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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-10 · Heft 557 (10.8.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 557 (10.8.1920)
Date
1920-08-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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beite 4 Wien, Dienstag Kerne Beschießung Warschaus. Die hiesige polnische Gesandtschaft teilt mit: Nach telegraphischen Meld'.urgrn. die die hefigen zuständigen, polnischen Stellen ans Warschau erhalten haben, sind alle Nachrichten über eine angebliche Bensch i c stu n g der W a r s ch a u e r A nße nffö r-t s und über eine angebliche Flucht der polnischen Regierung aus Warschau anS der Luft gegriffen. Die^-militärische 'Situation ist im allgemeinen' unverändert. Warschau und Lemberg werden jedenfalls bis zum äußersten verteidigt werden. Selbstverständlich werden gleichzeitig -alle-Vorkehrungen getroffen, um im Augenblick einer eventuellen unmittelbaren Gefährdung der Hauptstadt sofort die wichtigsten Armier in Sicherheit bringen zu können. Die Regierung ist also jedenfalls gegen alle Eventualitäten gerüstet. Der Dudapester Pogrom. f Budapest, 9. August. (Ungar. Tel.-Kon.-Bur.) Die Budapests Staatsanwaltschaft setzt die Erhebungen in der. Strafsache I l l y und Genossen fort. Jlly, der erst 19 Jahre alt, jedoch bereits v o rbestraft ist, stellt jede Schuld in Abrede und sucht die Ermordung des Dr. Varsany auf Franz Jllek abzuwälzen. Er behauptet auch, daß nicht Gustav Menczer die Rollen für die blutigen Ausschreitungen verteilt hat,, sondern der Gastwirt Karl T ö k e s, in dessen Wirtshaus die Attentäter zusammengekommen waren. Die Polizei hat Maßnahmen zur Ergreifung des flüchtigen Franz Illek getroffen. Da die Erhebungen noch einige Tage in-Anspruch'nehmen werden, .wird das'Standgericht in der Angelegenheit erst gegen Ende dieser Woche zusammentreten. Kerne Mobilisierung in Ungarn? Budapest, 9. August. fU. T.-K -B.) Es wird von amtlicher Stelle erklärt, daß in Unaarn keine Mobilisierung, angeordnet wurde und e>ne solche auch nicht durchgcführt werden konnte. Friedrich mit Vorbehalten ausgeliefert. Budapest, 9. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Jmwünitätsausfchuß der Natlonalversuminlung beschloß,.zu beantragen, daß das Jmmnnirätsrecht Stephan F r i e d r i ch suspendiert werde. Die Suspension des Immunitätsrechtes bezieht sich jedoch.b l o q u f d i.e Ein l e i t n n g d e s S-t r a sv e r f a h r e n s mit dem Bemerken, daß. falls später die Einschränkung dkr pen'önlichm Freiheit des Abgeordneten Friedrich sich ass notwendig erweisen sollte, diesbezüstkich seitens des komverenten Gerichtes ein n e ü e r! i ch e s An s u ch e n an die Nalionalversammlung gerichtet werden müsse. . . . Verhafteter BsMdirektor. , Budapest, 9. August.' (A. T.-K.-B) Die Polizei verhaftete beute den Ba.nkkvmini.ss8r Ludwig Rezmann,. der -zum' Schadender. Anglo-ungarischrn Bank auf. eine, gefälschte Anweisung . bei der Wiener Zentrale'- eine halbe Million Kronen behoben hatte. Rezmann gestand die Fälschung - zu. Von dem^ be- Hobenenr. Betrag wurden K 300.060 auf dem Boden seiner Wohnung verborgen gefunden, 150.000 hat er zur 'Bezahlung seiner Schulden verwendet, das übrige Geld verbraucht. Die Vorgänge im Saargebiet. Frankfurt am Main, 9. August. (Wolfs.) Die „Frankfurter Zeitung" meldet über die Vorgänge im Saargebiet: Am Samstag wurde ohne jede Ursache der verschärfte Belag erungszustand über das ganze Saargebiet verhängt. Die Regierungskommission ordnete gegen eine ganze Reihe politisch mißliebiger Personen Hausdurchsuchungen u n d B e rhaftungen, hauptsächlich gegen Angehörige ..der Presse, an. Von der „Saarbrückener Zeitung" wurden sämtliche Redakteure bis auf zwei perhastet. Das gleiche ereignete sich bei der „Saarbrückener Landrszeitung" und der sozialdemokratischen „Volksstimme". Auch in den Privatwohnungen der betreffenden. Redakteure wurden Hausdurchsuchungen vorgenommen. Vertreter des Saarlandes in der Regierungskommifsion v. Doch legte zum Protest gegen die Behandlung der ganzen Streikangelegenheit fein Amt nieder. . __ NeutraMatskundgebung des Prager Kabinetts. Prag,. 