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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-24 · Heft 571 (24.8.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 571 (24.8.1920)
Date
1920-08-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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HSrtfc tfrl Wien, ©ttrsfoo v-.-.- - - 03'£!:•*** r7?ot;:en.ieUunf? 24. August 1920 Seite t ‘ Gerichtssaal. Gin feiner Architekt. Am 24. April hörte der Kaufmann Alfred Ö*a«t, &TS er mit einem Bekannten über die Mariahilferftraße fttttct* plötzlich hinter sich die Aeußerung: „So ein frecher, Juden« BttBl" Er drehte sich um und fragte den Sprecher, wen er damit gemeint habeworauf ihm der Gefragte, der Architekt Erwin Lilegg antwortete: „Sie habe ich gemeint, wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen auch eine Ohrfeige." Bevor noch Herr Lazar etwaerwidern konnte, versetzte ihm der Architekt eine heftige Ohrfeige, so daß ihm der Zwicker von der Nase fiel und zerbrach. Infolqc der Ohrfeige, welche das linke Ohr traf, erlitt Lazar eine Ruptur des Trommelfells. Gestern hatte fich Architekt Lilögg beim Bezirksgericht Josefstadt vor dem Landesgerichtsrat Dr. Decker wegen Ehrenbeleidigung und leichter Körperverletzung zu verantworten. Der Richter beschloß, das Verfahren in der Richtung der Körperverletzung auSzuscheiden, um den Grad der Verletzung, die Lazar durch den Schlag erlitten habe, feststellen zu lassen, und verurteilte den Architekten Lilegg wegen der wörtlichen Beschimpfung deS Klägers zu einer Geldstrafe von sechshundert Kronen, eventuell zu drei Tagen Arrest. Der Verurteilte erklärte, gegen Schuld und Strafe zu berufen, worauf der Klagevertreter wegen zu geringer Bestrafung die Berufung anmeldete. Der Volkswirt. Eine Krone « 2.60 Centimes Geld. Gestern notierte in Zürich: t die österreichische Krone Geld. . .266 (2.62V, am 21. August) die österr. gestempelte Krone Geld . 2.60 ( 2.70 am 21 August die tschechische Krone.* {» öo , 9.80 am 21 August) dir Mark.. 11.70 11.70 am 21. August' Agram.. 5 80 * 6.— am 21. August Warschau..— am 21. Augusts l Budapest.. . . . . .2.55 (2.621/, am 21. August) Die Exportmöglichkeiten der polnischen Indnstrie. Im „P r z e m h S l i Handel* vom 1. Juli 1920 führt Czeslaw K l a r n e r unter anderem solgendeS aus: Di« polnische Industrie hat in der abgelaufenen Zeit die im allgemeinen glänzende KonjirktUr leider Nicht ansnützen können, da ste selbst unter ganz abnormalen Bedingungen arbeitete. Vor allem herrschte ein geradezu kaiastrophaler Mangel an Brennmaterial. Dazu kam noch der ungeheure Mangel an Transportmitteln. Di« Beschaffung der nötigen Rohstoffe stieß bekanntlich ebenfalls jguf unüberwindliche Scbwttrigleiten. Sa konnten wir nicht Einmal den inländischen Markt ausreichend befriedigen. Nun be- , ginnen die Verhältnisse sich offensichtlich zn besser«. Dank den Bemühungen der Regierung haben wer eine wertere Zuweisung von 200.000 Tonnen Kohle monatlich aus Oberschlesien erzielt. Hievon sollen 100.000 Tonnen für die Exportindustrie bestimmt > werden. Der Mangel an Brennmaterial wird also zu einem Teile behoben sein. Obwohl inzwischen der europäische Warenhunger erheblich nachgelassen hat, ist die Exporlkonjunktur für unsere Industrie noch immer sehr bedeutend, zumal gerade in bet letzten Zeit die polnische Mark im Kurse stark gesunken ist.! Außerordentlich