Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 543 (27.7.1920)
- Date
- 1920-07-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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t Seite 2 Me», Dienstag -Viener MorgenzeZtnng vie rionislkche 3abrc$konlereti2 in Condon. London, 22. Juli. (Tel. der ..Wiener Morgenztg.".) sDie Nachmittagssitzung am 81. Juli wurde von Lord -Rothschild eröffnet. Dr. H a n t k e führte folgendes Mer dm Stand der s Organisation jauS: Unsere Beschlüsse haben Details der Organisation!zum Gegenstand, ohne daß ein ausführlicher Bericht über idie Organisationsarbeit vorgelegt worden wäre. Es ist tkaum an der Zeit, dies nachzuholen, und ich will daher jnur einige allgemeine Bemerkungen machen. Wir sind zu idieser Konferenz nicht nur mit gewissen politischen Ersgebnissen gekommen, sondern auch mit einer Organisation., die über j 1,000.000 organisierte Zionisten! um faßt. Das bedeutet, daß von den drei: Millionen er-!wachsener Männer, die die jüdische Bevölkerung in den ^organisatorisch erreichbaren Ländern zahlen dürfte, etwa jein Drittel organisiert ist. Wenn wir im Kriege immer gesagt haben, daß die zionistische Organisation die Vertretung des jüdischen Volkes darstellt, so ist daS jetzt auch durch Zal-len bewiesen. Die zionistische Organisation ist nicht eine politische Organisation in dem Snne, wie die politischen Parteien in irgendeinem Lande. Sie ist Träger einer nationalen Bewegung. Alle geistigen Strömungen, dir sich im jüdischen Volke in den letzten Jahrzehnten entinidfcft haben, wären [bon .dieser unserer Zionistischen Organisation getragen. -Rur in dieser Organisation war es den geistigen Führern sjm Judentum möglich, eine Tribüne zu finden, von der saus sie zum Volke sprechen können, llnsere politischen ^Erfolge sind von einzelnen Männern erreicht worden, ,vber die Kraft der Durchführung fanden diese Männer in idem Bewußtsein, daß eine so starke Organisation. mit i'etnet organisierten, öffentlichen Meinung hinter ihnen jstand. Und gleichfalls war es die Organisation fmit ihrenr Zusammenwirken in den verschiedenen Zentren »her Welt, die während des Krieges die Grundlagen e s n e u e n P a l ä st i n a, den j ü d i s chenJishuw» Erhalten hat. Die Zionistische Organisation ist die jse t n a t g c interterri t v r i a l e Organisation, 'hie den Krieg überdauerte, sie ist die einzige, die etwas Zustande bringen konnte, wie diese Konferenz, wo wirklich hie Vertreter der Juden aller Lander zrisanrmerigekomrnen ifind und deren Debatten ausschließlich von unseren Eigenen Differenzierungen und nicht von etwas außer» halb Stehendem getragen sind. Dom Jahre 1918 bis 'heute sind wir von einer Zahl von MÖ.OOO Schekel» lgablern auf; 1,000.000 Schekelzahlrr '-gekommen. Es genügt über nicht, daß Mit eine straffe Pereinsorganisation von soundsoviel Landes ündBovder-' Herbänden mit soundsoviel Schckelzahlerü haben, son- Hern unsere Organisation rüüß fähig sein, die nationale Bewegung zu tragen und das Leben des Volkes zlr 6& hinflusfon. Dazu braucht sie die Mitarbeit aller Männer» hie aus der Grundlage unserer Forderung stehen,-und Muß alles vermeiden, was nach Ketzerriecherei aussieht: Wir haben die größten Zwangsorganisationen zusammenhrechen sehen und haben gesehen, daß unsere frei-!willig e Organis ation fester stand als sie alle. Werl ein Wille in uns gelebt hat. und diesen Willen ^vollen wir uns erhalten. Die Seele unserer Bewegung äst unser Glaube an die nationale Zukunft unseres Wolkes und an Palästina. s Boris Goldberg berichtete über die Finanzen der Organisation. Wer schriftlich verteilte Bericht über die Zelt vom März jjl919 bis Mai 1920 schließt mit einem Betrag von £>82.000 Pfund Sterling ab. ein Betrag, der in der Ge» Schichte unserer