Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 579 (1.9.1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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September.; Deutschnational rst kein Parteibegriff im - deutschen Volk, es ist ein Gattungsname, die Bezeichnung für jenen Teil der. Natron, der, mit. seinem Denken und Fühken noch vollständig in der Kriegszeit lebt, der die Ereignisse der Zeit sich gar nicht anders erklären 'will, als daß die.' Entwicklung nach; dem letzten . Hindenburg-1 Sieg stehen geblieben ist; was heute geschieht, ist nach. der Meinung dieser Leute. — und. wir wollen, ihnen: vorerst guten Glauben zubilligen — das. Ergebnis, einer von : langer Hand: im. Geheimen , .vorbereiteten-' Verschwörung,. die das deutsche Volk -aus derWelt schaffen : IpB Das Jneinändergreisen der'Zähne.'-an der - ge. wyltigen Maschine der Weltgeschichte sehen sie. nicht;; den ursächlichen Zusammenhang zwischen den Flottenrüstrjngßn, des ArnwekultW, :des übermächtigen -Getroidewhchßrs der deutschen Agrarier und. dem, jetzigem Tieft stand des deutschen- Politischen Lebens merken sie. nicht oder wollen sie nicht zugestehen. Sie haben niemals gelernt,, politisch auf.eigenen Füßenzu -- stehen. Die Parolen,- die von oben, von der gottgewollten.Autorität,, auHgegeben wurdm, beteten - sie fromm und gläubig nach- und es inachte nichts .aus, daß die Leitung des, deutschen Mllionenvolkes -im^Zickzaükllrs liest > heute. vär,England, morgen vor 'Frankreich' oder Rußland' tapfer zurückwich und immer den Adlerhelm dereithielt, CH.braust ein Ruf wie Donnerschall:.—Sas, genügte, als . >- Nurl'fftehen sie vor -den- Trümmern und wissen nichts daW anzufangen. Den Wirtschaftsprozeß/ der. mit Orkangewalt porwärtsgeht und alte'.Vorstellungen,, die Traditionen von Jahrhunderten schüttelt, sehen i'ie-nicht; das soziale Gewitter, das aus dem - Weltkrieg /entstanden ist. aus der jahrelang schonüngs- und bedenkenlos getriebenen Zerstörung des Volksvermögens und .der Volkskraft, führt nicht nur in Derüschland zu der Nadikallsierung der mit Kohlen-, Brot- und Wohnungsnot ringenden Massen. Das Bild des Weltkrieges mit seinem Kampf der Völker wandelt sich in den schwersten Konflikt der Klassen. Aber die Deutschnationalen: machen sich's bequem. Sie lassen den Herrgott einen guten Mann sein, singen ihre -Kommerslieder herunter, schlagen in den französischen Konsulaten die Scheiben - ein und schckren sich eisten blauen Teufel-darum, daß'schließlich immer' ihr Reich die Zeche bezahlen mufe. Was' kümmert es einen Deutschnationalen, daß das Reich für eine gestohlene französische Flagge mit einer Parade der Reichswehr'büßen mutz, daß für verprügelte französische-Offiziere die Negergarnisonen in den Nheinlanden verstärkt uwrden und für die blutigen Krawalle in Oberschlesien die dortige deutsche Bevölkerung in tiefe Trauer versetzt-wird.? '-" Mer diese Deutschnationalen sind noch die Harmldseren gegenüber jenen, die bewußt im Volk ihr giftiges Spiel treiben, von einem Rachekrieg reden und überall da zu finden sind, wo die Volksverhetzüng ihre schäumendsten Tiraden loslätzt. Es sind zumeist entlasseire Offiziere, unzufriedene Schieber, die ihre fetten Perdienste schwinden sehen, Elemente, die während des Krieges, in der Etappe oder in Schreibstuben ein bequemes Heldenleben führten, das Eiserne Kreuz mit eiserner Stirn einsteckten und mm ihren Glanz verloren haben. Zu der Schar dieser,' die sich in die Reichswehr geschmuggelt haben, und diese, verseuchen oder in geheimen Verbänden sich für den weißen Terror vorbereiten, kommt aber auch die Menge der deutschen Oberlehrer und Professoren, die sich schon im Frieden ln aller Welt unbeliebt gemacht hatten, im Krieg aber zu einem Verhängnis der Welt geworden sind: Die M deutschen Professoren, die den bekannten Reinwaschungsaufruf unterschrieben, haben Deutschland mehr geschadet als irgendeine, französische Armee. : Und die zwej Tapferen, Nicolai; und Einstein, die sich weigerten, -die Schimpsorgie mitzumachen und in das „Gott strafe England" einznstimmdn. erleiden jetzt ihre Strafe. Nicolai wurde von den Studenten vom Hochschulbetrieb ausgeschlossen, Einstein, der Jude ist, soll in seiner Forscherehre getroffen werden.. Professor Einstein, den die wissenschaftliche Welt schon seit dem Jahre 1905 als Physiker 'und ', Mathematiker ehrt, hat in einer seit mehreren Monaten stark besprochenen Theorie den Satz nachzuwcisen veffncht, daß Zeit und R-unn nickt feflstcbeiid?