Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 573 (26.8.1920)
- Date
- 1920-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Siegreiches Vordringen der Polen. Warschau. 25,’ August. (Funkspruch.) Frontbericht dom 24. August: Abtcilnngen der inerten Sowjetarmce gekgug es nach mehrstündigen hartnäckigen Kiimpjen, gegen Köln» anszübrcchcn, das von unserer vierten Armee besetzt ist. Die Verfolgung des Feindes ist im Huge. Die fünfte Armee sängt die westlich von der Eisenbahn Nowo-Georgicrusk—Mlnwa zerstreut slüch. lenden Neste der Sowietheere ab. An der Ostfront würden durch ein Einkreisnngsinanövcr gegen Norden Kndschin, Snwiski und Ko l no besetzt und dadurch die 4. und 15. Sowjetarmee abgeschrritten. Der von allen Seiten verfolgte Feind bemüht sich, die eiserne Zange unserer Umzingelung zu durchbrechen. Am AK August unternahm der Feind neun Angriffe, die sämtlich von unserem 60. Infanterieregiment nbgewicsen Wurden.;; Der Feind erlitt überans schwere blutige Verluste. Das genannte Regiment ging, hieraus znm Gegenangriff 'über und machte tausend Oicsangene, darnnter ciucit Divisionskommandanten, und nahm 10 Geschütze, einige Standarten, Autos und Train. Bei der Einnahme von Lomza wurden 2000 Gefangene, 0.Geschütze, 22 Maschinengewehre und viel Kriegsgerat eingcbracht. Nach der Besetzung von Bialystok am 22. d. M. kam cs mit der aus Grodno herbeigeeilten 55. Sowjctdivision zu hartnäckigen Strasrenkämpfcn, die 20 Stunden dauerten. Es wurden 7000 Gefangene, 18 Geschütze, 42 Maschinengewehre mtb sehr viel technisches Material erbeutet. Tie Nied-rlagc scheint den Knmpscsmnt des Feindes l'.ngünstig beeinflußt zu haben. Donkosaken und Kalmücken gehetk in wach,.".der Zahl zu uns über. Im Gebiet von Brcst-Litowsk Ruhe. Bei Wlvdawa imo Hrubicszaw kleinere Gefechte mit für uns günstgem Ansgang. An der Südfront hat unsere 12. Jnsanteric division S Wirz und B obrka südlich von Lemberg besetzt und eine balschcwikische Brigade'geschlagen, wobei ein ganzes Insantericregiment gefangen wurde. Nördlich von Kamionka strümilowa nnd Bujanics Vorpostengcfechtc. Vor dem Ende der Minsker e wFriedensverhandlungen. - Polen fordert die Verlegung der Verhandlungen nach Warschau.' London, 25. August.. (Funhspruch.) Die Verantwortlichen Kreise sind der Ansicht, daß jfiH angesichts der militärischen Erfolge Zer Polen die Minsker Verhandlungen in B ül d e z e rs ch l a g e n werden. Nachrichten aüp Warschau besagen, daß die polnische Segiyrung die Verlegung der Verhandlungen nach Warschau fordern werde. ' . Moskau, 25. August. sFunkspruch.) Volkskommisiäc T f ch i t s ch e r i n hat dem Sowjetgesandten Kamenew in London mitgeteilt, daß die Polen in den bisherigen Verhandlungen die russischen Vorschläge ablehnen, ohne jedoch Gegenvorschläge zu machen. Die Errrzorr-Lime werde nicht anerkannt, Volksabstimmungen werden unter verklausulierten Bestimmungen für WeitzrirtzLaud, Litauen, Galizien und Akraine gefordert. . Warschau, 2.'-. August. (Fuuksprnch.l Der Minister dr8 Auswärtigen Sameha hat dun BollSlomiuistär Tschitzcherin nii!» geteilt, daß entgegen allen Zusagen dre Betbinduvg der polniffchen Regierung mit,Minsk sowohl durch Funkspruch als auch mit Kurieren überaus schlecht rst. MancheFunbprüche seien über-, Haupt noch nicht>-»,rrckommen. Kuriere brauchen vier Tage, um von .her Front nach Minsk zu gelangen. Die potuiichc Regrerurig ibirufe sich am .die ausdrückliche. Ertsjnyügder Sowjetregierung, mit .ihrer Abordnung völlig frei ■ im,- ungehindert verkehren zu können. Sic lehne jede Ltu..::- ty'örtung iiir die Folgen ab. die ans der" Handlungsweise der russischen Negrerung entsprrngerr form;cn, rurd sci der Ansicht, daN die Verhandln» M nicht zu cincur guten.'Ende, gebracht' werten könnten, wenn dre genannten Beihältinsse andauern. Falls siö'. .Nicht ..in absehbarer Zert eine wesenll'.che''.B,etbesir.rung der Der- Hindung zwischeir dcr volnischcn Reginnng. und. ihrer Friedens' abördnung in Minsk fühlbar wache, werde sich die polnische jNegiermrg grzwrmgen sehen, derr B c r h a ü d l n rr g s o r r id e r a r t z u v erlege n, daß : dix Ber'omdnrrg zwischen sder polnischen Reg erunz rmd ihrer Aborhnüng frei und ihre Bcnützung ohne jede B e r z ö g c r u n g m ö g l i ch s ei. ' Moskau, 25. Anqust. - fFjuir.'M'üch.5 . A.' e st n i l" '-vexysfentlicht EirrzelyeiLen übec-- bi< f> r'i c.