Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 540 (24.7.1920)
- Date
- 1920-07-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Eine Antwort der russischen Regierung ist bisher nicht bekannt geworden, doch hat die Annähme, daß Rußland das Ansuchen ablehnen und den Krieg föttsetzcn werde, wenig Wahrscheinlichkeit. Minister Tschitscherin'- hat inseiner bekannten Note, die er arn 19. Juki in Beantwortung des englischen Vermittlungsvorschlages nach London gerichtet Hot, unmittelbare Verhandlimtzen .mit Polen unter Ablehnung aller Einmengungenwon außen als das beste Mittel zur Erzielung eines endgültigen Friedens mit Polen erklärst. Diese Antwort Rußlands war in/Spa von Mllerand.als eine Impertinenz erklärt worden. Lloyd. George setzte'sich aus guten Gründen über den unhöflichen Ton hinweg und auf seinen Rät hat nunmehr Polen die Einstellung der Feindseligkeiten-verlangt. Dadurch--wird der militärische -Sieg' her Sowjets .über Polchr zu einem großen diplomatischen.Erfolg über die brHher so selbstbewußte Entente. , - " - -Der große Plärr Elemenceaus, Rußland durch-einen S.tacheldrahtzaürr abzuschließen, ist - gescheitert.' Es'sollte ein Wall uM Rußland gezogen werden, der. aus Polen utch. Rumänien gebildet, ein Weitergreifen der bolschewikischen Ideen verhindern sollte. Der stärkste Teil dieses ÄZallS war. Polen, Lessen-Regierung Lurch die Treibereien der französischen Großkapitalisten.dazu bemüßigt wurde,. imOerträuetr auf die militärische Macht des Landes, ans und französischeWaEfenlieferun-. KWHfe. gegen' Költschak, Jüderritsch und DeiMn-'-sKÄ drfM die Expeditionen an das Afowsche Meer und über d^p tgurischenKaukasus gescknvächt schienen. Das Waffen, gluck war anfänglich den Polen günstig. Die Sowjetarmeen gingen in der Ukraine rasch zurück rmd die polnischen Gruppen formten in Kiew einrücken.' Mer der russische Generalstab zeigte bald seine Geistesgegenwart und die Ueberlegercheit der ölten Zaristischen Generäle, dtzyew Trotzki für alle Fälle politische Ueberwachungskommissäre beigegeben hatte, trat schon nach wenigen Äiggen deutlich hervor.. In Wolhynien und in,Ostgalizien gK es einen. förmlichen Sturmlauf der Roten Armeen, ditz. heüte bereits auf einem Terrain operieren, das vielen Uerreichischen Familien von den Augustlagen des Jahres 1814 her in leidvoller Erinnerung ist. Kavallerie- Patrouillen streifen an >r Linie Podwoloczyska—Lembchg^ .Nunmehr hat auch von Litauen her ein starker Angriff der Russin begonnen und in nächster Nähe der preußischen Grenze ist abermals ein Durchbruch'durch die polnischen Kordons gelungen. Schon, rüsten.sich-die begüterten Familien Warschaus zur Abreise und der amerikänische Gesandte hat allen im Hilfswerk beschäftigten Personen den Auftrag erteilt; bei einem Angriff auf die Warschauer Bahn die Stadt sofort zu verlassen. Polen hat den Russen nichts mehr entgegenzusetzen als die Versprechungen, die ihm Frankreich gemacht hat. Da -Rußland jede Einmengung von außen ablehnt, steht Polen allein- und besiegt einem Feind gegenüber, dessen Hilfskkäfte heute trotz eines sechsjährigen Krieges, trotz einer bis ins Tiefste greifenden Revokntiomerung der Wirtschastsform noch immer stärker sind als jene Polens, dessen Opfer im Kriege verhältnismäßig geringe gewesen waren.- Rußland war von Polen angegriffen, worden; diese Tatsache allein hat genügt, eine Einigung - der heterogensten Elemente herbeizuführen und die bittersten FeiUde der Bolschewiken, die Sozialrevolutionäre und die Menschewikelt sowie die Reste des Bürgertums, für' den Kampf gegen den polnischen Erbfeind zu begeistern. Dieses Rüchegefühl trieb die Millionen der russischen Bauern in die Annee. Der polnische Vorposten in dem großen Ringen gegen dsn russischen Radikalismus ist geschlagen. Rumänien, aüf das man in Paris viel Hoffnung gesetzt bat, ist plötzlich harthörig geworden undbietet der Entente Waffenhilfe gegen — die Türken an. Die nördlichen Randstüaten werden sicherlich binnen kurzem ihre Haltung gegenüber der Moskauer Regierung revidieren.' Und irt der ganzen Rechnung der französischen Militarismus klafft ein Loch neben dem anderen. Nur mehr'Ungarn istübrig, dessen Ministerpräsident Teleki sich in der'Nationalversammlnng stolz als den Baimerträaer der chrittfrankreiebs Uerpflicbtnngen gegenüber Polen. Eine Anfrage der Kammerkommisfion an Millerand Paris, 23. Juli. (Tel.