Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 555 (8.8.1920)
- Date
- 1920-08-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Wien, Sonntag Wiener MorqenzerLunH 8 August 1920 91t. 555 v beschränkt. Die erste Stelle nehmen die Bankhäuser ein, welche „Charters" von der Regierung Huben und unter ihrer voll, ständigen Kontrolle stehen. Viele von ihnen haben Exposituren im Ausland. Der Wert des kanadischen Dollar im AuSland-Sharrdel wird in den letzten Jahren nach dem Preis des kanadischen Dollar auf dem Now-Aorker Geldmarkt bestimmt.! Generalversammlung derAnglo-Vfterreichischen Bank. . Am 6. d. M. fand die ordentliche Generalversammlung der' ,Anglo--österrerchischen Bank statt. Im Jahresberichte des > GrneralrateS wird auZgefiihrt : Trotzdem andauernd sehr bedeutende Kaffrnbesiände gchalten , werden mußten, ist daS^Zinsrnerträgnis mit L 11,907.754 au*;K 47,948.729 gestiegen. "Der Gewinn an Effekten und Valuten ist gegenüber dem Vorjahr um K 24,263.644 sicstiegrn und ^betrug im Berichtsjahre st 27 611.404. Die Eingänge aus i Provisionen betrugen st 82.922 076, die sonstigen Gewinne 5,333.682, zusammen also L 33,255.759, waS gegenüber dem?V»rjahr eme Steigerung um st 21,631.191 bedeutet. In diesen!Posten sind auch die Gewinne aus Konsortialbeteiligungen enthalten. Die Gehalte haben sich um st 29.669 880 auf L51.250.00t ^die Spe'en um st 8,008.997 auf st 18,819.822 erhöht. Die .Steuern sind gegen das Vorjahr uür L 7,528 978 auf st 19,128,522 i gestiegen. Infolge der Umrechnung der Bilanzziffcr« aus den lZweiganstalren in den Sukzessionöstaaten in österreichische Kronen und infolge der gesteigerten Geschästsumiatze hat sich die Bilanzsumme seit dem Vorjahre mehr als verdoppelt und beträgt 'L 4219.992.786. > Nach dem Vorschläge des Gcneralrates wird eine lO'/oiflf Dividende, das sind st 24 per Aktie pro 1919 zur Bercknlung gelangen. Die Anträge über Verwendung des Reingewinnes wurden nach kurzer Debatte einhellig angenommen. Die polnische Zwangsanleihe. . Aus Warschau wird uns berichtet: Der' amtliche »Monitor Polsk^ publiziert die T a r i f e für die poln i s ch e Z w a n g s a n l e r b e. Es wurden zwei Tarife festgesetzt: Ein BermögenStarrf (A) und ein Tarif vom Jahreseinkommen (8). Im Tarif A beträgt die Anleihe bei Vermögen über 100.000 Mark 2000 Mark; brr 100.000 brS 120.000 2200 Mark, bei 506.000 16.500 Mark, bei 1 Million 44.000 Mark, bei 1,500.000 96.000 Mark, bei 2 Millionen 163.000 Mark, bei 3 Millionen 372.000 Mark, bei 4 Millionen 656.000 Mark, über 4 Millionen 900.000 Mark, über 5 Millionen 2ü*/» vom VecmögenSwert. Der Tarif B setzt bei einem Jahreseinkommen von 36.000 Mark ein. Bis 40.000 Mark Jahreseinkommen beträgt -die Anleihe 1000 Mark, bis 50.000 1500 Mark, brs 70-000!2800 Mark, brs 80-000 3600 Mark, bis 90.000 4500 Mark,-knS! 100.000 5500 Mark, Bet 200.000 24.200 Mark, bei 500.000;100.000 Mark, bei 1 Million 340.600 Mark,über 1 Million 35*/»' vom Jahreseinkommen. _ Auftzetvns de» P»Ple»««»f»h»O«rt»t«S i» der Tschecha-Elavaket. Wie wir erfahre«, wrrd in der Tschrcho- Slowakei daS generelle Papieras-suhrverbot vom 19. März 1920 aufgehoben und könne» Ausfuhrbewilligungen entsprechend dem jewetllge» Bedarf im Lande selbst nnd mit Rücksicht ans dir je- «eÜige Lage der Davierindußrie in Tschechre« erteilt werden. - Haftungsablehnun, der Polnische« Postoer, «altu«g für EiofchreidesePdu»,««. Dre Nieder österreichische Handelssnd Grwerbekammer macht darvuf aufmerksam, daß die polnische Ponvecwalmng. mit Riuliichr aut die kries.ewchen Ereignisse bis auf.we iereS keinerlei Haftung!