Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 555 (8.8.1920)
- Date
- 1920-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Neue AeiMgen C$cWt$cberin$ an .Mos L au, 7. August (Funkspruch.) Volkskommissar Tfchitf cherin hat de« britischen Minister des Aeußern, Lord Curzon, aufmerksam gemacht, daß die heute übermittelte Chiffreudepesche die neuen Reifungen für K a m e « e w enthalte, und anschließend Karrrenew mitgetÄlt, die Depesche sich sogleich anshLndigen zu lasten und mit besonderer Sorgfalt zu entziffern» damit kein Mißverständnis entstünde. Die Sowjs(regierrrng hoffe, Poß eine Vereinbaruu g erreich t werden wird. Die russischen Delegierten bei . Lloyd George. /,; ■. S o u d o n, 7. August. (Funkspruch.) . Kamenew «L0 K r a ff in haben über fünf Stunden mit Lloyd George> beraten. Wahrend eines Teiles der Unter« reduug waren Feldmarschall Wilson ^und Sir' Hau kley, der soeben aus Warschau zurückgckehrt war,^ anwesend. Daraus wird geschloffen, daß < in der Ant° chyrt.derSowjeLregiexung Einzelheiten über die Bedingungen des Waffenstillstandes r waren.. (Kamenew drahtete nach -er Unter Kiffprechstng wurde beschlpffech daß Lloyd Gsottze >u'nd Ellvrand am Sonntag' in Hythe züsammentrefffen. Die britische Regierung hoffe, daß HiS dahin die Antwart der Sowjetregierung auf Kamenews Telegramm eingetroffen: ftin werde, so daß die beiden Minister- Präsidenten ' - - e ndgültige Beschluss e soffen können. Lloyd George wird jedenfalls am Man« Lüg im UnterhauZ über die internationale Lage sprechen. Vor der Entscheidung. Lo itbdnr 7.August.(Fuukspruch.)Derallge» weine Eindruck der Anterrednug zwischen Lloyd George mtd Kamenew ist, «ach den Ackty. News^ baß sich die beiden TtaüdPunkte sehr genähert habe«, ausgenommen die eine wichtige Frage wegen Fortführung der FeindsettaKeiten. Rußland wolle bis znm Abschluß des Waffenstillstandes feine Truppen vorrücken lasten. Lloyd George habe Hamenew erklärt, daß die Rüsten schon Weite Gebiete des eigentliche« Polens besetzt Hätten, die Verbündeten daher nicht länger untätig znsehen können. Kameuew habe eingewendet, w e l ch e G e « ä h r v o r h a n b c n se i» geg en «in e n nenerli che n Angriff P o l t n s, wenn sich dieses unterdesten Este nny : die Sowjetheere tatsächlich Halt Wachten. ^Dailo News" meint weiter» es sei Möglich, daß entweder Großbritannien oder die Äerbündeten die GewLhr gegen nene polyische Angriffe Übernehmen werden. London, 7.^August. (Reuter.) „D a i l y D e l e g r a p h" meldet: B y n a t L a w ^strde Lloyd George nach tzht^e begleite«. Ms^vleW eine schw och e H of f « u n g, daß WO«Kau den Standpunkt, de» es in der teyten Note eingenommen habe, ändern werde. Entgegen den «nderslantenden Nachrichten, He Ahe» gestrige rtuterredung mit den ^owsetdelegierten verbreitet wurden, wird hpnte die Vermutung ausgesprochen, daß es nicht numvglich fein «erde, die äußerste« Maß«ahmen zu vermeiden. Die amtlichen Kreise verhehlte« indes nicht, daß die Äussichteu s e h x d ü st e r ßrien. Werden die: bolschewikischen Armeen den Vormarsch einstellen? Das sei jetzt die H a n P t f r a g e. P a r i s, 7. August. (Havas.) Der Londoner Vertreter des „Matin^ hält die Lage feit gestern für gebessert. Besonders bemerkenswert sei, daß Kamenew und Krasfin sich in der Unterredung mit Lloyd