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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-12 · Heft 559 (12.8.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 559 (12.8.1920)
Date
1920-08-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V Giiy«t1o?<«ftiavr .K ^VrLnu«erattouvpreije; ■Sic«: Aum Abiioln» nt »er ■" ‘ Wob, L Bezirk, Tabor» 1 biö 3» »der in etuer schleißsteSe (Trafik): Mkonatlich . . Kronen »a.— Vierteljährlich „ 90.— Mit Poftversa«» für Wien and Oesterreich: Monatlich .. Kronen 80.— Nchrchs-Sloivaket: Monatlich .. Kronen 18 — vierteljährlich „ »S.- tatschecho.slowakischerWSHrmti Ungarn: Monatnch .. Krone« »9.— viertkliährltch 90.— in ungarischer Währung. ' Jugoslawien: Wonätltch Dm« vtertoljährllch „ 18.— Nr. 559 ' t renrr Wien, Donnerstag, den 12. August 1929 Gtuiel-»e«pk»vr Vrris IL L.»« Pranumcratiouoprrisv Prlrnr I Monatlich. . Mark »•*- vierteltährlich „ 90» in polnischer Sithnutz DmrttMiwV MonatlichV! . Mark 1< Monatlt ans- Italien: Monatlich ... .Sire Monatlich ^^^rane» »M Für das übriae Ausland i! vierteljährlich Krouru Redaktion«. Ndminlftratiore Wten,S.Brz.,Tadorstr.L—Oi Lelepyon« 'Administration 44938, Sledaktto« 48319, ab v Uhr avrudS Nr.LOLOL Vostsparkasteuionro (50,098 2. Jahrgang Der"'" . 'durchSowjet russland abgelebnt Die Entente beschließt Zwangsmatzttahtnen. Paris, 10. August. (Funkspruch.) Da die Sotojetregierüng tzen Abschluß eines sofort in Kraft tretenden z e h «tägig e n Waffenft i l l st ä n d e s b e r w e i g e r t hat, haben die Verbündeten Zwangsmaßnahmen hefch lassen. L o n d o n, 10. August. (Funkspruch.) Bei der Besprechung Lloyd G e o r g e s mit K a m e n e w und K r aff i n wurden die Bedingungen festgestellt, unter welchen ein zehntägiger Waffenstillstand eintreten könnte. St a m enew v e r l a n g t e G a r a n t i e n . Lloyd George stimmte zu, daß die Ausführung der polnischen WaffenstillstandsbedingUNgey durch russische Offiziere hinter der polnischen Front überwacht werden könne, verlangt jedoch, daß die Russen i n d e n Stellungen bleiben, die sie beim W a ff e n ft i n ft a n d ei« n e h rn s n, und ferner keinerlei Maßnahmen treffen, die ihre Militärische Lage verbessern Könnte. Kamenew teilte die Vorschläge Lloyd Georges feiner ReWMW Mt, ..die am Sünntag diese Bediuguugen. e ü d g it t t r g .ab fe h n t e, mit ' London, 11. August. (Funkspruch.) Lloyd Ge or g-i hat gestern im Unterhaus die angckündigte Erklärung über die polnische Krise abgegeben.^ Er teilte eingangs mit, daß die Regierung noch immer hoffe, tz e n 5kr i eg z u v e rmeid e n. Für ihre Politik brauche sie jedoch die Billigung des Hauses. 't\.. Bei den Friedenstiedingungen sei Sowjetrußlanü berechtigt, daran zu denken, daß Polen den Krieg durch einen Angriff aus Rußland begonnen habe, und zh»ar'trotz der Warnung der Verbündeten. Die Sowjetregiernng wäre daher b e r e ch t i g t, jene Garantien zu Wlangen, die irgendeine Macht verlangen könnt»', um ähnlicheu Angriffe» zu entgehen. Jedoch wäre keine Maßnahmegerechtfertigt, die als eine Art Besirafung so weit ginge, daß Polen in seinem nätwnalen . Dasein ausgelöscht cherde. Die einzige Politik der Verbündeten sei, einen Frieden zu sichern, der die Unabhängigkeit des ethnographischen Polen sichere. Die Verbündeten hätten bei Sowsetruß» land angeregt, ab Montag den 9. d. M. Mitternacht einen Waffenstillstand eintreten zu lassen. Dies sei mit Rücksicht auf die Zusammenenkunft in Minsk nicht angenommen worden. In der Zusammenkunft von Lhinpne wurde beschlossen, Polen mitzuteilen, über den Waffenstillstand zu verhandeln und Frieden zu schließen, solange die Unabhängigkeit des ethnographischen Polen nicht berührt werde. Die Sowjctregierung wurde hievon gleichfalls verständigt. Ferner wnrde in Lympne beschlossen, wenn Polen die Bedingungen aunehme, mitguhelfen, um die Vereinbarungen möglichst bald in Wirklichkeit uinznsetzen. Wenn jedoch die Bolschewiken äüs Bedingungen bestehen, die mit. der Unabhängigkeit putz tzem Dasein Polens als freie Nation völlig unver-! einbar seien und Polen für