ür eingeschriebme Bnefsr»b«»ge» übernimmt.! « Di» M»dtW«che i» Wie». Vom Verband derdensicktt Mode-Jndnsirie in Berlin, dem Veranstal'er der berliner Modewoche» ist dem Witter Arbeitsausschuß ein Schreiben ruaegangm. rn welchem die Berliner Oroan^ation Wien der lebbastesttt Anterlnckßme an seiner Vrranßakvma versichert und erklärt, Laß man den asinsitarn Fortpang der Veranstaltung mir warmen Wünschen begleitet. Der Berliner Verband sprach gleichzeitig die Versicherung aus. daß er Wert darauf lege, mit dem Wiener ArbertSmMchnß i« weiteren Gedankenaustausch zu treten und auch in Hinkunft ein gedeihliches Zusammenwirken zu pflegen. Postverkehr mit Estland. Der Poliverkebr mit Estland ist bekannüich wieder eröffnet worden. Auskünfte, betreffend Len Umkana des Gebietes der dortigen Postverwaltung, sind t in der Ntederösierrctcknschcn Handels- und Gewerdekammer, Vien, 1., Stubenring 8/10 und bei der Gencralpostdirekkion erhältlich. ' DalutenKurfe. Im gestrigen freien Verkehr machte sich lebhafte Nachfrage nach fremden Zahlungsmitteln» namentlich Dollarnoten, geltend. Es notierten: L e i n o t e n L 4.80, Marknoten grün L 4.67, Lire K 10.80, Dollar K 217.—, NubelnotenL 3.20 und polnische Mark K 90.—. Privatverkehr. Das Geschäft im gestrigen Pnvatverkchr war gering'ügig. L'diglich Lombarden wurden zu 675 und 670 umgcsctzt. Südbahn-Plioritaten wurden 990 und StaatZbahn 3210 geschätzt. PaKetverkehr mit Griechenland nnd Aegypten. Wie die Handels- und Gcwcrbekainmer erfahrt, können von nun an Postvakete bis 5 Kilogramm wieder nach Aegypten, dem Aegyvtischen Suda'^ und Griechenland über Italien versendet werden. Die Gitvtchtsmbühreri betragen L 45. eine Wertangabe bis 500 Francs ist zulässig, jedoch sind Nachnahmesendungen der, zeit noch unmöglich. Börse für landwirtschaftliche Produkte. Auf dem heutigen Wochenm.irtte war der Besuch w'cder zieml'-h schwach. Die Tendenz für F u t t e r a r t i k e l ist w eder bcff-r und be- >anders H ater und MaiS wird stark Mehrt, indes ist das Ausoebol in erster-'m ganz verschwunden. Ju'olger-effen ist' auch die Tendenz iür Surrogate freundlicher geworden und 'wurden auch mehrere Abschlüße getätigt. Znm AitSgebot gelangte auch ffität als Mischiutter, doch ist die Nachfrage tiir diesen Artikel gering. Alles in allem war der Verkehr wieder belanglos, doch erhofft man sich m den nächsten Wochen «ine Belebung dcS Geichästcs, nachdem infolge de? llmstandcs, daß die Brauereien mit Gerste der heurigen Einte wieder kontingenticit werden düriten, eine lebhafte Nachfrage sür Ersatzprodukte. wie Mohär, Schirok, Pferdebohnen und Mai?, zutage treten diufre. Berliner Börse. Berli«» 7. Angust. Im Mittelpunkte der beutigm VörsenverkehreS stand die kliifwättSbewegung der Deutschen Pitrolkum- Aktien, deren KurS im Zusammenhanae Mit Gerüchten, denen zufolge ein Finanzabkommen mit holländischen Firmen zustande» gekommen ser. in rg'enden Sprüngen