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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-29 · Heft 576 (29.8.1920) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 576 (29.8.1920)
Date
1920-08-29
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Men, vonnrag Me««e Morzerrzeiturrsr 29. August 1920?tt. srrtr b) Ausländische Staatsangehörige, welche sich am! Stichtag im Gebiet der Republik seit mehr als drei Jahren aufhalten oder deren Aufenthalt diese Dauer erreichen würde, wenn sie ihn nicht seit dem 12. November , 1918 ausgegeben hätten, sofern sie im Verlause dieser > Z.eit daselbst eine Erwerbsunternehmung oder eine auf! Gewinn gerichtete Beschäftigung ausgeübt haben. ' -Zur ersten Kategorie gehören alle aus":"Aschen Staatsangehörigen, welche mindestens seit 29. Juni 1915 ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt im Inland haben, wobei etwa Las Verlassen des Staatsgebietes )srt dem '12. November 1918 die Abgabepflicht nicht aufhebt. Wenn also ein Ausländer vom 10. November 1913 bis 10. November 1918 in Oesterreich seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt hatte, und am 10. November1918 seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt aufgegtzben hat, so unterliegt er nach dieser Bestimmung der-.Vermögensabgabepslicht nicht, weil er weder am Stichtag noch am 12. November 1918 in Oesterreich gewohnt hat. Wenn jedoch ein Ausländer am 29. Juni 1918 in Oesterreich seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt genommen hat und seit 12. November 1918 weggezogen ist, so ist er abgabepflichtig. Wenn er am 1. Juli 1915 seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt in Oesterreich bezogen hat und bereits am 11. November 1918 weggezogen ist, so unterliegt er der Vermögensabgabe in dieser Gruppe nicht, weil bis zum Stichtag nicht mehrals fünf Jahre verstrichen sind und das Verlässen des ^Staatsgebietes schon am' 11. November 1918 erfolgt ist. Bei Ausländern der zweiten Kategorie ist somit dauernder Aufenthalt oder ordentlicher Wohnsitz nicht erfordert, es genügt der bloße Aufenthalt durch mehr als deri Jahre, wenn während dieser Zeit eine Erwerbsunternehmung oder eine auf Gewinn gerichtete Beschäftigung betrieben worden ist, welche Voraussetzung wohl bei jedermann zutrifft, der durch Warenkauf oder -Verkauf oder durch sonstige Spekulation sich im Gebiet der Republik betätigt hat, wobei die Dauer der Ausübung des Gewerbes oder der Beschäftigung nicht von Velang ist. Unter diese Bestimmungwird also nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht zu subsumieren sein der Ausländer, der vom 30. Juni 1915 bis 30. Juni 1918 sich in Oesterreich des Erwerbes wegen. aufgehalten hat. weil er am Stichtag sich nicht mehr im Inland aufhält und vor dem 12. November 1918 den Aufenthalt aufgegeben hat. Endlich kommt für Ausländer die generelle Bestimmung des § 13 des Gesetzes in Anwendung, welche statuiert, daß alle Personen — Inländer und Ausländer — welche zwischen 1. August 1914 und 30. Juni 1920 sich im Gebiet der Republik aufgehalten oder hier Men Sitz oder eine'Betriebsstätte hatten, von demjenigen Lermygßn abgabepflichtig sind, welches sie während diesB Zett (1. August 1914 bis 30. Juni 1920) durch rine Ersyerbsunternehmung oder gewinnbringende Be- MWgung erworben haben, ohne Rücksicht daraus, wie and wo das Vermögen angelegt wurde und wo es sich Zefindet, Hingegen haben Ausländer eine VermogensrhgHtz von jenem Vermögen nicht zu entrichten, welches rN: däs Ausland gebunden ist, dazu gehören ausländischer Erund- und Gebäudebesitz, für eine E^werbsunter» irehmrmg im Ausland gewidmetes Vermögen/ auf ausündischen Liegenschaften sichergestellte Forderungen, An unsere p.t. Abonnenten! Oesterreichisches Postsparkaflenkonto 150.693. Tschecho-ftorvaNischeS Postsparkasserrkonto 150.683. Zahlstelle für Polen: Wiener Lombard- und Eskomptebank, Krakau, Rtznek 12. Zahlstelle für Jugoslawien: Mer Kißrckiy. brmlk. du., Osijek I., Gasen trg bros 11. Am 1. E.ptember beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung". Wir ersuchen, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Abonnement!'