Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 554 (7.8.1920)
- Date
- 1920-08-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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; IM» Seite 4 i&,Tr~ Wien, Samstag tWÜM) Wiener Morgeuzeiturrg i -• —. . iMWi 7. August 1920 Nr.§54 Telegramme.! Zionistische Vertreter bei der Unterzeichnung -es türkischen Friedensvertrages? Krakau, 8. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Dem "M o m e n t" wird,aus London gemeldet: Doktor W e i z m a n n und S o k o I o w haben sich nach Paris begeben, um den Friedensvertrag mit der Türkei m i t z nun terzeichnen. Bekanntlich ist, wie in San Remo deklariert wurde, in den türkischen Friedensvertrag die Abtretung Palästinas an den «Pölkerbund mit. der Bestimmung, dort eine Heimstätte für-das jüdische Volk zu errichten, ausgenommen. Davon, daß die zionistischen Vertreter tatsächlich mitsertigen sollen, ist nichts bekannt geworden. : Schlußsitzung der internationalen Bergarbeiterkonferenz. Genf. 6. August. (Wolff.) Der internationale Bergarbeiterkougreß hielt heute seine letzte Sitzung ab. Auf Borschlag der englischen Delegation wurde dir' Errichtung eines permanenten internationalen Generalsekretariats beschlossen. Ern englisch-jüdisches Komitee zur Verteidigung der jüdischen Rechte i« London. London, 5. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Auf der lebten Sitzung des vereinigten Komitees der jüdischen Organisationen in England für jüdisch auswärtig^ Angelegenheiten wurde eine Reihe aktueller jüdischer Fragen behandelt, darunter die Lage der Juden in Ungarn, der Ukraine. Polen und Rumänien, die Frage der jüdischen Kriegsgefangenen in Sibirien - und die Judenot in Wien. Unter den Beschlüssen ist zu erwähnen die Schaffung eines Komitees zur Verteidigung der jüdischen Rechte: dieses bezweckt die Ausarbeitung von Vorschlägen zum Schutze der jüdischen Rechte und deren Vorlage an das Juristenkomitee im Haag, welches jetzt die Schaffung eines ständigen internationalen Gerichts- Koses im Rahmen des Völkerbundes durchführt. . DieJnderr in Australien für Palästina. f Washington, 6. August. (Funkspruch.) Die Juden von Perth (Westaustralien) haben zur - Errichtung Palästinas 20.000 Pfund' gezeichnet. Befferung im Befinden Wilsons. Washington,' 6.' August. (Funkspruch'.) Die Gesundheit des Präsidenten Wilson Hatz sich wesentlich, gebe s f e r t, er kann, ans den Stock gestützt, bis zum Auto gehen. Die Spuren der Krankheit sind an ihm sichtbar. Er hinkt und sein Haar ist Miß. , Der Streik im Saarrevier. Saarbrücken, 6. Augnst. (Wolff.) Seit heute nachts 'haben auch die E i s e n b a h u e r den Streik begonnen. Die Straßenbahn- und die Postangrstellte» haben zwar heute vormittags die Arbeit noH ausgenommen, doch, wird damit gerechnet, daß auch diese:beiden Ängestelltenkategorieri heute in den Ausstand treten.. Ueb er den Streik im Saarreviec liegen weitere Meldungen nicht vor. Seit heute mittags sind alle Verbindungen mit dem Saargebiet rmterbrochrn. . . - Der Generalstreik in Asch. Prag, 6. August. Die „Abendzeitung" berichtet aus Egrr: Der GenSalstreik in Asch wird restlos dnrchgeführt, doch ist die ^^«8 von einem Streik in Eger «»richtig.! Dir politische Bezirksverwaltuug i« Eger hat eine Kundmachung erlassen, wonach die bisher von der Stellung Ferugebliebeuen aüfgesordert werden, sich heute oder morgen'freiwillig zu stellen; wofür ihnen riue mildere Bestrafung z»gestchert wird. Daraufhin find heute Stellungsvstichtige in größerer Anzahl erschienen. — Die Jndustrieorte HäSlau, Roßbach und N es der g haben sich heute dem Generalstreik angefchlossen. Aus -er Hörthh-Derfammlung. f Budapest, 6. August. 01. T.-K.-B.