Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 563 (16.8.1920)
- Date
- 1920-08-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dar Aktionskomitee der. Arbeiterpartei hat überdie Frage der Anerkennung der Regierung Mrangel sowie über die polnische Frage beraten und beschlossen, A d a m s o n behufs Einvernehmens mit der E. G. T. nach P a r i s zu entsenden. DaeiS, 14. August. (HavaS.) Die Presse betont den freundschaftlichen Charakter der Unterredungen PalSologneS mit Harrison, Derby, Bonin und L o n g ere: und glaubt, daß das Mißver st ä n dnis zw ischen Frankrei ch und England in zwei öder drei Tagen endgültig beigelegt sein werde. Doch cheten die Zeitungen hervor, daß die Lösung infolge der Tätigkeit des Aktionskomitees der britischen Arbeiterpartei verwickelt sei, das nicht bloß beschloffen habe, Delegierte nach Paris zu senden, um mit den Mitgliedern der C. G. T. das Einvernehmen zu pflege«, sondern sogar in den Blättem erkläre, daß ß die anSwärtige Politik Frankreich S zu beeinflussen sucht, dergegenüher eS eine unzulässige Sprache führe, wobei eS sich bis zur Drohung mit der Einstellung der Kohleulieferung verfinge. Die Londoner Berichterstatter der Pariser Blätter behaupten, dieses Komitee werdenvon K a m e n e w und Er a s s i n inspiriert, die auf diese Weise das Werk der ßtzialen Zersetzupg verfolgen, das ihr 'einziges wahres Msei.; .»Echo de Paris" sagt, dies gehe so weit, daß die tzolschewitlscheu Delegierten dem Aktionskomitee ihre ftftU» mitteilen, bevor sie sie an Lloyd George richten. . Die Blätter betonen, daß sie in keiner Weise beabsichtige«, sich in die innere Politik Engl a n d S e i nzu mischen. Die englische Arbeiterpartei, Schreibt das »Petit Journal", behandelt die Angelegenicüett, wie sie es verstehe, und die britische Regierung nimmt ihr gegenüber die Haltung ein, die sie für opportun S., Dagegen halten die Blätter es für unznläffig und dalös, daß das Akt io n S kom i t e e beabsichtige, nach Frankreich zu kommen, um dort Propag-a«dazu treiben, und sich anmaße, der ftanzösischen Regierung die Direktiven ihrer auswärtigen Politik vovznschreiben. »Figaro" hofft augepchtS derartiger Absichten, die von dem britischen Komitee entsendeten Delegierten würden nicht über Boulogne hinaus gelassen werden, wo man sie bitten werde, nach England zurückzukehren. Paris, 15. August. (HavaS.) Der »Matin" legt in einem längeren Artikel die Haltung Frankreichs gegenüber Rußland dar. Das Blatt gibt seiner Befriedigung darüber Ausdruck/ daß die meisten englischen Blätter von neuen; die Notwendigkeit der unbedingten Ä u s r e ch t e r h a l t u n g der Entente cordiale betonen, eine Notwendigkeit, die Frankreich ebenso lebhaft wie England sühle. Weder in Paris noch in London könne' man sich über eine A n einig lei t zwischen Frankreich und England freu eit, sondern nur in B e r l i n. Um das gegmwärtige Mißverständnis zu beseitigen, - dürfe man nicht fordern, daß die Entente cordiale. und die auswärtige Politik Frankreichs v o n der Wahlpolitik Lloyd Georges: abh ä n g e n. Die französische Regierung nehme natürlich weitestgehende Rücksicht auf die inneren Schwierigkeiten Englands und wünsche lebhaft, dazu beitragen zn können, 'um dieselben zu besiegen, nziewohl Derby in seiner Besprechung mit Paleologue natürlich dieses 'wichtigen Faktors keine Erwähnung getan habe. " Der versöhnliche Geist könne jedoch nicht so weit 'gehen, daß die vom Ministerpräsidenten Millerand in Wver Antwort auf die amerikanische Note ausgestellten .Grundsätze ab geändert werden» und es wäre 'Unmöglich, sich ohne Erregung vorzustellen, daß Lloyd /George sich vom Aktionskomitee der Arbeiter die Anerkennung der Sowjets habe auf« zwingen lassen. Frankreich beabsichtige, auf dem Hrden' der Grund sähe *u Wieweit, auf welchem