Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 558 (11.8.1920)
- Date
- 1920-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Minsk 5× ep/1000754
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JBitSftfiettiitplac: K L.»C IhiSMnnliouinirijii c«: Zu« Mihsle« h» »et lvitton» 2. Bezirk, Tak>-> » 1 hiß 3, or>er h* einer chlätzftelle lLraftk): Monatlich . . Krone» 30.— Vierteljährlich „ 00.— Dltt Psstversand ftzr ölen ««> Oesterreich: ' Wochltttch .. Mronrn 30.- V ^ichecho-Slowakei: Momttlich V ..fteoitenis.—■ ■ Wstertelsünrlich ... 30,- Wtschecho-llowakischrr Währuag . Üngarn: '• Mönatltch .. Krone» 3.O.- ptechtljährlich „ 00.— T-Hm «»rarischer WÄnmg. >. Üogoflawirn: MdnaMch.;<• Dm« 0.— Vierteljährlich ...» ■’ 18.— C-i:nelercm^l«n Ureis K L Präsumerattonspreiser Pole« Monatlich .. Mart 30^. vierteljährlich „ 00.— i» polnischer WLHnmg Dmtschl«0: Monatlich... Mark 10— Oranikreich: . , Monatlich. , , Frone- **-• Italien: ■ Monatlich .... Lire 5.— Schweiz: Monatlich. ... . Franc- 0— Für dar ü-riae Ausland: vierteljährlich Kronen 135— Redaktion «.Administration Wten,S. Bez.,Laborstr.l—3 relephoner Administration 44038. Redaktion 433I0, «h 0 Uhr aveavs Str. 10301 vostfporkassenkonto 1S8.6SS 9t«. 558 Wien, Mittwoch, den 11. August 1920 2 Jahrgang ' Don Brest-Litowsk nach Minsk. ' . —7^ W i en, 11. August.' -;t , Die Vertreter Polens, die zur Einleitung von Ver- Vömdlüngen mit der <potvjetregierüng bevollmächtigt Md, weilen bereits in Minsk. . Ihre Instruktion^ gestatten 'ihnen den Abschluß eines WasfenstillstandspchLommens, bas als Grundlage für Friedenspiälinn- Gavien zu dienen hätte, untersagen.ihnen jedoMjedc ^olstische Konversation. Sie haben sich lediglich dMnf zu ' beschränken, eine Einmengung Rußlands in'dis Wnsrrs Politik Polens zurückzuweifem Die Auseinander' Mung. hat bereits begonnen, doch' dauert' inzwischen^ der Vormarsch der Roten Armee uneingeschränkt am. 7Die Kowjetregierung hat ihre Haltung geändert uud^ die Peundliche Miene, die sie noch in der. Vorwoche' Dnghrnd gezeigt batte, wieder abgelegt. Das durfte Mer weniger , durch allgemeinpolitische Gesichtspunkte'', beengt sein, als' vielmehr durch die in den letzten Stunden emgetretene 'strategische Wendung.: Die' polnische Armee buchstäblich ihren letzten Kampf. 'Der Nord- Wigel steht beiChorceb den russischen Neitermmsen gegenüber, die die Srnnpsregion' überwunden undihre ganze iStoßkraft wieder erlangt haben. Die militärische Situation Polens istverzweifelt und' die 'Entente' kann Penig mehr tun, als nur Sinne der Milderung allzu yaWr Friedensbedingungen wirken.' Sie hat das Spiel verlören und das schon in dem -Augenblick, als sie'derichMt.chatte, sie könne, eine Idee von solcher Schwung.. MH),Wit/den . herkömrNlicheu, europäischer^ MgierünWkünst.MüirWWH'pmd^HN^Äewglt;/che?^ MDWr. . Sie^ hat damit MstWnd geeinigt uub^ bem - BölWwiZmus eine bis nn/dw./letztp^Hütte_ wirkende Parole gegeben, steht aber selbst-- pWisch ohne - jeden Krumpf da, weil sie ihre letzte Karte, Polen, aüsgespW hat. ' H Rußland verfolgt immer deutlicher, sein Ziel, Polen poy der Entente abzuschneiden,' die Einnahme.