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung teilte der Präsident mit, daß .vom ungarischen.-Landeswehrmachtverein ein Gcsuch.au die Nationalversammlung eingelaufen sei. in dem verlangt wird, daß Personen ^üdischerReligion und Adsta«« u n g in der ungarischen Natioualarmee weder Offizier-- noch "Beamtrnrang erhalten können. ’ Sodann ergreift Ministerpräsident Graf T e l e k i daS Wort, nnr auf die Anfrage des Abgeordneten Tomory in Angelegenheit der F r e i l a s s u » g B ela KunS d»rch 'Deutschland zu'antworten. AuS seinen Darlegungen geht hervor,!daß der mit dm Akten entsandte Kurier durch rin Zugsver- Mnrnis in Wien zu spat eingetroffen sei. Der Brrdapester Pogrom. Der Mörder leugnet. , Budapest, 6. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die 'Staatsanwaltschaft ließ heute sämtliche in der Angelegenheit der Mordtat'im Kaffee Klub verhafteten Personen Vorführeu, um ihr Lebensalter festzustellen, was für das Ausmaß der Strafe von Wichtigkeit ist. Ladislaus'Jlky behauptet, 19 Jahre alt zu sein, doch) vermag er sein Alter nicht nachzuweisen. Die Staatsanwaltijchaft hat deshalb , einen Detektiv nach Szegedin entsendet, um hie -nötigen Dokumente zu beschaffen. Jlly behauptet, neuerdings, daß nicht er, sondern ein gewisser Franz Jllek denAdvokaten Dr., Varsany erschossen haste. Jllek habe dem Dr. Varsany mit seinem Revolver einen Schlag auf den Kovf versetzt, wobei die Waffe losgegangen wäre,'..' ' ' . , '. . " Polnischer KabrnettSrat. Die FrietzenSbedi«g«»tzen. — Keine Entsendung dev Unterhändler ««ch Minsk. Warschau, 6. August. (Wolff.) „Kurs er Warszawski^ berichtet, daß das Kabinett gestem den ganzen Tag über die den b o l s ch e w i L i s ch e n Friedensvorschlägen gegenüber einzunehmende Stellung beraten habe. Es wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen, die Entsendung einer Friedensdelegation von der vorherigen Antwort der Bolschewiken auf die polnischen Bedingungen, welche der Sowjetregierung meiner besonderen Note übermittelt wecdm sollen, abhängig zu machen. Diese Bedingungen sollen wie folgt lauten: 1. Anerkennung der Souveränität des polnischen Staates. 2. Verpflichtung der Sowjetregierung, sich in die inneren Angelegenheiten Polens nicht einzumischen. Der ursprüngliche Plan, die Friedensdelegation sofort nach Min sk zu entsenden, ist fallen gelassen worden. Der Prozeß gegen die Mörder TiszaS. Budapest, 6. August. Am heutigen Verhandlungstag des Prozesses gegen die Mörder des Grafen Tisza wurde die Nichte des Ermordeten, Grasin Denue A l m a s s h, einveniommerr, deren Darstellung keine neuen Momente aufwe-st. Tagesbericht. Die Anforderung der FlüchLlirrgswohnrmge«. Gestern vormittags erschienen Abg. Stricker und Gemeinderat Dr. Plaschkes beim ge sch äfts führenden Vizebürgermeister Emmerling, um gegen die. gesetzwidrige Wohnungsamorderung Verwahrung einzulege-n und dem Bürgermeister nachzuweisen, daß die nnmenschlichr und zwecklose Hetze gegen Flüchtlinge der Stadt nicht nur keinen Ruhen, sondern dem Ausland gegenüber schweren Schaden bringen werde. Abg. Stricker machte dem Bürgermeister klär, daß es die Gemeinde nrcht notwendig habe, sich in einer Sache ausspielen zu lassen,. iu - welcher, alle damit bisher befaßten Behörden restlos versagt haben, und' wies nach, daß chie Anfordernngsbe>cheide völlig gesetzwidrig und der mit der Anforderung angestreüte Zweck unerfüllbar sei. Die Herren berichteten dem Bürgermeister, daß Staatssekretär Dr. Brei § f t) auf Grund der Ausführungen des Abg. Stricker Me sofortige Revision des gerügten 'VersähreM 'tzzuffes-agt' 'Habe.' Bürgermeister Emmerling erklärte, er selbst sei in der Sache nicht genügend informiert, er werde , altes tun. um eine Ungerechtigkeit hin tanz »halten, und sich sofort die zuständigen' Beamten' des Wohnungsamtes behufs Berichterstattung kommen lassen. Gemeinderat Dr. Plaschkes intervenierte sohin beim Wohnungsamt der Stadt Wien und verhau-, bette über denselben Gegenstand mit dein derzeitigen Leiter.