wichtig ist vor allem unser Textil-' Warenexport. Unsere Textilindustrie rst nahezu gänzlich ans ausländische Rohstoffe angewiesen. Würde ste ausschließlich für den Inlandsbedarf arbeiten, so wäre dies für die Entwicklung unserer Valuta höchst bedcnll ch. Nun ist diese Industrie bereits bis auf 50V» der normalen Produktionsfähigkeit gebracht und kann somit ,m Lause eines Jahres 96 060 Tonnen Baumwolle und 17.0t 0 Tynnen Dolle verarbeiten. Für den Inlandsbedarf kvnnteh eventuell 25°/» der Fabrikate ausre-chön. Es würbe stch so ein Export im Werte von etwa brci Milliarden französischer Francs erzielen lasten. Wichtig ist ferner Met Zementexport. Von den 406000 Faß. b;c monatlich in Polen ertrugt werden, können mindestens 250 000 Faß für den Export bestimmt werde», ohne daß der Wiederaufbau leiden müßte. Große Bedeutung — insbesondere sgr unsere Valuta — Hai die Instandsetzung msserer Emailwareni n d u st r i e, die monatlch Waren im Werte vou .wenigstens 600 Millionen Mark exportieren kann. Eine Nanbwirischast wurde ,m abgelaufenen Jahre mit nnserrm R o!, ö l getrieben, indem es zur Beheizung der Kessel' 'n der Naphlhaindnstrie verwendet wurde. Dies wird selbstverständlich jetzt bei der wesentlich besseren Kohlenbeliefernng der Naphihmridnstrie anderwerden. Diese Industrie hat natürlich iür unseren Auslandshandel eine ganz hervorragende Bedeutung. In einer diesen Anssührungen angesügten Tabelle sind anßer diesen anch noch einige andere wichtige Exportartikel arügezäblt. Glas, Starke und Holz kommen da noch besonders in Betracht. Aus der Zusammenstellung der in dieser Tabelle enthaltenen Ziffern ergibt sich rm ganzen die Möglichkeit eines Mvnatsex Port - von 140 Millionen französischen Francs. Es erscheint nur einigermaßen fraglich, ob der Autor die durch dm Krieg stark reduzierten Exportmöglichkeiten und daS Ausmaß, in dem die polnische Industrie durch die Kriegsereignisse in Mitleidenschaft gezogen wurde, nicht unterschätzt. Valutenkurse. Im gestrigen ircim Verkehr waren fremde Zahlungsmittel fest, daS Geschäft aber nicht mehr so lebhaft wie in den letzten Tagen.. Es notierten : L e i u o t«tt KL 5.99, Rnbelnoten K 3.33, Marknoten grün K 5.09, Ö t re K 12.45, Dollar K 262.—, SchwerzerNoten h 42-75. französische NotenL 16.10, tschechische Noten K 410, P fund K 915.—, ungarische Noten K 107.—, polnische Mark K 11150, Dinars 10.20, Auszahlung Agram K 260.—, Auszahlung Berlin K 5.12, Auszahlung Budapest K 106.— und u n* gestempelte Note n K 107.-—. Petroleummonopol in Rumänien. Aus Bukarest wild gemeldet, daß der Mimsterrat die Einführung des Monopols für Petroteum und Prtroleumprodukte beschlossen hat. Georg Cechpiatx 3 1.BH. Telephon 18-1-35 Kulanteste Durchführung aller bankmässigen Transaktionen sowie Besorgung von Zahlungen und Ueberweisühgen an alle Plätze im ln- und Auslande Eigene Korrespondenten In Berlin» Budapest Prag, Krakau, Agram «os Wiener Börse. Große Kurssteigerungen. An der gestrigen Börse machte sich wieder erhöhtes Interesse für den Effektenmarkt geltend und wurden vkeljach Käufe in den Papiere» Mit vLlutarüchem Charakter getätigt, denen der Tiefstand unserer Krone vielfach zustattm laut. Simulierend wirkten feiner die wirtschaftlichen Abmachungen mit Rumämen. Im Vordergründe des Interesses standen Alpine-Mn«, welche du enorm lebhaften Nm'ätzen eine Steigerung von Li270.