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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-18 · Heft 534 (18.7.1920) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 534 (18.7.1920)
Date
1920-07-18
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seue 10 Wien, Sonntag Wiener MorgenzettimA 18. IM 1926 Rr. 534 Von einem berühmten deutschen Rabbiner. Ich sage, Ein literarisches Unternehmen. Andem Tohnwaboh« Sammy Gronemanvs. (6. Fortsetzung.) Schließlich bin ich dahinter gekommen; da war ich schon ganz schwindlig von dem vielen Herumiali-ren. In Hannover hat man mir.ein Billett gegeben '°ach Lun.'bürg: was habe ich in Lüneburg zu tun? Da isr ein..! Station unterwegs — Lehrte heißt sie, gsanbe icku Da bin ich ausgestiegen und bin nach Berlin gefahren —-auf eigene Kosten. Natürlich habe ich in Lehrte mir auf der Bahn bescheinigen lassen, daß ich die Karte nicht weiter benützt habe. Ich Habe das Geld dann von der Bahn zürückbekonkmen, OH« uuug ist hier in Deutschland! — Aber monatelang. bar der Spaß gedauert, bis ich von Thorn nach Merlin g'!0!rnnen E»in I' ' ' ■ ..Aber wer hat beim das alles bezahlt?" fragte, I-o''ch entgeistert. „Die Bahn — das Logis — daÄ o;:cü?" ‘ ..Lser bezaßst hat? — Natürlich big Gemeinden!. .HatBn siewich von Thorn gleich nach Berlin geschickt, wäre ich in einem Tage dagewesen — d.as tvär^ billiger gewesen und bequemer. Aber dann hätten doch crtle die anderen Gemeinden nichts von mir gehabt! Da bar man mich lieber durch das. ganze.Land..spchgieren fahren lassen. Da habe ich gesehen,'die'Leute oranchen Schnorrer. Sil haben noch lange nicht genug.! B-o würde sonst all das Geld bleiben, das sie so raus-- schmeißen'? Und was würden alte die Vcreillspräsibemcn und Armenvorsteher anfangen und' die Durchreiieudenkornmissivnen und die Pedelle? Man muß -den Leuten helfen; es ist eine Wohltat! — Ich sage «euch, der Schnorrer hat in Deutschland eine heilige Mission!" ,.Wahrheit!" sagte Berl nachdrücklich. „Reine goldene Wahrheit! — Mission — das ist das Wort'. Ich habe vor einiger Zeit hier eine Predigt gehört euch, ick war gerührt bis in meine-Seele, wie er von der jüdischen Miss io n gesprochen hat. So wie er es gezeigt hat, hat das. ganze jüdische Volk die Mission des Schnorrers — urtd ich habe mir gedacht, daß also der Schnorrer der eigentliche Jude ist. Er har bewiesen, daß es die. Mission der Juden ist, heimatlos umherzuziehen, um .allen anderen die Erfüllung sittlicher Aufgaben zu erleichtern . — am Gegenstand des LVohltunL zu seinWohltaten eutgegenzunehmeu und dankbar zu - sein. '..Mso-ä'dasist-, -doch das .ganze Leben des Schnorrers; der Schnorrer ist der rechte Vertreter dieser MissiörE - - . > . - „Eine schön-r Moral!" rief. Ehane. >,Und doch geht 'der Rabbiner nicht schnorren!" " „Manchmal chochs!" sagte Älatzke. s,Aber schnorre ich denn? DW' Rahviner und-Vorsteher und. die jüdischen Zeitutlcfsredakteüre in Deutzschland,' die besorgen mein Goschäst, unr im Großen. Ich schreibe Brief.' und sie schreiben Artikel und Halten Reden; da sagen sie genau das'elS w'ie ich in meineil Priesen.'- Was schreibe ich? Ich schreib-e vielleicht, daß" der. Bittsteller arm. '.ist undnichß fähig Zu arheiteu; früher, da sei er ein fleißiger Handwerker«gewesen; aber ec hat Unglück gehabt und hat'feine Selbständigkeit für "immer'anfgeben -utüssen und solche-Sachen! Xtitb ich-nenne ihn statt 'Rüben, wie er wirklich heißt, Schiinen,'oder statt ^Schlenker nenne ich ihn Liftschitz. Und' was Mn jene'? Also akkurat dasselbe — rinr auf das jüdische Volk Im ganzen! Früher, sagen sie, da hat das jüdische Volk mal sehr viel geleistet — früher. Heute, sagen sie, ist es dazu sticht mehr fähig, heute hat es schon auf immer seine Selbständigkeit verloren,, es hat schon aufgehört, ein Volk zu sein. Es will nur noch Almosen! Es will nur noch an fremdem Tische sitzen. — Ich will ja nur zeigen, wie die Lento, der Rabbiner und die anderen, dasselbe machen, wie ich, denselben Schwingel — wenn es ein Schwückel ist, was ich. treibe^ Sieye-rschweigen und wollen nicht wissen, was dM jüdische'. Volk zu leisten vermag, und geben es für^ elender aus, als es ist. Und sogar mit dem fälschend' Namen stimmt es genau: Ein Jude, in Deutschland! sagt' nicht,- er ist „Juda", sondern d er ist „Israelis-, oder ■ „mosaischer Konfession", und' der Jude gehört, nicht znin jüdischen Volk, sondern er nennt sich Germane, oder Slawe oder sonst was. Ist ch-as kein.Schwindel?"