--,von -Mprschän zu . forcieren und die Reste der polnischen Wmee auf die Linie Kalifch—Krakmi zu presien und sie zwischen Deutschland und der'. Tschecho-Slowakei einzußemmKn. Die großen Wortes mit denen der Vizekanzler 'DaVzpnski von einem Festhalten an Warschau gesprochen M bedeuten gar nichts gegenüber der rauhen und sinn- Migen Symbolik der roten Reiter, - die als-sichtbare Träger der bolschewikischen Propaganda durch Polen stWen und die Zermürbung von Volk und Armee unaftfhaltsam betreiben. Herr Daszynski, der mit so vielen Mner Gesinnungsfreunde die. Ehre teilt, den Sozialis- Aüs verraten zu haben, appelliert heute an die Sölidari- Mt der europäischen Kultur, die er vor den Gefahren Warnt, die eine. Zertrümmerung * Polens durch den Bol- M^wismus für Europa im Gefolge hätte. Es-ist unzweifelhaft richtig, daß die Vernichtung der polnischen Unabhängigkeit eine tiefe, brennende Wunde am siechen HHrver Europas erzeugen muß. Aber diese Wahrheit .pttt;'; wenn sie hon"; dem politischen Eiertänzer Wszynski ausgesprochen wird,, einen bitteren Beige- Mnack. Lenin und Trotzki haben aus ihrer Feindschaft gegemPen Krieg nie 'ein Hehl, gemacht. .Sie haben Derenski gestürzt, weil er im Herbst des- Jahres 1917 Hne Nationalisierung des Sozialismus durchführen und MS aus tausend. Wunden blutende, russische Volk nochsqlalsvor dem Wagen des französischem Imperialismus Spannen wollte. «Sie sind erst aus ihrer fanatischen Wiedensbegeisterung dazu gekommen, die Diktatur des 'Wnmunistischen Proletariats zu verkünden, weil sich!Men .die ganze übrige russische Gesellschaft auf die Linie .deS -fortzuführenden Krieges .gestellthatte. .Deshalb ex. Wrten sie als ersten programmatischen Grundsatz, daß -Krieg ein Raubzug: des kapitalistischen,. länder- Wrigen Imperialismus sei und; daß die Völker nicht 'Wehr ' als Schlachtopfer verführt werhen dürfen. -Hqszynski aber hat den Krieg, hn.iner nur dann verflucht, Hvenn er an das Deutschland des Kaisers Wilhelrp -dächte.!^r?hat im österreichischen Abgeordnetenhaus bei jeder Wlygetzhxit zum Kriege gegen den „tönernen russischen Whoß^ . gehetzt und der /„patriotische" Tenor, seiner Weden fand stets die. Lnthusiasfische Zustimmung' der Afterreichischen Generalität,- die an politischer Naivität höchstens ypch Herrn DaHMM., übertraf, der ihr autzerhsszn durch ftzin. warmes Bekenntnis zum Antisemitismus sympathisch wurde, Als das-Verbrechen vonÄrest« «Ätpwsk verübt wurde, schwieg Herr Daszynski, und er \ioi. erst wieder Pie Zprsche MMdeN/ M ,MM D ptzK. r-- .; . ■ .. .- •.: . Uerbandltinaeit und “ ' . Vegirrn der Verhandlungen in Minsk. Berlin, 10. August. sP'rivat.) „Chicago Tribüne* werden dort die Waffenstillstands- und Friedens« bedingungen besprechen. Sie sind ermächtigt, jeden 35 eschluß hinsichtlich bec; E i nst e ll u n g der F e i n di e l i g k e i t e n zu fassen, jedoch haben sie den Auftrag, jede Eimnischung Rußlands in die inneren Angelegenheiten Polens . abzÄhnen. Die Roten T r u p pen besindcn sich inzwischen weiter auf dem V o r m a r s ch. l! ./', . Aebereinftimmmlg bei dtzu VerhiMd^uZen von ■ ' Hythe. ' ';;■■ j Paris st August. j'H'avaS.) Der 'ber-ichtet! r'löer die Verhandlungen yon H y th^ Ppff chiL zum - .Schutze"Polens zu tr5fffnd'ü.'Mastnr'hmeü-AffsrnMends j Gegenstand einer gründlichen Prüs-rug 'du-üh d'te Mar- - schälte - Wilson und 'Foch/'-ünd'.' -'Admiral -Peatth'-' 'waren. Es wurde eine vollständige Uebereinst/Mmung'Unter den Militär-- und M'arinesachverständ generzielt.