— aufzuwelsen Hatten, ferner wurden StaatsvaHn um KL 430.— in die Höbe gesetzt. Auch Südbähnwerte waren stark gefragt und höher. So avancierten Lombarden bis KL 797.— um kl 43.— und Süd» bahn'-Biivritäten bs nt Ist.— um K 51.—. Eine namhafte Steigerung von K 801.— w'elen Rkmamurany auf. Skoda- Alt-en prvntierten K 135.-r* und Ruston KL 181.—. Ebenso lebhaft wie in der Kulisse um daS Geschäft rm Schranken, wo'elbst Steigerungen wert üttr K i< 00.— beikttgen. Von den Trans« vortwenen gewannen Adna K 1800.— . Dampfschiff 8L N00.—, Namgasione bL 1225.-, Nordbahn K 630.—' nnd Lemberg» Erernowitzer 140.—, Aus dem Jndustiiemarkt erhöhten stch dre Aktien der Bern- und Hldrenwerke um KL 550.—, Prager Ersen lim K 410.—, Oberun garst che Hütten lim K 210.—. ungarisch« allgemeine Kohlen nmsen eine Steigerung von K 300,— uns. Danek-Maschitren e ne solche von K 135.— ans. Auch Petroleum* werte zählten wieder m den bevorzugten Welten und wurde» «Nt Avancen bedacht. Karpathen-Petroleum wurden ll. 325.—» Schodnica K 200. — und Karpathen-Petroleum K 325.— höbe« bnahlt. Die ausgesprochen ftste Tendenz ertuhr bis zum Sdrluß keine Nnlerbrechung. Renten waren billiger erhältlich. Oesierrelchstche Kromnrente verlor 3'/,V». Mainnd Februar-Rente i'e 1°L dagegen gewann die Orsterreichiiehr Gdlbrente 1'///». An der Nich'-örle stiegen Alpine bis 8 3890.— um weitere sL 125.— und Etaasbahn bis X 3820.— neuerdings um K 50.—. Im übrigen verwesten wir aus nachstehende Seblußkurse : Industrie-Unternehmungen. Allgemeine Baugesell* schalt 705.— (— —Unionbau —(— —), Wien« Ballgesellschaft —(— —). Königshoftr Zement —.-7-!-1. Perlmooser Zement 2310 — (-.—), Wienerberger Ziegel 1670— (4- 5.—), Lresmger Brauerei 1215.— (— — Sarajevo —(— —), Aussig Ehern. 7150.— (+ 300.—\ Brosche Sviritus —(— —Carborrmdmn 310Ö.— f-.—). Clothilde 2165.— (4- 53.-^), A. E, G. Union Elektr. 1250.— (+ 50.—), Bereinigte Elektrische 1060.— r(-f 5.—^ Srcmens Sckuckert -(-1. Alvrne 3765.— (4 270.—) Bergnnd Hüttenwerke 9400.— (-f- 550.—), Austria Email 3800.— (+ 205.-), Eghdier 1938.- (+ 39.-), EnzeSfelder 1780.- f-Felten & Guilleaume 4210.— (--.—), Greinitz Eisen 2090 — (-.—). Hutter & Schrcrntz 1420.— (4- 54.—), Kruvv A.-G. 1548 — '■+ 71.50), Poldihütte 2460.— (+ 60.—% Prager Eisen 6900.— *f 410.—), Rimamurantz 3360.— (4- 301.—), Skodawerke 2395.— (+135.—), Waffensabrik 3000.- (4- 160.-), Brüxer Kohlen 6400.— (-f 20.—% Gran- SzaSzvarer —(— —), Nordung. Kohlen — l-.—), Oberung. Hütten 8450— (+• 210.—), Rossitzer —yr* f— —.—), Salgo » Tarjaner 6250.— (— —.—), Trifails Kohlen 3350.--!-i- 100.-). Ung.Allg.Kohlen 7400.-(+ 30C.—% Urikany 4470.— (+ 145.—), Beitscher Magnesit 13.800.— (-.—>, Westböhm. 3550.— <•-.—), Wolisegg 1440.— (+- 60.—), Danek Maschinen 2260.- (+ 136.—% Brünn« Maschinen 1880*— (4- 45.—), Daimler Motoren 1120.— l-h 1.-), Fratwerke 1320.- (+ 60.-), Heid Maschinen 770.- C4* 25.—),Hokherr & Schrantz 889.— (4- 43.—), Sigl Lokomotrv 1418.— (+ 18.—). Nuston 2299 — (+ 131.—% Simmering« 1125.— (4- 20.—), Elbemühl —- (-.—), Leykam-Josetztbaler 2270 - (+ 120.—), Neusiedler —{-.—% Apoll» 4210.— (+• 190.-), Fanto 20200.— {+ ICO.—), Karvatb« 11.525.- (+ 325.-), Galizia 22.600.- (4- 730.—), SchodnM» 18.200.— (+ 200.—), Evsmanos 2600— (4- 5.-), tzezfabrik« 4500.— (— —), Schoeller Zucker 6760.— (— —Schön« priesen« —(— —), Oesterr. Eisenbabnv«k» 2175.— (4- 50.—\ Unct. Eisenbahnverk. 1040.— (+• 20.—), Wien« Waggonfabrik 1080.