Organisation noch nicht dagewesen ist. In Diesen 15 Monaten wurden uns größere Mittel zur Verfügung .gestellt, als in den ganzen vorhergehenden D2 Jahren unserer Arbeit. Zwei Momente müssen als ^charakteristisch hervorgehbben werden. Bei den A u S- Uaben liegt das Schwergewicht in Palästina, wohin A0 Prozent unserer Gelder gegangen sind. Bei den E i njtzängon spielt Amerika eine ähnliche Nolle. Daneben Laben sich noch Südafrika, Kanada und, in einem geßvissen Maße, auch England hervorgetan. Es muß .die Hoffnung und der Wunsch ausgesprochen werden, daß sich jjfeie mehreren Landesorgan Patronen ihre Pflicht in finanzieller Beziehung tun. Insbesondere gilt das für den zSchekel, durch den von mm ab alle Ausgaben Aer Organisation gedeckt Verden sollen, damit.die Einstrahmen des Keren Hajasod nnd des Palästina«Änfbau» F)s' v o N st ü n d i g für Palästina verwendet den können. F r o m e r so n (Amerika) berichtet für die 'Kommission über Budget und Finanzen der Organisation und fegt in deren Namen folgende Resolutionen vor: 1. Die Kommission hat die der in Memorial Hüll gehaltenen Jahreskonferenz vorgelegte Bilanz der ionistischen Organisation für die Zeit dom 1. März 919 bis zum 31. Mai 1920 nebst der Aufstellung der innahmen und Ausgaben geprüft, mit den ihr Vorgehen erläuternden Ausgaben verglichen und in Ordnung Die Kommission schlägt der Jahreskonferenz vor, der Exekutive für die erwähnte Periode sowie der Zionist Commission in Palästina für die Zeit vom 1. März 1919 bis zum 29. Februar 1920 auf Grund der von letzterer vorgelegten Abrechnungen Decharge zu erteilen unter gleichzeitiger Darbringung ihres Dankes an Herrn Goldberg für seine geschäftsmäßige Geschäftsführung. 2. Die Kommission hat davon mit Befriedigung Kenntnis genommen, daß weitere Maßnahmen zur Ausgestaltung der Kontrolle der Finanzen der Organisation in Aussicht genommen sind. Insbesondere billigt sie die bereits getroffenen Maßnahmen, daß die Bücher durch die Auditors halbjährlich zu kontrollieren sind. Die Kommission spricht den Wunsch au?, daß die monatlichen Abrechnungen der Zionist Commission künfighin auch in hebräischer Sprache ab'gefaßt werden, daß jedoch zur Erleichterung der Kontrolle in London und speziell der Tätigkeit der englischen Auditors englische Uebcrsehiingen beigefügt werden. Die Kommission erachtet es gleichfalls für wünschenswert, das Geschäftsjahr der Londoner Buchführung mit den Büchern der Zionist Commission in Palästina. das heißt mit dem am 1. Tischri beginnenden jüdischen Kalender, künftighin möglichst in Uebereinstimmung zu bringen. Der Berichterstatter bemerkt ferNer, daß eine besondere Subkommission die Gehälter der Beamten der Organisation geprüft und festgestellt Hai, daß diese msi Rücksicht Luf die Teuerung zu niedrig seien. Sowohl die Resolutionen,der Kommission als anch deren Empfehlungen für das Aktionskomitee wurden angenommen. Der voU Boris G ol d b e r g«begründete Antrag der Fmanzkömmission, daß die Landesverbände verpflichtet sein sollen. Monatlich ein Zwölftel der Schekolim abzuführen, wird , in folgender, von Dr. H o r o w i tz beantragten Abänderung angenommen: Die Landesverbände werben verpflichtet, vom 1. Juli 1920 üb die von ihnen gesammelten Schekoli'm allmonatlich an die Zentrale abzuführen. Die Abrechnung zwischen der Zentrale und den Landes- und Sonderverbänden erfolgt am Ende des Budgetjahres. Bezüglich des Budgets, daö mit 8'6.