesten Äräste müssen Wien erhalten bleiben. Es ist ein böses Zeichen, weim Kokoschka in Dresden und viele unserer besten Maler sich in Salzburg ansiedeln müssen. Um das'Interesse sowohl der Künstler als auch des Pirblikums wach zu hatten, gehören zu den imch." tlg'sten Unternehmungen die Anssteltungen. 'Sie verschlingen heute eine Unsumme von Geld und Mühen. So wird zum Beispiel die „Knustschau" im Oester-- reichischen.Museum sicher eim halb^e Mi llio n Kronen Losten"und es ist nur dann jemals wieder möglich, derartige äußerste QualitätSausstellungett zu. machen, wenn das Publikum durch seinen zahlreichen Besuch die Kosten aufbringt. Das Publikum ahnt nicht, welche Vorarbeiten erforderlich sind, um eine solche abgernndete Höchstleistung fertig zrl bringen. Man ahnt nicht, wie manche Künstler mit allen Mitteln bearbeitet werden müssen, endlich ihre Werke zu zeigen und wieviel Opfer in jeder Beziehung gebracht werden. Auch von den Behörden kann man Leop, (Udnhart, Wien 1.. BJUerntr. 9 - Toi. «NS/TIik Grüfste i SUN«?t» Tret«! 3. September IM ^NÜ S . ... .. . Leine weitete Unterstützung vm^ange», wmm Vs unmöglich ist, irgendeinen Erfolg zu erzielen. Men wird sich' wirklich »roch im letzten Moment entschließe müsserr, zu zeigen, ob es eine Welt- und Kilnststadv seÄ will oder nicht. . ' ' Dieeinzelnen Künstler werden ihren Weg schon -niacheu' den Schaden wird aber die Stadt haben«, die:, ihrer Tradition ilntreu geworden ist nnd aus Dinge verzichten git dürfen glaubt,' die fast ihr «einziger Auzitzhungspunkt waren. Als Anreger unserer Anssteltiing int Oesterreich scheu Museum fühle ich mich verpflichtet, das Publikum auf. die Gefahr aufmerksatn zu machen und zu bitten,, dahin zu wirken, daß wir nicht aufhöven müssen, itym ip uneigennützigster Weise das Allerbeste ans dem Gebiete der bildenden Künste zu zeigen, denn ich kann und Will nicht glauben, baß bewußte.Jnteresselvs-gkeit herrscht mtd die Absicht besteht, auf unsere Ar bei: iün immer zu verzichten. Sport.; Die Fußball-Olympiade Am Dienstag wurde die Vorschlußrunde der FußballkouLurrenz bei den Olympischen Spielen aüsgetrügen. Die Tschechen konnten ihren Siegeszug fortsetzen^ diesmal schlugen sie die F r a n z o s e n 4:1.' Die Belgier serügten die Vertreter H v l n d s 3:6 ab. Die Tschechen kommen mrnmehr mit Holland in die Entscheidung. _ Jüdischer Sport iu Grajp Uedcrlegcucr Steg der Hakoah im ersten MeiftetschKstr» spiel. Am Sonntag trug die Hakoah ihr erstes MkistmchastSsviek auS. in welchem sie den SportNub Germania sicher 6:1 (1:1) abiertigen konnte. Die Mannschaft spielte in der Ausstellung :: Freiberger U; Pisk, Einig; Glefinger, Goldenzweig. Frckberger l; Lichtenstein, Bürger 11, Adler. Bettelöeim. KrauS s Freiberger ll hu Tor hatte war einige Male Gelegenheit, ernzv-' greifen und erledigte seine Ausgabe i« sichere«: Manier. Das Tvr^ (Elfmeter) war unhaltbar. Die Verteidiger waren sehr ftvßficher' mrd den sonst köipetlich überlegmen Germauia-Spielem ein nicht zu «vrgehendes Hindernis. Der treu eingestellte Emrgsiihrte.sich sehr gut ein mrd verspricht eine gute Kraft zu wrrdm.r Die Drckimg war wie immer aufopfernd bis zum Spielende. Daß' Vorspiel kam erst in der zwritm Spielhälste zur Gelttmg. Dex Mittelstürmer Adler hatte diesmal einen besonders guten Tag,- er schoß allein vier Tore, awti dann nach schöner Vorbereitung durch dir Flngelstürmrr. Die beiden anderm Treffer erzieltk Bettrlheim. 