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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-25 · Heft 572 (25.8.1920) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 572 (25.8.1920)
Date
1920-08-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Men. Mittwoch Meirer Morgettzemmg FleischabKabe in Wie« in -er Woche vom 26. August bis 1. September 1920. In der kommenden Abgabrwoche gelangt in Wien Rind- Arisch zu dm Preisen der sogenannten teueren Woche zur Ausgabe. Es erhalten alle Haushaltungen 10 Dekagramm Rindfleisch V« Kopf zum Preise von LI 98 für cm Kilogramm Vorderes, X 102 für ein Kilogramm Hinteres und kl 121 für ein Kilogramm Bratenfleisch. Der Verknus erfolgt gegen Abtrennung der mit Wer 11 bezeichueten Abschnitte des Rindskisch-Emkansscheincs. .Ab Samstag den 28. d. M., 10 UlVr vormittags, dürfen die Abgabestellen daS erübrigte Rindfleisch an die bei ihnen rahrmirrten Kunden ohne Rücksicht darauf, ob diese ih.c Onotc behoben haben oder nicht, verkaufen. Die Kopsquorc beträgt auch ln diesem Falle 10 Dekagramm und geschieht die Abgabe zn dm gleichen Preisen. . Beim Bezüge der Zusatzquvte witd der mit dem Buchstaben M b^zeichnrie Abschnitt des Rindfleisch-Etvkanh'cheines adgetrennt. . _ - Bühne und Kunst. Neue Wiener Volksbühne. Die beiden Theater. Favoritner Boll-lheatcr und ThaliatheLter'in Ottakrrng eröffnen am 29. August unter dem gemein» samen Titel N e u e W i e n e r V o l k s b ü h n e ihre diesjährige Spielzeit. Die Leitung wurde dem bisherigen Obcrregisseur des Wiener Komödienhanies Karl Felda Überträgen.' Der Spielptan umfaßt klassisches und modernes Schau» lund Lustspiel, Posse und Operette, insbesondere klaisische, und sieht auch lkrausführdngen vor. Direktor Felda hat ein sorgfältig zusammengestellles Personal wgagierl. 'Die Eröffnungsvorstellung rindet/ am S onntag drn 8S. d. M. im Thalratheatrr in Ottakring statt und gelaugt tm Rahmen , emcr Festvorstelluug >D e r P f a r r e r v o n K i r ch f e l d" mit Hernt Viktor K u t s. ch e r a vom Deutschen Vorksihealcr (Keü- und Fräu'e.n Mrla Ost heim vom Deutschen Theater in Hannover (Anna Birkmeyer) als Gäste zur Ausführung. __ Alfred Pieeaver bleibt in Wien. Wie wir erfahren, hat Alfted Piceavcr, der gegenwärtig'in Ischl wellt, seine Absicht, nach Paris zu gehen, auf ge geben mrd ikrhrt Ende August nach Wien zurück. Es sind B-rhandlmtgenim Zuge. die dazu führen dürsten, daß Hur P-.ccaver in den Verband der Staatsoper ,'tuückkehn. / . Aus den Theatern. Im Deut schenBolkstbr ater wird Samstag de» 38. d. M., um 7 Uhr abends, Ludwig Thomas Komödie >M o r a l" und Sonntag trrr 26. d. M., um l/28 Uhr abends, Oskar 'B e n d i e n e r s Schauspiel ,1 tt Renegat" wiederholt. W 0 ch e n s v i e l v l a n der "c e n e n Wiener Bühne: Bon Donnerstag den 26. d. M. bs einschließlich 31. d. M. Gasisvirl Oskar B e r e g i:' „K e a v" ebenso Sonntag den 29. d. M.. 3 Uhr nachmittags für die Volkskunst. Ein bedeutsamer Shakespeare - Fund. In der Bibliothek des Bn'tsch-n Museums wurde em Matmikript ent- «etft, «itt altes /Schau'pirl »Sir Thomas More", das von fremder Hand nur Annrcrknngen versehen ist. Die'« Hand ist rmzweifelhast dirstlbe. tue unter dies T e st am ent William Shakespeares die Umer-christ gcs-y! hat. Wenn das richtig ist, so bekommen dermlt die Anhänger der Bacon- Theorie, die alle Dramen Shakespeares, dem ungleich feinsinuigeren Lord Bacon in die Schube schieben' wollen, einen schweren Schlag. 