Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 562 (15.8.1920)
- Date
- 1920-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(Funkspruch.) ^PeLrL Parisien" meldet aus Warscha u, daß die große Schlacht um Warschau f« einem Abstand von etwa 4® Kilometer, und zwar im Norde», Nordosten und Osten, begonnen habe. Die Schlacht werde einige Tage dauern und möglicherweise entscheidend sein. k: Warf ch a«, 14. August. (Funkspruch.) (Nowo-Georgiewstz und Zegrze. Nerlin, 14. August. (Privat.) Nach soeben hier von be§'Ostfront eingetrofsenen Nachrichten ist die bolschetvikMe Armee.in der Vorstadt von Warschau, Pra g«, ein gedrungen, wo es zu heftigen Kämpfen tan\: Die Polen ziehen sich kämpfend zurück. Die MeMMrücke, die Prags mit Warschau verbindet, ist iu.iM. Der Fall der von drei Seiten umzingelten Festung I besiegelt. Von Warschau ist.eine Massenf^u.cht nach dem Westen im Gange. Angesichts der Üebeinracht der Roten Armee haben die Kampfe in Der Feind nähert sich von Norden Modlin Praga nur den Charakter einer Rück zu gs sch lacht, die an dem bevorstehenden Falle Warschaus und dem Einzuge der Bolschewiken nichts mehr ändern kann. Der Kommandant der 4. russischen Armee erklärte, die Bolschewiken würden den Korridor freigeben, wenn ihn nicht die Deutschen besetzen. Die Bol s ch e w i ke n seien zum.Fried e n g e n e ig t. Nach der Einnahme von Warschau werde man mit der Sowjetregftrung die sich in B i a l Y st o k gebildet Hai, F r t eben schließen. Oer Londoner Ärbetterkongretz gegen den Krieg. Für SswjeLrutzland. — Generalstrerk- / Lryhung. ' y N o t i e r d a m, 14. Mgust. In HEsiftrigsin Lr-LNGD resse 's..' London wurde unter anderem brschloffen, daß VW Aktionsausschuß bestehen Oltiven soll, biE vollständige Bürg s ch a f t e n gegeben seien, Hatz die e n g l i s ch e n Streit- K r a f t e nicht dazu verwendet würden, Polen, General Wrangel oder irgendwelche sonstige Unternehmungen zu Wasser oder zu Lande gegen SowZetrntzland zu unterstütze«. Weiters Verlangt die Entschließung die Zurückziehung der englischen S beste eit Kräfte, die an der Blockade Rußlands beteiligt find, A n e r k enn u n g der Sowietregienng und «ueingefchränkte A n f n a h m e d e r H a n d e l sveziehüugen zwischen Rußland und England. In der Entschließung heißt es ferner, die Konferenz ermachtig e den Aktionsaus schütz, nötigen falls den S11 ei k zu proklami er e n, um die oben dargelegte Politik dnrchzusetzen. Der Vorsitzende A d a m s o u erklärte unter Beifall, das britische Volk sei ernst im m i g gegen einen Krieg Und gegen jede bewaffnete Intervention in Angelegenheiten anderer Länder. Die polnische Abordnung Nach Minsk abgereist. W a r f ch a u, 14. August. (Funkspruch.). Die polnische F tied ens ab ordnung ist hsnto morgens unter Führung des MuterfttmtSfekrErs ° im. .MuswSrtige« Amte, D o m b S k i, nach Minsk abgereist^/ Paris, 14. August. (FunKspruch.) Mir poluisch-rusfischen Friedensverhandlungen. Haben «och nicht begönne n. Die Polnischen Anterhändler haben heute die Front überschritten, werden aber wahrscheinlich einige Tage bis zu ihrer Ankunft in Minsk brauche«. __ Anhaltung franzSsischer Truppentransporte in Oberfchlefie«. Ratibor, 14. August. (Wvlff.) Die Arbeiter der Naiiborer Häuptwerkstätte hielten heute früh einen Transport französisch er Trupp en an und setzten durch, daß der Zug auf ein totes Geleise gebracht wurde, wo er unter B e w ach ung der Arbeiterschaft steht. Nach einer weiteren