um mehr als 100*/, b's 1130 emvorschnellte, schließ!'ch aber arst 1081 rnrückging. Deutsche Erdöl-Aktien stiegen in mäßigerem Tempo bis 20lX), Steaua Nsmana-Aktien um 41'/, auf 1330. Sonst trat noch Kanflust iür einzelne Kolonialvapine hervor, von denen Schantmiadalm-Alt rn 10, Neu-Guinea- und Otavi-Alt'rn je 20*/, gewannen, ebne diesen Vorsprung jcdock spä'er voll behaupten zu linnen. Im übrigen war da- Grschä't ber wenig belgnoretchrn-Knrsveränderungen. aber vorwiegend fester Tenden; still, da die Rücksicht auf die politische Lage naturgemasi hentmrnd wirkte. Hetvorglheben ünd. noch Phonu-Aktten mit einer Steigerung von 7°/, und Rheinische Metall-Akt e» mit einer solchen von 11'/,. In deutschen Anleihen machte sich eher eine kleine Befestigung geltend. Devisen waren mäß-g rückgängig. » Qtprg Cochplatx 3 « Telephon 18-1-35 Kulanteste Durchführung aller bankmässigen Trans*s . aktioneri sowie Besorgung von Zahlungen und l/eberweis ungen an alte Plätze im In- und Auslande Eigene Korrespondenten In Berlins Budapest Prag, Krakau, Agram tot Die Devisenkurse. Wien» 7. August, cKurse der österr. Devisenzentrale.) Amsterdam 6450.— '6300.—-). Berlin 457.—(453.—), Zürich 332b.— <3250.—), Chnstiania 8025.7-- (2975.—), Kopenhagen 3i 00.— 12950.—,).. Stockholm 4100.— (4050.—), Mark-Noten 455.- (451.—), Lci-Naten 445.- (440.—). Leva-Noten 340.— (830.—), Schweizer Noten 3300.— 3225.—). Französische Noten 1450.- (1425.-). Italienische Noten 1015.— (lOOO.—), Englische stkoten 695.— (685.—), Dollar-Noten 202.50 (197.50', Rubel-Noten (Romanows) 290.— (290.—). Wien» 7. August (Kurse i m f r e i.e n D e rkehr? Agram 242.— bis 263.—, Budapest: Zahlung in Postsvarkaffageld 102.7-bis 114.—, Budapest: Zahlung in gestempelten Ncten 102.— bis 114.—. Ungarische gestempelte Noten 102.— bis 115.—. Warschau. Krakau in poln. Mark 87.— bis 97.—, Prag 372.50 bis 392.50, Tschecho-slow. Kronennoten 5000« 375.— bis 396.—, lleinere 376.— bis 397.—, Nene Dmarnoten 975.— brs 1025.—. Prag, 7. August. (Kurse der Devisenzentrale.) Amsterdam 1798.50 (1788.50), Belgrad 265.- (285.—),. Berlin 117.50 (117.50), Bukarest 127.25 (128.75', Sofia 101.— (101.25) , Zürich 898-50 883.50), Kopenhagen 826.50 (818.50), Stockholm 1108.50 (1098.50'. Mailand 275.— (271.—), Paris 389 — (387.-). London 198.25 (197.25), NtW'Aork 54-50(54.50), , Wien 25.75 (25.75V Brüssel 419.- (415.-), Agram 66.-(66.-), Warschau —.— Budapest 28.— (28.—), Jugoslawische Noten 261.— (261.—\ Marknoten 116.50 (116.50), Rumänische Noten 123.25 (124:75), Bulgarische Noten 97.60 (97.75), Schweizer Noten 894.50 (884.50), Dänische Noten 824.60 (814.50V Schwedische Noten 1104.50 (1094.50), Italienische (stkolen 272.- (268.-). Französische Noten 886.— (384.—V Englische Noten von 1 Pfund Sterling auswärts 196.25 (195.25) , bis 1 Pfund Sterling 195.25 (194.25); Amerikanische Noten von 10 Dollar auswärts 53.50 P3.50', von 1 bis 10 Dollar 52.50 (52.50), Oesterreichtsche gestempelte Kronen; 24 75 (24.75', Holländische 1793.50 (178350), Belgische 416.- (112.—), Serbische Noten —- (—.—). Zürich, 7. August. (Devisenkurse. — Mitgeteilt von der Schweizerischen.Kreditanstalt.) ' Berlin 13.10 (13.05), Holland 200.75 (200.75). New-Nork 5 98.— (606.