Lloyd äftkom* idunt mit Rücksicht auf die Juteresskn Englands -ttck wobl mit ibm werde beaegnen müssen. Die Bolschewiken haben keine Grundsätze, denn obwohl Antimilitaristen, unterhalten sie eine beträchtliche Armee, und obwohl Verteidiger des Proletariats, legen sie diesem einen zehn- bis zwölfstundentag auf. Wenn ein solcher R e v olutionarismus Lloyd George verführe, so würde er dagegen auf das Vaterland der französischen Revolution keinerlei Reiz auSüben, denn er wolle auf. Europa den Druck einer kombinierten Drohung des Pans! aw i smns und des wiedererwachenden P an germ an ismus lasten lasten. Ebenso wie in England wünscht auch in Frankreich niemand den Krieg. Doch müsse die Haltung Lloyd Georges Lenin, Trotzli und Tschitscherin zur Ueberzeugung bringen, daß Frankreich bereit sei, nicht seinen Frieden, sondern ihren Frieden zu machen. DaS sei etwas, wozu-sich Millerand nicht entschließen könne und dürfe. Der „Matin" glaubt sicher zu sein, daß er der Meinung Millerands keine Gewalt antue, wenn er sage,' daß sie dahin gehe, daß.g a n z P o l e n f r e i und un vers ehrt bleiben solle und daß die Sowjets eine aiff normalem Wege gewählte und die wirkliche Vertretung des russischen Volkes darstellende g e s g e b e n d e Versammlung anerkennen sollen. Nachdem Lloyd George die erste Bedingung betreffs Polens nicht unterstützt, habe Frankreich durch Anerkennung der Regierung Wrangel dargeian, daß.es einen v y n de n B o l s che wiken di k Li er t e n Fried e n nicht ann eh m en würde. Andererseits habe Millerand, nachdem Kamenew in hinterlistiger Weise die Anerkennung der französischen Schuldsorderungen angeboten und versucht hatte, den anderen französischen Bedingungen auszuweichen, beschloß er, den französischen Vertretern jeden Verkehr mit dem gegenwärtig in London weilenden bolschewikischen Delegierten zu .unters a g e n. Dieser Schritt Millerands zeige deutlich, daß man die Zustimmung Frankreichs zu einem gegen die Unabhängigkeit der Völker gerichteten Unternehmen nicht erkaufen könne. Das die dritte Bedingung anbelangt, so geben die Blntvpser, die Frankreich für die Sache der Freiheit der Böller gebracht habe, ihm das Recht, sie ernstznnehmen. Das Blatt schließt: .So gibt es auf der einen Seite eine m i l i tär ische Revolution Trotz'kis und auf der anderen Seite Länder, die sich auf die Revolutionen von 1776 und 1789 berufen. Auf welche Seite wird Lloyd George England stellen? Der russisch-polnische Krieg. Warschau völlig eingeschloffen. Berlin, 15. August. Aus S o l d au wird berichtet: Die Umgruppierung der russischen Truppen um Warschau ist vollzogen. Warschau ist fast völlig eingeschlossen und es wird den Polen nichts anderes übrig bleiben als bedingungslos z u k a p i t u l i e r e n. Panih in Warschav. Der FaS der Stadt stündlich z» erwarte«. Berlin, 15. August. (Privat.) Unweit Sold au landete ein polnischer Flieger mit zwei Posener Offizieren, die von den Russen gefangengenommen wurden und sehr überrascht waren, den Korridor von den Russen schon besetzt zu finden; die beiden Offiziere kamen aus Warschau und, gaben an, die Stadt sei fast vollständig umzingelt, es herrsche große Panik, die s r a n z ö s i s ch e n O fs i z i e r e hätten Warschau fluchtartig verlassen und auch die Devölkerung flüchte und verstopfe mit ihren Wagen die polnischen Rückzugsstraßen. Alle 18- bis 59jährigen Bürger Warschaus sind behufs Teilnahme an der Verteidigung der Stadt eingezogen worden. Mit dem Falle Warschaus sei stündlich zu rechnen. Trotzkr leitet die Friedensverhandtungen. Königsberg» 16. August. (Tel.--Comv.)