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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-25 · Heft 541 (25.7.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 541 (25.7.1920)
Date
1920-07-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die Friedensverträge, die den Weltkrieg beenden sollten, sind Diktate gewesen, und deshalb ist dieser Friede ein Zustand, in welchem auf der einen Seite »Staaten in voller Rüstung stehen, auf der anderen Seite aber Waffenlose, deren Unglück ausgenützt werden soll. Die grenzenlose Heuchelei einer mit Worten spielenden Diplomatie ist aber, darüber hinausgegangen und hat in die Friedensverträge die Satzungen für den Völkerbund ausgenommen, für eine Vereinigung, aus der die Uesiegten ausgeschlossen find, die also keinen anderen Zcheck haben kann als den, eine Versicherung für die Sieger zu Hilden. Das ist die gleiche Heuchelei, die nach betü Waffenstillstand die Blockade gegen Kinder und Kranke fortgesetzt hat und die nach einem nun zwei- Mritzen Notstand in. Mittel- und Osteuropa das Spiel rufe dem Feuer so lange fortgesetzt hat, bis wieder die entfesselten Patriotismen von einem halben. Dutzend Machen aneinandergerieten. . > ,Die Undurchführbarkeit der Friedensverträge ist der Entente genau bekannt. Beweis dafür ihr Bestreben, in wiederholten Besprechungen mit den Vertretern ihrer Mgenpartner zu neuen Vereinbarungen zu . kommen. Über; Liese Besprechungen tragen wieder den Charakter beD Diktats.-. Noch immer haben . Deutschland und OMtreuH; Mney > Willen, sondern.. stehen. unter : dem' Htvasig// der wirtschaftlichen Ausblutrrng und der mttttänWn Gewaltandrohung. Der Friede ist ratifiziert- und. es Müßte alles daran arbeiten, die normalen Verhältnisse wieder herzüstellen. Aber das gewissenlose Treiben der Mit dem Amrexwnismus. verschwisterten Geheimdiplomchie Frankeichs verhindert jede gedeihliche Auseinandersetzung und.führt die Methoden weiterderen Anwendung durch die Zentralstaaten im Hochsommer des Jahres 191.4 das Unglück des Krieges angezündet hat. Polen und Rußland standen vor der friedlichen Verständigung, die französische Politik griff täppisch in das Netz verwirrte es. Ungarn, dieser Schandfleck auf dem üfsen der Kulturmenschheit, ist dieser Diplomatie ge- Wscheltes Kind und der Reichsverweser Horthy, das Haupt einer zuchtlosen Büschklepperbande, bleibt am Kuder, weil ihm die geheime, mit Reaktion und Militarismus ■ tändelnde Politik des Pariser Kabinetts das Kuckgrat steift. ' Gegen diese Wirrnis können sich die geschwächten Kölker Mitteleuropas nicht wehren. Die Oftvölker, ovran das stark scheinende Rußland, sind ein Spielzeug ^Morden. Amerika, das das Zerrbild dieses Völker- Guides zuerst erkannte, hat sich zurückgezogen,, obzwar doch.die Aufnahme der Dölkerbundbestünmungen in den Mriedensvertrag ein Kompliment für Wilson war. Aber eüch'in Frankreich und in England reist die Erkenntnis, daß dieser Friede als ein Werk der Gewalt, der mechanischen Uebermacht und auch der Ueberlistung keine Hauer haben kann. Spa war der Anfang zur Schaffung esn4s neuen Werkes und dort wurde dem Geiste von yersailles die erste Schlacht geliefert. Sie hat noch keinen vollen Sieg gebracht, aber sie hat den Bau. erschüttert und sein Gebrechen enthüllt. Denn in Pie Verhandlungen mit dem gedehmütigten Deutschland hinein grostte der Kanonendonner vom Osten her und kündigte den erbleichenden »Siegern das Nahen einer auch sie bedrohenden Wendung in der Geschichte der Welt. - Zwei Jahre nach dem