./.'^ Für Wien (zum Abholen in dcn Trafiken oder mit Postzusendung) . Kr. 20.— pro Monat Mit Postzuscnd:ma': Für die österreichische Provinz. Kr. 30.— „ »» Für die Tschecho-Slowakei . . . KS. 13.— „ „ Für Jugoslawien ...... Dinar 6.— „ „ Für Polen.yol», Mark 30«— „ * Für Deutschland.. . Mark 10.— „ „ Für daS übrige Ausland.... Kr. 45.— „ „ In Deutschland abonniert man die „Wiener Morgenzeitung" bei dem Zeitungsvertriebsbureau H a m e w a s s e r, Berlin C 54, Rosenthalerstraße 43. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung". Servituten usw. und Vermögen, welches durch Fideikommiß, Verwahrungszwang oder andere rechtliche Vorschriften an das Ausland gebunden ist. Das von Ausländern im Inland erworbene und gemäß § 13 des Gesetzes abgabepflichtige Vermögen unterliegt der Abgabepflicht auch danp, wenn es ins Ausland gebracht und an das Ausland gebunden worden ist, weil § 13 jedes im Inland durch eine Erwerbsunternehmung oder gewinnbringende Beschäftigung erworbene Vermögen — gleichgültig in welcher Form es angelegt wurde — der Vermögensabgabe unterwirft. Zu bemerken ist jedoch, daß Ausländer, die in Oesterreich weder ihren Wohnsitz noch Aufenthalt durch die im Gesetz bestimmte Zeit (mehr als fünf, beziehungsweise drei Jahre vom Stichtag zurückgerechnet) haben, nur vom. Vermögen, welches sie „durch eine Gewerbsunternehmung oder eine gewinnbringende Beschäftigung" erworben haben, abgabepflichtig sind, während Zinsen und Einlagen, Dividenden von Akiten, die sie ini Inland beziehen/ oder von einer Erbschaft, die ihnen etwa im Inland zufällt, von Lotterie- oder Lasgewinsten der Abgabepflicht nicht unterliegen. Gemäßausdrücklicher gesetzlicher Bestimmung sind Besitz an Aktien, Anteilscheinen und ähnlichen Wertpapieren, die Mitgliedsanteile an einer inländischen Gesellschastsunternehmung darstellen, nicht als inländisch gebundenes Vermögen anzusehen, so daß Ausländer, die nicht während der im Gesetz geforderten Zeit im Inland wohnen, sich dauernd aushalten oder eine Erwerbsunternehmung oder gewinnbringende Beschäftigung ausüben, von diesen Vermögenschaften keine Vermögensabgabe zu entrichten haben. Bezüglich der Ausländer ist weiters bestimmt, wenn sich ihr an das Ausland gebundenes Dermögeq \t der Zeit vom 1. Juli 1914 bis zum Stichtag (30. Juüü 1920) vermindert oder vermehrt hat, der Differenzbetrag dem Vorkriegsvermögen hinzugerechnet oder von demselben abgezogen wird. Ausländische Staatsangehörige, die vermöge des mehr als fünfjährigen Wohnsitzes oder Lauernden Aufenthaltes abgabepflichtig sind, können ohne Rücksicht darauf, in welchem Verhältnis bei ihnen sich liquides zum illiquiden Vermögen befindet sowie ohne Rücksicht auf die Höhe der Abgabe die Vermögensabgabe in Rentenform (Tilgungsrenten bis zu 20 Jahren) abstatten. Falls österreichische Staatsangehörige oder Personen, die im Gebiet der Republik ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt haben, ohne ausländische Staatsangehörigkeit zu besitzen, ihren inländischen Wohnsitz aufgeben, so werden, sofern sie die Abgabe in Rentenform zu entrichten haben, alle nicht auf das inländische gebundene Vermögen entfallenden Raten fällig. Wenn sie die Entrichtung der Abgabe in Rentenform gewählt haben und ihren dauernden Aufenthalt in Oesterreich