seine Unabhängigkeit weiter kämpfet» wolle, entstehe eine schwierige Lage. Die Verbündeten können dem Schicksal Polens g-gen sttzer nicht gleichgültig bleiben. Wenn ein großes, angrissslustiges SowjetrMgud an Deutschland grenzen wütde, wäre dies eine Gefa hr f ür d en e u r o v a i° scheu Frieden. Polen werde in seinem Kampf um Dasein und Unabhängigkeit unterstützt werden. Antzere Maßnahmen würden nicht, getroffen werden. Polen würde nur dann unterstützt werden, wenn cK selbst kämpfe. | der Begründung, daß die u n m i tielb atcti I Verhandlungen mit,Po Jett in Minsk * der SowjeLregierrrng zweKdienlicher erscheinen. Daraufhin Habs« die britische Und die französisch r Regierung den m i l i t a r i s ch e u SachverstänÄrgen die erforderlichen Weisungen erteilt. Lo nd o n, 10. August. (Funkspruch ) „Daily Chroniele" meldet, daß die britische nnd die französische Regierung uberringekommen find, im Falle des S ch e r t e r u s d e r M ins k e r Konferenz Rußlayd durch die englische Flotte unter Mitwirkung^ französischer Torpedoboote zu b Lo chieren. Schweden, Norwegen und DänemarL werden ans ge fordert werden, weder Waren noch Munition noch Rohstoffe nach Rußland zu senden nnd im Kampf gegen die bolschewikische Gefahr zu helfen. Gegebenenfalls werden die Verbündeten die Mitwirkung Deutschlands ansprechen, um Rußland zu Lande zu isolieren. Aeberdies wird eine Defensivf r ö u t e e n E o w j e t r u tz l a u d er- -richtetMSodeM-'-M'.7 -U' Lloyd George appellierte dann an die britische Arbeiterpartei und ersuchte sie, mit der unorgünisierten und ungeübten Arbeit der Staatsmänner in Polen nicht zu scharf ins Zeug zu gehen. Polen müsie den Ratschlägen der Völker folgen, die vier Jahre Krieg hinter sich haben nnd ihre Zähigkeit und Ausdauer bewiesen haben. % Keine verbündeten Truppen werden nach Polen gesendet werden. Wenn die polnischen Hilfsmittel organisiert und gut geleitet werden, sei jede Truppensendung unnötig. Dies werde natürlich nur unter der Bedingung geschehen, daß die Minsker Konferenz scheitere. Als nächste Handlung werde der w i r t s ch a f t l i ch e D r u ck auf Sowjetrußland ausgeübt werden, entweder durch Seeunternehmung oder durch eine internationale Aktion. * Lloyd George wies schließlich den Borwurf zurück, daß England in einer reaktionären Verschwörung sei, um die demokratische Regierung der Bauern und Arbeiter zu vernichten. Der Bruch mit der revolutionären russischen Negierung sei nicht wegen dieser Regierung erfolgt, sondern deshalb, weil die russische Regierung den Krieg nicht bis zu Ende an der Seite der Verbündeten mitgckämpft habe. Wenn Rußland mit England Frieden wüiksche, könne es ihn haben, der Vorschlag zur Londoner Konserrnz hatte den Frieden tut Sinne. Während der Rede waren Kamenew und Krassin ans der Galerie anwesend. Wenn die Verhandlungen scheitern ... Verlassen des Landes anfgeforöert werden. Eine. Entsendung von Truppen der Verbündeten ist gegenwärtig nicht beabsichtigt. . Paris, 11. August. (Funkspruch.) In Polen entwickelt sich der Vormarsch der Roten Armee zur E i nschließung Warschaus. Löenn die Verhandlungen von Minsk nicht rasch zu einem Waffenft'.llstand führest, erscheint eine Schlacht vor Warsschau als nnausnnüchlich. ' Die Peitsche. —V. Wien. 12. August. Nach einer gestern verlautbarten Mitteilung hat die österreichische Sektion der Reparationskommission die Verpflichtungen besprochen, die sich ssir Oesterreich aus den Bestimmungen 6 und 7 des Anhanges 4 zum achten Teil des Vertrages von Saint-Germain ergeben. Diese zwei Paragraphen besagen: § 1. Ms sofortige Abschlagslieferung sagt Oesterxeich ZU, binnen drei Monaten nach Inkrafttreten -des gegenwärtigen Vertrages die nachstehenden Mengen an lebenden Tieren / zu liefern, und zwar monatlich ein Drittel von üeder Art: ' An die ihalienifche. Regierung: 4000 Milchkühe von drei bis fünf Jahren, 1000 Jungkühe, 507 Stiere von 18 Monaten bis zu. drei Jahren, 1000 Kälter, 1000 Zugochsen, 2000 Mutterschweine. ’ An die serbifch--kr'öalisch-slowenische - . Regierung: -1000 Milchkühe von drei bis fünf Jahren. 