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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-07 · Heft 554 (7.8.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 554 (7.8.1920)
Date
1920-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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K L.WTd ^rKMW«qtion,»r«is«: W iZN r» Zv» Abhoje» Mpttttion, L Bezirk» LaKor« BMft't fci|3» oder t* einer r %Wci&ftette (Lrafit»-. Wovatktch. . ttronerr »«>.— Vt^teljahrktch „ V»- Bitt Poft0y?san^s»k Mku «« DUnwkttch .. Krone« SO, - Lichrcho-Slawakei! N»natttch v . Kronen LS.— vierteljährlich „ »v.- «tsLecho^lowakilcher WSHrun- Ottfjanc ■ Monatlich . Kronen •*'<>. - Vlrrteljäyrttck .. 00.- '' iä nagarischer Währnug Jugvjla«ic«: . Monatttch .. Dm« vtertegithrttch * 18.- rener Gmretevrmplnrr Nrers K L.»0 Prännmerationspreffer Bote»« Monatlich .. Marl SO.— Vierteljährlich .. 9Q*~. tu polnische« WLhrnug Dentfchlimd: Monatlich. . . Mark 10.- Frankreich? Monatlich. . . FranrS - Italien: . . vlonatlich .... Lire 5*— Schmerz? Monatlich . . . Frone- Für da? übriae An«!and : vierteljährlich Krone« 1 rS.— Siedartion u. rldmiutstratioa '. LSt«n.ch.V«^»Tai'»rstr.1-S. Telephon« Admintttratio» 44<»»8, Sted«tttou 4SS1». ab « Uhr «U>en»- Str. 18301 Voßtsparrasseatonro 150.8!Ö 554 Wien, Samstag, den 7. August 1920 2. Jahrgang Die Moskauer MWsrtnoie ’; - L o tt b o n, 6. August. Eunkspruch.) Die gestern an K Lmeneiv von Moskau emgsLsugLe Mhpimdepesche ist gestern nachts von ihm der britifchen Rrgierung übergeben worden. Der genaue Inhalt der Note ist noch nicht bekannt; einige Zeitungen veröffentlichen jedoch Auszüge. vD a i l y T e l e g r a y h" teilt mit, daß die SoWjetregierung unter anderem erkläre r Hie Sowjetregiernng beabsichtige durchaus nicht, ihre Kriedensbedingungen je nach den <£rs folge« Wie «ach einer „grerlenden Skala" auszubgu^ . ' i „DnilyNewS" teilen aus der russischen Rote mit, daß die polnische Abordnung nur Vollmacht ihres militärischen Kommandos gehabt hätte, wodurch die Besprechung einer der Vorbedingungen, -er t e i l w e i s e n E n t w a f s n u n §, unmöglich gewesen, wäre. Da die polnische Abordnung dem Wunsche der russischen Regierung, sich die Ausdehnung der Vollmacht auf Funksprnchweg zu Verschaffen, nicht Nachkommen wollt sei sie nach Warschau unverrichteter Dinge zurückgereist. , St a m c tt c i» soll Llvhd Georges den Inhalt der Friedensbedingungen bereits unttzeteitt haben, sie sollen nicht sehr streng sein. - 1' ... " 1 Sapieha an . W a.r s ch a u, 6, August. (Funkspruch.) Die p v lstifch e Regierung hat an die SoWjetregierung iöltzeyde Note gerichtet: ( Mn den Volkskommissar des Aeußern Tschitscherin. ' fs. Nachdem'dft..Polnische. Regierung von dem Bericht der aM/,WDyMrtfKi-''rüäAekehrten Abgesandten Kenntstis gMoinmen hat. konnte sie seststellcn, daß die -Sowj'etretz,iexuitg de«Abschluß eines - P a f. f. cn st i 11 ft a ff b e s m itP p I c it v e r weigert hat und sich weigerte, dessen Bedingungen uritzuteilen. Die vvlnffchc Regierung stellt gleichzeitig f<$, daß die polnische Abordnung ihres Rechtes des freien Verkehres mit ihrer Regierung beraubt worden war. Die neue Note der Sowjetregierung, gleichzeitig über den Waffenstillstand und dien Vorfrieden zu verhandeln, wurde zur Kenntnis genommen. Da unsere Abgesandten nur mit Vollmachten zum Abschließen eines Waffenstillstandes versehen waren, ist dieser Vorschlag . . . (verstümmelt). Me diese Tatsachen nötigen die polnische Regierung, sestznstelleu, daß die SoWjetregierung den Kriegszustand zwischen, beiden Landern zu verlängern sucht und jede Verantwortung für die Fortdauer der Feindseligkeiten auf sich: »innnt. Die polnische Regierung ist, um alles in ihrer Macht Siebende zu tun, um den Krieg zu beenden, trotzdem bereit, TschiischLrin. eine Abordnung nach Winsk zu senden, um gleichzeitig über Waffenstillstand und Borfrieden zu verhandeln, aber sie ist genötigt, die Gewähr zu verlangen, daß