ausgeben, so erlischt für sie von dem auf die Aenderung -es Aufenthalts folgenden Jahre ab die Verpflichtung zur Zahlung der Rente mit Ausnahme jenes Teiles, der aus ihr in Oesterreich gebundenes Vermögen entfällt. Kehren diese Ausländer dann ins Inland zurück, so haben sie binnen 14 Tagen der Steuerbehörde die Anzeige von ihrer Rückkehr zu erstatten und haben auch jene Renten der Vermögensabgabe zu leisten, die während -er Zeit ihrer Abwesenheit fällig geworden sind. Das sind im wesentlichen die gesetzlichen Vorschriften/ welche die Abgabepflicht der Inländer und Ausländer regeln.. Mit Rücksicht auf gewisse Bestimmungen des Staats- Vertrages von Samt-Germain dürften noch AenderunM und Erläuterungen des Gesetzes, namentlich hinsichtlich der Abgabepflicht der ausländischen Staatsangehörigen; im Verordnungsweg erfolgen. Ei» tschechisch-franzSfischee Handelsvertrag. ''\ Nach Praaer Meldungen wird in dr» nßchsir» Tsgev im, tfchtcho-slowakische Mission -weck- Abschlusses eine- Handels« Vertrages in Paris emtreffrn. Di« «ngarisch? Grat«. Budapest» 38. August. (Uttg. Trl.-Korr.-Bvr.) Girre«! vom Äckerbauministerium veröffenilichten Bericht zufolge waren' die jüngsten Niederschlage von günstigem Einfluß auf die Wicklung der Marspflanze. Man «wartet einen Er«' trag von 13*3 Millionen Meterzentner. Die Karto ffelernte dürste ungünstiger aussallen, als man ursprünglich an-s genommen batts. Man rechnet mit mim Ertrag von 20*9 Millionen Meterzentner. Auch die Aussichten der Z » ck e r r ü b e fl* ernte haben sich infolge deS regnerischen Wetters gebessert,' Der zu erwartende Ertrsg wird auf 6*6 Millionen Meterzentner Umtausch der Varrkrroten in Ungar«. Budapest, 26. August. (Ung, Tel.-Korx.-Bur.) Wie dir Blätter melden, finden gegenwärtig im Finanzministerium Vev»^ Handlungen in Angelegenheit des Umtausches der Notev Koiiimerz.-u Iliskoit® laiik-A. g. Zentrale Presstag ° Filiale Wien, I., Wipplinpefsfrasss 24-26 ° Telepiiou 12358,18296,17408 Besorgung aller bankgeschäftl. Transaktionen. Ent» gegennahme tou Geldeinlagen. Ausgabe von Einlass* Büchern. Uebernahrae ron Vermögensverwaltungen. ■ Warenabteilung. verboten.) Marienbad. Kein Roman, sondern eine überaus verwickelte Geschürte. die iwlsct'Ln Warschau und Marienbad Iprelt, in 36 Br^en, ,fl. H Billet-doux und 46 Telegrammen. sVon Scholem Alejchrrn. llüZde-ri Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz. - '; '*:1 >1 (14. Fortsetzung.) ‘ ' IX. tzchlojrne Kurländer auß Warschau (auf den Nalewkil im seine Frau Belcie Kurländer in Marienbad. Deinen Brief, daß Du zugutem in Marienbad tngelangt bist, habe ich erhalten. Gott sei Dank, daß k)u das verfluchte Berlin mit seinen Wertheims, den ifa Schürzenjägern und ähnlichen Gestalten los- Morsen, glücklich über die Grenze und gesund nach Rarionbad gekommen bist. Und dabai haben, sich.Zeichen »nd W.Inder begeben. Alle Juden fahren nach Marien- >ad und keiner hat solches Glück wie Du. Grsiens varnrn-hast Du dritter Klasse fahren müsftn? Du ügst, daß/ nur ich daran schuld bin. Ich begreife nicht, vie Du das sagen kannst, wo ich Dir doch vielleicht iäusendmal gesagt habe, Du mögest für Deine Person «ein Geld sparen. Wenn ich mich einmal beklage, .daß mviel 'Geld aufgeht, so ist das nur dann, wenn man >as Ge/1»- -um Fenster hinauswirfft es für weiß Gott vas aufwendet, für Fetzen und dergleichen; aber wo.es ich um Gesundheit handelt, da spielt Geld bei mir keine Rolfe. Beweis dessen, daß ich Dir'vor Dtziner Ab- :ei;e schon auf dem Kahnhof in Warschau fast mit Genalt iv:cr) einen Hunderter aufgedrängt und mit Mühe!s soweit gebracht habe, daß Du ihn nimmst. Wie sannst Du Dich jetzt über mich beklagen^ daß ich Dir, Gott behüte, einen übrigen