'Denn sie haben bisher immer glauben >n machen versucht, daß.Shakespeare überhaupt des Schreibens unkundiggetver'm io. Weyn aber die Anmerkrmgeu zu. dem Schauwiel „Sir Thomas 3Kore“ von Shakespeare reibst her'.ührev, so »st damit/ rrrkzwriselhast das Gegenteil jener Theorie bewiesen. Sport. Die olympischen Spiels. , . 11. ' -; ,D'ie Olympiade schreitet, soweit ft« die leichtathlstifchen Wettbewerbe rnlangt, ihrem Ende entgegen. .Die von. uns. verzeichneten Leistungen im W eitsprnn g. mit Anlauf be-- chtzrfem einer Korrektur. Sieger blieb oer Schwede Pttersson mit 7,lö Metern, hinter hem Weltrekord '7,81 Meter)' infolge nasser Absprungstellc weit zurückbleibend. Den ziueiten 'Platz besetzte ein Amerikaner, den dritten wieder ein Schwede. Im Ho mmerwcrsen siegte der Amerikaner Ryam mit eftrer Leistung von 52,83 Metern, ver dabei den von ihm selbst ausgestellten Weltrekord (58,4 Meter) nicht erreichen konnte. Das Gehen über 10 Kilo in e t c r gewann der Italiener Fri gerio in '.8' Min. 10,6 Sek. vor den Vertretern. Amerikas, Englands'und Kanadas.' Ein neuer Welt»!«^ord. wurde im Ttabhochsvrung ausgestellt, den' der Amerikaner Boos mit der phänomenalen Leistung von 2,9 Metern gewann. Der frühere Weltrekord stand auf ''4,3 Meter. (1.912'Wright, Amerika.) Der Finne Nurmy jgewmrn das 10 - K i l o m e i. e r Laufen in' 3 l Min 54Sek. Aeußerft'iitteresfant verlief das Läusen über 400 Meter, 'in welchem Rudd (Südafrika) in 49,6 Sek. siegreich blieb, -gefolgt post Butla (England) und Engdhal '(Schweden). Das .'Kugelstoßen gewann Po r holla (Finnland) mit i-1'4,81' Metern; zweiter wurde Niktander (Finnland), dritter 'Ligersedge (Amerika). Die Einzelkonkurrenz im Fleurettfech t e n ist nnn-t . mehr gleichfalls abgeschlossen. - Sieger blieb Radi (Italien) Mü Mcret E^krkW.'-/ t; In Antwerpen findet auch der Olympische Kongreß statt, der von .König Albert von Belgien eröffnet wurde. Einen wichtigen Punkt der Beratungen bildet die Festsetzung des Austragungsortes der Olympiade• 1921. Italien möchte die .Spiele 1e.hr gerne für Rorn gewinnen, aber auch 'Amerika, Frankreich und Spanien machen ihre Ai,spräche geltend. Vorläitfig ist in dieser Frage noch kein Beschluß gefaßt wo'den. Das Team gegen, TüddeutschlaUd. Dcr Berbandikapin'in.hal aus Grund des am,Samstag, stattgesttii Letten'.,Probe--.' wettsviclc's. das, 2 2 u entsch'eden eudiste/'tolgendes' Team gegen SüdreuliMaud ausgestellt: T o r,:.Pacrsta'(Simmering): .Ve-rt e.i d : g u n g : Beer (Sporrttubch Blum (Bienna); D r ck n n g: 'Kurz (Ämat'eurr), Paar (Sportlich). Braunstnucr '(Spp'rttlrlb): An g r i s f: Köck (W. A. C.). Swatosch (Sinnnermg). Karl Kannhäuser (Spoutlnb), Ham l (Anwieur^, / .Eckt (Birnua). — E r sütz : Geyer.