— (4- 30.—), Genrgroß 696.— (4- 1.—% HolzhandelSgesrlltchaft —(— —Türkenlofe S850.— (4- SO.-). Tvanrpovt-lkrrtLrnehmungen.Adrra 14.200.—1800,—'), Aussig-Teplitzer —(— —.-—). Buschtehrader ist. k 3630.— (4- 60.—), Buschtebrader Irt. B 1680.- (-4- 80.-), Donam Damvl. 10-300.— (4-1100.—), FerdmandS-Nordbahn 12.730.— (4- 63Ü.^.), Graz-Köstacher 3040.- (+ 20.—), Kafchau-Odev berger —(— —Lemberg - Czernowitzer^ 2000.— (4- 140.—), Aoyd —(-.—). Ravigazione l 1.200 — (4-1225.—), Staatseisenbahn3770.-(4-480.-).Lsmbarden 797.- {+ 43.—), 3»/» Südbabn-Prior 1144.- (4-51.-), Staatsbahm Genußscheine 2450 — (--). Renten. Mairmte 88.15 (— —.85', Fkbruarreute 88 78 , (— 1.—\ Oesterr. Krvnenrente 84.— (— 3 50), Oesterr. Gold» «tttte 139.75 (+ 1.25), Ungar. GoldrentS —(— —\ Ungar. Kronenrente 105.50 (-.—). Banden. Anglo-Bank 724.— (4-17.—). Oesterr.-bvsn Bank 640.— {ex Bezugsrecht). Ungar. Bank und Handels. 972.— (4- 52.—), . Bankverein 795.— (4- 15.—% Bodenkrvd« 1660.— (4- 8.—), Oesterr. Kredit 950.— (+ 48.—'. Ung.Kredit 1722.— (— 8.—% Depositenbank 749.80(4* 19*80), Mederöst Eskomptegef. 1105.— (— —), Ung. Hypothekenbank 520.- (— —8änd«bank 940.— (— 5.—'-. Bosn. Lanbrsbckn) HtLchdruck verboten.) Marienbad. Kein Ronkan, sondern eine überaus verwickelte Geschichte, die zwischen Warschau^ und Marienbad spielt, in 36 Briefen, 14 Billei'donx und 46'Trlrgrammrn. Von Scholem Atejchem. .Aus dem Jüdischen übertragen vou Siegfried Schmitz. (9. Fortsetzung.) Nr. VI Belcie Kurländer aus Marienbad au ihren Gatten Schlosmc Kurländer in Warschau (auf dru Nalewki). MeinlMl teuren Gemahl, Herrn Schlojme, ehrfürchtigen Grus;! r Ich teile Dir mit, daß itf), glücklich in Mariünbad rmASlangt bin; ich habe, geglaubt, ich würde auf dem Bahnhof Chawele Tschapnik treffen; es hat sich aber herausgestellt, daß. meine Base meinen letzten ©rief nicht erhalten hat. So sagt sie, doch das.ist — glaube ich — c{uc Lüge'. Sie hat meinen Btief röchtig etv halten, aber sie hat t?im Zeit gehabt, .mich vom Bahnhof abzuholen: denn sie spielt den gartzon Lüg Sechsundsechzig. Und nun rate, mit fBcnt! DaS wirst Du nicht erraten — und wenn Du achtzehn Köpft', hättest! Mit Deinem guten Freund Ehaim S.orvkerl O, wenn ich das seiner Esther erzählen würde. -MHbrächte damit Deinem guten Freund' den Tod! Er führt hier ein Leben in Freuden — so sagt.man — und ist hieö — so sagt man — Schnittlauch -auf' allen Suppen, Das habe ich gleich bei der Ankunft von der Jamaikerin erfahren. Ich hatte nämlich das/Vergnügen, sie samt ihren bt£t NäSrhen auf dem Bahnhof zu treffen. Sie haben rrgendaineft jungen Mann begleitet; offenbar haben sie einen Mann gefangen; d-tnn um sie hat fortwährend ein närrischer Kerl mit einer Ofenröhre auf dem Köpft seine Krrift gezogen; es hat sich dann herausgestellt^ daß er ei,n Schadchen ist. Viel hat sie mit! mir nicht sprechen können; aher sie hat doch Zeit gestrichen, mir einen ganzen Kauft« Neuigkeiten von unseren Nalewki-Leuten, die in Marienbad sind, zu erzählen; hie hebe ich mir aber für ein anderes Mal auf; den^ni jetzt will ich Dir die Reise von Berlin nach Marie nbad beschreiben. Ich habe keine gute .Reise gehabt. Und wer ist daran schuld- Nur Du und Deine Klagen über die schlechten Geschäfte. Es war mir schade ums Geld für die zweite Klasse, und so bin ich die ganze Strecke dritter Klasse gefahren. Das ist gar nicht angenehm. Erstens ist kein