9. August. (Tschecho-slow. Preßbur.) Anläßlich der ernsten Ereignisse im nahen Osten hat der heutige M i n i ft e r r a t, um den besonders im Ausland verbreiteten verwirrenden Meldungen entgegenzutreten, eine' K u n d g eck. ung erlassen, in der es nach dem Ausdruck des Bedauems über den polnischrussischen Krieg heißt: I „Wir drücken die Ueberzeugung aus, daß der ruffischDolmsche Konflikt durch friedliche B e rh a n d l u n g e n gelöst werden sollte. Wir wünschen auch, daß Rußland und die Entente zu einer friedlichen Lösung der strittigen Angelegenheiten gelangen. Wir Hallen es für ein gemeinschaMches Interesse Zentraleuropas und Europas überhaupt, daß die Pariser Friedensabkommen endlich allseits durchgeführt werden. Was unseren Staat anbelangt, wiederholen und betonen wir nachdrücklichst von neuem, daß wir auch preiterhin die bisherige P o I i t i k d e s F r i e d e n s und d er N e utra lität forlsetzew wollen. Unsere Neutralität geht selbstverständlich nach beiden' kriegführender Seiten und die Regierung hat - diesen Standvunkt den entscheidenden Stellen klargelegt." Wiener Morgenzeitung 10. August 1920 Jim Palästina. Audienz de9 Waad hasmani bei dir Herbert Samuel. Jerusalem,. 7. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Wie bereits gemeldet, hat der Gouverneur am 7. Juli die Deputation des 'Waad Hasmani empfangen. Nunmehr werden Details über die Unterredung, die über eine Stunde währte, bekannt. Die Deputation sprach zunächst die Bereitwillgkeit des Waad''Hasmani aus,'den Gouverneur'in-seinem schweren Amt zu unterstützen. Sie lenkte sodann seine Aufmerksamkeit auf die im Lande herrschende Unsicherheit, welche mit Schuld trägt an der ökonomischen' Stagnation -es Landes.-Sie sprach-den Wunsch aus, daß die Einwanderung keinen Beschrän-, kungen unterworfen werden möge, da die schöpferischen Kräfte der Einwanderer das Land beleben werden. Sir Herbert Samuel versicherte, daß alle Mittel zur Sicherung der Ruhe ergriffen werden. Die Deputation trug hierauf den Wunsch vor, daß die „Asefath baniwcharim" fDelegiertenversammlung) zur-Organisierung des Jischub bald gestystct werden möge; die Versammlung werde sich'immer mit Fragen der inneren Organisation befassen.- Der Gouverneur erklärte, diese Frage erst erwägen zu müssen. (Bekanntlich verlangen auch die Araber das Recht auf ihre Deputiertenversammlung.) Endlich brachte'die Deputation die Wünsche der jüdischen Bevölkerung, beteffend die Stellung der hebräischen Sprache im, öffentlichen Leben, insbesondere bei den Behörden, vor. ..Sir Herbert Samuel erkannte die Berechtigung dieses Wunsches an und sagte zu, daß demnächst ein entsprechendes Gesetz herausgegeben werden wird. * Konferenz der Ingenieure und Techniker ' Palästinas. Jaffa, 7. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Vom 1. bis 3. Ab (16. bis 18. Juli) fand in Jaffa eine allgemeine Konferenz. der Ingenieure und Techniker Palästinas statt. Es wurden folgende Themen durchberaten: Städtebauten (Prof. Geddes), technische Erziehung in Palästina (Referent M. Hecker), Chemische Industrie in Verbindung mit Ackerbau (Referent Ingenieur Kliniker), Hygiene und Häuserbau (Referent Barski), Hafenbau ist Haifa (Referent Ingenieur Catinka), Chemische Industrie (Referent Dr. Gurwitz), Einwanderung und Technik (Referent Ingenieur Papper). Außerdem referierten Ingenieur Atkes über den Verein der Ingenieure in Südafrika und Ingenieur. Winkler über den Verein der Ingenieur in Mitteleuropa. d GÄrtenftadt Trb^tias Jerirfälem, ", August. