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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-17 · Heft 564 (17.8.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 564 (17.8.1920)
Date
1920-08-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 564 _, Wien, Dienstags_ der Ernte erfordert. Die Serbische Nationalbank verdichtet zwar ständig ihr Filialnetz, aber es ist sehr fraglich, -ob ihr Apparat den Anforderungen, die die Finanzierung der Ernte an'sie stellen muß, auch nur halbwegs genügen kann und ob sie auch nur bereit!ist, für diese Zwecke die notwendige Vermehrung ihres Notenumlaufes rorzunshmen. Jedenfalls erklärt dieser Zustand der jugoslawischen.Wirtschaft die ständige Nachfrage nach Dinar, durch die fast ahne Zutun der jugoslawischen Finanzpolitik die V-lutafrage eine sehr natürliche Lösung gefunden hat. Damit dürften übrigens auch von selbst die Schwierigkeiten der noch offenen Redaktion der Valutaklausel im Handelsvertrag mit Deutsch Österreich entfallen." Die Eintommettsteuerpflicht von Bezugsrechterr. » In den ..Mitteilungen des Verbandes österreichischer Banken 'und Bankers" bespricht Rechtsanwalt D>-. Einl Wolf die Judikatur des Verwallnngsgrrichtshofcs über die Einkommensteuerpilicht von Bezugsrechten. Diese Entscheidungen lauten im, Wesen dahin, daß sogenannte Gratisaktien einkommensteuerpflichtig stad, »die den Aktionen en zugcwiesenen neuen Aktien stellten sich als e ne mit dem Nominalwert zu veranschlagende.Einnahme aus Kapitalsbesitz dar". Weiters hat der VerwalinngsgcrichtShoi den Erlös v c r 6 u ß e r t e r Bezug s r ech t e •. als st-euerpflrchtiges E inkomm e N deklariert und schließlich auch den bei der Selbstausübung von Bezngsrcchten durch einen Stamm.iktiouär stch ergebenden G'wiiin als eln!omrpensteuerpstrcht!g crllärt. De. Wolf bekämpft diele JuMstur dxs VeuvaltüngSger>cknsl>oscs in einer Reihe scharistünipchs Dasl'PMgen. in denen er überzeugend gegen die gewalt'äN Konsiruknön und Begründung der zitterten Entscheidungen argumentiert. Erhöhung des Aktienkapitals dev A. E. G. um 239 Millionen Mark- Berlin, 16/August. (Wolst.) D>e A-E. G. ichläzt vor, haS Aktienkapital um 250 Millionen Mark 6°/o'ger Vorzugsaktien mit einsachern Stimmrecht zu erhöhen. Diese Vorzugsaktien können dm 1. Jänner 1925 mit 115"/«, eingclöst werden. Maschinen- und Waggonbau-Fabriks-A.-G in Simmering, vormals §>. Dl Schwid. In der unter Vorsitz des Präsidenten Direktor M a x i m e K r a ß n y - Kra s f t cu abgehaltenen 51. ordentlichen Generalversammlung der Maschinen- und Waggonbau-?kabriks-A.-G,. wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1919.20 vorgeleat.Mieselbe weist nach Abschreibungen in der Höbe von K 3,439.649 85 e nen Reingewinn von st 6,06t 92>'.14 aus. Nach E^tgeamnahme des B^r chtes der N'vmonskommi'ston WMde die,in Vorlage gebrachte Bilanz einhellig genehmigt, dem Verwaltungsrate das Absolutoriiim erteilt und beschlossen, dem R e s e r v e f o n d s st l.nOO.OOi zn;ufühlen, sodann eine lB°/o t g e D i v i d e n d e. das ist st 30.