Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 549 (2.8.1920)
- Date
- 1920-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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In - einer Besprechung der hier Ibereitamvrsende» Delegierten der Bergarbeiterkon- ' « r e s f e - wurde auf Verlange» der Belgier und Franzose» defchlvffr», die Frage der Schuld amKriege anch auf de« Ber-arbeiterkougreß in öffe« tlicher Sitzung zur Spreche zu bringe». Zur Teilnahme am Internationalen > S zialistenkongreßsind nachträglich «och r » e i |» * ß a r i s ch e D e l« g i e r t r eingetroffen. , Die vom Kongreß eingesetzten Kommissionen begannen; gestern «achmrttagS ihre Arbeiten. Die erste Kommission schlug ide» Kongreß vor, eine Kommission zu bestellen mit dem Auj- . trag, Verhandlungen mit den Gruppen, die der Zweit «»International e « i ch t angehören, ewzuleitr», »m mit diesen zusammen eine einheitliche, ^starke Internationale zu errichten aus Grundlage der" traditionellen und demokratischen Grundsätze de« Sozialismus. Die -zweite Kommission prüfte die Frage der S ch u l d a w K r iege. Sie beschloß nach Anhörung der Delegierten der am Kriege beteiligt gewesenen Länder, eine Unterkommijsion mit der AnSarbeitung einer Resolution m belassen. Diese Kom' »issto» istzüsammmgesetzt a»r van Kol (Holland) als Präsident«» rmd Bezicre« (Frankrtich), Lafontaine (Belgien), Hill (Eng- 'UrW^W-J er» N Kt ü 1 l chl a n djunh Engelberg(Schweden). ' Eine dritte Kommission, chrlchr die S o. z i a l i s i e r « » g «nd das politische System des Sozialismus zu prüfe» hat, beschloß, zwei Unteikommissionen hiefür zu bestellen. In bezug aus die Sozialisieiüng verlangte die Kommission ihre a l lmäh l i ch e D « r ch f-Ü-h r u u g und in bezug auf das politische System de- SoüaliSumS empsiehlt sie die Anwendung der demokratischen Grundsätze in den Industriebetrieben, daS heißt Gewährung ei« eS Einflusses derArbeiter a » f d i e Gestalt u u g d er B e t r i e b r. Die vierte ^Kommission, welche sich '»nt der Prüfung der Mandate zu befallen halte und an der kein deutscher Delegierter teiluah«, beschloß. die Frage der Zn", lällung der in Genf anwei'mde» franz-stschm Delegierte»^drm Kongreß selbst zur E»tschnd»ng vorznlege», davon verfchiedenev Seiten die Eigenschejt der franz-stfchm Delegiert« ,l< Soziellsten « Zweifel gezogen wrrd. Berlin, 1. August. (Wolff.) Nech hier vorliegenden st^eldnngen hat Dr. Braun r» Genf nicht zugunsten einer Erörterung der Schuldfrage gesprochen. Er hat vielmehr ansgeführt, daß die Deutschen sich einer solche» Erörterung «ich t entziehen w o ll t e n, wenn sie sie auch alg fru ch tlg-, » n v » r teilhaft und verfrüht betrachtetem Hie fruchtbare Arbeit des Kongrcsses dürfe sich nicht in historische« Betrachtungen erschöpfen. DaS Proletariat erwarte vielmehr von diese»! Kongreß positive Ergebniffe. Der Sozialistenkongreß über fei« Schuld am Kriege. Sie GeWiffe«l»st,»«it de» dentsche« ««d »sterveichischen Mnchttzader. Genf, 3. Angust. (Wolff.) Dir Kommission für die B t1* g » t w o r t l i ch k e i t - s r a g e der Internationalen S oz i ali st i s ch e n Kongresses nahm «ach schwierigen Verhandlungen unter Vorbehalt ber Znsti««»»- b e r d e»t s ch e» Delegat:»», die «och nicht vollzthlig in Genf erschiene» ist, e i » st i « », i % folgende Rrsolntian zur K r i e g - s chuld an: I» ErwLgnn», daßdiebeutschrnSozialdewokracke» in ihrer Denkschrift über die Frage der Verantwortlichkeit anerkannt haben, da« sie den Fehler begangen haben, nicht frühze i t ig » nd e « rrgis ch ge nn , d a t S y st e m de< Militari«»,,s nnb Jmperiallßmu« b e k 8 m d f t zu h a b e n, vor «Ae« hinsichtlich der Leitung der anSmärttge» Angclrgenbeite«, die der