-Komp.) Die Kammerkommission für auswärtige Angelegerrheitest hat an Millerand einen Fragebogen gerichtet» in dem genaue Mitteilungen über die.Verpflichtungen, die Frankreich Polen gegenüber übernommen hat, gefordert werden. Es wird gefragt, weiche Abmachungen dem Kriegseintritt Polens vorangegangen sind sowie welche Meinung die französischen Sachverftm/digen über de» Ausgang dieses Krieges hatten. Es wird werter gefragt, ob bezüglich dieses KriegeS eine ALbereinsiimnmng zwischen Polen und der französischen Militärkommission i» Warschau sowie dem AusWärtigsn Tlrnte in Paris erzielt worden ist. ft m a n der Hilfe der Bundesgenossen sich er", wird Wörtlich gefragt, „und wenn ja, welche Hilfe werden sie leiften?" Das neue polnische Kabinett. Paris, 22. Juli. (Korr.-Bur.) 'Nach einer Meldung aus Warschau ist dort ein nationales Koalitionskabrnett gebildet worden. Den Vorsitz hat M i t o s lBottsparLei) übernommen, VizepeäfidenL ist . der Sozialist D a s z h rr s k i. Prruz S a p i e h a behält das Ministerium des Aeußern. - - - ' märschlsrL gegen °PeRMg7''' Pari s, 23. Juli.' (Korr.-Vur.) Die Agenee H av as berichtet ans Peking, datz Marsch all Tuan von dem Kommando seiner Armee, die gegen Peking marschiert, zurückgetreten ist. Einige politische Persönlichkeiten versuchten, den Präsidenten der Republik dahin zu bringen, an Tsao-Tfuan und an Tschang-Tsa-Lm Lsnterhändler zu entsenden, damit diese ihre Truppen aushalten. Dr. Löw vor der Botschasterko«fere«z. Paris, 21. Juli. (Iüd. Korr.-Bur.) Der französische « A u tz e n rn i n i st e r hat der Botschakterkonferenz in Paris den Fall des in Budapestverhaftsten OberrabbinerS aus Szegcdin, Dr. L 'ö tt», unterbreitet. Be!« Kum in der Nähe von Stettin interniert. Berlin, 23. Juli. (Wolfs.) Die Sster. reichifche Nsgiernng hat der dentfchen Regierung durch den hiesigen österreichischen sandten Mitteilen taffen, daß sie sich wergert, den K r i e g s g e f a n g e n e n t r a n s p o 11 über die d e u t s ch« ö st e r r e i ch r s ch e;G r e n z r z ü r ü ü z «l a s.f e n. Insolgedeffe» ist die RülkbesVrdsrung d^s Transports vorläMgMMestellt und sind die Kriegsgefängepe» U'e''b^st '' $ e"R s o n e n, die dem Transport angefchlosfe» waren, in der Nähe von Stett^i» untergebracht worden. Die Entscheidung über die Weiterbehandlung des Transports wird getroffen werden» sobald festgestellt ist, ob die österreichische Regierung auf ihrem Standpunkt beharrt. Das Schicksal des Transports. Die russischen Kriegsgefangene« werden interniert und später adgescheten. Mb, 28. Juli. Sie halbamtlich mitqneM' wird', wird die deutsche Regierung nun selbst durch ihre Organe dir Scheidung des Transports in russische Kriegs-' gesangme und Nichtrussen vornehmen. Erster« werden in einem Durchgangslager interniert und so rasch alS möglich nach Rußland gebracht. Die nicht als Kriegsgefangene festgestellten Personen-werden bis zur endgültigen Entscheidung unter Aufsicht zurückbehalten. Die türken unterzeichnen. Konftantinopel, 23. Juli. (Tel.-Komp.) Es verlautet, datz die türkische Regierung beschlossen hat, das Friedensabstommen z« unterzeichnen, da der türkische Vertreter in Paris Reschid Pascha meldete, daß die Alliierten keinen weiteren Aufschuv genehmigen würden und datz eine Verweigerung der Unterzeichnung die Vertreibung der Türkei aus Europa veranlaffen würde. MM» ■■—MM lichen Welt gegen den Bolschewismus, den er als ein Produkt jüdischer Politik ansieht, bezeichnet hat. Warte nur, balde... Hoffentlich beginnen die Friedensverhandlungen in kurzer Frist und machen dem Blutvergießen ein Ende. Man kann nur wünschen daß Rußland aus den Fehlern der Zentralmächte in Brest-Litowsk und in Bukarest lernt und den Bogen nicht überspannt. Die Friedensbedingungen die der Kiewer „Kommunist" vor wenigen Tagen bekanntgegeben hat, können kaum als tragfähige Grundlage eines dauernden Friedens gelten. Sie bedeuten die Vernichtung der Unabhängigkeit Polens und. das wäre -für die Welt ein ebenso großes Unglück wie das österreichische Ultimatum an Serbien, . dessen traurige Gedächtnisfeier wir in diesen Tagen begehend Kein Volk darr einen: änderet: unterwor/cn sein. Solange e-s eine nationale Sklaverei gibt, solange kann man von einem Frieden nicht sprechen. Und die Frage der Unabhängigkeit Polens ist ailch eine der Ursachen des Weltkrieges gewesen, wie man aus den Reden Daszynskis im österreichischen Abgeordnetenbause Nachweisen kann. Rußland hat sich in entsetzlichen inneren 5^ämpfen seine Freiheit errungen. Es würde diese Freiheit schänden, wenn eS dos polnische Volk, das den Krieg nicht gewollt hat und von seiner verblendeten Negierung ins Unglück geführt wurde, wieder in das Helotentun: zurückzwingen würde. Rußland mag sich damit begnügen, daß Polen und seine Volkswirtschaft sehr ernsten Tagen entgegengeht. Alle Judenmetzeleien, die die enttäuschte Gesellschaft und diq geschlagenen Truppen begehen, können daran nichts ättdem.' Nach dem.milirärischLn Umbruch drohi nun der wirtschaftliche.