— per Alt e, an die Äklionä'e zur Verte>kuiig zu bringen und einen Betrag von st 408 128.12 (einschließlich des Gewinnvortrages aus dem Jahre 1918/19/ auf neue Rechnung vorzutragen. Kompensationsvertrag zwischen Oesterreich und Rumänien. Aus Bukarest wird gemeldet: D>e österreichische Abordnung, die zwecks- Abschließung eines lieber einkommens über den Warenanstaw'ch hier weilte, bat ihre Unterhandlungen in günstiarr Werse abgcchlosten. Gegen Kompensation von M a s ch r n e n und M a 1 e r i c> l für die runiäiii'che Industrie und Landwirtschafi werden Getreide und Petroleum zyr Ausfuhr -ugelassen werden. Arrangement-Tiirteilung an der Wiener Börse für September und Oktober. Die Arrangement-E nteilung für die Monate September und Oktober 1920 wird festgesetzt, wie folgt: 90. Augüst.Kass e und Ausgabe, 1. Scptrmb r (Nachdruck verböte».) Marienbad. Kem Roman, sondern eine überaus verwickelte Gefch'chte. die zwischen Warschau^ und Marienbad spielt, in 36 Br.esen. / 14 Btllet-donx und 46 Telegramme». Von Scholem Alefchem. Aus dem Jüdischen übertragen von-S i e g f r i e d Sch rtr i tz. " ' (3 sdortsevung.) Du karrnst mir glauben, lieber Freund, es geht mir Inicht ums Geld. Du weißt ja. daß ich — Gott bewahre — kein Gnzhals bist und daß Belcie vott wir, wie yiün sagt, den Mond vom Himmel haben kann — sie ist ja schließlich die zweite Frau. Und das Gprichwort HM^: Die zweite Frau und eine einzige Tochter könsten altes' Haben. Um Ms geht es mir also? Ich ' tritt nicht, daß zwisch'n zwei meine Frau die dritte ist .v. MWas habe ich davon? Ich habe ohnedies genug Feinde auf. dtzn Nalewki, die mich in einem Löffel Wasser..eMänken möchten. Davon rede ich schon sticht, daß sis,/ seit ich Beleie zur Frau genominen haste, an mir gern, ihr Mütchen kühlen möchten. Gott weist , warum, als' hätte ich jemanden um seine Ehre oder um sein Vermögen gebracht. Acr altem sagen sie, sie könnte' meine Schwiegertochter sein. Kannst Du mir. sagen, wgZ si^ das angeht? Es hat schon liebe Leute gegeben, "die zwischen uns Unfrkehen stiften wollten. Kannst Du mir sagen, was ich denn getan habe? Alles aber kommt daher, weil sie schön ist! Der Teufel hole das' Gesindel bls ins vierte Geschlecht — wenn ich zum zweiten Äkale eine häßliche Frau geheiratet hätte, wäre ihnen geholfen? Kurz und gut, lieber r Freund, ich brauche Dir nicht piel zu erzählen. Ich meine, daß Du verstehst, was ich mit meiner Meinung meine... Ich will, daß Du sie im Auge behalten.und mir hie und da schreiben sollst von Deinem Befinden, was Du tust, und von Beleie, was sie tut. Und wenn sie sich an Dich um Geld wendet — ich habe ihr Deine Adresse angegeben — so gib ihr für meine Rechnung, wieviel sie. will, aber so. weit eL oeht, pich.t auf. einmal«, sondern Wiener Morgenzeitun«? Meldungen, 2. September Esfet'enrir.reichnna, 6. Scp.ember K a is r u n d A u f g a b e, 7. September Meldungen, 9. September Esfestenstmelchunfl.. 