Platz zum Sitzen, geschweige denn zum Hinlogen, und alles ist vollgeraucht wie in einem Bad; die Deutschen rauchen so fürchterliche Zigarren, dis einem den Kopf benehmen. Zweitens revidiert man au der Grenze in der zweiten.Klasse ganz anders als in der dritten; ich kann mich freilich nicht beklagen,, daß man bei mir etwas herausgebeutelt hätte; aber Furcht habe ich ausgestanden, das kann ich Dir nicht beschreiben! Ich hatte geglaubt, daß es zwischen Berlin und Marftnbad teilte Spur von Mer Grenze gibt. reden doch alle ■ ttteftlbo Sprache, tvozu > brauchen sie eine Grtzüze- Schließlich hat sich aber hcraüsgestellt, daß es bei ihnen /auch eine Grenze gibt, und die Deutschett lieben es auch, nachzuschauen, zu suchen und zu stöbern. Ich bin zutode erschrocken. Angst hatte ich nicht so sehr wegen der anderen Sachen als wegen der Spitzen. Hütte ich gewußt, daß es zwischen Berlin Und Ma.rie.nbad eine Grenze gibt,, so hätte ich mir mit den Spitzen schon Rat gäschafft: Ich hätte sie in die Steppdecke eiugenäht, wie es die Tschapnik jedes Jahr tut. So aber habe ich sie genommen und leicht an meine alten Kleider angennht und sie zwischen die Schmutz- Wäsche gelegt. Da fragt mich der Deutsche: „Was haben Sie hier^ Mir wurde es schwarz vor den Augen. Ich nehme den Kofftn, öffne ihn und sage: „Alte Kleider und Wäsche." Er hört mich ruhig an und deutet auf den zweiten Kofftr. „Und was. haben Sie hier?" Ich nehme den zweiten Koffer und öffn« ihn; fallt da nicht Dein Strohhut ^heraus- Ich habe im letzten Brief vergessen, Dir zu fchteiben, daß ich Dir bei Wertheim in Berlin einen Ssrohhut gekauft habe, eilten Lckten Panama. .Rate, was er kostet!- Ich sage es Dir nicht früher, als bis ich nach Hauses bvmme. Du mußt selbst errvaten, was ich für Deine« Panama gezahlt habe. Kurz und gut, wie der Pan'amd aus dem Koffer herausgehüpft ist, da habe ich . ge« meint, es ist aus!' Wie komme ich zu einem Männerhut- Aber ich habe sofort eine Ausrede gefunden ich weiß ja, daß ein Deutscher Nicht allzu gescheit ist und sage ihm, natürlich deutsch: „Das ist mein Panama; bei uns in Rußland trügen alle Dainen Mannsbild« Panamas." Er antwortet mir darauf kein Wort nnlk fragt: „Führen Sie russischen Tee mit? Haben Sie Zigaretten^ Ich denke mit: Auf Deinen. Kopf me ins Sorgen! — nnd antwortete ihm, daß ich mit Tee nichl handle und keine Zigaretten rauche. Und der Deutsche geht her, rnacht mit Kreide einen Strich über alii meine Kofftr, Körbe und Pakete, als wollte er sägen- Koscher! Das heißt passiert. Was sagst Du dazu? Bist Du ein Prophet und kannst.erraten, daß der Deutsch! hei mir russischen Dee und Zigaretten suchen wird'? Un« nötig alle Furcht, unnötig alle Sorgen. Wäre ich aber zweiter Klasse gefahren, so wäre die Angst auch nicht gewesen; denn in der zweiten Klasse — so sagt malt — geht der Deutsche nur durch den Wagen und fragt» 08 nicht jemand etwas hat, wofür er zahlen muß. 41«- wer ist schuld daran? Ich selbst, weil ich Angst habe; einen überflüssigen Groschen auszugeben. Du sagst fteft lich nichts dazu. Aber wenn es zum Rechnunglegep kommt, so hast Du die Gewohnheit, zu seufzen mt$f zu stöhnen und so nebenbei hinzuwerftn, daß sehr vM Geld aufgeht ... Ich freue mich sehr, daß ich in Berlitz wenigstens eine billige Wohnung mit einer ehrlichejtz Wirtin. Letrosftn Habs. , (Fortsetzung folgte

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