(Amateure)-, I zda' (Floridsdorf). Holländische Futzboller in Wie». Am 4. und 5. September trägt eine. holländische AstSwahlmannschast in Ll'ren gegen Biemra und Anra'krnre'Wettspiels ans. . Wenn auch dir-Holländer rhre besten Fußballer stach Antwerpen entiendcr haben, so dürste doch auch die nach Wien kommende Mannschaft hochwertig lem. Anitas—Klosterneubttrger Sportvereinigung 2 :1 (1:0). Vom Abstoß gebt Ur.itaZ in schönen Zügen, vor d.as gcancriiche Tor, der End'effett r't ein Stangeustdü 'von Full?. Wechselnde Angr'ffr d:s cs Breu.-r in der 16. Minute sticsti'gt, aus .nrkä 25 m Enffcnrnng den, Ball mtt r-nbeimt rh scharfem Schn'i mr gegrerllcherr Trr nulermbrin-en. Fünf 'Mumien später' erzrelr K i e t n. der Rechte au»rn der Wiener, emcn Treffer, dem ater wegen Ostside ll-e Anerkennung ' vertagt'wird. 2ll!e vom Linksaußen -t er Klostcrneudurger Prachtvoll vorpetrap.enen Angriffe zerschellen. an der .au! imclenden Veneidiannq cher Wiener. Mil' .l : 0'für llmraS werken dtc Seiten gkwechirst. Fü> f Minuten nach'Beginn geht - B r euer allein durch rind Uuitas führt 2:0. In der rg.. Muuite verschüttet^der >cch:e TK'ck der Wicirer enr Foul im Smafraum: den von Pse.ffer illiarf gct'.etenlu 11 m hält Deutsch in sicherer Manier; drei Menmcu'spätererzielt Jjte Rechrsverbindnna: der .Klosterneuburger erneu rchönen Treffer. De-de Mann'chasten fallen dem in der,ersten Halbzeit vorgelegten'viel zu scharfen Tenipo mm Opfer, und flaut daslclbe. mertl ch ab.- um erst m den letzten Minuten wieder etwas, tebkrasler zu werde». Beche Maumchaiteu hrclren sich sehr bra-r. Besonders zu ermähnen wärru bei Kl-rüerne:>brng der ehemalige Äerma-Mann- P f e,> f f c v, R u in li c t h n r e r und der T o r m n n n/b'ei Uii::n3 G r il ritz n t. B-r euer. Goldberger mrd D t u 11 ch. Schicd-!- richter Herr Salzer ('Wien) vorzüglich. Reserven 0:0. Hasmonea ll-Zion II bomb —Hohenauer Reserven 1:1. Dre Wiener warm während des ganren Spieles überlegen, doch wurden alle Angriffe vom Schiedsrichter mrfgehaltrn. iJn der ersten Halbzfft grnst Has'monra-Ziou mumlcrbrochcn ^on und eg reicht durch Garsmrkel in der 15. Minute den ersten Treffer. Dre Hosteuauer nützrcn ihre körvcilrche Urberlegcube.tt, aus. Bei Hasmonea-Zion'spielten Langsner. Terchlbal. Wolf, Garfunkel änsgezeichnet, der-Hohenau avar-der Tarmaun der beste Mann, der semr Manm'chasr vor einer schweren R'.edÄlage bewahrte. Hasmonea - Bolksbibliothek Zion kombiniert— Hohenauer Sportvereinigung 1:4. Eme fombimcitc Haswonea-Zion-Mannschait gastierte am Sonnlag in Hohenau gegen den dor'igen Sportklub, Das Match hatte einen Retord-- bei'uch von über 1900 illmckaucrp.auswwev'en. Die komMnierte Mamrschatt mußte emig^MlatzlriW euMelle>r. di urehrere Sv'.elcr den llsng verivätet batten. D.ie Hasmonea-Zivu-Mannschan war heu .Guhcrmische'nikörperlrch.zu'stark/rustexlegc-». Hoher>att''r LPoi'tvercrriigüual tiat mit' -eurer" äußerst' irsifintfcir Vtannschast. oit,. in welcher airch. btc ebemäIigeck'Äap d-Sv:ler T chuguell.und Lozarb tätig wircp>. 