^ Trotzli ift in M : n f f tmgcivpff<n und wird dort dir am Montag mrt dcn Polen f»cpiimcuDen »vrledensverhandluuflnj iciun. Die Flucht aus Polen. Berlin, 15. August. (Privat.) ' ‘ ^' Der Verkehr nach der Linie Danzig ist "bereits e i n g e stell t, wegen der Unsicherheit auf der Strecke. Viele Flüchtlinge aus Polen versuchen über die deutsche Grenze zu kommen, was naturgemäß jetzt sehr erschwert wird. . .. Der russische Vormarsch. Allenftein, 15. August. Der Vormarsch der Russen dauert unentwegt an. Sie .haben L a u t e n b u r a, S t r a s b u r g und L ö b a u besetzt und rücken zurzeit gegen Grande n z ' und T h o r n vor, wo i'ie starken Widerstand erwarten. Weiter südlich stehen die Russen vor N o w o m i n s k und den Nordforts von M o d 11 n. Vorbereitung auf Warschaus Einttahme. Warscha«, 1b. August. (Wolst.) Frontbrricht: :Aüf,dcw N o r d a b s ch n i t t nehmen die Kämpfe mit dem vordrinsenden Feinde immer ernsteren Chärakter an. In der Gegend Vpn P l o n s k haben wir eine. Gegenaltion begonuen und dabei drei bolschewiksche Regimenter, auigerieben, 230 Gefangene gemacht und Maschinengewehre erbeutet. Das-weite Ulanenregiment hat in entschlossenem Angrisi, ü!ie, vordringende feindliche Abteilungen einen vollen Sieg'. davougetragen. " i Der bisherige Verlauf unserer Aktion ist z u f x i e d .e irstelle » d. Im Abschnitt östlich von Warf ch a h hat der Vormarsch der 3. und 16. S o w j e t a r m t e b e gVn n err, die den strengsten Beiehl erhalten.haben, .die Hauptstadt zu besetzen. Wir fahren mir der Um grupp i er u n g nnsxrei für , die Verteidigung, der /Hauptstadt bestimmten . Truppen fotp Dir Berührung mit dem'Femde ist gering. - I Eine offiziöse französische Stimme: Paris, 15. August. (Wolst.) Der „T craDS* schreibt tu einem offenbar inspirierten Artikel: Die 'französische Regierung hat die p o l » i s ch e Regi rru «g nicht aufg efordert, die Fr ied e n s b e d i n g u n g e n der Bolschewiken z u r ü ck z u tt> e i f e n, sie hat sich lediglich darauf beschränkt, de» sehr natürlichen Wunsch auszusprechcn, daß die Friedens« bedmgnngrn, dre man annehmen sollte, die politische Unabhängig« kert Polens und seine Integrität nicht berühren. Ebensowenig wie die englische habe die ftanzösische Reßiemng geplant, Truppen gegen die Rote Armee -u 's e n d e v. Militärrsch würde es gefährlich sein, ein Expeditionskorps zwischen. ein feindseliges Deutschland »nd Rußland zu schieben. Politisch wäre eZ ein Nonsens, denn die französische Politik beruhe darauf, dem Vertrag von Versa i 11 t § Achtung zu verschaffen, daS heißt, am Rhein Wacht zu hallen. Wenn Frankreich Polen zu beschützen hätte, müßte dies im Westen und nicht im Ostm geschehen. Amerikanische Hilfe für Pvlen? . Washington, 14. August (Reuter.) Der polnische Gesandte LubomirSki hatte mit dem Staatssekretär eine Unterredung bezüglich der Polen zu leistenden Hjlfe. Grenzwehren za« Schutze Ostpreußens. Köntssberg, IS. August. (Wolff.) Der Oderprasident erläßt einen Aufruf an die Bevölkerung Ostpreußens, worin er t«M Schutze der Heimat und rur Wahrung der Neutralität di, Bildung vv« Grenz- und O r t s w ehre n ge« nrhmigt. Alle Schichte» der Bevollemng solle« in diese, Wehren gleichmäßig verlreten sein. Demonstrationen gegen tzentsche Schiffe in England. Rotterdam, 14. August. Der .Nieuwe Roller« damfche Courant" meldet aus London: Gestern hat in R a m s g a t e eine aufgeregte Menschenmenge. v e rhindert, daß daS deutsche Schiff »Irene" mit Koks für D ä n e m a r k beladen werde. Eine Anzahl ehemaliger Soldaten hielt Ansprachen und verlangte, daß die d e u t s ch e n S ch i f f e h e n Hafen sofort verlassen. Die örtlichen Behörden versprachen, sich mit der Regierung zu verständigen. Vevorsteheude Insammenkunft Faisuls mit Llohd George.. London, 15. August. »Tunday Expreß" meldet aus Lugano, daß Emir F a i f u l, von Italien kommend. Ende der Woche dort erwartet wyrde.' Er werde später nach Luzern reijeu, um sich dort mit L l o y d S e o r g e zu beraten.