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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-21 · Heft 568 (21.8.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 568 (21.8.1920)
Date
1920-08-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Serie 4 -chr-7- Wien, Samstag Wie«rr Morgeuzeiiuug 21. August 1920 <4 Rr. 56S Tagesbericht. Franzöfifche Kriegsschiffe «ach Danzig. PariH^-20.. August. (Tel.-Komp.) Der französische Kreuzer „Güwydon" und der Kreuzer „Marseille" höben, berschen mit Lebensmitteln für drei Monate, gestern Cherbourg verlassen. -Obwohl das Ziel in strenges Geheinmis gehüllt wird, glaubt man doch, mit Sicherheit zu wissen, Aast der Bestmmnngsort der beiden .Kreuzer Danzig sei, um dort die'Munitionstransporte für Polen zu sichern. Daszynski über die polnisch-jüdischen Beziehungen. . .Warschau, IS. August. (Jewjsh Crr. Bur.) Änläßlich des Empfanges der jüdischen Deputierten Grünbaum und Hartglas durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten Daszynsk i erklärte derselbe, daß die dersproHkne Proklamation, .der' polnischen Regierung zur M'ilderung der Beziehungen zwischen Polen und Juden in Kstrze erlassen werden wird. Die.Verzögerung erfolgte lediglich aus t e ch n isHen G r ü n den.' Auf die Beschwerde des Deputierten Grünbaum, daß die Regierung auch'sonst ihre'Zusicherungen, betreffend die Einwirkung auf den inneren Verwaltungsdienst, die jüdische Bevölkerung als gleichberechtigten Staatsbürger zu behandeln, bisher nicht erfüllt habe, erwiderte Daszynski, daß der ganze staatliche Verwaltungsappprat in so kurzer Zeit nicht ganz' umgestellt werden könnp, besonders in dieser letzten Etappe des für die Unabhängigkeit Polens geführten schweren Verteidigungskrieges, wo es gilt, alle inneren Fragen und Leiden zugunsten der Rettung des Vaterlandes. zurückzustellen. Schließlich versicherte Daszynski die jüdische parlamentarische Abordnung, daß die jüdische Bevölkerung nur. noch kurze Zeit' ihre Leiden und Verfolgungen zu tragen .haben würde.. Angesichts der von den Juden gerade in diesen schicksalsschweren Tagen des Vaterlands gebrachten großen Opfer, die von allen Schichten despolnischen Volkes gewürdigt werden, können die Inden zuversichtlich einer besseren Zukunft entgegensetzen. - . ' Diie panische» Forderungen in OHerschlesien. Bcuthcn, 20. August. (Wolfs.).Die Polen rufen ztrm Generalstreik im.Industriegebiet auf. Heute vormittags sind von polnischer Seite der Interalliierten Kommission folgende Forderungen vorgetragen worden: 1. Beseitigung der Sicherheitswehr. 2. Entfernung aller in den letzten zwei Jahren Zugezogenen, ohne Rücksicht darauf, ob es Polen oder Deutsche - sind.-3. Errichtung einer Selbstverwaltung und von Verwaltungsbehörden, die ans Oberschlesiern oder solchen Nicht-Oberschlesiern gebildet finb/'Vte seit mehr als zwanzig Jahren ununterkwochen hier wohnen. Gerüchtweise verlautet von einem polnischen Putsch in Beuthen, der heute abends ins Werk gesetzt werden soll.'Die Vorgänge in Laurahütte und Siemianowitz bestätigen sich. Eichenau, Schoppinitz und Myslowitz sind in polnischen Händen.' In Schoppinitz. hat die polnische Bevölkerung, der „Polnischen Grenzzeitung" zufolge, die Sicherheitswehr entwaffnet. - - Kattowitz, -20. August. (Wolfs.) Aus Rosdzin- Schophinitz wird gemeldet, daß der Buchdruckereibesitzer Vater erschossen'worden ist. In Bogutschütz dauerte der Straßenkampf etwa von 4 Uhr. bis halb 8 Uhr früh. Der Ort befindet sich, nachdem die Sicherheitspolizei vor der Uebermacht den Kamps ausgegeben hak, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, in den Händender Polen, die seine Zugebörigkeit zn Polen ausgerusen haben. Später