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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-27 · Heft 543 (27.7.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 543 (27.7.1920)
Date
1920-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die „Vsssifche Zeitung" meldet auS Kopenhagen: Ein Anäebot der ungarischen Regierung, den Alliierten ungarische Truppe» zur Verfügung stellen zu wollen, ist, wie ans London gemeldet wird» abgelehnt worden. Es soll in der englischen Note an Angarn heißen, daß Angara dieses Angebot nicht attsi Interesse für Polen gemacht habe, sondern nur deshalb, um später eine Revision des -FriedensVertrages als Belohnung zu verlange«. Ferner will man die? > Bildung eines starken u nga r i sch e » Heeres nicht begünstige», da dadurch die; an Angarn grenZenden slawischen SLaaten und Rumänien gefährdet werden könnten. DentschlanÄ srsA PsLen Gegen NNtkerstaLLmLg Psserrs. Der Genfer Sozialistenkongretz' ' - Kr. © i c n. 27. Iulr. Pie französischen Sozialisten und die deutschen Unabhängigen arbeiten gemeinsam an der Zustandebringung einer internationalen Konferenz zur Beratung. über die Möglichkeit eines Zusammenschlusses aller wahrhaft revolutionären Sozialisten. Die Sozialisten mehrer Länder vor allem die britische Independent. Labour Party, die in ihrer Frühjahrskonferenz mit 529 gegen 144 Stimme« die Loslösung von der Zweiten Internationale beschlossen' hat, haben bereits ihre Zustimuung zur Abhaltung einer solchen internationalen Konferenz gegeben, so daß ihr Zustandekommen wahrscheinlich ist. Sie wird, wenn sie Zusammentritt, die Beschlüsse der Internationalen Sozialistenkonferenz vor sich haben, die am 31. Juli d. I. in Genf äbgehalten wird. Die Genfer, Sozialistentagnng ist nicht nur für die organisierten Sozialisten von außerordentlicher Bedeutung. Schon der Zweck der Konferenz, nach Feststellung der Unterlassungssünden der Arbeiterinternationale) darüber schlüssig .zu werden, ob der internationale Sozialismus auf den Grundlagen der Zweiten oder der Dritten. Internationale oder auf einer Linie, die sich Zwischen den beiden Richtungen bewegt, sich, zusammenschließen und fortentwickeln soll, begründet ein mehr als oberflächliches Interesse an. den. Vorgängen, die in der Genfer Konferenz zutage treten dürften. - Die deutschen Sozialisten gehen, mit der Last schwerer Schuld nach Genf. Sie ahnen, was sie,zu gewärtigen haben, sie wissen, daß die Sozialisten, der Siegerftaatenin, der Ichuldfrage nichts milder - gestimmte sind,. As ihre lürrgerlichen'Konnätionäler^MHMMMidfLrMWmstng^ in einer Denkschrift an 'den Genfer Sozialistenkongreß Rechnung, welche ein großes, umfangreiches.Bekenntnis der eigenen Schuld und. .Olmmacht ist., das durch die Berufung darauf, daß auch die Gesiniltntgsgenossen der anderen Länder im kritischen Zeittnmkt vor Ausbruch des Krieges und während des Krieges selbst nicht auf der Höhe ihrer- Aufgabe standen, nicht im geringsten gemildert wird. Im Gegenteil, die deutschen Sozialisten klagen, nur um Gnade vor dem Richterstuhl der Genfer Konferenz zu finden und den von jenseits des Rheins hfirüöerströmenden Anklagen von vornherein die Spitze zu nehmen, sich selbst der Kurzsichtigkeit imb diplomatischen Unfähigkeit an. ' . ' Nach der deutschen Denkschrift gab es für das Verhalten des internationalen Sozialismus im Weltkrieg dreierlei Möglichkeiten: . 