1Ä. September K a s s e ü n d A u ftz ab e, 15. SrptemhÄ Mclvuntzkn, 16. September Estekteneinreirbung. 20. September K ä s s e u n d A u f g a v e. 21/September Meldungen, 23. September Effekteneinreichrmg. 27. September K a s>s e und Aufgabe. 29. September Meldungen»' 80^ September Effektenemreiebung. 4. Oktober Kasse und Aufgabe. 6. Oktober Meldungen. 7. Oktober Esfekteneinreiebnug. 11. Oktober Kässe und Aufgabe,' 13. Oktober Meldungen. 14. Oktober Effekrrneinreichung, 18. Oktober Kasse u n. d Aufgabe. 20. Oktober Meldungen, .21. Oktober Estekteneimeichrmg/25. Oktober Kasse und Ä u f g a b e, 27. Oktober Meldungen. 28. Oktober EffekteNrinreichung. 2. Novemder Kasse u n d A u f a a b e. JDtc Weltt'Kinage. Die neueste' Ausgabe des Llöyh- .registers enthält eine Uebersicht der Welttonnage, wobeioie gegenwärtigen Ziffern mrt deneit des Juni 1914 verglichen werden. Die ganze Welttonnageim Juni 1920 betrug 53,905.000 Tonnen, das ist um 8,501.000 Tonnen mehr als im Juni 1914. Der Perlust durch den Unterseebootkrieg ist also nicht Nur wettgemacht, sondern es ist eine große Steigerung der Welttonnage zu verzeichnen. Allerdings haben sich große Verschiebungen vollzogen. England, welches vor sechs Jahren 43,9 Prozent der Welttonnage besaß, hat heute nur mehr 35,1 Prozent, während die Tonnage der Vereinigten Staaten von 4,7 Prozent auf 24 Prozent gestiegen ist. Deutschland nahm mit mehr als fünf Millionen Tonnen im Jahre 1914 die zweite Stelle in der Welttonnage ein und ist heute auf 419.000 Tonnen gesunken. Jbpan ist von der sechsten Stelle an die dritte Stelle gerückt, Norwegen von der vierten auf die sechste Stelle heruntergerückt. Die SegeltonNage ist um 641.000 Tonnen zurückgegangen, ein Sinken, das in den Pechs vergangenen Jahren noch weit stärker war. Nur die Vereinigten Staaten haben ihre Segeltonnage auch noch um 43 Prozent erhöht, so daß heute in der Segelfchiffahrt die Vereinigten Staaten an erster Stelle stehen. Pcteoleummonopol in IugoflaVien. Aus Belgrad wird beuchtet: Der Mmisterrat bat die Monopollsierung des Petroleums und seiner Nebenprodukte beschlossen. Valutenkurse. Von fremden Zahlungsmitteln fanden größere Umsätze im gestr'gen freien Verkehr m D o l l a r- und Marknoten statt. Es notierten: Leinölen K 485, Rubelnoten k 3.36. Marknoten grün K 4.91, Dollar 227.50, Schweizer Noten K 37.50, französische N otenT 16.—, poln i s cheMark K 97 —, unga r i s ch <N o t e n K 107.50, D in 4t K 10.—, Lire K ll 40, tschechrsche Noten K 3.83, A u szahlung Agram H 251.