- Der -von' .ihnen'-ausgearösrtete'Plan würde heute morgens der Konsevenz -unieoüreitet. Ultest was mau'über diesen Plan weiß, ist, , daß. der englischen Mpxiue/eine be Früsikresch'beteiligen werd'L Kein miliLarisches Eingreifen -'deVÄ-MtUerte«. ■] Amsterdam, 10 August. Der ..Ttzlegraaf" erfährt aus Hythe von gut üntevr-ichtetsp^S-siks.'/es.. bestehe Grund ^ur Nu-ahnre. haß die Alüiertvn ^-beschlossen hätten, Polen durch technische Natgebrr dsirchD-niuo/ssendungeu und möglicherweise durch' einW Maßnahmen zur See. zu unterstützen, nicht aber durch M Entsendung von Truppen. ';".r Die Konkrenz zwischen den polnischen-und - ,ruffischeu Vertretern wird Mittwoch in -Miichk stattsindsn; Kamenew . unp Kräfsin werden in L-ondyn bleiben, um die englische Negierung über bre Besprechungen in Minsk auf dem Laufenden zu halten. - - ' Der Korridor nach Da«zrg abgesperrt. Berlin, ly. August. Bon dcr ssiprrußischcn> Grenze wird gemeldet: In einem scharfen Vormarsch, Jt# selbst in den sniheren deutschen Skellungen im Sumpfgelände von Mlawa inzwischen frei gewordenen Polen den neuen Krieg gegen Zpißland vorbereitete. Da war er auf einmal wieder der Vorkämpfer.der Konzentrationsidee .und her „Vereinigung aller Kräfte , der Nation zum Schutze des . bedrohten Vaterlandes". Alle Register der patriotischen Orgel, ließ der in der Knnst der Nhetorik so wohlbewanderte Sozialdemokrat spielen, um den von der Pariser Haute finance inszenierten Krieg den polnischen Massen populär zu machen. Nun bricht Polen zusammen und die Tragik, seines Schicksals ist so groß wie Daszynskis Schuld. Nichtsdestoweniger bleibt es wahr, daß die Unabhängigkeit Polens als nationale Individualität geschützt werden muß. Dieses Ziel ist allerdings nicht mit Krieg, sondern nur auf dein Wege geduldiger und mühevoller Verhandlungen, zu erreichen. Die Alliierten haben in der Behandlung der Ostfragen-schon-so .viele Fehler begangen, daß die, Unruhe verständlich ist, mit der die verantwortlichen Politiker Mitteleuropas dem weiteren. Laufe der Dinge entgegensehen.. Wenn die Kühle, die. England in dieser Frage zeigt, dem französischen Temperament weichen muß und die Neutralität Deutschlands, Oesterreichs und der Tschecho-Slowakei durch den Aufinarsch neuer großer Truppenmassen gebrochen wird, dann wird Mitteleuropa in einen Wirbel von Ereignisten hineingerisseü, deren Ende unabsehbar ist. Man kann nur wünschen, daß bei den Verhandlungen in Minsk die Vertreter des siegreichen Rußland die Folgen einer Ueberspannung des Bogens, sikh vor Augen halten. Minsk darf kein neues Brest-Litowsk werden. keinen Wlderstnnb fand, hat die russische Kavallerie heute Mlawa und-C i e ch.a n o w i e e besetzt und d a m 11 die direkte Verbindung von Warschau nach Danzig du r ch s ch n i t t e n. -Die von Cicchanowiee nach Süden gerichtete russische schnelle BorwärlSbewegung verlegt nunmehr den im Raume von Osirolenka bis an den Bug stehenden Gruppe« den R ü ck z v g n a ch W a r s ch a u. Entscheidende Stellu«gskampfe. ' Berlin, 10. August. (Privat.) Die bolscheivikifchc Front, ist bei C h o r c