1. Es konnte in allen am Kriege beteiligten Ländern . der Generalstreik und der revolutionäre Kampf, gegen die-herrschenden Gewalten entfesselt werden. — Die Ausführung eines solchen Planes in allen Ländern wäre eine vollkommene Unmöglichkeit gewesen. ... :2. Die sozialistische Internationale konnte sich gewissermaßen als selbständige Macht konstituieren und nach Ausbruch des Kriegesnach eigenen politischen. ErwHgungen ihren Einfluß zugunsten des einen und ziun Nachteil des anderen StreifteileD geltend machen. — Für ejne Politik der einheitlichen Parteinahme im Kriege fehlten aber der sozialistischen Internationale — gesteht die Denkschrift — die Garantien der realyn Macht- Demnach blieb nur ein dritter Weg offen, den die deutsche Sozialdemokratie betreten haben will, und zwar: ' a; 3. Den Sozialisten jedes Landes das Recht zur Teilnähme an dem Kampfe ihres Volkes freizugeben und ihnen nur die Pflicht aufzuerlegen, nach Maßgabe' ihrer /Kräfte auf die rasche Beendigung.des Krieges durch einen chest sozialistischen Idealen entsprechenden Frieden hin-, zsrwirken. x Damit bekennt die Denkschrift das Vollme Versagen ■$fit .sozialistischen Jnteryationale und gleichzeitig klingt aus diesem von den deutschen Sozialisten gewählten Ausweg auch das Geständnis hervor, daß in dem entscheidendsten Augenblick, der Nationalismus über den ..Internationalismus den Sieg davongetragen und dadurch den Ausgang des Krieges von vornherein entschieden hat. Aenßerst peinlich und niederschmetternd ist jener Teil der Denkschrift, in welchem die Haltung der Mehrheitssozialisten seit Kriegsausbruch. entschuldigt werden soll. ÄZohl hätten die deutschen Sozialisten die Forderung erhoben. daß die deutsche Regierung auf Oesterreich den stärksten Druck ausübe, um von seinem den Weltfrieden gefährdenden Vorhaben zur" "-".halten, wohl habe die ParLerleitrinq die Perlmer Ärtzcster zu. einer Friedens- Washington, 26. Juli. (Funkspruch.) „Associated Preß" meldet aus Warschau, daß die Bemühungen, Deutschlands Waffenhilfe im Kriege gegen Rußland zu erhalten, andgueru. Angeblich sei dafür Lev^ü äf a 1i Posens zugeftchert worden. Die Danziger Hafenarbeiter haben sich geweigert, die auf errglifchsn Schiffen errrgetroffsne Murrrtion aus- Danzig' fei - nach Warschasts■ ] /gereift, - •; »m - Weisungrn eirrZuholeu. Der polnische FLottthLricht. ,/ W-rrschru, 25. Juli. (Funkspruch.) Frontbericht vorn 24. Juli: Im Abschriitt Grohrw-Mosty hat am 23. Juli der allgemeine Angriff des Feindes eingesetzt. Nach einem orkanartigen Geschützfeuer 'gingest zahlreiche Jnfanteriebivisionell zum Angriff über; gleichzeitig überschritt Reiterei im Norden von 'Gvodno den Njemen, um unseren linken Flügel abzuschneiden. T)ie Njemerllinie wurde von unseren Divisionen geräumt, die Kämpfe dauern tu der Linie Soly—Poho.ranh—Zylirze —Lunnotvolm an. Weiter südlich wird bei Nöwy Dwor gekäinpft. §>;ftlich ' Mosty wies unsere weißrussische Division alle Versuche des Feindes, den Njemen zu überschreiten, ab, In der Pole sie, am Dgmskikanah griff der -Feind einigemal Telechany an, wurde aber mit blutigen Vcrlüsten zurückgew.orfsu. . In den Kämpfen am Styr wurden das 516. und 514.. bvlschewikische Infanterieregiment geschlagen, 8 Maschiuengewehve erbeutet und Zahlreiche Gefangene eingeoracht. Der Feind , '-»Mrffxiilksv««««»»->>-> r"~nr""T— i'^r-in '■'! 11 ■»iiiiiiinwn demonstrationen Unter den Linden aufgerufen/da kam die . russische Mobilmachung, die - Ereignisse überstürzten sich, die Volksmassen wurden fortgerissen, die Sozialisten verloren über sie die Macht. Also wieder: Der nationale Gedanke war stärker als der sozialistische internationale. Aber die deutschen Sozialisten hatten'ja noch eine starke Waffe in'der Hand: die Ablehnung der Kriegskredite. Sie haben von dieser Waffe keinen Gebrauch gemacht. Die Auffassung der Mehrheit wind in der Denkschrift dahin zusammengefaßt, daß ein Sieg Rußlands, des stärksten Faktors in der Koalition, dem Fortschritt Europas gefährlicher gewesen wäre als der Sieg Deutschlands, dessen Niederlage