—, Auszahlung Berlin K 4.92'/r, A u s z a h l p n g Pra g K 3 88, Auszahlung B u d a p e st 107.50 und ungestempelte Noten K 102.50. Wienee Börse. Bei ziemlich fester Grundstimmnng waren an der gestrigen Börse Bgnkcnwerte und die Papirre tschechischer Provenienz lebhafter und bevorzugt. Ersten gewannen von den Meldungen /iber die Regelung der Vorkriepsschnlden und erfreuten sich insbesondere Anglobank-Aktien erhöbten Interesses; letztere prostlrerten nachh.rllig von Käufen iür tschechische Nechnrmg. Oürmenilich in Äiuston fanden lebhafte' Umsätze statt, wobei sich der Kurs dieses Effekts um K 420 erhöhte. Dre übrigen in der Kulisse gehandelten Werte waren nur w>n:g verändert, das Geschäft hierin gering, da sich die Svekula'ion mit Rücksicht auf die Kämpfe um Warschau Reserve au'erlcgte. Im Schranken waren auf dem Trar.spyrtmarkte größere Steigerurtgen zu verzeichnen. So stiegen Adria, um K 610, Lloyd um K 500, digcgen waren Navigasione K ir o blstiger abgegeben. Von den Jndustriewerten >st hervorzuheben di^ Besserung der Berg» und Hütrenwerke um Li 200. ferner die Sle gerung der Petroleumwerte. Fanto gewannen Li 600 und Galizia K 100. Dagegen wurden Karpathen-Petroleum Li 190 billiger abgraeben. Das Geschart war bis znm Schluß . 17. August 1920 Seite 7 \ irenndlich. Aus dem Rcntenmarste -gewann d:e ungaritcke K.onav reute 2°/0, die übrigen Titres waren nur wenig verändert. I» übrigen verweisen wir auf nachstehende Schlußkurse: Andustrie-Vnternehmungen. Allgemeine Barmesell' schalt 715.— (— 4.—), Unionbau —Wien« Baugesellschaft —(-Königshofer Zement — (-), Perlmovser Zement —.— (-), Wienerberger Ziegel —.— (— Liesinger Brauerei —(-.—), Sarajevo —(-Aussig Chem. 6780.— l-s- 80.—), Brosche Svrritrrs —(— —Carborundum — (-Clothilde 2105.— (— 80.—A. E. G. Union Elektr 1230.— (— 5.—), Bereinigte Elektrische 1046.-«- (+ 16.—i Siemens Schpckert —.— (— Alvine 8205.— (+ 86.—', Berg- und Hüttenwerke 8850.— (4- 200.—), Austria Email 8850.— r-s- IGO.—), Egydier 1820.— (— —EnzeSfrlder — .— (-Felten & Guilleaume 3900.— (— 50.—), Greinitz Eisen 2100.—(— —Hutter & Schranv 1280.—(4- 80.—), Kmpv A.-G. 1424—!-s- 4.-^. Poldihütte 2425.— s— 15.—). Prager Eisen 6500.- l-s- 120.-). Rrrüamurany — (-.—), Skodawerkc 2375.—(-f 20.—), Wasienfabrik 2780.— (_-Brürer Kohlen 6200.— (- 150.-), Gran. Szaszvarer —(— —.—). Nordnng. Kohlen — s— —.—), Ob erring. Hütten 3200.— (— 100.—). Rossitzrr — f— —.—). Salgo « Tarjaner 5630.— (— 10.—), Trifailer Koblen 3050.-l— 50.-).Ung. Allst. Kohlen 6850.-(- Urikany —.— (— —.—), Beitscher Magnesit — .— (- —Westböhm. 3500.- (+ 105.—), Wolssegg 1398.- 28.—), Danek Maschinen 2165.— (+ 5.—), Brünn« Maschinen 1850.— l-i- 50.—), Daimler Motoren 1120.— C— 3.—), Fiatwerke 1255.— (-Heid Maschinen 762.— (— 6.—), Hosherr & Schranh 796.— (-—), Sial Lokomotiv 1400.— (-.—), Ruston 2225.— (+ 120.—), Simmering« 1130.— (+ 6.—), Elbemühl —.— (-Lehkam-JosetS. thaler 2050.— (-.—), Neusiedler —f— —Apollo —.— (— —-.—), Fanto 17.750.— -H 600.—), Karvathm 10.800 - (— 190.—', Gülizia 21.000.- (+ lOO.-)> Schodniea —f— —.—), Cosmanos 2550.— (— —.—), Fezfabriken (-Schoeller Zucker 6650.— (— —Schön, priesener 3350.— (— Oesterr. Eisenbahnvnk. 1925.— (— —Ung. Elsenbahnverk. 1000.— (— 20.