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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-03 · Heft 581 (3.9.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 581 (3.9.1920)
Date
1920-09-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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6eit«2 Men, Freitag Politische Nrmdschm'. Die AManee und der Zionismus. Paris, 1. September. (Jswiih Copr. Bnr.i Im jüngst erschienenen Berichte der ,.All:imoe rsraeltte universelle" wird folgender Beschluß des Hentralkomrte^s der Alliance hinsichtlich der zionistische Bestrebrmgen mitge teilt: Das Zentralkomitee hat beschlossen, den Zivn'.sten -rn ihren Bestrebungen keinerlei Schwr^rrgknten zu machen. Die Alliance wird keine Politik betreiben, die mit den Bestrebungen einer Partei, welche für das Gesamtwohl des Judentums kämpst und wirkt, int V:ud) stehen kann. - -i- - - » * - ■ ' Der Beschluß der Alliance bedearet eine dem.rkeriswerte Minderung in der von der Alliance dem A'onis-, mus gegenüber bisher eingeschlagenen Politik^ Diese Körperschaft, welche von durchaus assimilatorischem Gerste erfüllt ist, so sehr, daß man sich gewöhnt hat, sie als einen Exponenten der französischen Or'entbestvebungen zu betrachten, hat sich bisher in einer völligen Ablehnung des Zionismus gefallen, es hat in den ersten Jahren der zionistische» Tätigkeit einen offenen Kampf zwischen den beiden Organisationen gegeben, der mit großer Schärfe geführt wurde, und die Alliance ließ kein Mittel unversucht, um die zionistische Arbeit zu durchkreuzen. Das zionistenfeindliche Wirken des Alliance-Mannes Sylvain Lsvi bei der Konferenz von San Remo, das noch in frischer Erinnerung ist, scheint das letzte Rückzugsgefecht der Alliance-zu bilden. Es sei vermerkt, daß nunmehr auch die Alliance zugeben muß, daß der Zionismus, den sie nicht genug verdammen' und als gefährlich hinstelten konnte, für bas jüdische Gesamtwohl kämpft und wirkt. Daß der Beschluß, den Zionisten keine Schwierigkeiten machen zu. wollen, erst in einem Zeitpunkt kommt, wo dieser alle Widerstände überwunden hat, ist nach her Lage der Dmge ganz natürlich. Der Tod des Kommandanten B;«uzchini. „Times" meldet aus Palästina, daß in zionistischen Kreisen über dem Tod des Kommandanten B lausch in i tiefe Trauer herrscht. Bianchini wurde von der italienischen Regierung mit einer besonderen Friedensmission betraut. Man erhoffte sehr viel von ihm in der Frage der Beseitigung der Reibungsflächen zwischen den zionistischen, arabischest und britischen Interessen. Die Tatsache, daß ein so heimtückischer Ueberfall möglich war, veranschaulicht erst recht die Dringlichkeit der französisch-britischen Zusammenarbeit für die endgültige Regelung der Palästina-Grenzen und die Notwendigkeit, mit den rebellierenden Banden, die von Mesopotamien unterstützt werden, ein Ende zu machen. .. Krapotkin gegen den Bolschewismus. Ein Mitglied der englischen Arbeiterabordnung, die im Sommer Rußland besuchte, Frau Bondfield, veröffentlicht-jetzt einen Bericht über eine Unterredung, die sie mit Peter Krapotkin gehabt hat. Der bekannte Gelehrte und Theoretiker des Anarchismus haf sich bei dieser Gelegenheit sehr eingehend über die inneren und äußeren Verhältnisse Rußlands ausgesprochen.' Er warnte, wie aus der Wiedergabe des Gespräches in der Zeitung „Socialdemokraten" hervorgeht, die Entente vor einer militärischen Einmischung in Rußland und vor der Durchführung einer Blockade. Das russische Volk sei ohnehin in dem Glauben aufgewachsen und erzogen, daß alles Böse von den Fremden komme. Krapotkin verurteilte rückhaltlos die bolschewikischen Methoden und den Staaiskommunismus, den die Bolschewiken' dem Lande aufzwingen wollen. Rußland leidet, wie Krapotkin sagte, unter einer P a r t e i d i k t a t u r, die die gewerkschaftlichen Genossenschaften zu .bedeutungslosen Werkzeugen in der Hand der Negierung berabgehrückt habe. Die Kriegslage und die Blockade hätten