e b in nächste. Nähe der polnischen Limen gekommen. Den sich entwickelnden Stellungskämpfen mißt man entscheidende Bedeutung bei. Man glaubt, daß die äußerlich durch die ' starke p o Ii t i s ch e Propaganda in b o lsch ew i k i s che m S i n n e z er m ü r b t e n polnische n E T r u p p e n längeren Angriffen, nicht' standhalten werden. ' . ' . ' Die Polen, welche den Soldauer Kreis als Ganzes ausgeben wollen, werden mit allen verfügbaren Kräften die Eisenbahnlinie Danzig—Thorn' zu schützen versuchen. Kritische Lage Warschaus. ß Berlin, 10. August. (Koxr. HerM.) NgchriWn aus palinicher Quellt lousiarikren, zwar weitere Erfolge im Raume. voniBrodh'-uM'dir- Znrückdrätt-gung^b Femde.s üü/NLdziwillow,. ivöbü- L BäNeriea Eeirtek wurde«, gebe«- "«ßdr-'r^H^e'P-.-m»-- g p v i e bfr FemdZm weW^her^ Richtttvg dmehgehroche« ,1'ei. Zweifellvs istdie Situation für- Warschau kritisch, zumal die Berhandlungrn über einen Vgrfrieden erst morgen in Minsk beginnen. Nur für dm Fall. alD die Verhandlnngcn einen raschen und glaiten Verlauf nehmen, wäre Warschau vor einer feindlichen Invasion bewahrt- - Die Konferenz der rnsfischen Randstaate«. Wien, 10. August. (Ukr. Pressedienst.) Z« der morgen in Riga beginnenden Konferenz der Randstaaten - sind fünf u k r a i n i s 'ch e Delegierte unter Führung deS Ministers S 'a l i k » w S k h. vier l e t t i s ch e Delegierte unter Fühlung des Mintsterpräsidenten Ulm an iS und vier f innländisch« Delegierte unter Führung deS Mimsters Astremom eingetroffen. Die Delegierten Polens LitäuenS. und E st l a n d S werden morgen erwartet. Die Dauer'der Kvnlerenz ist auf fünf Wochen veranschlagt. ES solle» zunächst die zwischen den einzelnen Randstaäten schwebenden Angelegenheiten besprochen und hierauf daS Verhältnis der Rand« staatrn zu Rußland behandelt werden. ESlEmXSBP Das Judentum als Pfadfinderfür die wirtschaftliche Entwirrung. Eine Anregung von Otto Lang. Der hier folgende Artikel lest^t eine ' Serie von Aufsätzen ein, in welchen der Autor dem Judentum bei dev Lösung der gegenwärtigen Weltkrisen eine führeilde Stelle - zuweisen will. Wir wissen, daß jede Idee, wenn sie von Juhen ausgeht oder mit dem Judentum in Verbindung gebracht wird, in den Augen der antisemitisch verpesteten- Welt an Wert einbüßt. Trotz dieses. Vorbehaltes erscheint uns die Anregrmg deS Herr» Lang - als interessant genug (obzwar wir'mft ihr nicht übereinstimmen könuen), mm'dem Anlaß zu einer"öffentlichen Diskussion zubi^tsir. Die-MdMivn. Di-:st Anregung geht rückhaltlos von' denr ' Gedanken aus: Das Judentum sei nicht nur "fähig und berufen,-söndern in vieler Hinsicht sogar ' v ew p f l i ch t e t, den - Answeg - aus der gegenwärtigen Wirrnis zu zeigen und aus diesem' Weg« voranzugehen. Seit etwa einem Jahrhundert wurde cs dem Judentum in wachsendem Maße, möglich, an der Hestaltung jener Einrichtungen mitzuwirlen, die sich auf der Grundlage des Ehriftentums entwickelt harten.. Diese Eiurichtungm» hatten br§ dahin durch den Erfolg gelehrt, daß eine int 'ganzen Fühfen und Denken der Menschheit würzelndr'U^id jeden eiMlnen verpflichtende Ordnung für das Gedeihen .dev Menschhelt zwar notwendig und auch möglich jei,'daß aber di« Mächtde.rtM^L, M M diz.beWtt kytßu-iMnW Ein. 1