Ende des Krieges marschieren die Sowjetarmeen gegen Warschau, brennt die Türkei, stehen die Griechen in das zerstörte Adrianopel ein, erdest sich der Orient, Las alte Feld der europäischen Diplo- «uatenküüste. DaS find die Erfolge der Botschafterlonferenz, in der Clemenceaus Geist führte und die sich iy nichts von jener unterscheidet, in der Berchtold reden durste. _____ : , Die Griechen in Thrazien. Achen, 24. Juli. (Havas.) Die Griechen fetzen ihre« Vormarsch ix Thrazien fort.Sie-haben in Rodvsto mm StrettkLäfte gelandet. Man glaubt, baß in der Umgebung von Adrianopel -wischen den türkischen Native imliften und drn Griechen Kämpfe im GanFi sind. ■ ' ■*rmB3KS£» . „Die grosse Uersucbung.“ Lloyd George Aber Deutschlands „überwältigende Schuldenbürde" und den „Ausweg". Amsterdam, 24. Juli. (Korr.-Bur.) Nach dem erst heute hier eingetroffene» ausführliche« Wortlaut der Anterhausrede Lloyd Georges sagte dieser mit bezug auf das^ DorrSiLe» der Bolschewiken gegen die deutsche Grenze «och: Wir müssen rms klarmachen, was das bedeutet. Für Deutschland mit seinen Lasten, seinen Verpflichtungen und f e i n e v Übe r w ü l t i g e » d e n Schuldeubürde besteht wie für jeden anderen Schuldner die großeBersuchnng, einen einfachen und begnemenAnsweg z« finde«. Freilich würde dies nur durch Anarchie möglich sei», aber es gibt in Deutschland Millionen von Mensche«, die ungeduldig warten, und eS gibt in Deutschland Millionen kriegsgeübter Männer. Die Bolschewiken sind ihre unmittelbare« Nachbarn. Ich bitte an drei Möglichkeit zu denke», datz di^p Alliierten der Früchte ihres teuer erkauften Sieges perLnht werde» könnten. Die Alliierten sind unter diesen Amstanden zu de« Entschlüsse gelangt, dem Marsch der Bolschewiken durch polnisches Gebiet ««bedingt zu verhindern. Die zionistische labreskonferenz in London, 2f; Hrllr. Wl. der- >,Wr. Morgmzerttmg".) In der Nachmittags- und Abendsitzung ~ am ' 20."JuIi, welchen Louis Lipskr präsidiert, wird zunächst die . Debatte über die Sanitätssragen abgeführt: Delegierter Abräham G oldb e r g spricht sich gegen die vorgeschlägene Einrichtung eines Gesundheitsamtes als Abteilung der obersten zionistischen Behörde aus, weil die Sanierung des Landes zu den Ausgaben der allgemeinen Administration gehört. Herr U s s r s ch k i n erklärt, daß wir nicht erwarten können, daß die Administration des Landes Sanierungsmaßnahmen in einer den jüdischen Bedürfnissen genügend entsprechenden Weise. durchzuführen imstande ist und daß wir daher von einem eigenen Gesundheitsamt nicht absehen können. Er verweist im übrigen auf die abnormale Situation, die dadurch entstanden st, daß die Sanitäts gruppe, die von den amerikanischen Zionisten unterhalten wird, die Hadassah, nicht unter der Kontrolle der allgemeinen zionistischen Organisation steht. Delegierter Haas verlangt die Ueberweisung der Resolutionen an die Exekutive; dieser Antrag, wird, nachdem sich Dr. Gold b erg namens der palästinensischen Aerzte dagegen ausgesprochen hat, abgelehnt und die Resolutionen der Kommission werden mit 79 gegen 31 Stimmen angenommen. . Hierauf begründet namens der Palästina- K o mm iss i o n, beziehungsweise ihres Unterausschusses für Immigration, Dr. Zwerg (Oesterreich)' die nachfolgenden Resolutionen, die von der Kommission zur Beschlußfassung borgelegt werden: 1. Die Organisation und Regulierung der Einwanderung nach Palästina wird durch das unverzüglich in Palästina zu errichtende Haupteinwanderungsamt und die Palästma-Aemter der einzelnen Länder durchgeführt. Das 'Haupteinwanderungsamt soll in den wichtigsten Hafenstädten Hafenbureaus errichten und, wenn erforderlich, den separaten Palästma-Aemtern zentrale Funktionäre zuweisen. 