diese bureaukratische, Zentralistische Tendenz noch verstärkt. Krapotkin äußerte sich gestimmt gegen den Plan, die Teile des alten Zarenreiches, Finnland, die baltischen Länder, Litauen, Ukraine, Georgien, Armenien, Sibirien usw., wieder unter eine gemeinsame Regierung zu zwingen. Die richtige Lösung wäre vielmehr, einen Staatenbund von freien Nationen zu bilden. Die Idee der Räteregierung sei an und für sich nicht schlecht, jab^r der Staatskommunismus der Bolschewiken mit seinem Zwange, feiner Parteidiktatur, sei ein Musterbeispiel dafür, wie die Idee des Sozialismus nicht durchgeführt werden dürfe. Namentlich die Unterdrückung der Preßfreiheit bezeichnete Krapotkin als eine unverzeihliche Sünde. Dadurch beraubten sich die Arbeiterräte selbst. der frischen Luft, die sie dringend gebrauchten. Eine Re. gierung zu sttirzen, sei leicht, aber ein neues Gemeinwesen aufzubauen, sei sehr schwer. Dazu gehörten Wissen, Erfindungsgabe und die freiwillige Zusammcnarbeit aller lokalen und sozialen Kräfte. Mruiflerpräfident Vesnie über dis Lage. Belgrad, 2. September. (Jugoflaw. Preßbur.) In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung gab Ministerpräsident Dr. V e 8 n i c die Regierungserklärung' ab, worin er sich mit Rücksicht darauf, daß die Partei, politische und auch die persönliche Zusammensetzung der neuen Regierung gegenüber der früheren unverändert M. M die Erklärungen Pom. 26. Mai berief. Als Wienex MorgenzSiLnng wichtigste Aufgabe betr-chte die Regierung die vollkommen freie Durchführung der Wahlen in die Konstituante und die Anbringung eines Verfassungsentwurfes. Uuf die intern atonale Lage übergehend, erklärte der Ministerpräsident: Jugoslawien ist im russischpolnischen Kriege natürlich neutral geblieben. Was, Italien betrifft, war Jugoslawien wegen der Ereig. niste in Spalato, Zara, Fiume und Miest gezwungen, in Rom Vorstellungen zu erheben. Mit der italienischerl Regierung wird jetzt wegen der Bestrafung der Schuldigen lind der Wiedergutmachung verhandelt. Ich hoffe, daß Italien und Jugoslawien bald wieder die m Pällanza unterbrochenen Verhandlungen werden ausnehmen können. In Rom weiß man auch, daß wir genug Geduld haben und^ daß die Verzögerung der Lösung der Adria- Frage nicht den geringsten Einfluß auf, den Ausbau und die Festigung unseres Nationalstaates haben wird. . Unsere Nachbarn, die Ar n a u t e u. haben mehrmals .die Demarkationslinie systematisch angegriffen. Wir haben sie abgewiesen. Im Wiederholungsfälle wären wir gezwungen, noch energischere Maßnahmen zu treffen. Ich hoffe aber. daß. die Albaner die Verhältnisse mit eigenen Augen betrachten nrtb zu der Ueberzeugung kommen werden, daß die Freundschaft mit uns ihr Lebensinter, esse ist. Wir freuen uns van Herzen, daß unser Freund Vssnizelos die Folgen des Attentats glücklich Uberstanden Hat. (Lebhafte Zivio-Rute.) Mk Rumänien verbindet uns aufrichtige Freundschaft, besonders seit der Uebernahme der Staatsverwaltung "durch Männer wie General Avereseu und Take Jonescu. Mit der Regierung der brüderlichen tschechoslowakischen Republik haben wir ein lieber, einkommen über einen strengen.Abwehrbund im Geiste lind nach den Anordnungen des Völkerbundes getroffen, das binnen kurzem dem Haufe vorgelegt werden wird. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Unsere internationale Lage hängt in erster Linie davon ab, wie wir uns im Innern einrichten und festigen werden. Frankreich will ein GroWbanvn. Paris, 2. September. Ennsipruch.) Ministerpräsident Millerand hat dem Vorsitzenden der Libanon-Abordnung, dem maronillschm Erzbischof D a r c a, in einem ausführlichen Schreiben die Richtlinien der französischen Politik gegenüber dem Libanon mitgetrilt. Danach habe General Gouraud der unveränderlichen Ansicht der französischen Regierung gemäß die Einverleibung Des Landes, das sich bis zu den Kämmen des Äntilibanvn und des Hermön erstreckt, in das Gebiet des Libanon guörmfe». lassen. Frankreich