Kantrolle der BollSvertretnug entzogen waren, in weiterer Er-, ' wstg«ng, daß die deutsche Sozialdemokratie selbst sagt, daß die deutsche Revolution z«m Unglück der garrzen Welt, und desonbrrS auch deS deutschen Volles selbst um fünf Jahre , v s p ä t gekommen ist und baß darin, nicht schon sttüher den Weg gebahnt zu haben, die Schuld liegt, deren die deutsche Gozialdemokratle sich anllagrv müsse, in werterer Erwägung, baß die Vertreter der deutschen Soziale ernolratie in der Kommlssion über die Schnld'rage die nachstehende Erklärung abgegeben haben: aufs schärfste erschüttert, indem eS Elsaß- Lothringen im Jahre 1871 mit Gemalt annektiert hat. Für die deutsche Sozialdemokratie gibt eS keine clsaß-lothringsche Frage mehr« 3. DaS kaiserliche Deutschland hat ein neuerliche- Verbrechen gegen daS Völkerrecht begangen, als es im Jahre 1914 die Neutralität und Unabhängigkeit Belgiens verletzte. 3. DaS republikanische Deutschland selbst fühlt sich verpflichtet zur W i e d e r g n t m a ch u » g der Folgen deS Angriffes, den das kaiserliche Deutschland auSgclöst hat, nachdem eS daS noch am Vorabend des Konflikts mögllchr S ch i e d Sg e richtabgelehnt hatte, nimmt der Kongreß diese Erklärung zur Kenntnis und erneuert die Erklärung der alliierten Sozialrsten vom Jahre 1915, daß das kapltaüstische System durch die Uebertrribung seiner Jntercffenpolrtik und seiner Rachsucht eine der tiefste» Ursachen de- KriegeS ist und erklärt gleichzeitig mit denselben Ausdrücken wie die deutsche Denkschrift, daß sein n » m i 1111* barerAnlaß Haupts ä ch l i ch, wen» anch nicht ausschließlich, bei der mit Kopflosigkeit gepaarte» G e» w i s s e N l o s i g t'’e4-tb..m l j ech st ü r z t e» de » tsche» und ö st e r r e i ch r s ch e u Machthaber liegt. Der Kongreß gibt die Urheber der abscheulichen Schlächterei, die Europa und die Welt in Blnt gebadek haben, dem Abs che» d e r B 5 l k e r p r e i S und, bekräftigt seine» festen Wille«, alle seme" Kräfte der W i e d e r h e r st e N u n g d e r diu r.ch d e n K r i e g , e r st ö r t e n W e l t zu widmen und von nun an zu kämpfen gegen die kriegerischc» Mächte im Gerste und Dienste der Internationale. De» Verhandlnngen der Kommission wohnte deutscherseits ReichStagSabgeordneter Braun ttr. Die Refulntion soll heute r« der Bollsitznng deS KongreffeS zur Verhandlung kommen. Für die Frage der Abrüstung hat die Kommission eine Unwokommissio» gebildet. Die Türken wollen unterzeichnen. Paris, 1. Attgust. (Funkspruch.) Die türkio fcheFriede ns delegationist Freitag früh i« Versailles eingetroffen. Hamdi Pascha erklärte einem Vertreter des ,,Exeelfior", daß die Delegation den Frieden Unterzeichnen und frenndschaftliche Beziehungen mit der Entente »iederherznftellen bvLnsche. _ Ein Ultimatum Rnrnüniens an Rußland. Belgrad, 1. August. (Südslaw. Preßbnr.) Die rnmLnische Vegiernnz hat an R n ß l a n d «ine Note in Form einer Alti«atumS mit der Anffrrdernng gerichtet, die russischen Trnppe« ans Bessarabie« s o f o r t z nr S ck z u - i e h e n. Der S»Di«tregier«ns mnrde eine d r e itägige Frist gestekt. Wie verkantet, werde Rumänien die Mobilisierung an ordnen. _ Räumung vou Warschau und Lemberg. Berlin, 1. August. Die „Deutsche Tageszeitung" meldet aus Basel: Dar polnische Pretzbureau berichtet, baß au- Lemberg und Warschau die städtischen Depots und Banken entfernt wurden. Die polnischen Abteilungen haben Lemberg verlassen und sich auf P r z e m y S l zurückgezogen. Die polnische Anneeleitung ist enischlosftn, die Festung PrzemySl biö aufs äußerste zu verteidigen. ■ DaS BlsmarckscheDentschlaud hat, wie 7r.r mtb Engels erklärt haben, de» W e l ts r i e d e y Der ungarische Einbruch in Fürstenfeld. Die Korrespondenz Herzog