-. sonder n ftie Der russisch-polnische Krieg. Der polnische Frsntberick L. Warschau, 31. August. (Polnische Telegraphen- Agentur.) Frontbericht vöm 30. August. Am 30. d.M. marschierten unsere Truppen, von der Bevölkerung mit Ovationen begrüßt, in A u g u sto w o ein. Litauische Abteilungen, auf die wir gestoßen sind, benehmen sich; feindlich. Im Abschnist Bialystok hält der Feind : weiter unfern Druck nicht aus und zieht sich in-östlicher Richtung zurück. Sokolka, Gorodok und Narew! wurden von 'uns besetzt. BMchewikische Abteilungen, * welche''im Gebiet von Mala Narewka gestern Widerstand zu leisten versuchten, wurden zurückgeworfen und in die Flucht geschlagen, die in Panik ausartete. Ich: Gebiet, von Brest Ruhe. Im Gebiet von ZarnoM leisten unsere Abteilungen her Kavallerie Budjennis heldenhaften Widerstand... Grab owrec, das vorübergehend von uns verlassen worden War, wurde im Gegenangriff zurückgenommen. Oestlich von L e m b e r g ist die Lage unverändert. Hartnäckige Angriffe des Feindes auf Zadworze und Pohorylce wurden abgeschlagen. Feindliche Kolonnen, die man bei Pohorylce auf. eine Distanz von 50 Schritten an unsere Stellungen hatte.herankommen lassen, er* litten riesige Verluste. Das Gebiet von Zydaczow und Ehodorow wurde von losen Abteilungen ' feindlicheck Kavallerie gesäubert. " . . T:; Moskau, 31. August. (Funksvruch.) Fvontbericht vom 30. August: Im Gebiet von Wolkowhsk besetzten rvir eine Reihe von Ortschaften 15 bis 30 Werst : südöstlich von' B ia ly sto k, wobei viel Kriegsgerät, . darunter einige Panzerautos/ 9 Geschütze und viele Ge'angetle eingebracht wurden. - Bei B r e st -Litow sk örtliche Kämpfe. - Im Gebiet'von Wladimir-Wolnsty, wurde' die Stadt Belz genommen. Im Gebiet von. L emb er g und Przemy slany hartnäckige, sür uns günstige K ämpfe. Bei Orjechow. erfolg.eiche. Kämpfe. , ______ Der ukrainische Angriff am Dnieftr. Tarnotv, 31. August. (Ukrainischer Pressedienst.) Dem Befehl des Armeeoberkommandos.gemäß wurde von den ukrainischen Truppen südlich des Dnjestr am 24. August folgende Front eingenommen: Von der rumänischen Grenze bei Czernowitz längs des Dnjestr bis einschließlich Nizniow, über Tysmienica westlich S t a n i s l a u bis H a l i c z, wobei die Brückenköpfe von Halicz, Jezupol und Nizniow fest in unserer Hand blieben. Zur Beobachtung der bolschewikischen Kavallerie operierte eine unserer Kavalleriedivisionen vor dieser Front. Der Stab der ukrainischen Armee befindet sich in Otynra. Am 26. August begann bei Halicz—Jezupol und Nizniow der neue Vorstoß der ukrainischen Armee Pawlenko über den Dnjestr, wobei unsere Kavallerie beiderseits der Strypa in den Bereich von Buczacz gelangte und die mehrmals wiederholten feindlichen Angriffe des im Rücken bedrohten bolschewikischen Südflügels blutig zurückschlug. Ostgalizien südlich des Dnjestr ist von der bolschewikischen Invasion befreit. aus der 'Hochschule eine Kaserne gemacht und die Wissen» schast galt ihnen jederzeit als ein Geschenk der Hohenzollern. Ihr.Lakaiensinn hat heute kein Objekt, der Verehrung mehr. Es gibt keine Orden, keine Paraden und keine Fackeltänze mehr, die großen und die kleinen Throne sind leer; das Volk trägt schwer unter dein verlorenen Krieg. Also — so argumentieren die Harm- , losen, die Schieber und die Oberlehrer — schürt man - kräftig die Instinkte des Hasses, der Rache, der Juden-; feindschaft. Etwas wird ja schon herauskommen, sagen; die Deutschnationalem die darin Erfahrung haben.-In . den Achtzigerjahren veranstalteten sie die Ultramontanen- . hetze, dann kam das Ausnähmsverfahren gegen die Sozialisten, schließlich der Krieg. Jetzt haben sie's mit den Juden zu tun. 1 ■' * : - '• Die Verhandlungen über die neue VorkM ^r^ . Der Unterausschuß'des-VLrsassuntz?ausschüsMffe§^. gesternnachmittags seine Beratungen sort.