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Stadt Tiberias, die schon im, Altertum durch ihre Hilfsquellen berühmt war, wird in..eine Gartenstadt um», gebaut werden. Das' Geld gibt der Verein Achusoth bajith, der zu diesen: Zwecke Aktien zu 60 Pfund Sterling ausgibt. Die Plane stammen von Professor Geddes und werden von Ingenieur Tischler ausgeführt. Bereits in diesem Winter werden, einige Dutzend Häuser gebaut werden. Auch eine Knaben- und eine Mädchenschule soivie ein Kindergarten werden in dem neuen Stadtviertel gebaut werden.. Tagesbericht. Fortdauer des Streiks' der Telephon- und Telegraphenangesteltten. Die Forderungen der Streikenden. Wie bereits berichtet, sind gestern mittags die Telephon- und Telegrapenangestellten in den Streik getreten. Die Angestellten haben nachstehende Forderungen gestellt:. 1. Schaffung eines ProvisionsföndS für die Arbeiter; 2. Abkürzung der Vorrückuugsfristen; 3. Regelung der Avencementsverhältnisse; 4, Erhöhung der Ueberstundenentschädigung für die Ingenieure; 5. Ernennung der Vorstande der Zentralezu Direktoren; 6. nochmalige Auszahlung der im Vormonat ausgezahlten Zulage von 800, beziehungsweise 1000 Kronen. SB&tt ohne Tel phon. Seit 12 Uhr nachts wurde weder ein lokaler noch ein interurbaner Telephonanschluß vollzogen oder ein Telegramm, oder Rohrpostbrief zur Beförderung übernommen. Die Feuerwehr, die Rettungsgesellschaft, die Spitäler,' das Rote Kreuz,, die Polizei, das Landesbefehlshaberamt, die diplomatischen Stellen einschließlich der Reparatiönskomnnssion. und. das Kärntner Äbstnnmnngsgebret sind vom. Streik ausgenommen. Die Radiostätiönen geben ckur Aunksprüche an das Staatsamt des. Äeußern weiter, die aber von der Streikleitung auf ihren' Anhalt geprüft werden. 'Nach Nachrichten aus der' Provinz, deren Vertrauensmänner in Wien weilen, ist auch dort auf das vereinbarte Aviso der Streik ausgebrochen, so daß der Telephvn- und Telegraphenverkehr in ganz Oesterreich'lahmgelegt ist. -' DaS' K^p<teseApaphe«rmtt Mls'gchWttrt.. Im Haupttelegraphenamt ruht der Dienst. voll- stammen. Es ..findet keinerleiwie immer gearteter Depeschen aus.tauj ch statt. Beginn des HafenbaueS in Haifa. Dieser Tage haben Ingenieure mit dem De'«- senken der Pfeiler für den Haft» Haifas, dessen Kosten sich auf 6 Millionen Pfund belaufen sollen, begonnen. Baron R v t h s ch i l d soll seine Beteiligung mit einer größeren Summe zugesagt haben. , Ein jüdisches Viertel in Hebron. AüU Anregung des Waad Hair von Hebron ' wurde dort eine Aktiengesellschaft gegründet zwecks" Erbauung eines j ü d i s ch e n Viertels, bestehend äüs zirka 50 Häusew, um dem dortigen jüdischen JischüÜ zu ermögliche«, die zu erwartenden Immigranten aufzunehmen. Hotelwesen In Palästina. . Die „Internationale Hotelrevue" veröffentlicht folgenden Bericht ihres palästinensischen Korrespondenten: Wenn es ein Land ^ibt, das geradezu dazu bsstimmt ist,, ein Touristenland erster Klasse zu sein, so ist dies Palästina. Wir setzen dabei religiöse Motive vollkommen hintenan und betonen nur bas historische Interesse. Jeder Fußbreit Lande?'ist interessant und historisch und Palästina ist ganz anders dazu berufen, ein Allerwelts-Touristenlaud jujeiu als die Schweiz, die nichts hat als ihre Natur 'Md Ihre günstige Lage in der Mstte.Europas. . ' Nach den: Kriege ist es den Klöstern und Hospize« nicht mehr