500 Jungkühe, 25 Stiere von achtzehn Monaten bis zu. drei Jahren, 1000 Kälber, 500 Zugochsen, .1000 Zug. Pferde, 1000 Schafe. An - die- .rum'nN.ifche Reäfetung: 1000 Milche kühe von drei- bis fünf Jahren, 500 Jungkühe, 25 Stiere . von achtzehn Monaten bis zu drei Jahren, 1000 Kälber 600 Zugochsen, 1000 Zugpferde, 1000 Schafe. '' - 8 7. Als' sofortigen V o rschnß und A b sch l a g Slieferung verpflichtet sich Oesterreich, innerhalb der sechs dem Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages folgenden Monate, mrd zwar monatlich zu einem Sechstel, jene Mengen von Möbeln aus hartem und weichem Holz, die in Oesterreich zum Verkauf be« stimrnt sind, zu liefern, welche die verbündeten und ‘ assoziierten Mächte Mörtat für Monat durch den Wieder» , gutniachungsäusschüß -ansprechen wcrden.uiid welche-dieser Ausschuß einerseits durch die int.Laufe des Krieges auf dem Gebietder: genannten Mächte erfolgten Wegführungen Z und ^Zerstörungen als^ gerechtferstgt untz andererseits als . i ..im Verhältnis zu den iÜ/Oeste'rreich/verfügbaren-Mengen - Preis Mtikelwird Oesterreich gutgeschrieben .werden. "" Wozn/rust^ die. Nepgrationskonimission . der. österreichischen Bevölkerung diese Verpflichtungen iys Gedächtnis? Es ist doch klar, daß die Republik, deren Mittel bis an die äußerste Grenze erschöpft sind und deren Ausplünderung sich schon der Ausblutung nähert, weder. lebende Tiere noch Möbel abgeben kann. Diese Verhält» nisse sind . der Reparationskommifsson so gut bekannt üvie jeder anderen aus dem Ausland hieher entsendeten Delegation, die ununterbrochen.mit Hilfegesuchen des Staates und des Volkes zu tun hat. In Amerika, in Italien und in^ England haben sich mit Zustimmung der Regierungen private Gesellschaften gebildet, wÄche den Kindern und Kranken der österreichischen Städte Milch bescheren wollen, da . ihnen aus einer Unzahl offizieller Berichte und aus Briefen die Notlage Oesterreichs bewußt geworden ist. Man weiß aber andererseits/ wie die Besprechungen des Friedensvertrages in den Kammern von London, Paris und Rom dargetan haben, daß wichtige wirtschaftliche Bestimmungen des Vertrages von Saint-Germain undurchftihrbar sind. Die, Aufrührung des Widerspruches zwischen dieser Unmöglichkeit und . den einzelnen Verpflichtungen kann im gegenwärtigen Augenblick nur auf die Erzielung einer Amoralischen Wirkung berechnet sein. Oesterreich soll! daran erinnert werderi,, daß^es in den engen Fesseln de^ Friedensinstrumentes liegt und auf das Wohlwollen det 'Alliierten noch für sehr lange Zeit angewiesen bleibt. Man wird nicht fehlgehen, wenn man diese unsanfte Mahnung der Reparationskönimission, die in den großen; wie in den kleinen Angelegenheiten direkt vom Obersten Rat instruiert wird, auf die Nervosität zurückfiihrt, mit welcher die Pariser Kreise die Verhandlungen betrachten, die gegenwärtig zwischen den Kabmetteu von Prag. Wien und Belgrad int Hinblick auf die Gestaltung der Ostfragen in voller Entwicklung sind. Man inuß jeden -Schritt begrüßen, der zwischen diesen drei Sukzessions» ftaatcit zur Erzielung eines freundnachbarlichen Verhältnisses geschieht. Alle sind in gleicher Weise bedroht, wenn die Pariser Boulevardpresse mit ihrer Forderung dnrchdringt. die Abhängigkeit Jugoslawiens und der Tschecho-Slowakei und die Ohnmacht Oesterreichs zu« Versammlung starker Truppenmassen zu benützen und' Mitteleuropa zum Schlachtfeld zu machen, auf dem die militärische Entscheidung zwischen den Alliierten mttf den Leninschen Armeen zu suchen wäre.- Diese Gefahr ist zu groß, als daß die ihrer Verantwortung benmtzte« Regierungen Mitteleuropas nicht die Notwendigkeit' fühlen müßten, ein Einvernehmen zu suchen. Es bandelt .sich ja heute um weit mehr als um die Sicherheit dev oder jener Staatsform, es gebt um die Existenz selbst und däiaus erklärt sich die enennsche und nnzwei- 11 m Parts, 11. Au au st. (Funkspruch.) Mnn die FriedLuSbedingungen Rußlands für Polen unannehmbar sind, wird di? rnss'sche Sonderunss'ou in London zum 47315511

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