—), Wimer Waggonfabrik —r— —.—), Gccngroß 700.- (— 10.—), Holzbandelsgeselljchaft 2390.— (— Türkenlose —.— Transport-Unternehmungen.Adria 11.000.— k 4-610.—), Aussig-Tevlitzer —(— —.—), Buschtehrader Ut. A —.— (— —Buschtebrader lit. B 1580.— (--Donan* Dampf. 8900.— (— 10.—). stlerdinands-Nordbahn 12.400.— (+ 170.—), Graz-Köstacher 3100.— ,(4* 62.—), Paschau-Oder» berger —.— (— —.—), Lemberg » Czermowitzer 1850.— (+ 70.-), Lloyd 20,500.- f+ 500.—'', NavigazioNt 850a— (—100.—),Staatseifenbabn3310 — k-1- 45.—). Lombarden 716.— (— 4.—), 3% Südbahn-Prior 1032 — i— 21.—), Staatsbahn- Genußscheine —(-). Renten. Mairente 90.50 (+ —.50), Frbruarrente 03.— (-.50), Oesterr. Kronenrente 88.25 ich —.25), Oesterr. Gold-» rente —(— —), Ungar. Goldrente —(- Ungar. Kronenrente 106.50 (-s- 2.—). Danken. Anglo-Bank 726.— (ch 18.-). Oesterr.-boSn. Bank 620.— (-Ungar. Bapk und Handels. 930.— — —.—), Bankverein 793.— (ch 13.—), Bodenkredit 1670.— (-.—), Oesterr. Kredit 948,— sch 15.—\ Ung. Kredit 1715.— (- 43.—), Deposttenbank 769.50 (+10.50). Niederöst. Eskompteges. 1122.— (— 3.—), Ung. Hypothekenbank 510.— t ch 10.—), Länderbank 965.— (ch 13.—Bosn. Landesbank 635.- (- 10.—), Mermr 838— (ch 6.-), Oesterr.-rmgar. Bank 5250.— (ch 250.—, Unionbank 828.- ich 19/-). BerkehrSbank 612.— (ch 12.'—). ZivvostenSka 1609 (ch 34.—). Berliner Börse. Berlin, 16. August. Das Geschäft an der heutigen Börse war nicht besonders umfangreich, doch sprach sich di« Grundstimmnng bei nicht einheitlicher Kursbildungzkmlich fest aus. Besonders „unregelmäßig gestalteten sich, die Veränderungen auf dem Montanaktienmarkt, auf dem wesentlichen Kurssteigerungen in Höchst- und Rombacher- und später in Bochllmer-Aktien auch mäßige Rückgänge in Harpener- Und Rheinischen Braunkohlen-Aktien gegenüberstandm. Petroleumwerte lagen bei stillem Geschäft schwankend, wobei in der Hauptsache Deutsche 1 .Petroleum-Aktien bevorzugt waren. Chemische, Elektroünd^Kaliwerte verkehrten durchwegs fest; in kleinen Beträgen: denn, da; bleibt doch unter uns! sie weiß nicht, tvas Geld ist. Ich habe im voraus gewußt, daß ihr Geld, wie sie über Berlin fährt, in alle vier Winde aufgehen wird. Und richtig — es war so, wie es mir meine Ahnung gesagt hat. Ich habe von ihr schon einen Brief aus Berlin bekommen (aus der Reise nach' Marienbad hat sie gleich einen Abstecher nach Berlin gemacht) und da schreibt sie mir, meine Beleie nämlich, einen schönen Gruß von einem gewissen Wertheim; der Weptlieim hat ein Geschäft, in dem man- — sagt sie — sogar Vogelmilch bekommt. Sie hat dort, wie sie mir schreibt, bereits einen Besuch gemacht und der Wertheim ist nicht schlecht mit ihr gefahren. Sie ist genau so wie die Madame Tschapnik. Berl Tschapnik erzählt, er habe seiner Chawele ins Ausland einen Fünfhunderter auf die Reife mitgegeben. Und wie sie nach Berlin gekommen ist, hat sie sofort um Geld geschrieben. Da hat er ihr die nächste Woche noch' einen Fünfhundcrter schicken