*. J, .; •- n n g js M rnrk. Dir Polnisch'.'. A'N'rch'.4' a:rischen;r.-Zv a r - ch l ägo :f?i eine :a ächÄch^' v .) n « n g gewesen/Di ', am Z.' Dezrinbee 10.1,9 bur^ v^.i Dl erstarr iCßttt ftstgelegte und von Lord Curzvn am 11. .Juli ifcJ. I'.; nochrnais angegebene. rO-ft'ü*i.nze- Pole its tzWköe. «iM t an<;rteunt./ÄV pyluis.che. Antwort btz-.. schränke sich aus diö.Erklärung, daß'diese Lr:n§ nia--: arrals/ eüntv Grenze, sondern eine hsr T^ilu-ngsiinisni "des v'D^MHrhundeW^saK 4'albi.vdits2r. 'Grenze' Und 'müßten beLncksnchtigi weroLN. it'ole» v e r w e t g t v c serncr^^ -A b r ü st n «r g rrno A n s li t f e r ung v o n 51 r i e g s g c t ä t. Die Arbeiterin iliz wrrrde von vornhereinverworserr, oesgleichen die Ueoerta jung her Bahnsini- BralWok— Gvajewo. Die volnr.che Abordnung ver.angte schließlich,'die- Hauptpunlte gänzlich anszu-schalten, während Danischewskr in. Einzelverhandlüngerri erngehen wollte. Äcnn die. Polen an ihrer Forderung. der sofortigen' Zurückziehung der Hauptpunkte behcir?en, rstsder l üfo r ti.g.e Abb r n ch der Bar h and l n-.! g cit w a h rschei nl ich. Dos Ergebrrls der polnischen Offensive. - Basel, 25. Äugrnt. „P:iik Parisica" nreldet aus Warschau: Das polnrschc Hauptquartier üt nach a r s ch a u zurückv er legt worden. Im , polnischen Auirnarschgebiet im Naüme zwischen der Warthe und der Weichsel ist der Zustand der Kriegsgefahr aufgehoben worden. Der polmschc Gcneralstab meldet, daß im Lause der bis* (urigen : Offensive 60.000 Russen gefangen. 300 Güchütze und Iöok) Maschinengewehre erbeutet worden sind. ' 5yzv00 Nuffen auf deutsches Drbiet nbergetreten. Königsberg, 21. August. Die Zahl der Russen, dw aus dem^ckes Gebiet übe: getreten sind, wird nach amtl chen Fest' stchungeu aus 80.000ge'chäro. Nach vo-liegenden: Meldungen ' bqben sich der Uebertritt und die Entwaffnung der Russen in - Ruht-uni)-Ordnung vollzogen. Die bolichew kochen Truppe^ benehmen sich vorläufig lvpal. Trotzdem rst aber, wie von omtl'.cher Seite zugegeben wird, die Situation uubebagl'.ch. KLnigsders. 2'. August. (Wolfs.) Tiu-Zabl der nder- .f.etveienen Bolschewiken hat sich aus über äO.0.,0 erhöht. Moskauer Frontbericht. Mnsknn, 25: . August. rFnnl'vruch.) Frontbericht, vom '24.. August: Fm v«n B est-siitowsk und Wlödanm Kämpfe.von.örtliei'.er P-edcntuugi Südöstlich von.' L e m b e r g hat sich nach kurzer Pause '.'.nsrre Offensive trotz hartnäckigenfeindlichen Widerstandes und Gegen-angrissen weiterhin g il u st i g entwickelt. In Ostg.rli'.ien erreichten tvir die,' G n i l a - L i p a und iän'.pseu um ddn .Neberg-ing. Itn H y i ma t> s ch u i 11 lauern iiu G'biet b > t Chersö i nno 'am tinten Dujepruser die Kämpfe an. i>:? nehmen elue für uu > g ünstige Wendung., ' Äöärschau, 25. August. (Tel.-Komp.) Der „Warschauer 5^urier" meldet aus B i a lch st o l. daß die Bolschewiken dort alle Fabriken geschlossen haben und der Stadt eine Kriegskoutribution von 500 Milli'oueu auserlegten. ... Schuld und Schrecken. —I. Dien. 26. August. 4 Zn Minsk wird angeblich über den Frieden zwischen Polen und Rußland verhandelt. In Wirklichkeit haben die Russen Vorschläge gemacht, die.von den Polen angehört, aber nicht beantwortet wurden. SS^ist eine sehr einseitige Geschichte, bei der der Sieger in die fatale Lage geraten ist, daß ihn die Ereignisse desavouieren. Die Roten Armeen sind in der Atemlosigkeit ihres Vormarsches stecken geblieben, die Front ist durchbrochen und die zwischen den Breschen steckenden Truppenkörper wehren sich verzweifelt gegen die Umklammerung. 