1 Vorher schlugen die Hakoah-Reserveu die Germama-Reserven S ,:.1 (0:1). Schönes Spiel der mit einigen Leuten ans W? Jngeri-mannschaft spielenden Reserve. Gut beim Sieger Bettelheim 1! und FriedlLnder (beide Jugend) sowie Kohn im Tore.! Torschützen: Friedlüuder (2), Wagner. i . Kommenden Sonntag ist die Hakoah in drr Meisterschast^ vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Ihr Gegner ist der Grazer- Sportklub, der vergangene Woche den voriahrigm Meisterschaft^! sieger, Arbeiterathletikklub, 2:1 (Meisterschaftsspiel) gefchlagek' hat. Dir Hakvahner dürsten bei ihrer jetzigen Ambition Md Auf-" opferung kür die blau-weißen Farben avch dieses Spiel gewirmen? Jüdischer Sport in Göding. Ebenso wie alle anderen jüdischen Vereine der Repüdlik^ erfuhr auch Makkabi-Göding durch den tschechische» Fußball^ verband (Lssüy &vzz) keine gerechte Eintriürng. Trotz ser»^' guten Leistungen wurde V« akkabi nur in die Hk. Klasse erngerrih^ Die Resultate der abgelaufenen Saison waren: Hakoah Lstmiitz 4 :0, Makkabi llng.-Brod 2:1, S. K. Breckav« tfy. und 5:2, S. K. Olympia Brün» 2:1 uiw. ® i : Die neue Saison wurde am 22. August mit eine« Wett^ spiel gegen den spielstarken S. K. Hodonm, einm der führende»! zweitflassigm Vereine GSdingS, ervsinet. Hvdoni» trat « verstärkter. Aufstellung an und konnte eine» glückliche» Sieg erringe»? Makkabi hatte nach der Pause bedeutend mehr vom Spiel» konnte! abet den vor der Pause erhaltenen einzige« Treffer infslg^ Schußpech nicht ttettmsches. So endete das Wettspiel 1: V fStfj Hodonm. Makkabi spielte in folgender Aufstellung : Hacker; Rtzßa lljj Soffer; Hirsch, Lipner, Schlesinger l; Rosrnzweig. Roth, FokÜ Weigl, Perschak. _ KlubMeisterschafte» der Hakoah im Santi*. Morben präzise 3 Ahr nachmittags beginnen auf dm. Tennisplätzen, XlX., LeideSdorfgasie 6, die Klubmeistrrschaftm der Haksah. Die Auslosimg hat folgende Paarung ergeben? Dame«: Groger—Teltfcher; Herren: Lackirer—Lüftschitz^ Schlesinger—Ehrenreich. Svira—Nasiau, Schönfeld—Flerschmann,^ Federer—Lederer, Weiß—Tick, Sternberg—Low; Herren Ä o v p e k s p i e l: Ehrenreich-Syira—Graf-Schimmerling. Bei Regenwetter finden die Spiele Sonntag vorrnfftagZ statt. De« Sportklub Rapid sonnte sein letztes Wrt'.spick ans der Auslandsreise gew-nmn. Er siegte Dienstag über dm Psorzheimer Fußballklud 8: v (1:0). ' Sportsektion der Bolksbibkothek Zion. Sonntag vormittags Wettspiel mit zwei Mannschaften iy Astmannsdock gegen,die dortige SpLrjverrmigung. Die gmaue Abtahrtszm wird, am Samstag um V-7 libr in bet im Veremslokale stattfindenden Vollversainmlnng belanntgegeben. . / Sportklub Achim. Zuschriften und Äumetdarigeu sind an' deti Schrfftssthrer A. Scherzer, II.» Ennsgasft '13/tV, zu richten. ■*