die Abordnung durch die Funkenstation Minsk frei mit ihrer Regierung verkehren kann sowie auch durch Kuriere, deren Reisen jedmögliche Erleichterung unter beit 10^102« 3« 5pc* währen wäre. Die polnische Negietung erächtefes' angesichts der Tatsache, daß die SoWjetregierung feinen, regelrechten Waffenstillstand schließen will, als notwendig, daß'sie jedenfalls die E i n st e 11 u n g jeder Angriffsh an d l u n g verlangen kann, sobald die Verhandlungen beginnen. Die polnische Regierung ist bereit, auf der Grundlage gegenseitiger Anerkennung der unstreitbaren Rechte Frieden zn schließen, und wird versuchen, eine Regelung aller Fragen zu finden, die in der Ankunft zwischen Polen und seinem östlichen Nachbarn gute BcziehirUgen gewährleisten. Die polnische Regierung kann über keine Bedingung verhandeln, die Polens Unabh ä n g i g k e i t s r e ch t e a n t a st e n n u d eine E i nmengnngindieinneren Angelegenheiten P o l e n s b e d e n t e n w ü r d e. Die polnische Regierung erwartet von der Sowjetregierung eine Erklärung jener Grnndsätzc, die als Grundlage zu den Friedensbedingungen dienen sollen. Sapieha." Keine französische Armee »ach Polen. ' 6. August. Per „SB a t i n" Schreibt : Von französischer Seite ist das Ge- Mcht vetbrettet worden, man denke daran, P r uppen z u e n t s e n d e tt N ach A n skün f t e n, diewir erhalten h a he n, fst dies e Nacht ich i vollkommen ü » r i ch t i g. Die französischen Truppen brauchten einen Monat, um anzukommen, und müßten sehr zahlreich sein. Nachdem Frankreich Deutschland bssiegt hatte, darf es sich yrcht d e m N i s i k o e l n e s R ü ck z u g e s v o r d en B P lfch ew Lke« ans fe'tz e n. Auf. keine« Fall wird Millerand in dieser Ängelegenhcit etwas? unternehmen, ohne vortzyep den Rat des Parlaments erpgeholt zu Hakens-• ',. Truppentransporte über Wien? 5. August.' (Funkfpruch.) „Matiu^ Mreivt zu den polnischen Ereigniffen» daß, Denn Warschau auch vom Danziger Gebiet abgeschnitten werden sollte, außer anderen Haien d i e B a h n n a ch Wien r n r Ber- Eröffnung der jüdischen WelLhilfskonferenz in Karlsbad. Karlsbad, 5. August. (Iewish Correspondence Bureau.) In Anwesenheit von 86 Delegierten, die 28 Länder und 66 Hilfsorganisatimren und NaLionasräte vertreten, wurde heute die W e l t h i l f s k 0 n f c r e n z von Leo Mozkin eröffnet. . Der Präsident der tschecho-slowakischen Republik Masarhk sandte der .Konferenz ein herzliches Be. g r ü ß u n g s t e l e g r a m m. Von den erschienenen Delegierten hielten S i m v n s.e n, S l i 0 s b e r g, Singer (Prag), und Ussischkin Begrüßungsansprachen. In das Präsidium wurden Mozkin, Simonsen, Salkind> Soloweiczv^ ^'irnbanm, Rottenberg (Amerika), Sliosbrrg, Epftern (Amerika) und Singer gewählt. Hieraus erstattete S l i 0 s b e r g ein Referat über die Lage der Juden in Ru ßland und Solowejezvk über die Lage in Litauen, T 0 m k t u über die ukrainis ch c n Juden. Letzterer führte ein erschütterndes Bild an der Hand statistischer Angaben vor Augen. 586 Ortschaften der Ukraine sind von Pogromen heimgesucht worden, Lei denen 138.606 M e ils ch e n i h r Le b c n e i n b ü ß t e n. Hiezu komme« noch die von Denikin veranstalteten 69 Pogrome. Die Folge der ukrainischen Judenwetzeleien sind heute 1,206.006 Brot l 0? e und 130.000 Waisenki n d e r. Mitteleuropas Schkrksalsfrage V. Dien. 7. August. - Dis letzten Ereignisse haben die Aussichten avf.das ' Zustandekommen der Londoner Konferenz fast gänzlich schwinden lassen. Ein Funkspruch des Londoner Auswärtigen Amtes an die Bolschewikenregierung erklärt geradezu, daß der Gedanke an die Londoner Konferenz als aufgegeben zu betrachten fei, da die Bolschewiken an Polen die Aufforderung gerichtet hätten, mit ihnen in direkte Friedensverhandlnngen einzutreten. Die Polen haben sich auch durch ihren völligen militärischen Zusammenbruch gezlvungen gesehen, nach. Minsk zu gehen, um über den Frieden mit Rußland direkt zu. verhandeln. - Die