Meldung wurden auch auf drei anderen Stationen Transp ortzüge angehalten. Die Arbeiterschaft verlange, daß wahrend des russisch-polnischen Krieges jegliche Truppenbewegung in Oberschlesien seitens der Alliierten unterbleibe, und werde diese Forderung mit allen Mitteln durchsetzen. Die französischen Sozialisten für Sowietrntzland. Pari», 14. Außust. (Havas.) Im Laase einer von der tzeeuijltew sozialistische« Partei veranstaltete» Versammlung zaben ( q'ch'i » und F ros s a r i eine Schilderung der Lage-Rußlands. Sie räumten ei», daß die Bolschewiken nicht sentimeutnl seien und daß, sie wüßte», daß der Kkassenkampf nur durch V erp t « tt $ ber eiut« der beide» Klaffen endigen werde. Sie gäbe« ferner zu, daß in rahlreiche« 'Gegenden Rußlands H,ygers- .not httrsche und daß die Proletarier dort 10 dis 12 Stunden täg"^ l . Äie Versammlung »ah« ei«e Tageßordnuxg rugnasten der A trr'rck e» « ung d d er S o w j e'l§ än. ‘\ General Weygand lehnt das Oberkommando ab. ßtz eyf, 14. August (Private) Ge»er»l Mep.gnnd hat tzas ih« angeSotene Amt «i«ds Oberkommandanten der polnischen Axmee «rt dev Begründung abgelehnr, es sei für ihn schwer, dis D e« a n twovtung füp-eina L.igs. zn übernehme«, die er uichil geschaffen. Habe. Solda« bo« den Rottruppen genommen. Allenstein, 14. August. (Wolff.) Sol bau ist gestern aberids v on den Aussen g eno mmen worden. Die Stadt hat nur wenig gelitten. Die polnischen Truppen stehen bei Uslau und KrLmersdorf. Polnischer Frontbericht. Pose», 14. August. (Fuukspruch.) FrovtSericht vom 13. August: DolschewiNsche Reiterabteilungen' gelangten - bis Serpez. Größere Jnfanierieobteilüngen griffen Nasjelsk .und Plans r <nt; öit Angriffe wurden ahgewiesen. Im 3«ttcuttt schreitet die Umgruppierung unserer zur 35ei* teidigung der Hauptstadt bestimmten Truppen planmäßig, ohne Fühlung rnit dein Feiirde, fort. Nordöstlich vpn Lublin besetzten unsere Nachhuten den Flnßlans der Tysmenica. Ein feüldlicher Angriff wurde abgewieserr, '8 Maschinengewehre und 100 Gefangene eingebracht. Im Abschnitt Cholm und Tyschowitz wurde der Feind empfindlich geschlagen und es wurden ihm Maschinrngetvehre und Gefangene abgenommen. Di« Rritecarmsr Bubftnrrys hat gestern, offenbar unter dem Eindruck unfereS starken Wiberftarrbes, nicht angchgrifft». Am S«r«th und an der Strypa ^örtliche Achüpfe.- Bei' HorodyZz gelaugürn Bcksschewikenkvlonneu aus nahe H>nseruung unter Geschntzftn.er, wobei sie ungeheure Be» lüste S7:ilwn. ' Das Wettbttd. -7- Wien, 15. August. Europa und ferne Nachbarschaft sieht heute, erN'Jahe nach Friedensschluß, so aus: Im Osten führt Rußland im Bündnis mit Litauen Krieg gegen Polen: im Norde» besteht/ ein diplomatischer Konflikt zwischen Schweden und Finnland wegen der Mandsinseln-, auf dem . Balkan sind dm. Türken von den Griechen verjagt worden, deren Truppen auf Gallipoli und vor Konstantinopel stehen, , Smyrna ° besetzt halten und gemeinsam mit englischen Kontingenten gegen Jsmid marschieren^ wo sich die türkischen Nationalisten verschanzt Habens In, Italien, das wegen Truppenmeutereien Mhamen.chat aufgebeft müssen, schießen sich Regierungssoldat.en.mit ' revolutionären Arbeitern herum, in Bulgarien .