70.000 Mann sind gefangen, 20.000 auf deutsches Gebiet übergetreten. In solcher Lage, einen Frieden noch diktieren zu wollen, wäre ein wahnsinniges Unternehmen. Aber man könnte doch die Bedingungen mäßigen oder von dem Gegner Vorschläge verlangen. Rußland wählt einen anderen Weg. Die kommunistische Partei hat beschlossen, den Krieg an der West- und Südfront von neuem zu bei grünen, also gegen die franko-polnischen Kräfte und gegen die Wrangel-Armec zu kämpfen, da das Küban- und Donez-Gebiet mit den fast unerschöpflichen Kohlenreservcn bedroht sind. Dieser Beschluß, der m der Mobilisierung der Parteiorganisationen gipfelt, mag der militärischen Lage entsprechen, verlegt aber m.'seinen' .PpM*' scheu Wirkungen Rußland den Weg zum''Frieden, Weiler die Schuld für die Fortsetzung des patriotisch-natiorwlistischen Gemetzels der Sowjetregierung' zuschiebti-Hie Westmächte, die sich bislang redlich um die. Lokalisierung . des Brandes bemühten und dem.Abenteurer Wrangel .im Gegensatz zu Frankreich die Anerkennung verweitze'rstest. sind von dem Ultimatum an die russische Regierung nunmehr zu der diplomatisch vereinzelten Maßregel eintzs AWnAÜMsiwN' den russischen Vertretet' i n Land on '-üb^r- -' gegangeii. Sie ha^en von ihm eine bis morgen äheNds (befristete Erklärung - über den Widerspruch zwischen ' -seinen und den Moskauer Friedensbedingungen verlangt. Seine Antwort-werde die weitere Politik'Englands, das hier also wieder als der Wortführer der Entente auftritt, gegenüber Sowjetrußland beeinflussen. Dieser Schritt ist aber bereits die Schwenkung der^ Alliierten und der Ausdruck der Einigung mit Frankreich. Die französische Politik ging bisher, getrieben vom Mißtrauen gegen Deutschland, ihre eigenen WegeO' Sie wollte Deutschland durch Entwaffnung und -Besetzung Niederhalten und gleichzeitig den einzig möglichen ' Bundesgenossen, das bolschewikische Rußland,' beschäftigen. Beides hat sie nun erreicht. Daß ihr dies - trotz des Einsvruches ihrer Freunde gelungen ist, verdankt sie der Parteienverwirrung Deutschlands und den ’ russischen Diktatoren, denen der Sieg die klare Neberlegung geraubt hatte. Wieder, wie im vorjährigen Frühsonnner, müssen die Bolschewiken auf allen Fransen kämpfen, und wenn es ihnen vielleicht gelingen wird, der neuen Gefahr Herr zu werden, so sind doch wieder die Aecker nicht bestellt worden. Wieder kommt ein< von. Krieg und Krisen erfüllter Winter und BegeisterunK vt auch in Rußland keine Heringsware, die sich einpökeln läßt. Mit-den „roten Samstagen" läßt sich in einem so ausgedehnten Gebiet trotz aller Begeisterung 'kein Bahnverkehr einrichten. keine Kohlenproduktion ' heben und keine Industrie in Gang bringen, zumal sie durch' mißglückte Sozialisierungsversttche total aus den "Hund - gekonunen ist. Zn; Augenblick, wo die Truppen' Bims-' silows an. der polnischen Grenze an kamen, hätte. Ruß-' fand, wenn es ihm mit den proletarischen Zdealen ernst gewesen wäre, Frieden anbieien müssen. Daß es' dies nicht tat und mit einer an die deutschen Heeresberichte,• erinnernden Sprache die Vernichtung Polens verkündete. - 'hat ihm jede moralische Berechtigung, damit abervtzyrM die innere Kraft genommen. Die französischen Tanks und Flugzeuge waren stärker. Wenn die Koininumstssn. heute von den „weißgardistischen Dieben"' reden.- die^den Frieden sabotieren, so machen sie damit wohl nicht diese.. aber auch nicht sich selbst sympathischer. Ihnen fällt das furchtbare, nie zu löschende Verbrechen zur Lasi„ Hyrch ihre doppelzüngigen Friedensbedingungeu. den .Krieg perlöngert und uamenloies Elend über Millionen von Menschen gebracht zu haben, über denen jetzt nüe.der die Kanonen ihr Lied singen. Der Blntransch ist wieder eist-, fesselt worden imd zeitigt Erscheinungen, wie die. von der die volnischen Blätter in-dürren Worten das solgcnbe erzählen: ..Zn Biawsiok kam es am 23. August z'n.'erbitterten Straßei'.käiupsen zwilchen den vordringsnden Polen und dem boischewiki-sch gesinnten Teile der BevÄke-