möglich gewesen, jeden Fremden, wie frühere anfzunehmen und zu verpflegen. Sie können es nur in bescheidenstem Maße tun und einige der Hospize haben vollkommen schließen müssen. Allerdings .fehles ■ Tausende und Abertausende von Pilgern, die hier lau- , beten, und der Touristenstrbm erst recht. Doch ihre Wiederkehr ist nur eine Frage ganz kurzer Zeit, da, wie gesagt,. Palästina und besonders Jerusalem stapk vorwärtsschreiten!' Die britische Regierung erläßt Austufe an allen, bedeutenden Plätzen Hotels zu erxichten.' besonders m Samaria. Nazareth, Jericho, Hebron, Tiberias, während in Jerusalem, Jaffa ■ und Haifa Boarding Hauses und Maisons Meublees-- sowie Restaurants besonders, erwmlscht find, ganz zu schweigen von europäische« Konditoreien, die es überhaupt nicht gibt. Palästina ist jetzt, von' allen Weltgegenden leich^ "" zu erreichen und die Anfragen von zahlreichen amerikanischen Touristensteigen mit jeder' einbommendLn Post. / Aber wo sollen diese Menschen untergebvacht werden? Man muß sie vom Kommen abhalten, waSi dem Land mit einer, reichen Fabrikationvon Kurios!-' .-.-täten.. für Fremde-., zu .großem..Schaden -gereicht. Ln« .ziehMe,' die "Hotels erüffyey^wolLn^ finden Volta-Unterstützüng. Bauten werden täglich neu begonnen oder voll-- endet, aber die Fachleute fehlen .zur Uebernahme. Sprachkenntnisse sind von größerer Wichtigkeit als Kapital, die Beherrschung von Deutsch', Französisch und- Englisch ist durchaus nötig. Was man braucht, sind' nicht elegante Hotels wie in Aegypten, sondern gutik, . einfache, moderne Unterkunftshäuser mit guter Verpflegung und verschiedeiren Zimmer-- und Pensions-, preisest, in:t allen Börsen gerecht zu werden. Denn Palästina ist ein Reisegeb.iet auch für Unbemittelte, die aus religiösen Gründen Hieherkommen. ., /: Die Schwierigkeiten, welche sich' aus dem Streik für die Geschäftswelt ergeben, sind enorme und wurden in den dringendsten Fällen Boten mit wichtigen Geschäftsnnttejlugen ausgesendet, die sonst telephonisch übermittelt wurden. Der Verkehr der Banken sowie der Börse, ist ebenfalls vollkommen unterbunden. Sehr - empfindlich gestaltet sich der Streik bei Erkrankungen, da es Ungemein schwierig ist, einen, Arzt zu erreichen. , Heute Fortführung der VerhalMungon. Gestern nachmittags fand m der Staatskanzlek unter-Vorsitz des Staatssekretärs Hanusch'und im Beisein des Staatssekretärs Brei sky zwisch-en Der-' tretern der 'Staatsämter für Verkehr, Finanzen und' soziale - Verwaltung sowie Vertretern der Streikenden unter Führung des Abgeordneten Zelenka eine Beratung statt. Den Verhandlungen wohnten auch Ver- 'treter der Po stau geftellten-Organis a tio n bei, die gleichzeitig ihre Forderungen vorbrachten. Die Beratung hat' in einzelnen Punkten zu einer Ann äherung geführt,^ Ueber. Wunsch der Vertreter des 'Staatsamtes für- Finanzen. die eine bildende' Erklärung stoch nicht abzugeben in der Lage waren, wurde'die Fortsetzung der Verhandlung auf heute, -10 Uhr vormittags, anberaumt," Telephonbetrieb sticht vor heute abends. , Selbst bei günstigem Verlaufe der heutigen Ber- Handlungen kann ve-r- Streik frü-hestens^^ hestte'- abends beendet -werden: - ' Abg. Zelenka teilt nach Schluß der Konferenz'' der Technischen- Union das - Ergebnis der heutigen Konferenz mit. Es wurde beschlossen,'im Streik auSzuharrest,' bis iw'allen^ Punkten ein Entgegenkommen der Regie-; rung erzielt.ist. .. . Rettungsgesellschaft! ' Hirr das Publi'um ist e'svon besonderes. W,.. zu lösten, wie niaN währtznd des Streiks hie Hilst der"' Re'ttün gs-ge-sel(ich a ft verlangen' kann.- Es geschieht am besten durch die Sickerbritswackktuben und.

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