teilt mit: Die im Zuge befindlichen Erhebungen über die Waffenplünderung in Fürstenfeld haben bezüglich der Urheber noch kein greifbares Resultat ergeben, doch erhält sich nach wie vor die Ansicht, daß bic• Seite« der Plünderung zweifellos in den Kreisen der in den Offizierslagern in Deutsch - Westungarn aufgestellten sogenannten „österreichischen Legionen" zn suchen sind. Die OssizierSformationen in Deutsch-Westungaw haben bei der Aufstellung der Legionen hauptsächlich .. mit dem Mangel an Waffen und Ausrüstungsgegenständen zu kämpfen, so daß sie glaubten, diesen Mangel t' ümso eher durch eine Plünderung des Fürstenfelder Depots beheben zu können, als sich in der letzten Zeit immer mehr die Nachrichten verdichteten, daß der Einmarsch Deutschösterreichs in Deutsch- West Ungarn, das ihm durch den Friedensvertrag von St. Germain zugesprochen wurde, unmittelbar bevor st ehe. Dieser Einmarsch sollte zweifellos von den Offiziersformationen, die gewiß mit den Brachialformationen in Budapest zusammenarbeiten, .mit Waffengewalt verhindert werden. Der Amtsleiter der Staatsamtes für Heerwefm, . Oberst K ö r n e r, hat bereits mit dem mit der Untersuchung beauftragtm Brigadekommando eingehende Konferenzen gepflogen und wird sich nunmehr an die Grenzebegebe«, mn seine Erh eb ung en an Ort u«d- Stelle fortzusetzen. Da die Untersuchung naturgemäß' nur auf österreichischem Boden geführt werden kann, ist/ eine vollkommene Aufhellung der mehr als mysteriösen' Affäre durch die österreichische Kommission nicht zu er-' warten; eher wäre dies durch die in Aussicht ge-' nommene Offiziersabordnung der Ententemisswnen zu^ gewärtige«, welche ihre Untersuchung auch auf ungarischem Boden führen könnte. Obzwar die geraubten Waffen zweifellos sofort an die „österreichischen Legionen" sowie an die Bauernbund Gegner eines Anschlusses Deutsch-Westungarns an Oesterreich - verteilt wurden, wäre es der Ententekommissstyn ’ gewiß möglich, sich an Ort und Stelle die nolwendigen Aufschlüsse zu verschaffen und sich durchs eine». Besuch bei den Offiziersformationen ein Urteil über die Tätigkeit derselben sowie insbesondere über die Beschaffung der Waffen rc. für diese Truppe zu. bilden., Insbesondere dürfte die Ententekommission sich in Zolaegerszeg wertvolle Aufklärungen verschaffen können. In politischen Kreisen hält man daran fest, daß die Idee und die Ausarbeitung des Planes zum Ueberfall' auf das Fürstenfelder Munitionsdepot von den Offizieren und Kadetten im Lager von Zalaegerszeg ausgegangen ist, denen sich dann westungarische Elemente angeschlvffen haben. Zn» Plünderung des Waffendepots in FürsLenfeld. Fürstenfeld, 2. August. Heute früh sind, hier 50 Gendarmen zur Verstärkung des Grenzschutzes eingetroffen. Die Untersuchung hat bereits eme Reihe von wertvollen Ergebnissen gezeitigt, die jedoch im Interesse der Untersuchung noch geheim gehalten werden. Bolschemikifche Kava Serie an der deutschen Grenze. Aklenstein, I.Aug. (Wolff). Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Eine Scüwadro« bolschewikischer Kavallerie ist jenseits der Grenze in P r ö ft k e n (Kreis Lyck) eingetroffen. Auch an verschiedenen anderen Stellen der Grerrze haben sich bolschewikische Patrouillen gezeigt, so gegenüber von B o r S z y m m en (Kreis Lyck) und D l u g o S z e n. Sie habe» der Grenzbevölkernng erklärt, daß sie die Gre.nze nicht überschreiten werden. Die polnischen Posten an der Grenze sind bis in die Höhe von Friedrichthof (Kr«S OrtelSburg) zurückgezogm worden. Kraffin wieder nach England. London, 1. August. (Reuter). Nach einer Meldung deS Blattes „New of the World" ist Krassin gestern - abends an Bord eines britischen Torpedobootzerstörers in Harwich eingetroffen.