müssen. Er .wirsnur so mit den Fünfhundertern, der Tschapnik! Weißt Du vielleicht, was für Geschäfte er macht? Da sitzt so ein Mensch schon zwanzig Jahre in Warschau und ich möchte den schon sehen, der mip sagen kann, womit der Berl Tschapnik eigentlich handelt? Ein Mensch, gut ance-ygen, mit einem runden Bäuchlein, vornehmen Getue und ans dem ist kein übriges Wort herausznkriegen; ein Äuge schaüt bei ihm irgendwohin nach Norden und das andere guckt nachdenklich auf Dich, wiv es Dich emivickeln und bei Dir ein Darlehen h«!iauskriegen könnte aus Nimnrerwiedersehen . ... Mit einem Wort, er ist nicht wert, der Tschapnik, daß wir von ihm so viel reden, ^ch bitte Dich noch einmal, Chaim; Dü weißt ja, wie teuer mir meine Beleie ist. Ich habe große Sorge, daß sie allein fährt. Ich wäre mitgefahren — aber kann ich das Geschäft .stehen und liegen lassen? Gerade jetzt ist bei mir Saison, und ich bin mitten im Bauen und mit Gottes Hilfe" werde ich, wie ich hoffe, kein schlechtes Jahr haben. Denn es sieht so aus, daß mit Gottes Hilfe Ws.huunaen. in. diesem Jahr, viel höher, fein, werden als im vorigen; meine Beleie muß das aber nicht wissen. Noch mehr, wenn Du Gelegenheit dazu hast, kannst Du ihr das Gegenteil sagen . . . was Du sagen sollst, braucht man Dich nicht erst lehren; .Du weiHt es ja. . . Sonst gibt.es hier nichts Neues. Unsere Zeitungen liest Du ja" dort auch und weißt wahrscheinlich, daß bei -uns nicht alles am besten steht. Von Deiner Esther' kann ich Dich grüßen. Ich' habe sie von weitem gesehen. Es scheint, dgß ihre -Z-eit bald da ist, h^ute oder morgen . . . Wenn e? "nun ein Junge ist, wie wird der Briß ohne Dich sein können? Sieh' um HimmelSwillen zu, mein Liebeb, daß Dü tust, um was ich Dich bitte, und schreibe mir bald Antwort. Bon mir, Deinem besten Freunde Schlojme Kurländer. IN. Beleie Kurland er auS Berlin an ihren Gatten Schloj«L Kurland er auf den Nalewki (Warschau). Meinem' teuren .Genrahl,, Herrn Schlojme, ehv» sürchligen Gruß! Ich habe Dir gestern versprochen, Dir den Bev» linr: „Lunapark" zu beschreiben, wenn ich dort gewese» bin. und tue" Dir das zuliebe, obwohl es beinahe unmöglich ist; denn wenn ich arlch die ganze Nacht beim Schreiben säße — könnte ich Dir auch nur de» zehnten Mil von dem beschreiben, was in Pem „Lunapark" zu sehen ist? Das ist ein richtiger Park! Stelle Dir einen großen Park aus lauter Feuer vor, ringsringsum Feuer, alle Häuser sind von oben bis tirfteti mit Feuer übergvssen. l^nd sofort, wie Du hineinkommst, trittst Du in ei»cn „Lachsaal". Das ist etn Saal, wo dich, wie Du nur eintrittst, sofort das Lerchen ankommt; und Du lachst so lange, bis Du beinahe vor ' Lachen platzt — denn wohin Dü Dich wendest und drehst, siehst Du Dein Gesicht ganz verrückt. Dan« zahlst Du und setzt Dich auf eine verrückte Bahn, di« in ihrex Verrücktheit über Berge und Wer geht. (Forlschwg folzth

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