'Bon 'chöuem.Weitt hegitirstigt,. gug: das Wöttivitl lvS.'ÄcidL Mannschasl.en haben aufiugs gl-uch. viel vom Spiel.".In' der, achtenWinstte etrmgett) djc Wteucr die Fiihrun^. Hoheua'usetz! gleich'mtt.hc'tigetti.Anät'iffen ein und kamt. (n der 20. MmMc oit.sg!«ich:u. Bis zur iPaufd) bebepscht Häsmonea-st Zion das Feld. Rach Sertenwechsel öe'iv.p,nt,''Hqbenal». MMam' dre Obexhaudi Ate. stark 'et chüderen.Wierser lassen . mtrUtrf^ nach.?)re Hohenauer nützru dtes! aüs,-. und ' gleiten (an) / es gelingt tbmn. den Stand auf 4 : l zu elhöhrm'Das Spiel befriedigte das '.Publikum sehr. Die .Wiener ' genelen durch , ihr faires Spixs.. Die.Etziheiiyllchnr 'hatten in der.^Stnrmeueihe und rm Torman. Len, basten Mämllchaststktl/ Dte,Tpre für Hohenau erzielten Lpzach (2). Tichugpell (1),.Brttmch/1>.. Uff dre Wimer war Grouffelwrtttr --erfolgreich. Der. Schiedsrichtdr TvbM ''Hohenaut leitete das Wettspiel dis auf einige Fehlentscheiduugen in, einwandfreier Weise. , .. .; ‘ i Aaltenleutgeberikr HaKoah II —tziesinger A) T. sMamqnnscha't H 2 :2 1 :1). Fatrer Kalnvf.. tu dem die Lresinger 6 Minuten nach Ablauf der reatilärctr Svielzett den 'Ausgleich erzielt»«. Brr -der Hako'ah)gesitlen besonders D.Mumvnn,Molknrt und Hatzn. Bei Freiing, gut die Halu erbe.. 'J-i ÄNnKLabi X. Für das"am"Sonntag dett 29. d. M. am H. e:,r--,t-'.hiL»-P. latz - f^ttne 6. lö imtßl)> .OiicUenjtcötic .-statt-' stndende leichiLshlethrsche Mc.ermg wbl sich allleus' regstes Juterrlle kond. es sind bereits rahlreiche NeniMUgcn unter anderem aus Lmz abgegeben rvordc». Die Mceltnale'.tttng liegt, in, den bcipährtin Händen -Dr. Fr.esnranus. . Hasmonea. Tonnersrag, ö Uhr abends, Wettspielgegen I. .A. C: Vorher Reserven. . -- - Sportklub Anitas. Heute ke;n Traimng: dasselbe rindet für Fußballer und Leichtathleten F:e tag den 27. d. M. am W..Ä.'F.-Platze. Hüttüdori. stau. Hakoab,.Schrvimmse-rLion, Hem r. Muiwoch. ab Uhr vachmutags, Tr'a>n>t:a der l. und ll. 2Le.stct,!eallma'.tuschatt tm Mrlttarbad aus der Alien Douait. itMWil Steine ftvafbäte Wevieitung eines Voilkswehrmannes zur Verletzung militärischer Pflichten. Am- 10. Mar fande.u-in Linz große Demonstrationen statt. ES verbreitete sich daS Gerücht, daß Plünderungen, ähnlich wie. di? im Februar v.' F. stattfiiiden' .würden. Täirsend'e 'Mäuschen hatten sich auf' dem' Hauptplatz ustd in deit Reben,straßeir' ai,gesammelt..'Dsa die Behörden verptuteteu, daß die Menge 'in'folge kontinunistischer Agitation eineu. Umsturz " Plaste,, tvnrde die Polizei ' Und die . GeNdürmerie in den jDienft gestellt. Als sich'Liese zu,-'schwach erchiesen, um- 'die st^ts' anlvächsendL Menge.' im '^aume zu' halten,',rückte^die Bio l.kswehr' i:r voller Ad-nftierrffig mit' S'ta hlhelmellr aus,; auch M a sch i uen g^ewe hre fuhren auf. Die Menge wuchs inzwischen immer ' «retjr an; bemächtigte sich ihrer tzrtitzr -Ansregimg und-'die Situation .wurde imm'ier kritischer; zö, August ihot. Uvt^rsm-, zahlloje rote. Zettel wurden in die..Menge, geworfen. Die größte Wut der Menge richtete sich gegen dis G c n d a r m e r i e: »tan sah geballte Fäuste und hörte Be» schimpfungen. -' Alle' Berj-.