wolle jedoch ein Gro ßlib ano n schaffen, das. dem Lande seine natürlichen Grenzen sichere. ,TM' Libanon wird im Norden den T> sch e b e l Ak k a r umfassen und sich im Süden bis zu den Grenzen v o n P o; 18 st in a erstrecken, wobei die Städte T r 1 p o li s und Bei t u h diesem Gebiete unter dem , einzigen Vorbehalt werde». an geschlossen werden, daß eine weitgehende Selbständigkeit dieser Städte deck' Unterschied der wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen Stadt und Gebirge Rechnung trägt. Das französische Oberkomnnssariat werde -die Wünsche der Bevölkerung' nach Möglichkeit berücksichtigen. Es, sei nicht notwendig, baß Millerand die schon von Clemenceau. abgegebene stierliche Erklärung der stnabhänglgkeit des Libanon wiederhole. Die französische Regierung beabsichtige nicht, schon jetzt dir Beziehungen, die zwischen dein Libanon und Syrien bestehen werden, festzulegen, wenn auch beide Länder unter französischem Mandat seien. Die Verfassung von 1860 werbe weiter ansgebant werden. Dr. Berrefch über das Verhältnis zu Deutschöfterreich. Prag, 2. September. (Tschecho-flvw. Preßbur.) In der gestrigen Sitzung des Unttrünsschusses.erwiderte, Minister des Mustern Dr. Bene sch auf eine Reihe von Anfragen. Auf eine Anfrage des ' Abgeordneten Ne in e c über das Verhältnis zü De ü'tfchö ft erreich erklärte Dr. Benesch: Oesterreich sei ein Staut, mit dem die Tschecho-Slotvakei in guten Verhältnissen lebe und mit hem sie eiZe Reihe von Verträgen abgeschlossen habe. Was unsere Angehörigen in Oesterreich anlange, so gehe unser Ministerium des- Mußeru sehr skrupulös vor, um sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines' zweiten Staates zu mischen, da auch die Tschecho-Slowakei selbst nicht wünsche, daß sich jemand in ihre inneren Verhältnisse einmische. Unsere Minoritäten in Wien sind durch das Miuoritätengesetz ' genau so geschützt wie. die deutschen Minderheiten bei uns. Allerdings, wenn unsere Angehörigen in Wien nicht in gehöriger Weise geschützt werden, so haben.wir naturgemäß bas Recht, dagegen in der vom Völkerbund vorgeschriebenen Weise zu' protestieren. Der Minister ist jedoch überzeugt, daß das nicht notwendig sei und baß es mit Oesterreich zu einem Einvernehmen in allen Fragen kommen werde. Das gebesserte tfchecho-flotvaUj Prag. S. September. <Preßzmlrale.l In der Pariser „Agmee EconouMe^ werden Amhenrngen des F nanzmmiürrs Dr. E u g l r s ch' vkröffemlichl, wonach das Budget der Tscheche- Slowakei trtt künftigen Jalue sich bessern wnd und mit einer Mehremnahme von zwci Milliarden Kronen zn rechnen sei. Nur die neuen Kodlevabgaben dürften einen Bnrag von 1 */, M llimdm ergeben. Durch die Demvinlisieiunpkn und andere Sparmaßnoliucn weibm sich die Ausgaben gcwalug.vxrnnaevi. §. Seplemver 1920" *511581 ————" -— ■■ —-—————,-— T- - i—rt Inlands Die Brrhimtlurrge« über die Verfaffrmgs» reform. Wien. 2. Scptember. Dis Verhandlungen über die Verfassungsreform beim Präsidenten Scitz wurden heute nachmittags fo tgesstzt. Einen gößereu Raum in der Debatte nehmen hie Fragen der Schulgesehgeöung ein. Da eine Einigung aller Punkte nicht erzielt werden kosinte, wurde ein Komitee mit der weiteren Verhandlung Über hie strittigen Fragen beauftragt, welches in einer der nächsten Sitzungen über das Ergcbnis seiner Beratungen zu berichten haben wird. ' Im weiteren Verlauf gelangten Finanz tragen zur Sprache. Auch darüber ist eine Änigüng nicht zustande gekommen. Das in den gestrigen 'Verhandlungen eingesetzte Sllbkomitee erstattete über das Ergebnis seiner Be^a^ungen Bericht, an den sich eine längere Erörterung schloß. Schlicßiich wurde dieser Unterausschuß aufgefordert, seine Bemühungen, eine Lösung zu finden, fortzusetzm. ______ Der Vertrag mit Rußland und die Reparatiouskommission. Die Reparationskommisfron verlautbatt: Ba die öfterrcichsiche Regiericng sich bereit erklärt hat, den Vertrag mit der Sowjetregierung in denjenigen Punkten, dt denen er mit