George bereit gesunden hätte«, «och abends Lenin das Ergebnis ihrer Verhandlungen zu telegraphieren, daß den Eutwurf des Abkommens mit der englischeM NLgLsrmrs ^nthalte. E SotvMveptveter^ sprachen die Hoffnung aus, S o n n t a g o o r m i t t a g s bei der Zusammenkunft mit Lloyd George die Antwort von Moskau geben zu können.; Heftige Kämpfe. MsÄkm, 7. August. (Funkspruch.) .'Frontbericht' vom 6. August: Nordwestlich von Lvmscha wurde Mischinetz genommen. Bef Ostrolenka wird heftig gekämpft. .In der Bahnstation Sajadowo wurden einige Züge und zwei Tanks erbeutet. Am 4. August, wurde nach heftigen Kämpfen die sstadt O'stro w genommen. Im Räume'SjMez wird det heftige Mrmpf fötttzesetzt.- Im Abschnitt Breft--Li1owsr wurde Le re s p v l genommen. Auf der Bahnlinie nach Lnk»w wurde ein feindlicher Panzerzug von unserer Artillerie zerschossen und erbeutet. Im lGebiet von Brody hat die Rote Reiterarmee den Feind nordöstlich von Brody geschlagen und reiche Beute eingebrächt. Im Abschnitt B u z a e z wurde die Stry pa erreicht. Im Krimabschnitt wurde^Utexandrowsk genommen, die Onskaja übersetzt und det Marsch nach Süden fortgesetzt. Beratung in Washington. London, 7. August. Nach einer „Time Meldung aus Washington beunruhigt man sich in politischen Kreisen über dar Schicksal Poletrs. Die Regierung erklärte jedoch, daß fie ohne den Kongreß nicht handeln könne. Man versuchte deshalb, Wilson dazu zu bewegen, den Kongreß zu einer a u ß e r-, ordentlichen Tag u n g zusammenzuberufen. Nach einer weiteren Meldung hat Wilson den Staatssekretär Eo l b und den Staatssekretär des Krieges D a v i s zu sich kommen lassen, um mit ihnen das russische Problem zu besprechen. Die englischen Arbeiter machen nicht «tit. Ein Mauifest gegen die Kriegshetzer. London. 7. August. (Reuter.) Ein oo« acht Mitgliedern der A berterpartei des Unterhauses und hervorragenden Gewerkschaftsführern »nierzeichnetes Manifest warnt die englische Beoittkernng vor der Mözlrchksit, daß das Länd in einen ttenen Krieg hineivgezogen werde. Polen wird beschuldigt, daß es sich vor» Ländergier habe leiten lassen. Das Manifest erklärt feierlich, der englische Arbeiter lehne es ab, bei einem Kriege Polen als Bundesgenoffen zu Helsen. Der Aufbau Palästinas. F. S t c it, 8. Der Zionismus tritt nunmehr in eine neue Phase ein. Es beginnt das entscheidende Kapitel in der Geschichte der Renaissance des jüdischen Volkes, das der. Verwirklichung. Alle bisherige zionistische Arbeit hatte bis zur Deklaration Balfours und darüber hinaus, bis zum Beschuß von San Remo, laut welchem die Formel von den Schaffung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina einen integrierenden Bestandteil des Friedensvertrages mit der Türkei bilden soll, nur den Charakter der Vorbereitung. Die zionrsüsche Arbeit, von Theodor Herzl in großzügigster Weise initiiert/ ging darauf aus, zunächst das jüdische Volk aus seiner Erstarrung wachzurütteln, die starren Eisschichten/ mit' welchen das düstere und freudlose, jahrhundertelange Galuthdasein die jüdische Seele überkruftet hafte, unter dem wiederbelebenden Hauch eines neuerwachtey Ideals schmelzen zu lassen und dem jüdischen Volke den Glaube« an seine Zukunft und seine Bestimmung und den Willen zur Aktvität wiedexzugeben. So schuf Theodor Herzk das wunderbare Gebilde einer allweltlichen zionistische« Organisation, deren Glieder sich über alle Teile der bewohnten Erde erstrecken und die fähig werden sollte, als! der aktive Teil des jüdischen Volkes die große Arbeit autz sich zu nehmen. A Die bisherigen zionistischen Kongreffe waren rmj wesentlichen damit befaßt, die Organisation auszubauemj ^fieEschuseÜ^chreWLä»rjMen:Mch'.KrMS«Ä«n Aystrumenw Irr/Der künstrge ÄrW''in Kolonialbank, welche die künftige^ .