nahmen Franzosen mit Polen einen Patrouillendienst'aus. . .In'Laurahütte kam es heute nachts zwischen der Sicherheitsvolizei und. den Polen zu sch weren Ge sechst,en. Hiebei hatte die Polizei 12 Tote und eine 'große Anzahl Verwundeter.."Die Plünderungen dauern. mrt. Di° Polen stehen bereits an der Grenze von Bogutschütz-Nord unmittelbar vor Kattowitz. Heute lam "es/um 4 Uhr morgens zu schweren - Kämpfen zwischen den Polen tnid der Sicherheitspolizei, die der Uebermacht weichen mußte. Anscheinend kämpfen in den Reihen der Polen gut ausgerüstete Soldaten der Armee.-"H-a l le r. Die Polen beabsichtigen für-heute 10 Ulrr'vsrnstttags, di^ Bergwerke stillzulegen. Nach weiteren Meldungen wird aus derFlorentinerrnd oec- Preußengrube g t st x eikt. Groß-DomüroWska ist pon Svkoln, die die Wasserleitung abgeschnitten hatten, umzingelt. - Ein Zwischenfall in Königshütte. Berlin,.20'. August. (Korr.-Bur.) In Königs- Hütte kam es .zu einem Zwischenfall. Ein Sicherheitsbeamter wurde von einein französischen Offizier ungehalten, weil orffhn.nicht gegnißt hatte. Der Offizier fo ß t.e.d cn Beq ntt cn b eim Oh x. Sofort sammelte sich eine' gfdße Menschenmenge an und. eine Frau stürzte sich oitstden Offizier, und s ch l ’n g ich n. HinZugekammene französische Offiziere alarmierten die Hmiptwache, welche die Straße .mit gesä Iltem.,Bajonett. .säuberte. .Hiermlf.'zogHe Menge demonstrierend zur Wohnung des Össizi^ys? Horrhy-Banditen wollen Karolhi ermorden. Prag, 20. August. ,/Pravo Lidu" zufolge seien hier vor tützem drei Personen verhaftet worden, von denen eine gestand, von den Horthy-Leuten gedungen zu sein, ttm den ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten «Karolvi %n ermorden. Im letzten Atrgcnblick sei das' Komvlotl entdeckt' worden. . Wählerversammlungen. Heute, Samstag den 21. August, halb 8 Ahr abends findet irn Kursalon in BöSlau eine jüdische Wähler- Versammlung statt. Sprechen werden: Abg. Ing. Robert Stricker und Gemeinderat Dr. Leopold P l a s ch k e s Morgen, Sonntag den 22. d. M., um 10 Ahr vormittags findet in der Vorderb r ü h l im Hotel zu den Zwei Raben eine Wählerversammlung statt, in der Äbg. Robert Stricker und Gemeinderat Doktor Leopold PlaschkeS referieren werden Die Dudapester Pogromhetzen verurteilt. Budapest, '19. August. (Uttg. Tel.-Korr.-Bur.) 'Die Verkündigung des Urteils in dem Prozeß wegen der Mordtaten beim „Cafe Club" war für heute abends 6 Uhr anberaumt; da aber das Urteil bis zu dieser Zeit nicht schriftlich ausgesertigt werden konnte, erfolgte die Verkündigung erst kurz vor Mitternacht. Das Standgericht sprach die Angeklagten, den Privatbvainten Ladislaus Jlly, den Diurnisten Ladislaus Fekete, den Handlungsgehilfen Alexander Kö rmend i,. den Lehrjungen Alexander Im re, den Friseiirgehilsetr Michael Sch w icke r und den Beamten Alexander Fekete des Verbrechens des Aufruhrs als Mittäter schuld ig und verurteilte Ladislaus I ll y zu dreizehn Jahren Zuchthaus, Ladislaus $eket'e zu zehn Jahren Zuchthaus, Alexander K ö r m e n d i zu fünf Jahren Gefängnis, Alexander Jmre zu sechs Jahren Gefängnis, Michael Schwicker.zu zehn .Jahren Zuchthaus und Alexander Fekete Zu sechs Jahren Gefängnis. Die. Beamten wurden außerdem mit fünf bis zehn Jahren Amtsverlust bestraft. Der Gastwirt Karl T ö k ö s und der Schüler Ladislaus V a n e k wurden van der Anklage f r e i g esprochen und sofort auf freien Fuß gesetzt, Das Urteil stellte fest, daß gegen Ladislaus Jlly wegen Mordes kein 'standgerichtliches Verfahren am Platz ist, sonderndaß diese Angelegenheit behufs Verhandlung vor dem ordentlichen.Strafgericht der Staatsanwaltschaft tibergeben werden wird. Das ungarische Standgericht hat