2. Immigranten, welche vom Gesichtspunkte des Wiederaufbaues Palästinas ein wünschenswertes Element darstellen, jedoch nicht in der Lage sind, ihre gesamten Reisekosten aus eigenem zu decken, sollen, von . den. Einwanderungsämtern Darlehen erhalten. 3. Zum Zwecke der Liquidierung des Besitzes der Auswanderer inftd aller mit der Emigration verbundenen Finanzoperationen sollen in den wichtigsten Emigrationsländern Finanzmstitute errichtet werden, welche mit den zidnifttschen Fiilcmzinstituten in Palästina in Verbindung stehen sollen. Diese Thesen werden in der Debatte eingehend besprochen und von den Rednern Julius S i m o n, Professor Na r h p r g, D.r, S ch mor a l l (Ostgalizien), Dr. Herr m a n n (Tschecho-Slowaker), Dr. M o s tfi; (Deutschland), Leiser Kaplan (Zerre.Zion), BaruH Z ü ck e r m a n n (Poale Zion), Dr. G ö i 111 e b (Polen)! und Dr. F e d e r m a n n (Tschecho-Slowakei) eine Anzahl von Abänderungsanträgen gestellt. ' Es wird beschlossen, eine K o m m i s s r o n aus allen Delegierten, welche Amendements vorgeschlagen haben.' und den Vorsitzenden der Palästtna-Kommifsion und! Unterkommission einzusetzen, welche unter Hinzuziehung! eines Vertreters des Misrachr eine einheirlichq Redaktion aller Amendements zur nächsten Sitzuug vorbereiten soll. Hierauf wird ein Brief des Board of Deputres of the British Jews verlesen, welcher mitteilt, daß in semev Sitzung vom letzten Sonntag aus Vorschlag von Sn, StuartSamuel beschlossen worden ist, der ZioniW schen Jahreskonferenz einen herzlichen Willkommgruß zu entbieten und die Hoffnung auszudrücken, daK ihre.Sitzungen von Erfolg gekrönt und das Werk mit' einer beschleunigten Verwirffichung der Errichtung der' jüdischen Näü'onalheims in Palästina verbunden sei« ' möge. Nach Zweistündiger Panse beginnt um 7 Uhr die; Abendsitzung, [ in welcher die Resolutionen der \ Organisationskommiffio»; beraten werden. Folgende Beschlüsse werden gefaßt: Die Zahl der Delegierten für den nächsten Kongreß ist mit 350 bis 400 seftzusetzen. Die Exekutive hat feft-c zustellen, auf wieviele Gchekelzahler ein Mandat entfällt,' Jeder Landesverband mtt mindestens 1000 SchÄÄi zahlern hat das Recht auf einen Delegierten. In» Ländern, in denen es mehrere Gruppen gibt, die nup einen Delegierten entsenden können, wird dieser SDele-t gierte der stärksten Gruppe entnommen. Landesverbände»,' die weniger als 1000 Schekel abführen,' erhalten daS , Recht, sich mit e'menr anderen Landesverband zwecks Erreichung der notwendigen Schekelzahl zu vereinigen« Kongreßwahlmodus. Die Wahlen zum Kow< greß sind direkt und geheim, die Exekutive ist aber 6e«| rechtigt, im Falle der Notwendigkeit, auf Antrag der Ver^ 'bände Ausnahmen zu bewilligen. ' Es ivird beschlossen, daß die Wähler zum Kongreß nach dem Proportionalwahlrecht vorgenommen werben sollen. . ’: \ Hiezu wird die Erklärung des Präsidenten zu Pro« tokoll gegeben/ daß die E x e k u t i v e verpflichtet ist,' de»i Legitimationsausschuß zu berichten, welchen Gründen die A u 8 n a h m e n in bezug auf direkte und geheime Wahlrecht gemacht worden fink^ damit der- LegüimationsaüSschütz darüber dem Plemmtz des Kongresses berichten kann. 4 ■ Kongreßtermin. ES wird beschlossen, datz'.d«; nächste ZiomsttsHe Kongreß im Sonuner 1921, spÄ-tzmÄ

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