dem Vertrag von, Saint-Germaiu kollidieren sollte, abzuändern, ist die zeitweilige Suspendierung dev Rep a,t riierungskredite durch hie sinternatiouala Kommission für UuterstÜtzungZkredite aufgehoben worden. Die Erlläruugsu, die mit Bezug auf diese Kredits in der österreichischen Presse vom 19. August d. Ierschienen sind, und die Behauptungen Über die Aktion der Reparationskommission in dieser Frage sind nicht zutreffend. * / Die öfterreichifcheSektton berReparatio ns» komm i) jion hat in ihrer Sitzung vom 31. August d. I. unter anderem eine Eingabe des Rektors der Universität um Unterstützung der Sektion zur Sicherung des Fortbestandes der Universität in Behandlung genommen. Der Präsident hat der Sektion eröffnet,, daß Großbritannien das Kapital und hie Zinsen seines (Drittel-) Anteils an der unter Garantie Großbritanniens, Frankreichs und Italiens Oesterreich gewährten- 46-Mllliönen-Dollaranleihe den Bereinigten Staaten zurückgezahlt hat. , Erwerb derösterreichrschenStaatsq^gehörrgkeit drrrch Option. ■ Die O p t ion auf Grund des früheren Heimatvechteh. ist schriftlich oder mündlich bei der politischen Bezirksbehörche der ftüheren Heimatgemeinde des Optierenden, die Option auf Grund der Rysse und Sprache, wenn der Optierende seinen Wohnsitz in Oesterreich hat, bei der politischen Bezirks'- behörde seines Wohnsitzes, sollst aber schriftlich beim Staatsamt für Inneres und Unterricht anznmelden. Hat der Optierende seinen Wohnsitz im Ausland, so kann die Option in jedem Falle auch bei der nach seinem Wohnsitz zuständigen östtzp-, reichischen Bertretnngsbehörde culgeineldet werden. Die in Betracht kommende politische Behörde ist. für das Gelneindegebiet Wien ausschließlich der Magistrat (Konskriptionsi amt), Wien, 1. Bezirk, Neues Rathaus, Stiege -8, Parterre. Dis Kommunisten für dis Wahlbeteiligung. Wie die gestrige „Rote Fahne" meldet, hat' die kommunistische Reichs Hauptvertrauensmünnerbonstrenz gestern mit 34 gegen 11 Stimmen, bei 2 Stimmenthaltungen, den Beschluß gefaßt, sich an den Wahlen fürdie kommende Nationalversammlung zu beteiligen. Keine Auslieferung der ungarischen Volks- Lommiffare an Horthh-An-arn. Das Oberlandesgericht Wien hat hinsichtlich mehrererungarischer Volkskommifsäre und ihrer Untergebenen, deren Auslieferung von der ungarischen Regierung begehrt worden ist, beschlossen, dem Ausliefernngsanttag keine Folge zu geben. Das Oberlandesgericht Wien ließ sich hiebei im wesentlichen von der Erwägung letten, daß die österreichische Regierung am 2. August 1919 mit der ehemaligen Ungarischen Räteregierung über die Aufnahme der kommunistischen Bolksbeauftragten auf österreichischem Staatsgebiet eine Vereinbarung geschlossen habe,, in der sie sich bereit erklärte, um die neue Regierung Ungarns in ihren Bestrebungen nach Anfrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu unterstütz«:, dender bisherigen Regierung dev. Rükerepublik" Ungarn ungehörigen kommunistischen BolkSkommissären und ihren Untergebenen aus österreichischem Staatsgebiet Asyl/zu gewähren. Infolge dieser besonderen Vereinbarung sei die Auslieferung * wegen solcher Handlungen, ivelche bis Volkskommissäre und ihre Untergebenen in. Ausübung ihrer' RegtemngSgewalt begangen hoben, nicht zu, bewilligen. Nach den von den ungarischen Behörden'beigebrachten Beweisen und BerdachtSgründen fei aber nicht feststellbar, daß die die Grundlage des AnSliefernngsbegehrenS blldenden Handlungen nicht unter Maßnahmen zur Äufvechtorhaltung der Herrschaft der Räteregierung sowie zur Unterdrückung der zu deren Sturz unternommenen Bestrebungen fallen. DaS Staatsamt für Justiz hat diesen Beschluß zur Kenntnis genommen. Hinsichtlich einer Reih« anderer ungarischer BolkSkommissär« und ihrer Untergebenen konnte ein Beschluß noch' nicht gefaßt werden, da sie teils nicht aussindig gemacht werdeu l konnten, teils, die Erbebunaen noch einer Ecaärunna Ledllrfeg<

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