• MlonrßÜW«--PaM. stinäs fordern sollte und den Jüdisihen NMovalfondK^ der bestimmt ist, aus allgemeinen Volksbeittägen unds fiir allgemeine Volkszwecke Grund und Boden als Nationnalen Besitz in Palästina zu erwerben. Die Kongreffe festigten den Gedanken der nationalen Einheit deß jüdischen Volkes, für welches sie einen lebenden- BeweiZS bildeten, sie befaßten sich mit dem - jüdisch-kulturelle« Problem und schufen die Grundlage für eine nationale El^iehungsarbeit in Paläsüna und den Ländern der. Zerstreuung, indem sie den unlösbaren Zusammenhang des < national-wirtschastlichen und national-kulturellen! Moments erkanntem h Die ganze Entwicklung und Erweiterung her zionistischen Ideologie spiegelt daS Programm und. die Verhandlungen der Kongreffe wieder. Waren sie anfänglich von dem Gedanken erfaßt, daß Palästina auf dem Wege'der Verhandlungen mit dem türkischen Sultan und. unter der Zustimmung der Weltnrachte auf dem Wege der Erlangung einer Generalvollmacht^ des sogenannte« Charters, mit einem Male und in möglichst kurzer Zeit dem jüdischen Volke zur völligen freien Verfügung übergeben werden soll, so erkannte man später die Aussichtslosigkeit und Unmöglichkeit eines solchm Wegesweicher, auch wenn er zu Erfolgen führen konnte, aus nationaljüdischen Gründen nicht gangbar war, well haS jüdische Volk dienötige Vorbereitung und Reife nichk besatz, dre die Möglichkeit einer sofortigen Realisierung, des Palästina-Programms verbürgt hätten undunan begann,den Zionismus als ein Problem zu erkennen, das nicht'vön außenher auf politisch-mechanischem Wege allein gelöst werden kann, auf welches vielmehr der Gesichtspunkt der Entwicklung angewendet werden muß. j (So gewann der Gedanke der national-kulturelle« Erziehung auf den Kongressen immer stärkerm Einfluß' und,der Meg der praktischen Arbeit in Palästina wurde beschritten. Wenn es nun galt, in mühseliger Kleinarbeit. von welcher fürs erste keine überwältigende« Resultate zu erwarten waren, Position an Position, t« Erez Israel zu reihen, und Zelle an Zelle fiir de« künftigen jüdischen Organismus zu fügen, so bedeutete dies keineswegs ein Abweichen von dem großen Ziele, das sich Herzls großzügige Konzeption gesteckt hatte. Es galt vielmehr, das jüdische.Land allmählich und vo« unten herauf' nach Maßgabe aller vorhandenen Möglichkeiten anfzmrchten, der Welt den Nachweis der jüdischen Eignung zu erbringen, dem türkischen Großherrn durch die Tat die Vorteile aufzuzeigen, welche die..jüdische Besiedlung dem Lande bringen sollte und im allmähliche» Ausbgu die Kräfte des Volkes für. seine Aufgaben zu entwickel». ES siegte der Gedanke, daß baS «llmahlich« Erstarke» der jüdische» P»sitis»e» rmk d»S A»wachss« der jüdische» Bevölkermig i» HMsttna das best« Mittek sei zur Erreichung des großen Endzieles. So kam die praktische Arbeit in Palästina, welche neben der.