Groschen mißgönne oder daß ich Dir zu genau in die Brieftasche schaue? Du weißt sehr gut, teure Belcie, wie teuer mir Dein» Gesundheit ist, daß es mich nichts angeht? ob die Mieter Zins zahlen oder nicht, ab, ich baue oder nicht — das, was Du brauchst, ist innner da und wird mit Gottes Hilfe immer da sein. Und ich muß Dir noch sagen, daß ich Dir, Gott behüte/ nicht das Mindeste vvrwerfen .will. Ich habe zu Dir Vertrauen von der ersten Stunde an, da ich Dich erkannt habe/und ich weiß, daß alle die Tratschbasen und die Frauenjäger und die Scharlatans, welche ihr Unwesen treiben sowohl hier in Warschau (erinnerst Du Dich noch, was vor ein paar Jahren auf der Palencia war?) wie in Berlin und auf der Reise und in Marienbad'— sie alle, die für Dich krepieren rönnen, gehen mich eigentlich soviel an wie der Schnee vom vorigen Winter. Ich weiß,-daß sie alle für'Dich. Luft sind; denn Du bist eine reine,- ehrliche ,Seele und Iren Deinem Mann, dem Du Dich ergeben hast, weil Du weißt, daß er Dir treu und ergeben ist mit Leib und Leben. Darum kannst Du mir in keinem Ding vorwerfen, daß ich, Gott behüte, etwas Schlechtes von Dir denke. Du kannst mir glauben: Ich weiß.sehr wohl, daß der Scharlatan, welcher dis^Fv0chhsit. .gehabt hat, einer fremden Frau einen Handkuß zu geben, Dich dadurch nicht schlechter gemacht hat, ebenso wie Dir der Unmenmch von der Paleuica nichts getan hat, der nur gestanden hat, daß tz nach Dir vergeht . . . Wäre ich freilich mit Dir im Wogen gefahren, so hatte ich mit dem L-ydze'r Kolnmissiouär von drei Fabriken anders abgerechnet als Du: ich hätte ihm alle Knochen gebrochen, daß ihn der Teufel holt. Bei mir hätte er Ehebruch versuchen sollen! Es tut mir nur leid, daß Du nicht den Kondulteur gerufen' und ihn zum Teufel hast führen lassen; nicht, daß Du noch erlaubst, daß so ein ekelhafter Frechling Dir die Pakete herauswers-n.hilft, wenn Du ankommst. Oder zum Beispiel, wie kannst Wl-' zugeben, baß so eirr Schürzenjäger ivie der RibiselmensU' in Berlin, nachdem er Dir solche unzweideutige Dinge auf der Friedrichftraße gesagt hat, Dir noch Blumen auf den Bahnhof bringt? Ich hätte dem Narren ddö Blumen ins Gesicht geschmissen. Ist er ein so naher Verwandter von Dir, daß er Dir Geschenke wacht und' Blumen bringt? Es gibt bei uns ein Sprichwort: ,Mie Du Dir's vornimmst, so hilft Dir Gott." Ich' will Dich, Gott behüte, damit nicht beleidigen. Ich will nur sagen, daß jeder auf sich achtgeben, sich hüten muß, nicht.solchen Skandal zulassen darf; nicht erleben wird das bei mir der Scharlatan aus Lodz, daß er die Frechheit haben darf, mir einen Handkuß zu geben, gar mitten im Wagen vor so vielen Menschen! Gott, sei Dank, daß wenigstens kein Hiesiger von den Nalewks dabei gewesen ist; und Du hast gut daran getan, baß - Dü ihnen nicht Deinen Namen genannt hast, damit die Hunde wenigstens einen Schmarrn davon, wissen, wen Du-bist. Doch das sind alles Dinge, die mich nicht weiter berühren. Ich möchte Dir, teure Belcie, wegen einer ganz anderen Sache schreiben. Ich bitte Dich aber, daß sie unter uns bleibt. Keine Fliege darf wissen, was ich Dir hier schreibe; drS ist tiefes Geheimnis. Ich bade die Hand daraus geben müssen, daß ich Dir' kein Sterbenswort davon schreiben werde. Es handelt sich um folgendes: , . Du schreibst, daß Du auf dem Bahnhof in Marienbad unsere Jamaikerin getroffen hast. Wie ^coh wäre ich, hättest- Du sie nicht getroffen! Ich wäre jetzt viel ruhiger und hätte keine Furcht vor den Leuten. Ihr Wann ist wir heut« auf der Gansgasse begegnet und' sirgl Mir: „Ich'kann Euch" — sagt er — „Reb Schlojrne, einen Muß von Eurer Frau aus Marienbad.gcheaL (Fortsetzaflg folg: )

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