(h0. Mstnd Gim-sirig präliminiert ist, lvirb nach längerer Debatte, -Mhröttd welcher. Dr. Klee den Vorsitz übernimmt, über Antrag R ös o f f beschlossen, das Budget der Exekutive zu übergeben, die darüber gemeinsam mit dem Großen Aktionskomitee zu beschließen hat.; Ferner wird folgender Antrag der Budgetkommission an» | genommen: Die Kommission hält es für unerläßlich, daß behufs Gesundung und Stabilisierung der Finanzen der Organisation die gesamten Ausgaben für die Aufrechterhaltimg der Organisation und ihrer Arbeit auf politischem, organisatorischem, administrativem und propagandistischem Gebiet durch den Schekel voll gedeckt werden sollen. Hierauf erstattet Dr. Schalit den Schlußbericht der politischen Kommission, der in folgendem, unter lebhaftem Beifall einstimmig angenommenem Antrag gipfelt: In dem Augenblick, in dem das jüdische Volk sich anschickt, seine gesamten Kräfte für den Wiederaufbau feiner historischen Hs'rmüt einzusehen, bekundet es feierlich den Entschluß, mit der nichtjüdischen Bevölkerung in Frieden und FMtrhschafL zu leben. Dü§ jüdsche Volk ist von dem > Bewußtsein erfüllt, daß der Wiederaufbau des jüdischen nationalen , Keims allen Teilen der Bevölkerung, insbesondere den werktätigen Schichten, die Voraussetzung, für eine freie, aus. allen. Gebieten unbehinderte Entwicklung geben witd. Die Jahreskonferenz der Zionistischen'Weltorganisation bestätigt so in Uebereinstimmung mit früheren Erklärungen, daß das jüdische Volk seine nationale Heimstätte in Palästina.auf der unerschütterlichen Grundlage der Gerechtigkeit aufbauen will. Namens der Minorität der politischen Kommission bringt Gravitzky folgende Resolution ein: Die Zionistische Jahreskonferenz erkennt die höhe Bedeutung und die dringende politische Notwendigkeit, die Juden Palästinas zu organisieren und ihre uatioualen Interessen mif der Basis einer internen Selbstverwaltung zu ordnen. Die Jahreskonferenz betrachtet 1 es als notwendig, die nationale Vertretung (Asiefath Hanüvcharim) einzuberufen. Nachdem Dr. W,e i z m « n n sich dafür ausgesprochen bat, wird auch das Minoritätsvotum angenommen. Als nächster Punkt der Tagesordnung kommt der j Bericht der Emigrationskommission zur Verhandlung. Referent Adolf Böhm teilt mit, daß die eigentlich nur zur Redaktion der Thesen eingesetzte Subkornmission eine völlige Einigung allerFraktionen zustande gebracht bat. Referent verliest die Thesen der Kommission. Mit Rücksicht ans die vorgeschrittene Zeit verschiebt der Vorsitzende die Abstimmung auf die Donnerstagsitzung. Die Beschlüsse der Zionistischen Ksnferevz in London in Kultursragen. London, 23. Julü (Jüd. Korr.-Bur.) Die Zionistische Jahreskonferenz hat folgende Resolutionen betreffs der Universität in Jerusalem angenommen: . ..... ^,, 27. Iull ISA» num\ .. .... .. ... .. ..—.— . 1. Die Konferenz billigt den von der Exekutiv« vorgelegten Plan, die Universität mtt Forschungs« i n st i t u t e n für Physik. Chemie und Mikrobiologie, einer Abteilung für Judentumswissenschaft und Orientalistik und einem Forschungsinstitut für hebräische Svrache zu beginnen. Die Konferenz billigt das Budget für das kommende Jahr (einmalige Ausgabe) in der Höhe von 100.000 Pfund Sterling. 2. In Durchführung des genannten Programms soll die Exekutive versuchen, von den wissenschaftlichen Jnstituten Gebrauch zu machen, die bereits in Palästina bestehen, soweit die wissenschaftliche Leitung der Universität diese Institute für den gedachten Zweck für geeignet hält. 3. Die Exekutive soll versuchen, so schnell als möglich und ohne Vei:zögerung das Forschungsinstitut für die hebräische Sprache zu errichten, für welches ein dringendes Bedürfnis besteht. 4. Die Konferenz erkennt die Notwendigkeit, wissenschaftliche Institute zu gründen, um die naturwissenschaftliche und historische Erforschung von Land und Meer in .Palästina durchzuführen. Diese Institute sollen außerhalb der Universität gegründet werden, Die Leiter der Universität sowie die gegründeten Universitätsinstitute sollen mit den oben genannten Instituten 'e N g e Beziehungen hetstellen Nnd bei ihrek Errichtung und späteren Entwicklung mithelfen. 