Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 581 (3.9.1920)
- Date
- 1920-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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September. . - Zwei Jahre sind vergangen, seit der Weltkrieg zum Stillstand gekommen ist, und noch immer herrscht kein FiMe in der schwergeprüsten WÄ. Im Osten Europas wütest die Mordwaffen von neuem, tägliche Kriegsbenote machen die 'Zeit der.gesamtweltlichen „Kriegsglori?" wieder, lebendig und/ neues Blutvergießen findet statte.wo alles' nach Änfbsu, und. 'Versöhnung schr^ss. .Die Staatsmänner den europäischen ' Großmächte H6est siehdtzr . ungeheuren konstruktiven Aufgaben/, die' rhrerf harrten,' Äs' die Ünterschrissens^'unter^\- Me - t)'cc« schißH'nen Verträge ' gesetzt' wuröem'jWt gewachsen ge- Zdigt.' .Während die Welt vqn -ihnen das große Heue erwartete, dasein verjüngtep'-Mfst in der politischen HeHuffasirmg 'zntägefördern - foM, sind die gr'oßen MpD.^.voN chämäls' tönende Hersprechungen geblieben uuMie Poltti-kHr. EntentestasM hewegt sich im großen i'lstd.I aamen' in - den;. alten Geleisen'/ - Sine "Konstrern zu - besprechende' Programm.ist einen/ harten Frieden aufgenötigt,' ^der Bedingungen ettWltz« dne zum Teil unerfüllbar.find und i ditz betvafisnen Völker unterdem Druck eines täglich wachsenden Elends, hält, und - will nicht. begreifen. ' daß - '.ein. Schuldner, der in den Rum getrieben -wird, Verpflichtungen. leichter eingehen als. sie'OfUerr kann. ■ Hüter 'den Staatsmänner^ MMegeripächte findet- M o s kr a u, 2. September. (Tel.-Komp.) Die Sowjettrnppen haben in Kuba« starke Stellungen besetzt. Die Truppen Wrangels sind vollständig vermchtet und daher auch Berichte Aber, einen Vormarsch Wrangels und Erobern« 2 verschiedener Orte vollständig Unwahr. Zn der Umgebung von Odessa, Iekaterinodar und Noworosfijsk haben sich dieTrnppe» Wrangels nicht einmal gezeigt. « London, 2. September. (Reuter.) Der Korrespondent des „Daily Expreß" in Konstarrttnopel telegraphiert unter dem 31. August: Eine aus Südrntzland kommende Meldung besagt, daß starke rote Streitkuäfte von Kachowfka aus gegen Süden vorrücken und daß zwei kolfchekriLische Kavalleriedivisioncu sich nun Alexexew nähern und die ELaPpenlinie des Generals MrangeL bedrohen. Genera! Wränge! hat Melitopol geräumt, «m leichter zum Gegerrnugriff übergehen zu können. Die botschewMsche« Streitkräfte werden auf 40.000 Mann geschätzt. ' P a r i §, 2. September. (Wolff.) Nach der „Information" meldet die „Chicago Tribüne", daß in der Mordkrim die Armee des Generals Wvangel vor den heftigen Angriffen der Bolschewiken Langsam zurnckgehe. Der Rückzug des rechten Flügels des Generals fei durch zwei Kavalleriedivisionen bedroht. Die Bolschewiken griffen heftig an, hätten den Dnfepr : überschritten. und seien- Ln Ksüttga angqkomme». Ä.v« .Wem polnssch-lltanischen Kvwno/ 2. September. (Wolff.) Eine Note d(s litänischbir Aünisters sür Rensstres weist auf die zwischen rstüen, höheren OrdstUng nird M ^iner^ wälwhaften HüttirrHst-WreA.-.ür'der SittsichWuüd Geist,'.'dicht'-bic .tMniW./.VMudung,; die in 'wen Mordwaffels die Höchsten Lriuwphe. gefeiert hat, das' entscheidende/Wort svrochen.' Einer allein 'hat den Mnt und die ''Konsequenz gehabt, rücksichtslos mit allem Vergangenen zu' breche» ustd den .Gedanken an KowpxowMentschlossen beiseite' zn Weben: Henin/. aber d'iLsew Menschheitsbeglücker. dessen Mittel die krasse Gewalt ist,-hat nur neues Verderben und neue Zerstörung zu bringen vermocht) Die Siegerstaaten oder ihre Repräsentanten wollen nicht begreifen, daß der Ausweg mis dem - Chaos nur durch Opfer fiihrt, an denen auch jene Länder