Bolschewiken haben sich zu Meistern im politischen' Hin und Her entwickelt, sie nützen die Situation aus, die sich durch die ihnen gegenüber geübte schwankende und ablehnende Politik der Entente für sie ergeben hat, und da man ihnen bisher "die Anerkennung als rechtmäßige Negierung verweigert bat und sie sozusagen in einem dauernden ex lex hält, so glauben sie, sich diplomatische Seitensprünge jederzeit gestatten zu können. Sie haben vor einigen Tagen die grundsätzliche Bereitwilligkeit er-; klärt, sich in London mit den Ententemächten an den Berätungstisch zu setzen, und überraschen jetzt plötzlich mit einem neuen Programm, welches natürlich den ganzen Plan der Londoner Konferenz durchkreuzt. Die Bolschewiken wollen mit Polen in direkte Friedensverhandlungen emtreten. sie geben damit zu erkennen, daß sie dierussisch-polnische Frage als ein Problem ansehen, das lediglich die beiden beteiligten Seiten angeht, und bestreiten damit indirekt die Berechtigung der Westmächte, in. der. Frage Polens entscheidend mitzusprechen» Die ‘ russische Bolschewikenreg i evun g. - hofftöffenbär> wit .tzmevi Poleu, dessen Niederlage täglich deutlicher wird, viel leichter fertig zu werden, und mochte ungebetener Einmischung aus dem Wege gehen, auch geht es ihr äugenschemlich darum, Zeit zu gewinnen, und die letzten Tage haben gezeigt, daß jeder gewonnene Tag die militärische Situation Polens verschlechtert, wodurch das Selbstbewußtsein der Sowjetregierung bedeutend gesteigert' werden mutz. Das Chaos, das der von Polen entfesselte-Krieg verursacht hat, geht natürlich letzten Eudes, aus das Verhalten der Entente selbst zurück und den Boffchwiken ift die Meinungsverschiedenheit keineswegs verborgen geblieben, die zwischen England und Frankreich besteht. Die Unklarheit in der Frage der gegenüber Rußland emzuschlagenden Politik geht sogar so weit, daß es innerhalb des englischen Kabinetts selbst diesbezüglich eine wirkliche Einigkeit nicht gibt, und bekannt ist der letzte Auf-' satz des englischen Kriegsministers Churchill, welcher eine Teilnahme Deutschlands im Kampfe gegen den- Ansturm des Volschewisnms gefordert hat. Wie wenig diese Auffassung in der Oeffentlichkeit Englands auf Sympathien stößt, beweist die Sprache der englischen liberalen Presse und namentlich die Stellungnahme des führenden Publizisten Gardiner, welcher sehr energisch für eine Anerkennung der Sowjetregierung eintritt. In der. Tat liegen die Dinge so. daß Europa und zunächst Mitteleuropa,. vor. eine Schicksalsfrage gestellt ist. Die Entente hat. sich bisher nicht entschließen können, zu normalen Beziehungen mit den Polsckjewiken zu -gelangen, und so oft-England ün dieser Richtung einest Schritt nach vorwärts tun wollte, fiel ihm Frankreichs kurzsichtige und neurasthenische Politik in den Arm. - Ohne auf die Frage der Möglichkeit einer bolschewikischen Gesellschaftsform einzugehcn, muß man es doch . als unlogisch bezeichnen, daß eine Regierung, welche mit ' dem Zarismus jahrelang durch dick und dünn gegangen ist. das moralische Recht hat. einer Staatsform die Anerkennung zu verweigern, welche sich in. nicht Höherem Maße auf die Gewalt stützt, als es das zaristische System tat. Aber hier handelt es sich gar nicht rnehr unl die Frage moralischer Berechtigung, sondern lediglich um die der politischen Zweckmäßigkeit. Die französische Politik hat die neue russische Frage-seit ihrem Anbeginn lediglich unter dem Gesichtswinkel der Anerkennung öder- Nichtanerkennung der durch das Zaren-Rußland aufgenommenen Schulden betrachtet, sie - hat darauf hingearbeitet^ und eS ist ihr gelungen, ein großes Polm zu schaffen, sie hat die Polen gehätschelt und dachte, so gleich, zeitig einen Prellbock nach zwei Seiten zu schaffen: Gegen Deutschland und. Legen den Bolschwismus. Frankreich trägt die Mitschuld, daß sich in Polen ein «nEonaliüÜcher Umieri2.ujZmus. entwickelt bat. und: die

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