ühe,.' die Straßen und" Platz'd zu säubern, bliebe» erfolglos. Als. die Volkswehr attakiert'WuHs und ans dcr Menge Schüsse fielen, feuerte nruch. die,VolP" wehr scharfe. Schüsse in die Menge, wobei es nsü,n.Tolle: und, zahlreiche Verletzte gab. Gegen 40 Personen wurdest verhaftet und bestraft. Unter heit 2lngeklagten befänden W der.,,30jährige Krtegsinvalide Heinrich Pfoscr n.nb der 29jährige Georg F i sche r c d e r, beide vorbestraft: ersterer erhielt wie r>. ,J.a h r c,' letzterer dr ei' I ah re sdh wellll st .Kerkers: ihre Verurteilung erfolgte nach § 222 'sind § 87. des Strafgesetzes. Dagegen" Haben sie durch ihren Dertcidiger, .Rechtsanwalt D'r. Gustav. M o r g.e st-st.er.n (Linz), die Nichtigkeitsbeschwerde ergriffen,, worüber gestern' vm-^sr O b e r st e it G c r i ch tß h o f unter Vorsitz des Senatspräsideuten D'r. F i s ch b ö ck die Verhandlnug' stattsänd. Die beiden Angettägtcu haben die Volkswehr gegen die "GendarmerLll gehetzt und' unter aitberem hat Pfoser gesagt: „Schießt nicht auf uns, sondern ans die Gendarmerie." Ebenso haben sie durch drohende. Gebärden und Hetzreden die Situation nMh' verschärft. Bezüglich des § 222 (Verleitung eines Soldatenzur Verlehnng seiner, militärischen Dienstpflicht) führte 8er Verteidiger 'ans,, daß ein solches Verbrechen nicht vorliege,/ da die'-Bolkswe.hr.mit'der vergangenen f. k. Armee nicht iden'tisiks) sei.'' Der Oberste Gerichtshof hat dcr Nich'tigMtHbeschwerde F o l g e gegeben, die Angeklagten von der Anklage nach § 222 des- Strafgesetzes f reig'c s p r v ch e n und bezüglich des Z 87' des' Strafgesetzes die Sache zur we'Dvliche« Verhandlung znrückve-rwicwn. In der Begründung führte der Vorsitzende aus,- der § 222 komme deswegen nicht lln Betracht,' weil dieser Paragraph die Anfforderung' und Ancife-rnng zitr Verletznittz der eidlich beschworenen' Treue und des Gehorsams der Soldaten behandle. Nun hat aber die VollSwchr den Eid der Treue und des Gehorsams n.ll ch t geleistet. (Wege tt de s religiösen Cha r a ktc rs d dr Eidesleiftn'ng hat die" Volkswehr diese a^bgelehnt.) Bezüglich des § 87 fet tm Urteil nicht fchtgestellt, ob die Angeklagten den'bösen Vorsatz hatllen, Geiahc für Menscheit Und Eigentum herbeizuführen, denn düs bloße Bewußtsein der Gefahr allein genügt nicht zu« Tatbestand des § 87. __ ' 1 . Aus der „Prinzenüllee". In drr„Prmzettallee" im Prater, die ihren unrepubttkanischea Namen nicht mehr lange führen wird, sie wurde in „Sportallee" umgetauft, ereignen sich wiederholt Unfälle, weil sichdort niemand n:t die Fahrvorschriften hält. Eitt Unfall, der sich dadurch ereignete, daß der Radfahrer Johann H ä n d l mit dem Motp^ radfahrell Adolf T o m e r s che k zusammensiieß, und zwar derart, daß die beiden Fahrzeuge ~ sich ineinander verankertest, "beschäftigte den SttzäVtchter des Bezirksgerichtes Leopoldstadts Nor welchem - sich Tvmerschek ' wegen "'Gefährdung' der körpetlichest Sicherheit zn.' verantworten hatte: Es wurde ihm insbesondere, zür Last gelegt) daß er rechts gefahren und rechts ansgewichen fei, obwohl' alle Fuhrwerke links zu fahren haben-' Der Angeklagte -Marie, es sei bekannt, daß sich' in der Prinzenallre niemand an die Fahrvorschriften halte. Auf der einm Seite ' ski^die Straße vollkommen leer, weil alles auf der vorschriftswidrigen Seite fahre, und da nur er allein .sich an die Vorschriften gehalten biitle,.so wären mehrfache Zusammenstöße unvermeidlich gewesen. r§r sei genötigt gewesen, dort auszuweichen, wo die Straße leer war. Der Richter. Landesgerichtsrat Dr. S t a w a, sprach dm Augetlatztcu frei, weil das Fahren auf der rmrichtigen Strußenscttc sich bloß als eine Uebertretung der Polizeivorschriftcn darstellc. _ Ein Protest gegen die Freisprechung geständiger Diebe. Der Verein der Wiener'Spediteure hat in seiuer letzten -Sitzung unter Vorsitz des Kommerzialrates Schulhof gegen das Urteil der Wiener Gcschwornm Stellung genommen, welche kürzlich, wie erinnerlich, vier Angestellte einer Wiener Speditionsfirma von der Dtebstahlsanklage freigrsprochen habe», obwohl die vier Angeklagten geständig waren, ihrer Firma Ware» im Werte von K. 300.000 gestohlen zu haben. In der Persannnlmrg des 'Vereines der Wiener Spediteure wurde zunächst festgestellt, dstß die Verantwortung der Beschuldigten, sie hatten die Tat infolge ihrer Roikage begangen, ( deshalb nickst stichhältig fei. well von den vier Angeklagten die Speditiousarbeiter den m.t ihrer Organisation vercinbarten. also durchatts nicht niedrigen Lohn, dcr Magazirtsarbeiter einen noch darüber hinausgehend'en Lohn, der jüngste der Angeklagten, ein 21jähriger SpeditionS. beamkcr, einen Anwngsgchalt von monatlich ll 2800 bezogen Habe. Daß man mit kie'en Aczügm leben könne, HeMfep täglich ' Hmidcrlltaufrnde von Angestellten. Die Redner kamen ztt dem Schinffe. daß dcr Freispruch der Geschwvmm eine' schwere Gefährdung der allgcniewcn - Jntc-rffm,' die' Erteilung von Freibriefen lln diejenigen bedeute, die sich bei der Verletzung fremder EigetnttntSrechle auf Not und Elend berufen. Von dtll Emleitung einet; offiziellen Aktion in dieser Angelegenheit wuthe jedoch, da es sich um ein gerichtlichcs Urteil handelt, abgesehen. Der Berkehr der österreichischen mit den italienischen Gerichten. Säustlicheu Gcrich'Sstellen ist e'n Erlaß des Staatsamtes für Justiz zagekomntett. wonach die ösiertcicktischcn Gerichte euren scits und die ttalienischen Gerichte des Obetlandesgerichtssprengrlü T r i e st und Trient, andererseits, miteinander unmittelbar, ohrte diplomatische Intervention, verkehren können. Dieser' mintittclbare Verkehr ztvischen den österreichischen und ttalienischen Gerichten erstreckt sich auf alle Zivil-, Handels* und Sträfsachen. Nur bei Auslieseruugm muß d-r diplomatische Weg eingehalten werden. Die Ersuch- und Antwortschreiben sindin deutscher' ohtt italienischer Sprache auszufertigen. - . .

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