-In - dieser : Sitzung wurden auch die.von den 'christlichsvMleü Ländervertretern am Freitag unh. Samstag in S a l z* ' b ür g.; gefaßten Beschlüsse erärtert.-'; ck . - Sodann tritt heüts. die ,vom; Präsidenten Seitz ein'berufene Konferenz der ' Mrteien zusammen, deren Hauptaufgabe es sein wich,.eichen Aus gleich der; Ab anderun gsvors chläge zu f'.nden, die in imnd 30 MnderheiMnträUü -imzUnterausschüß-. Von^Mriftsich sozialen und; SoMwempkraten gestellt; wundes M- . bei: jedem, ein . Kompromiß - gelingen. wich, läßt sich Herrin nicht beurteilen-, doch','ist tzei-;aMn Parteien deck Mllehi^zu vorhanden^ Begriffe sind. Diese Relativitätstheorie, die zuerst von englischen Gelehrten geprüft und anerkannt wurde, hat ihrem Entdecker den wütendsten Zorn der deutschnationalen Mauldrescher und Nichtswisser eingetragen und sie haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen-, getan, die dem deutschen Publikum die Augen über den „jüdischen Schwindel" öffnen will. Eine wissenschaftliche Streitfrage soll zum Gegenstand der Abstimmung in Volksversammlungen gemacht werden! Diese Art der Diskussion muß aber ins Lächerliche Umschlagen, wenn man ihr die Arbeit der nichtdeutschen Gelehrtenwelt entgegenhält, die sich in der ernstesten Weise mit den Behauptungen Einsteins auseinanderzusetzen sucht. Diese 'Sorte von Deutschnationalen, die zu den eifrigsten Anbetern des mit dem Hakenkreuz geschmückten goldenen Kalbes gehört rind zehnmal täglich das „Heil Dir im Siegerkrang" anstimmt/ist womöglich noch gefährlicher als die anderen Spielarten. Tenn diese Prohm’oitu ballen die '.1'raend in iween fänden. Sie baden teilnehmer den Obmännern der drei Parteien überlassen; her Vorstand der ChristlichfoMlen Veveinigüirg überließ diese wieder den Ländern.' Die somit delegi-eröen christlich sozialen Ländervertrete^ . werden heute um 10 Uhr vormittags im Parlo-.lent zu einer Doxbesprechung züsammentreten, - während die Parteieuverhandlungen selbst, die vom Präsitzenten Seitz eröffnet, üpö meritorisch vom Unterausschuß geleitet werden, um 3-Uhr nachmittags beginnen. Ihre Dauer dürfte sich auf' gut eine Woche erstrecken, - worauf der Unterausschuß nochmals zum Abschluß seiner auf die Enquete gestützten und deren Kompromißbeschlüsse berücksichtigenden Arbeiten zusammentreten und das Beb» fassungselaborat für den Verfassungsausschüß der Nationalversammlung fertigstellen .wird. Dieser dürste somit beiläufig um den 10. .September mit der endgültigen Erledigung des Versassungswerdes' beginnen können, so daß dem Plenum der Na n a l v e r s a m m l u n g etwa das letzte DritM".. des, Monats für die Endberatung und. den formalettvMschluß reserviert bleibt. Diese Endberatung wird 'dW-. nach nicht auf Grund einer Regierungsvorlage, 'sondern auf Grund des Berichtes des Berfassungsausschusses, jedoch, wie sich auch bisher gezeigt hat, unter.engster Teilnahme der Regierung erfolgen. ’ Für morgen 10 Uhr vormittags ist die christlichsoziale Reichsparteileitung in die Klubräumlichkeiten der Christlich sozialen Vereinigung . von ihrem Obmann' Abgeordneten Kunschak einberufen. ' -.—.— — 'V.; 1 VJ* 'r\ Die Stellung Wiens im Bundesstaate. ' In der gestrigen Sitzung des Stadtsenats berichtete Bizeüürgermeister Emmer ling über di«.F;vags der Stellung Wiens im Bundesstaate und beantragte zur Wahrung der Interessen Wiens, daß unbeschadet der Schwierigkeiten, die.bei der Trennung zwischen Stadt und Land in ftnanzieller und politischer Beiehung auftreten könnten, die Stadt Men im zukünftigen Bundesrat eine vom Ge mein deöa t z u to ä h l e n d e V e r t r e t u n g erhalle.! - Der' gemeinderätliche Berfässungsausschuß.-;;iuM; sich schon in allernächster- Zeit'mit dieser Frage "beS fchäftigen. Ein- Antrag --des Stadtrates' Dr.- KjcknbW,' sofort eine Gemeinderatsitzung. zur Behandlung dieser Frage einzuberufen, wurde abgelehnt und der Antrag' Emmerling angenommen. Die Kommunisten und die Wahlen. Die österreichische kommunistische: Partei harte be/' kanntlich den Beschluß gefaßt, sich an den Wahlen zur- Rationalversannnlung nicht zu beteiligen. Dagegen hack auch der soeben zu Ende gegangene z.oeite Kongreß der: konnlUtnistischc\\ Intürnätiorrale di-- T e i ln ach rn'kziM