- Magisträtssekretär Dr. Pawlik. Dieser exklärte, er sei bloß ausführendes Organ der Landesregierung, welche-den Befehl zur Anforderung erteilt habe, sehe die an Unmöglichkeit grenzende Schwierigteit des Verfahrens ein und hoffe, daß dem Amte solche Aufträge zugehen werden, die geeignet sind, unnötige Schikanen zu vermeiden. In diesem Sinne werde er auch dem geschäftsführenden Vizebürgerineister Em- ^merling, zu dem er auch berufen worden sei, berichten. __ Horthh und sein jüdischer Apostel. Aus Gödöllö, dem beliebten Iagdgut des verstorbene!: Franz Josef, kommt eine interessante Mitteilung. Reichsverweser Nikolaus v. Horthy war mit seinem Gefolge in Gödöllö, der ungarischen Sommerresidenz des ehemaligen Kaisers und Königs, eingezogen. Der Einzug wurde mit Blumen, weißgekleideten Mädchen, Vereinsfahnen, Musikkapellen und anderen Requisiten des Kaiser, und Königtums gefeiert. .Zum Empfange rückten auch die Seelsorger der verschiedenen Konfessionen in vollem Ornat aus. In Gödöllö war cs das erste Mal, daß der Rabbiner auch auf der Liste der Geladenen stand. Seine Ehrwürden Herr Joses 5t' l e i n, Oberr a b feiner von Gödöllö, war auch pünktlich zum Empfang erschienen. Bisher haben' die weißen Terrorbanditen die Juden bei allen Anlässen ostentativ übergangen und es war für sie ein Festtag, wenn man einen Rabbiner, hat in den Kerker Wersen oder blutig schlagen können. Die weiteren -Einzelheiten des Berichtes erklären, weshalb man hier eine Ausnahme machte. Josef Klein, der Oberrabbiner von. Gödöllö, hat gesprochen. Er hat Nikolaus v. Horthy begrüßt; er hat den Reichsverweser mit Moses verglichen, der das' Volk durch hie rote Gefahr dem Lände , der Verheißung zuführte. Und Oberrabbiner Dr. Klein ist vor Schande nicht versunken, als..er diese 'Worte sprach. Ja noch mehr, der Herr Oberrabbiner warf sich in Positur, stigmatisierte mit Donnerstimme den Rabbiner Immanuel L ö w und wandte sich gegen den Wiener Oberrabbiner Dr. CHajes, den „geschworenen Feind des Judentums",, den Führer des jüdische» Nationalismus, weil er sich mkompetenterweise in -die internen Angelegenheiten Ungarns Hineinmenge... Me man sieht, gibt es in Ungarn .noch! Mamresstolz vor ..Königsthronen". Sie sind einander würdig» die ungarischen Reaktwnshauptlingv und' das würdielW jüdische Assimilantenpack, das aus. Bestellung die Hjtif , ligsten Traditionen schändet und sein Uebriges dazÄ! tut,-um verdiente jüdische Männer zu verumglimpstn?' Antisemitische Hetze im Sstseebad Cranz, o Im bekannten Ost sieb ad Cranz haben Hetzer versuch^,'' [ Unruhen gegen die Juden hervorzurufen. Studenten mit; dem Hakenkreuz durchzogen die Stadt, wonach sie vor bentz' jüdischen Restaurarrt Halt mochten und aufreizende Lieder;' fangen. Der Besitzer des Strandhotels hetzte die Massen^' gegen die Juden auf. Durch das energische Eingreifen desj; Amtsvorstehers, der sofort Sicherheitswehr aus Königsbergs herbeirief, würde Blutvergießen verhütet. Die jüdische völkernng hat in Massen den Badeort verlassen. Valtttenschmuggeleien in der Höhe von 50 Millionen. Der Polizeibehörde gelangte in der letzten Zeit zuvs - Kenntnis, daß sich ein 25jähriger italienischer Kaufmann.