-), London 2196 (21.81). Pans 43.99 (43 65). Mackand 30.80 (30.60). Brüffel 47.— (46.75), Kovenhagk« 92 50 {92 50, Stockholm 124.25 (124.—1, Cvrlsttanis 93.— (93.—), Madrid 90.— (90.—), Buenös-Aires 235.— '2‘*0.—). Prag 11.- (11.-), Agram 7.80 (7.80). Budapest 3.15 (3.15). Warschau —.—) Belgrad 29.— (29.50), Wien Geld 3.15 (z.15>, Wien Ware.-.- ofictr. gest. Kronen Geld 3.20 (3.20), osterc. gest. Krönen Ware — ' Amsterdam» 6. August. (Devisenkurse.) London 10.92 (10.94, Berlin 6.15 (6.57»/,). Paris 21.65 (21.90). Schweiz 50.- (50-V Wien.1.60 (1.60), Kopenhagen 46.10 (46.—), Stockholm 62.25 (62.—\ Christiania 46.40 (46.30', New-York 301.75 (300.—). Brüffel 23.10 (23.40), 1 Madrid 45.- (45.-), Italien (15 50). * > licsorgnugr aller bankgesehäftl. Transaktionen. Entgegennahme Von Geldeinlagen. Ansgabe Von Einlass-, büehern/ Eebernaltme ron Vermogensrenraltungeü. Kommerz.-ttHtsbonto laabü. e. Zentrale Presshnrg ° Filiale Wien, I., Wippiiigtrstrasse 24-26 ° Teiepiwn 12358,18296,17408 Warenabteilung. Des Batzgeigers Gebet. Don Z. L. Perez. > (2. Fortsetzung.) „Wo liegt das Dorf und wie heißt e§?" Darüber weiß der arme Mansch gar nichts. „Ist es weit von hier?" „Ich bin gegangen, gegangen, gegangen . . ." Das Wort „gegangen" wiederholt er so^ lange, bis seine Lippen fast versagen; dann endet er ganz außer Atem: und ,wch gegangen." „Wie viel Tage und Nächte bist du gegangen?" „Ich habe es nicht gezählt." Das Gesprächsthema erfährt eine neuerlich: ALndLkung: „Kannst du beten?" ' Der junge Mann weiß nicht, was das Wort „Beten" jheißt. Sein Gegenpart setzt es ihm mit einem.grasten Uufwmtd vo i Beredsamkeit auseinander nnd über den Wehrlosen ergießt sich ein Redestrom, der ihn ganz verwirrt macht. Endlich glaubt er zu begreifen und platzt heraus: „Ihr meint,-mit dem Vater sprechen?" „Ja, ganz richtig!" Dieser Erfolg seiner Wvrterklärung reizt den Bürger zu fröhlichem Lachen. „Ich kann „Sch'ma Iisroel" sagen." * u^Cec hat es dich gelehrt?" III. . Diese interessante Unterredung bildete für lange jZeit den Gesprächsstoff im Städtchen, bis sie von einem interessattteren Begebnis abgelöst wurde: Dar Städtchen vesaß eine jüdische Musikkapelle; die bestand aus zwei Biolinen, einer Flöte, ein Paar Tschinrllen und dem junvermeidlichen, unentbehrlichen Baß. Sehr gesucht war Hirse Kapelle nicht. Ihre fünf ausübende, Mitglieder pchrlieHe, ihr auch nicht aerade he» Ruf Sefvndarac IBirtusfitat und Beatzvur. Diese Kapelle spielte Hei Heu Echen Hochzeiten in Lvmaschaw und verdiente sich rdem zur Purim-- und Chanukazeit ein paar Gro- . Wenn das Glück diesen Musikern besonders. Jjolb war. so nahm sie ein Gutsherr in der Umgebung als Ballmusik auf, sobald keine andere Kapelle mehr zu haben war. So fristeten die Jünger der Musikkunst tat Domaschvw schlecht und recht ihr Dasein. Da ereignete sich nun folgendes: Es war mitten im Winter. Die Kapelle wandert im Morgengrauen pon einem Ball auf einem Nachbargut heim. Zu trinken hat es genug gegeben, mehr als genug vielleicht; aber gegessen hat keiner — er war doch bei einem Gutsherrn — kaum daß sie einen Bisse» trockenen Brotes berührt haben. So gehen die Leute müde und zerschlagen durch den Schnee; der eine oder der andere brummt etwas vor sich hin — ob es eine M-elodie oder ein Fluch