teilhaben müssen,, denen der Ausgang des sirrchtbaren Ringens ein Mchicheres^ Schicksal bereitet hat. Nur eine Politik, welche.von dem großen Gedanken, der. Gemeinschaft"aller Staaten üstd.VLlker getragen ist^, hie sich bestrebt, Gegen-' . sähe auszügleichen und eine böse Vergangenheit gu lre- . graben, ..kann zu einer Anpassung der Verhältnisse hüben und drüben führen, ohne welche es keine Gesundung und keine Rückkehr zur Produktivität gibt. - - Statt dessen aber wird fortgewnrstelt. Die Entente, deren Lebensfähigkeit angesichts der verschiedensten Un° st-ickmigkeiten, die sich immer wieder von neuem ergeben, immer fragwürdiger wird, besteht formell - weiter und die unsichere und schwankende Politik der Westmächte, deren Nachwirkungen auch die alten und neu entstandenen Kleinstaaten zu spüren bekommen, zwingt diese,^ das Beispiel - ihrer Schutzherren nachzuahmen und Mckendeckungen zu suchen. Dr. Benesch, der-tschechoslowakische Außenminister, der ‘ den Ehrgeiz hat, aus Prag eine Art von politischem Nebenzentrum: für Mukopa zu machen, ist der «Schöpfer einer kleinen . Entente geworden, die sich an . die Westmächte anschließen und die Stabilität der einzelnen Länder sichern' soll.^ Räch seinen Darlegungen vor dem Ausschuß der. Prager ßrationalversannnlung soll dieses Bündnis die Sicher- . heit.. der einzelnen Länder verbürgen, zur Anknüpfung wirtschaftlicher Beziehungen - nnt den Nachbarn führen Und den Frieden nach außen sschern. Der tschechische- Mußenminister spricht sich entschieden gegen jede-Nekonstruktion der ehemaligen Monarchie aus,i er-weist ^den Gedanken der Donaukonföderation ab und . will.'auch, vvn einer Zollunion der ehemaligen Länder der' Monarchie nichts wissen. ■ Man begreift, daß gerade die. L^söhecho-Slowakei den Wunsch 'besonders stark empftnden muß. aus ihrer pysitischen Isolierung herauszukommen. Die nationalen Per- Wtnisse-in dem neuen Staate sind von. einer Kon- Elidierung noch weit entfernt. Das Verhältnis zu Men-ist duM -die Teschener MZge ..ein uhetüuß.. gedaß KsM, ohne - die EerhMdlungen zu Ende ^zir rühren, litauische Abteilungen angegriffen haben. Diese Tatsache beweist klar, daß die polnische Regierung litauisches Gebiet mit militärischer Macht besetzt hat, nachdem sie eine freundliche und friedliche Absicht vorgetäuscht hatte. Angesichts dieser Tatsache bleibe, heißt es in der Note, Litauen nur übrig, sich mit allen nur möglichen Mitteln zu verteidigen, und einen neuen polnischen Einfall zu verhindern. Ein Blutvergießen könne nur in dem Falle verhindert werden, wenn die Polen sich zurückziehen und die Festlegung einer provisorischen Demarkationslinie abwarten, die im Einvernehmen mit der lftauifchen Regierung bestimmt werhe. Prügelstrafe und Numerus clausus« B u dape st, 2. September. (Ung. Te.l,°Korr.-Vur.) Die NationalversarnmlttNg hat heute die Vorlage, betreffend die Prügelstrafe, auch in dritter Lesung angenommen nnd sodann den Gesetzentwurf, betreffend die Regelung der Eiuschreibungen an den Hochschulen, in Verhandlung gezogen. «vjsvn ‘~r V »rSCS’WWB spanntes geworden und drü Propaganda, welche die magyarische Reaktion unermüdlich in der aufgewühlten Slowakei betreibt, bildet eine stete Sorge für. die Prager Regierung. Alle diese Urnstäube haben diese genötigt, eine starke Armee aufrechtzuerhalten, und ein neuer Militarismus tschechischer Prägung droht zu entstehen,- welcher jedoch dem Staate gewaltige Lasten ouferlegt und den Keim stets erneuter Unzufriedenheiten bildet. So mußte man sich in Prag nach Bundesgenossen umsehen, das Bündnis mit Jugoslawien ist perfekt und mit Rumänien ist eine Art von Abmachung getroffen worden, die