die Pogromhelden vom „Ca»6 Club" zu schweren Strafen verurteilt. Aber das Urteil trifft gleichzeitig und vielleicht noch, mehr jene ganze Schichte von Drahtziehern, . die, zu feige, um selbst zu Gewalttaten zu greifen, schuldig sind an der ganzen Verhetzung-und der durch sie gezüchteten Korruption, welche das gesamte ungarische öffentliche Leben in einett stinkenden Sumpf verwandelt hat. Mit diesem Urteilsspmch ist dem ganzen „christlichen" Brachialkurs das Urteil gesprochen worden. Ausgleich zwischen Ungarn und Rumänien. Paris, 20. August. lieber die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Rumänien und Ungarn erfährt die Agence Havas': Um die. Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Rumänien imö Ungarn zu erleichtern, hat der rumänische Minister des Aeußern Take Jvnescu die guten Dienste der französischen Regierung erbeten, die sofort in'Budapest intervenierte. Infolgedessen hat sich die ungarische Regierung bereit erklärt, aus die Absichten der rumänischen Regierung .einzugehen. Der ungarische Gesandte in Paris Prazuovszkh hat den Ministerpräsidenten Millerand verständigt, daß feine Regierung bereit sei, der Bestellung des Obersten Starcea, Flügeladjutanten des Königs von Rumänien, als bevollmächtigten Ministers und L-epadates als Sonderdelegierten für die Erledigung der aus dem Friedensvertrag sich, ergebenden Fragen zuzustinnnen. Die ungarische Regierung werde demnächst -der rumänischen die Namen der für die gleichen Funktionen in Bukarest zn.bestellenden Persönlichkeiten zur. Genehmigung tntterbrGten. ......... Die französische Regierung.war glücklich, den versöhnlichen Bestrebungen des Ministers Take Jonescu ihre Nnlerstühimg leihen zu können. Die Streikin der Slowakei. Prag, 20'August. Das „Prager Tagblatt" meldet aus P.reßhurg: Im ganzen Bezirk von Neutra sowie in Freistadtt (Galgocz), Tyrnau,GwßjTapolscanyKnd Zsambokret ist gestern zum Protest gegen das Einschreiten . des. Militärs in Freistadtt der G e n e r a l st r e i t ausgebrochen. Der Preßburger G-etverkschastsrat. hat einen Auftuf erlassen, ivorin die Arbeiter anfgesordert tverden, sich nicht zu Unüberlegtheiten hinreißen zu lassen. .. Sir Herbert Samnel über Preffe und Zensur. Bei seiner Konserenenz mit den Vertretern der Jerusalemer Presse machte Sir Samuel interessante Aeußerungen über die Presse- und Zensurfragen, welche jetzt im Wortlaut vorliegen. Unter anderem sagte der Oberkommissär: j Ich bin bemüht, die Zensur so schnell als möglich abzuschassen, und zwar aus zwei Gründen. Erstens soll die Freiheit der Presse nicht mehr als notwendig be-. grenzt werden; zweitens aber — Sie werden sich darüber wundern, was ich ihnen sage — schützt die Zensur zu stark die Presse. Was der Zensor durchläßt, wird veröffentlicht und die Presse geht frei aus. Wenn der Zensor Nachrichten und Artikel genehmigt, welche er nicht genehmigen soll, so ist die Presse frei von jeder Verantwortlichkeit. Ich will Ihnen da zwei Beispiele geben: In der „Jerusalem Gazette" war am 6. Juli zu lesen: „Die ganze Politik im nahen und inneren Osten befindet sich noch in einem Schmelztiegel. Alle Verträge und Abmachungen werden Fetzen Papier; bleiben und an ihre Stelle wird eine ganz neue Ordnung' treten." Diese Worte sind geeignet, Verwirrung in der öffentlichen Meinung hervorzurufen. Doch sie enthalten kein Körnchen Wahrheit. Die englische Regierung beabsichtigt durchaus nicht, ihre Politik in einem Schmelztiegel umzuschmelzen, und kein Vertrag wird ein Fetzen Papier bleiben. Zu solcher Ansicht ist kein Grund vor-. Händen. Das zweite Beispiel stammt aus dem Blatlr^ „Suria nanibija" vom 13. Juli. Dort heißt es: „Am Tage der Ankunft Sir Samuels haben sich die Juden^ Staatsländereien in Abu-N'wana angeeignet. Die An-! gelegepheit kam vor den Justizsekretär und die Der»! waltung der Staatsländereien und beide haben zugunsten der Juden entschieden.