5. In allen Angelegenheiten, die mit der Universität verbunden sind, wird es die Pflicht der Exekutive sein, zuerst und hauptsächlich das hohe, wissenschaftliche Niveau der errichteten Institute zu sichern, das in keiner Weise aus Gründen der Sparsamkeit oder zwecks beschleunigter DürchführUNtz des oben erwähnten Programms vernachlässigt werden soll. - Die R e s ö l tt t i o n e n für die Erziehungs- und Kulturarbeit in der Diaspora lauken: 1. Die Zionistische Jahreskonferenz beschließt, daß die Zionistische Organisation die Leitung der Erziehungs¬ und Kulturarbeit übernehmen und ihr Budget einen besonderen Posten für diesen Zweck aufnehmen soll. 2. a) Das Zentrum der ErziehungZ- und Kulturarbeit muß Palästina sein. b) Die Organisierung und Leitung der ErziehungS- und Kulturarbeit in der Diaspora soll durch ein auto- UoMes Zentralbureau durchgesülirt werden, das in der Nähe Osteuropas zu errichten ist. 3. a) Die Aufgabe des Zentralbureaus in Palästina wird die Ausarbeitung der Programme für alle unsere E r z i e h u n g s in st i t u t e, die Vorbereitung von Lehr- und Lesebüchern und pädagogischer Literatur, die Gründung von vorbildlichen Instituten, wie Lehrerseminarien und Untersuchungsstationen, die Sammlung statistischen Materials ustv sein. b) Das Zentralbureau in der Diaspora soll hebräische Lehrerseminarieu gründen und solche UnterstühAl, welche die. im Zionismus vorhandenen Tendenzen vertreten, Lehr- und Lesebücher veroffentlichein sie den Schulen derimtteln, pädagogische und Jugendzeitschriften herausgeben nsw. Hiebei soll das Diaspora-Bureair in dauernder Verbindung mft dem Zentralbureau in Palästina verbleiben. - c) Bis die Arbeit des Dlaspora-Brrreaus organisiert ist, füllen die Bureaus in den verschiedenen Ländern ihre Tätigkeit in bezug auf die Veröffentlichung von Büchekn, welche teilweise gedruckt oder druckbereit sind, fürtschen. Im Budget wurden für die Erziehungs- und Kulturarbeit in der Diaspora 21.000 Pfund Sterling bewilligt, darunter für Lehrer- und KindergärtNerinnensöminarien in Wien L^00 Pfund, für den gleichen Zweck in Berlin 1000 Pfund, für das Lehrei-seminar in Lodz 260.000 polnische Mark (unter Mt Bedingung, daß die hebräische Sprache als Unterrichtssprache für die allgemeinen Gegenstände eiNgesührt wird; ferner muß das Seminar dem Zentrabureatl für die Diaspora'unterstehen)', für eine zu eröffnende höhere Schule für Wissenschaften des Judentums in Polen (die Wahl des Ortes wird vom Zentralbureau für die Diaspora getroffen) 1,500.000 polnische Mark. Für Lehrbiicher, pädagogische Zeitschriften usw. wurden 4000 Pfund, für Stipendien, 2000 Pfund ausgelvorfen. L o « d o n. 26. Juli. (Korn-Bur.) Die ^,Ti m e s" melde« ave Peking: Die Tore der Stadt »vurden neuerlich geschlossen und werben von Truppen de- Tschang-Tso-Lin sowie jenen des A-Tei-N«, die rings um die Stadt anfgestellt ssnd, sorgfältig bewacht. Man glaubt jedoch, daß die Belagerer in Peking nicht eiaziehen werde«. Interpellationen im run^änijchen Parlament über die Angelegenheiten der fiebenbürgischen Inden. Das.SieLeubÜrgtsche Jüdische Pretzbureau metbci: Der sozialistische Abgeordnete Tcnase hat am 3.Juli zwei Jnterp'kllbtii-'»tn' im rumänischen ÜßafcTameitf: ein* gereicht in Angelegenheit der Nebergrisfe, welche gegen Juden in Siebenbürgen Verübt wurden. Die eine Jnter-- peltatiou betrifft einen Fall in Dajnag (Kamitat Märamarosch), wo die jüdischen Einwohner von <&'bU baten ausgeraubt wurden, di« Kweite besaßt sich mit der Köfchwerde der Juden von Fogaras, denen die SchaUkliMzen — welche ihre Existenz bedeuten entzogen wurden. Der Interpellant hat bis heute auf ft ins Interpellation von den zuständigen Ministern noch leine Antwort erhalten. , * ' ' '