««#; Serbien herrschen Landarbeiterstreiks, in Ungarn gibt es neben den landesüblichen Judenmorden rioch"Grenz-' schießermen mit Jugoflawien und Rumänien, wobei der nicht beschäftigte Teil der magyarischen Wehrmächt en der steirischen Grenze seine Ausrüstung. auf dem.Wege der Expnöpriation vervollständigt; in Fiume stehen noch immer dße Arditti d'Annunzios, in Triest und entlang der gesanften istrianischen und dalmatinischen Küste ist. ein stiller südslawisch-ttalienischer Krieg im Gänge^ ander Grenze des westdeutschen Okkupationsgebietes stehen starke französische Abteilungen in Marschbereitschaft^ zwischen Frankreich und England ist wegen der "Anerkennung! >des'in der Krim gegen die Bolschewiken , kämpfendeft Generals Wrangel ein Streit entständen, der einsWeilen lmoch in fteundschaftlichen Formensge«- fuhrt wird. In Deutschland dauern die sozialen 'Krffer? fort, wobei die reattionären OPanisationeN stdaran^ arbeiten, rjie nach dem Gebot von Spa zur EnÄassun^ .gelangten stkeichswehrbestände von neuem zu samrNelrr und' zu bewafftien. In Oesterreich streikt bald die, bald 'jene' Kategorie der Siaatsangestellten, was auch für' Spanien zutrifst. (Bvn Portugal weiß man nichts.) Jn Entzländmachen die: Sinnfeiner, die für die Unabhängigkest- Jrlands kämpfen, der Regierung und der Armesdas' Leben schwer.^ - 5 ' ' Das ist Europa. In Vorderasien kämpfen Franzosen gegen Panäraber, Kurden gegen Armenier; m Nord^. Persien sind boflchewikische Truppen einmarschiert,'' in dergeorgischen Republik hat die neue Regierung die bölsche- ' wikischen Agitatoren eingesperrt, di« Republik Aserbeidschan, die neu entstanden ist, holzt sich ntit einigen- Bergstämmen herum, am Tigris verteidigen ^englische' Truppen dvs Oelinteresi^n der heimischen Kapitalisten und zugleich den Weg nach Indien, der durch Beduinenftämme (in wessen Dienst wohl?) gefährdet wird; ob ' Indien ruhi^! ist, kann bezweifelt werden; ' an - den afghanischen stzimalayapässen dauern die GrenzkäWfe fort, in China hat wieder irgendeine Revolution deS Südens gegen den Norden gesiegt, im japanischen Parlament lißird wegen der Aufdeckung schwerer- -Äese« rungSskandahe gerauft. Aus Südamerika -'kommen' ' Meldungen über große Streiks in Argentinien. In Guatemala, dessen Präsident jüngst verrückt wurde- und" die eigene Hauptstadt bombardieren lasten wollte' (da die Artillerie in den Protzkasten statt Pulver nur-'Sand' und Seife, b^saß, so geschah weiter kein UnglüO; in Brasilien . herrschen VerfassungSkämpse. Aus - Asrik« nichts Neues, bloß in Alpten dauert die Gärung fort und in Tripolis haben die italienischen Gamsone»! noch immer nicht die Küstenorte verlosten könnend' ".. Man muh weil m der Geschichte zurückgreifen, uw .. einen ähnlichen Zustand allgemsrner Unruhe zu 'finden' War es aber rn «Mögen Zeiten, etwa in -dvr Period^ des römischen Zusammenbruches, möglich, die BewetzirNß langsam abllingen zu lassen, so ist dies - heute taüftnbfä'q . schwerer, dank der technischen Vollendung der Waffen und' dank der modernen Nachrichtenübermittlung) di4 de» Zündstoff mit zauberhafter Geschwindigkeit Üm - de« Erdball trägt.! Das alte Wirtschaftssystem Europas -ist durch den Krieg in seinen Grundfesten getroffen worden und wankt vor dem - wuchtigen Ansturm der in neubr Form, und neuem Elan vordnngenden Idee der Gleich« heit der. Menschen. Die Staaten, die nach ihr.em. Me« über. die . ihne»'a» kriegerischer Kraft überlegene», an Organisation und innerer Eeschl-ssenheit - aber . untM legenen Zentralmächte die .Keu»rdnu»U der uemwe* habe», sind uneins und ihre Wege scheinen H trennen zu wolle». Sie sind an da- Werk des Fniebonr nicht mit gutem Willen herangetreterl; ihre Tätjgksit war entweder von oder von Gleichgültigkeit begleftet Ms