^ der vormals als italienischer Oberleutnant Dienst getan und; hier wohnt, mit Valutenschmuggel in großem. Maßstäb besaßtl und dabei auch eine Unterschlagung begangen haben soll.,. Der K,msmann und frühere Oberleutnant wurde zunächst! verhaftet und bei der Durchsicht seürer Habe wurden mehrecks. gefälschte Stempel der italienischen Militärmission in Wien Und eine Anzahl Dokumente gesunden, durch die er uitö. ein zweiter italienischer. Kaustnann, der auch hier seinen Wohnsitz hatte, fälschlich als diplomatische Kuriere bezeichnet waren. Auch btzese Dokumente erwiesen sich als. geschickte Nachahmungen. Nun erfolgte auch die Verhaftung des zweiten Kaufmannes. Bei ihm wurde das für feen Nachweis der' großen Valutenfchiebungen schwer belastende Beweismaterial gefunden. Es bestand in Ausschreibungen, denen zufolge'die beiden Kaufleute mit Hilfe der gefälschteir Dokumente nach und nach auf wiederholten Reisen Valuten im Betrage von 50 Millionen Kronen ins Ausland: geschafft haben. Ihre Auftraggeber waren der ^lljährige, technische-..Hochschüler Arnold Spatz, zu Krakau geboren, S. Bezirk, Rennweg 33 a wohnhaft, der. 40jährige Kaufmanw Nussim'Presente, zu Varna geboren, zuletzt 4. Bezirk, Schleifmühlgasse 5 wohnhaft, der 36jährige Kaufmann Luis- Land an,, zu Roman in.Rumänien geboren, 4. Bezirk, Schwindgasse 15 wohnhaft, und ein Mailänder Bankier, der zurzeit, ebenfalls in Wien wohnte und ebenfalls verhaftet wurde, als -er eben aus Italien hier eingetroffen war. Bei der Durchsicht seiner Wertsachen fand man einen gefälschten Stempel des italienischen Ministeriums des Aeußern und verschiedene Dokumente, die auch ihn als Kabinettskurier bezeichnen. Als weitere an dem Valuten schrnuggel beteiligte- Personen wurden ermittelt: der 65jährige Kaufmann Benjamins K a r p f, zu Nisko in Galizien geboren, Kolowratring 12t wohnhaft, der 63jährige Großindustrielle August Lederer, zu Böhmisch-Leipa geboren, 1. Bezirk, Bartensteingasse 8. wohnhaft, und der 38jährige Bankier Ignaz Aftakia«^ zu Rustschuk geboren, in Paris wohnhaft. Reue Fortschritte in der drahtlose» ,, Telephonie. ' Dieser Tage hat der englische Dampfer »Viktoria* auf tmcj Entfernung von 12.000 Kilometern und bei uugüustigeu atmoshpärsschen Verhältnissen mit der Stadt St. I » h » iu Neufundland auf funkrntclephonisÄem gesprochen. — In D'e u t s ch l a n d sind Erfolge auf dem Gebiet der Funkentrlephonie erzielt worden, dir noch bedeutender sind. Vor kurzem glückte eine Verbindung zwischen B erlin und Madrid über 1800 Kilometer herzustellm. DaS zwischm beiden Städten abgchattene telephonische Gespräch konnte auch anderen Hauptstädten gut ausgenommen werden. Ein jüdisches Institut für Jugendforschung mtb! Erziehung. | Nach mehrmonatigen Vorbereitungen ist nrrnmehr die Gründung, eines jüdischen Instituts für. Jugerrdforschung und Erziehung in Wien erfolgt, dessen Grundstock die in eine gerneinnützige Stiftung, für! Palästina bestimmt, verwandelte Bibliothek und Sammlungen des Herrn Dr. Siegfried Bernfeld (zweitausend' pädagogische und psychologische Bände und zwanzigtausend Sammelnummern) bilden. Zweck des Jnsti-f tuts ist: j 1. Bereitstellung von Material für soziologische', und psychologische jugendkundliche Arbeiten durch! Sammlung von Dokumenten zur Geschichtet^ jüdischen Erziehungswesens und zur Geschichte der jüdi-s scheu Jugend; v 2. Verarbeitung in Form von Bibliographien und Arbeiten aus dem Gesamtgebiet der Jugendforschung^ 3. Förderung des Interesses und des' Verständnisses für neue Erziehung im Kreise der Erzieher und pädagogischen Laien; . 4. soll das Institut zunächst bedacht fein auf Erweiterung der Sammlungen.! -1) ES ergeht hiemit der Aufruf, sich bei bei; Leitung!' des Instituts (Wien, 13. Bez., Auhvfstraße 222) als^ Sammler zu melden. Die Sammler erhalten eine genaue > Sammelanweisung. Ferner ist das Institut schon jetzt in der Lage^j! Material für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung! zu stellen. Die Eröffnung von Sammelstellen^in sSteit*]; Berlin, Prag, Heidelberg, Paris, Zürich und in stiM steht unniütelbar bevor, " 7>: ■ i