war, kann ich nicht unterscheiden. Der Baßgeiger, der an seinem Instrument am schwersten zu tragen hat, schleppt sich mit Mühe hinten nach. Er ist alt nnd schwächt und kann nicht Schritt halten; mit Mühe hebt er die Füße aus dem Liefen Schnee. .So ruft und schreit und fleht'er, die anderen mögen langsam gehen. Doch keiner hört. ihn. Denn es 'gibt gerade einen kleinen Streit wegen. der Anteil« an der Lüh nun g. Ganz, nüchtern sind die Leute auch nicht, daher gehen sie nicht zusammen, sondern wanken müde, jeder so gut er kann, vorwärts. Ein Schneesturm bricht los. Die schneidende Luft ernüchtert die Gesellschaft, sie schauen, daß sie vorwärts kommen und laufen der Stadt zu. Wie sie dort ankommen, eilt jeder seiner Wohnung zu. Wie «jht &ad fällt er auf fein Bett, um die Müdigkeit, den Kausch und den Hunger zu verschlafen. Aber mit dem Schlaf ist es heute nichts. Der Baßgeiger ist nicht heimgekehrt und so länft seine Frau bei allen Musikanten herum, jammert und schreit und reißt .sie aus dem Schlaf: „Do ist mein Mann? Wo ist mein Mann^ Wie die vom Schlaf meb Branntwein Trunkenen endlich »er De he», war dW Weib will, erfaßt sie ein Wchauöer. HÜwckr läuft man den Naßgeiger suchen. Loch Wege und Ätege sind nicht mehr zu sehen. Wie ein blendend weißes Totenkleid liegt der Schnee über der <5xhe4 Wer kann bet wissen^ wo der Baßgeiger liegen mag? Man kehrt unverrichteter Dinge heim. ' Nur eine Hoffnung bleibt: Vielleicht hat sich der Ver^ schollen« in ein Dorf geschleppt und übernachtet dort. So p-rstreichen einige Tage. Der Frost hat nachgelassen, der Schnee.schmilzt. Freitag. Die Deute gehen zu Ehren des Sabbat, ins Bad. Den Gesprächsstoff bildet ^natürlich der der-' schwundene Baßgeiger. Neues gibt es da nichts zu erzählen, denn gefunden ward er noch sticht. Plötzlich^ fährt ein Bauer mit einer Fuhre auf dem Markt ein. Er hat den Baßgeiger erfroren aüfgefunden... In Haft und <Eile trägt man den Leichnam noch vor dem' Lichtanzünden zu Grabe, um den Sabbat nicht zu^ entweihen. Am nächsten Morgen rennt die Witwe alle Türen mit ihrem Jammer ein: .-Fünf kleine Würmchen' hat der Tote zurückgelassen. Samstag nachts ist eine ' Beratung der Gemeinde; die Musikastien werden bot-; geladen. Die Gemeinde hat keinerlei Fonds und wünscht daher, die - i^pielleute mö^en sich ohne Baßgeiger: behelfen und der Witwe auch weiterhin den Anteils des verstorbenen Baßgeigers von ihren Einnahmen, geben, damit sie mit ihren Kindern das Leben friste. Die Spielleute dagegen legen dar, eine Kapelle ohne Baßgeiger sei'überhaupt keine Kapelle!/ Bei jüdischen Unterhaltungen ginge es noch, wenn die Gemeinde diesen Mangel an musikalischer Harmonie mit der' Autorität ihres Beschlusses decke; aber — welcher Guts-- Herr'wird eine Kapelle ohne Baß nehmen? Der Rabbi., entscheidet, daß die Erhaltung einer jüdischen Witwe ' und jüdischer Waisen notwendiger und wertvoller sei' als eine Kapelle mit zwölf Bässeit und hundert guts-' herrlichen Bällen. Die Musikanten entgegnen darauf,' ihrer Meinung nach sei der Row — er möge es ihnen nicht übelnehmen — in Musikdingen keine Autorität.1 Darauf gibt es natürlich in ber ganzen Versammlung/ nur eine Stimme der Entrüstung über die „gottlose. Bande". ' (Fortsetzung folgt.) m isamsmmrn m