auch ein Schaden für die Sache des Sozialismus wäre, zweitens, daß ein überwältigender Sieg Deutschlands über seine GeKter höchst unwahrscheinlich und die Vermeidung einer offenen Niederlage das höchste mögliche Ziel gewesen sei. Am wichtigsten aber ist der dritte Satz: „Eine Partei, die sich im Existenzkampf ihrem Volke v'ersagen würde und sich dadurch mitschuldig an seiner. Niederlage machte, hafte ihre Rolle ausgespielt und wäre für alle absehbare Zeit außerstande gesetzt, ihre Ideen durchznsetzen." Nicht Vertrauen oder Mißtrauen sei bei Bewilligung der Kriegskredite maßgebend- .gewesen, auch nicht die Absicht, auch nur den geringsten Teil der Verantwortung an der Weltkatostrophe auf sich zu nehmen, sondern einfach die Tatsache: Wir waren ja zu , schwach, iüu Lu pechiudcrn oder das Herrflüchtete über den Styr, wobei er 4 Geschütze im Fluß , einbüßte. Wir besetzten Perekalie. Die 1. Legioneu-i-, division besetzte Sask, nachdem sie die 131. Brigade verjagt hat. Einige hundert Gefangene, eine bespannte > Batterie, einige Dutzend Wagen und mehrere Dutzend - MaschinLugewehre wurden Angebracht. Am.Zbruez blieben alle Versuche des Feindes, Gelände zu gewinnen, ergebnislos.; i' Die polnische« Juden für die Verteidigung des Vaterlandes. Warschau. 26. Juli. ^,Poln. Stimmen.") 33 jüdische- Organisationen haben sich zu einem Komitee, für die, Komitee wählte' zum Pvrsstzendest den' Krastdenten der - Warschauer israelitischen KuLtusgemeinde Rundstem. Der : Ausschuß begab sich zum Staatschef Pilsudski, brachteihm offiziell die Bildung des Komitees zur Kenntnis und stellte sich dem Staatschef zwecks Mitwirkung der jüdischen Bevölkerung an der Verteidigung des. Vaterlandes zur Verfügung. . Die Juden Lembergs brachtet: in der ersten S.amm- ' lang die Summe von .475.000 Mark für die polnische Armer auf. Die Sammlungen werden sortgesetzt. . Die Sowjetregierung will i» London verhandeln. L o nd o n, 26. Juli. (Korr.-Bm.) „Daily Tele- - graph" meldet» die Sowjetregiernng habe an England eine Note gerichtet, worin sie erklärt datz sie de« Vorschlag auf Z u s a m m e«-» tritt einer Konferenz in Lo «da« a n n e h m e. Auf dieser Konferenz sollen,^ wie die Bolschewiken verlangen, die -Hauptmächte vertreten sein. schende System zu beseitigen, der Krieg ist da, bet. das deutsche Volk mit Knechtschaft. oder Vernichtung bedroht, und. darum haben die Sozialdemokraten die Krregs» kredite bewilligt. . ' Sehr zahm ist der Vorwurf, den die Denkschrift gegen die Sozialisten der Ententeländer erhebt, weil' sie die Ausschreitungen des Annexionismns nicht mit genügen^ der Scharfe bekämpft hätten. . ,r' Die Denkschrift schließt mit folgendem Appell:. '' „Wir Sozialisten aus beiden Heerlagern des - Weltkrieges sollen aufrichtig genug sein, zu sagen, daß wir einander sehr viel schuldig geblieben find, und wir sollen klarsehend genug sein, zu erkennen, daß dieses beiderseitige Versagen darauf zurückzuführen ist, daß unsere Kräfte den Elementarkräften, die der Krieg entfesselte, nicht gewachsen waren. Wenn uns Kritik im# Selbstkritik nötig sind, so ist uns allen vor allem eins nötig: stärker zu werden, so stark, daß keine Macht das nun geschlossene Kriegstor, das unserer Bewachung anvertraut ist, jemals wieder öffnen kann. Diese Kraft können-wir nicht gewinnen durch Selbstzerfleischung un8 Zersplitterung, sondern nur durch die nationale und' internationale Einigkeit des Sozialismils. ,Für sie einzutreten sind wir bereit." ' Und tritt wieder der kritische Augenblick ein, so wird sich das nationale Gefühl abermals stärker erweisen internationale Ideale. Daran wird auch die Aussprache W Genf nichts ändern. , " v'"~

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