^ An dieser Nachricht ist kein! Wort wahr. Etwas derartiges ist überhaupt nicht bot*: gekommen. j Sie sehen also, daß die Regierrmg die Presse durch' ihre Zensur, schützt. Von nun an wird sie den Zeitungen diesen Schutz entziehen und sie werden selbst die SSetantwortung tragen müssen. Ich hoffe,, daß, sobald die Redakteure sich an diese Verantwortlichkeit gewöhnt - haben, die Regierung keine Mittel gegen die Zeitungen wird anwenden müssen. Ich weiß, daß die Arbeit des Journalisten schwer ist. Er mutz instinktiv die öffettt-j liche Meinung zu fassen suchen und dem Leser interessante Dinge geben. Aber der Redakteur wird Versuchungen standhalten und seine Sensationslust zügeln müssen. Die Wirkung der Presse aus die Bevölkerung ist groß und die. Resultate falscher Nachrichten können' schlechte Folgen haben.; Sie müssen sich dariiber klar sein, daß die Politik^ welche ich in Jerusalem und Häissa Largelegt habe, eine fest in sich geschlossene ist, und wenn man die Prinzipien, aus welken diese Politik ruht, angreist, bringt man ganz nutzlos Verlvirrung und Erregung in die Bevölkerung. Jede Kritik an den Mitteln, welche zur Durchführung dieser Politik angewendet werden, und jede Beleuchtung der Verordnungen der Regierung von den verschiedensten Gesichtspunkten aus wird selbstverständlich in keiner Weise gehindert werden. Aber ich hoffe, daß diese Freiheit der Kritik und der Meinungsäußerung in anständiger und maßvoller Weise gebrauchtwerden wird. Die Regierung wird die schärfsten Maßnahmen gegen die Verbreitung falscher Nachrichten ergreifen, welche geeignet sind, die Bevölkerung auszureizen. Sie ist aber bereit, iSre in dem Bestreben, zwischen falschen und wahren Nachrichten zu unterscheiden, tatkräftig zu unterstützen. Größe Spenden für den Jüdische« National. fonds. -,/$j Haag, 19. August. Nach einer im Hauptburean des Jüdischen Nationalfönds eingelangten Nachricht hat der bekannte jüdische Notable Esra S a s s o o n in Bagdad für den I ü d i s ch «n National" fonds die Summe von 10.000 Pfund gespendet (Den gleichen Betrag haben die Juden von Shanghai. China; ausgebracht und eine Summe von gleicher Höhe in Aussicht gestellt. A u st r a l i e n hat 30.000 Pfund gespendet, Palästina selbst bekanntlich 100.000 Pfund.) Eine monarchistische Tageszeitung Wie das gestrige „Achtuhrblalt" meldet, wird in Wien am 5. September die erste Nummer eines monarchistischen Tagblattes erscheinen, dessen politische Leivwg in den Händen des rhemaüarn Reichsratsabgeordnetm P a n tz. des SettionSchrsS a. D. Dr. Albin S ch a g e r. des bekannten Vertrauensmannes des Exkaisers Karl, und des ehemaligen österreichischen Gesandten und außerordentlichen Bevollmächtigten Dri W i e s n e r liege« wird. Dem neum Bressemtternchmen solle» bedeutende Gnd' mittel zur Veffügung stchen. Der Weg ins Hi««elreich. Belgische Geistliche vom 8«rS - Cour versenden, wst „Popirjaire" meldet, de» folgenden kultmschchichtlich intereffante« Prospekt: Gründung einer tatzliche» Messe aus ewige Zeit« zugunsten der Wohltäter der Priester deS Saer4-Coeur, um ihnen zu Lebzttten und nach dem Tode einen unschätzbaren geistliche« Beistand zu sichern. Sie werden für etvige Zeiten an der Wirkung dieser täglichen Messe teilhaben, i m B e r h ä l t n i s i h r e r G ab eu, wie untenstehend speMzierk ist. Eö wird täglich an dieser Messe Anteil haben, wer 500 ftnncj! be.abß: 6 Tage in der Woche 375 ffwucl, 5 Tage

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