mrch-nicht definitiv zu sein scheint, weil, sich wieder die französische Politik in Bukarest eipmengt, welche Rumänien anscheinend an der Seite Polens im Kampfe gegen die Bolschewiken sehen möchte. ' Das Exposee des Prager Außenministers enthält schöne und friedliche Worte, aber es ist ebenso allegemein gehalten, wie Exposees auch vor dem Kriege zu sein pflegten. Die kleine Entente bleibt auf alle Fälle ein unfertiges Gebilde. Das Verhältnis zu -Polen wird durch, sie nicht im nrindesten stabilisiert, das schwache und verelendete Oesterreich wird mit den nichtssagenden Worten abgetan^ daß man auch diesem gegenüber die „konstruktive. Politik" fortsetzen und eine gemeinsame Linie festsetzen will, welche Oesterreichs Existenz ermöglichen ioll. In den Versprechungen des Prager. Außenministers ist . . Berichterstatter 1l f e i i i verwies auf die Not-! Wendigkeit einer H o ch s ch u l r e f o r nr. Die Vorlage j breche in radikaler Weise, mit dem bisherigen Prinziv - der Lernfreihet. Der Numerus clausus bezweckedie bisherige Ueberproduktion des geistigen Proletariats. zu verringern, und biete die Möglichkeit, eine bessere Ansbilduttg der studierenden Jugend herbeiznfnhren. ' -- Kultus-, und Unterrrchtsntinister Nh alll.e p Mrteibigte in längerer Rede den Gesetzenttourf, wobei er, ausfuhrte, das geistige Niveau eines Landes hänge nicht von der Anzahl der Hochschüler ab, sondern' davon, welche Ausbildung sie erhalten. Jnsbiesondere die Arrzahl der j ü d i s ch e n H ö r e r habe sich in einem mit der Bevölkerungszahl in gar keinem Verhältnis stehenden Maße vermehrt. Anch bei der Nostrifizierung von im Ausland erworbenen Dipl o ttt e n wurden die gleichen Grundsätze zur Geltung gebracht werden i wie in dieser Vorlage. (Lebhafter Beifall.) Die Kontingentierung der Zahl der Studierenden würde dem Profesiorenkörper überlasten und betreffe nur neu.eintretende Hochschüler. Die erworbenen Rechte der bisherige« Besucher der Hochschulen würden gewahrt und die Studierenden sich nur einem Rechtfertig u n g sverfahreu bezüglich ihres Verhaltens ^während der Revolutionen zu unterwerfen haben. (Beifall.) Blutige Unruhen in Irlaz-L . London, 2. September. (Seuter.) Trotz dev geLroffensn äußerst strengen Maßnahmen ist eS in Irland z« neuerlichen AtLentaLen nnd blutigen AnsammenstSßen gekomwen. vorläufig wenig zu findend das die Hoffnung rechtfertigen könnte, daß die kleine Entente eine Gesundung. Mitteleuropas herbeiführen soll. Vorläufig bleibt dieser. Länderbund eine Abmachung zu gemeinsamer Abwehr, militärischer Ueberfälle. durch Ungarn. Es ist freilich, nicht im mindesten zu bestreiten, daß die in' Budapest - herrschende Reaktion, dieses Zerrbild einer Ordnung,^die mit dem Pogrom arbeitet, beständig mit dem Säbel ' rasselt, alle Nachbarn aufzuwiegeln sucht und in der^'Einführung der gesetzlichen Prügelstrafe sich selbst Wertroffen hat, eine beständige Bedrohung des allgemeinen^ Friedens bildet. Aber diese kulturwidrigen Zustände sind nur möglich geworden, weil in Europa eine allge-. meine Verwirrung herrscht und weil den Großmächten. der. konstruktive Gedanke, fehlt, der allein das Chaos zu, überwinden vermöchte. Der Weg zur Sanierung Europas! führt nicht durch Sonderähmachungen irgendwelcher Art. .die sich letzten Endes nur.als provisorisches Flickwerk erweisen müssen, nicht durch die Ententen, weder die großen noch die kleinen. Nur die wahrhafte Realisierung des: Völkerbundgedankens, nur die: Schaffung eines alle Völker und Staälen umfassenden Bündnisses, aus deul keines ausgeschlossen bleibt, kann der Welt das wieder^ geben, wonach sie seit Jahren seufzt:; Arbeit, Nahrung und Frieden. -H