? . ,jDa fällt mir ein,": .sirgte-MrL;Wein.Dirr, t „Dit-I'- mußt für mich mal einen .Pries schreiben, -an den-.! alten Karger." ' ... ■ .; ’; ,>Jn Garz?" . .„ .; „Ja, das ist ein se-hr ordentlicher Mann. Ich wckks bei ihm wieder ein paar. Tage als Gast. — Also, da muß ein Brief hinkommenaber.nicht,'.um zu schnorren,» sondern es muß ein Brief sein yon den Vorstehern und dem. Rabbiner von irgend einer kleinen jüdischen Gemeinde in Galizien ,oder in Ungarn. Da kann drin»; stehen,-daß -die Synagoge abgebrannt;ist und daß da ' mitteip.im Feiler einer'.—..ein armer, würdiger MannIein gwßer Gelehrter, der gerade da war — erschienen; ist. Der ist ins Feuer, hineingegangen, ..erst hat er sich; den Gehetmantel rumgenommen, und, - hat ruhig eüte^. GeseßBrolle nach der anderen ans der heiligen LiküÄ; hrraus'getragen^ .Und' der., Jänte von dem 'Mann, der! i. das gcjan.hat, ist Berl Einstein. Und die Gemeinde teilt dies-Wunder.a'll-Ln'sWohltätern in' Jerusalem mit."'. ,Wso, das ist hoch ein. unerhörter Betrug!" rief. Iössel'- außer - sich;-- Chane-, hatte der Gesellschaft dswr R licken gelehrt und stand am- Fenster. v >,Betrug? Noch immst Betrüg?" sagte Berl traurig-,. „Du verstehst nicht, daß ich das nur tue, um dem alten./ Manne eine Freude zu machen. Wie kann ich ihm sonst-, weine Dankbarkeit zeigen? Ich rsiie jetzt nach Ungar»;; da cherde ich den Brief gleich ans die Post besorgend (Forüetzung folgt.) - OWwers.«viskonlo vLNk l e Nesor^llüx aller bankgeschäftl. Transaktionen. Ent« sregennahme ron Geldeinlagen. A.nsgabe von Einlage« bilehern. Uebernalime Ton VvrMvgensrvrn altungen. s Warenabteilung. Zentrale Pressborg ° Filiale Wien, l.)Wipplißgerstrasse 24-26D Telepüon 12358,18296,17408 7 7 3 %S Theater von heute. Burgtheater: Geschloffen. Operntheater: Geschlossen. Schönbrunne» Schlotztheate»: Geschloffen. Vvlksoper: Lrebesjünden. — » Weibertauschen. Deutsches Volkstheater: Geschloffen. Wiener Kammerspiele: Theodore L Cie. IosefftäLter Theater: Das Kind mit den vier Müttern. Slsue Wiener Böhne: llrtcl Acosia. — Klein Dorrit. Wiener Stadttheater: Sie. Renaifsanee-Bühne: Geschloffen. Wiener Komödienhaus: Das Sperrsechserl. Carl-Theater: Ein Walzertraum. — Liebesrausch. Theater an der Wie«: Wo die Lerche fingt. — Die blaue Mazur. Raimund-Theater: Geschlossen. Wiener Bürgrrtheater: Pfarrer von Kirchseld. — sMullerl. Johann Strauß-Theater: Geschloffen. SKetropol-Theater: Liebe auf den ersten Blick. — Liebe auf den ersten Blick. LrrstsPieltheater: Das Glückskind. m FREIE JÜDISCHE VOLKSBÜHNE m Sitz : Cafe Nord,. II., Kaiser Josefstrasse 15 - Tel. 40223 Heute d&t IS Juli 1920, 7 Uhr abends, im Tlicatersaale <ies HoteH,,Bayrischer Hof“ Oastspiei L. Jungwirth Gott, Mensch und Teufel Drama in 4 Akten mit Prolog von Jakob Gordüi. 312t CAFE CITY 1 Börsegasse 19, Ecke Werdertorgasse. Neu umgebaute, bedeutend vererösserte mit allem Komfort ausgesiattete Lokalitäten, Souterrainlokale : Rendevous sämtlicher Zionisten. 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Telephon Mödling 454 : Aerztlich» Leitung: Dr. Max Soheinpflog S g Nilehat der Haltestelle der Strassen bahn S | ——. Ganzjährig geöffnet — \ ( Hejrliche Lage — Moderne Kurbehelfe — Gute, S Ikurgemässe Verpflegung •HNHNNI ■ mm nniutu 2ö1S > ■wuwwpiw'Uiangwf CafO Marienhröcke (bei der Marienbrücke) Wien, 2. Bezirk, Lilienbrunngasse 2 Beehre mich, das P. T. Publikum zu verständigen, dass ich ob. benanntes Cafe übernommen habe und es stets als meine höchste Pflicht betrachten werde, das Unternehmen durch solide BedJenunv einem distinguierten Publikum angenehm und behaglich zu gestalten Hochachtungsvoll •W. Spritzer Cafetic r Ein sicherer Führer zur Erlernung und vollkommen Beherrschung der lebenden hebräischen Sprache ist die Halbmonatsschrift oralt44 ' mit deutschen T’ussnoten deren Inhalt abwechslungsreich, interessant und leichtfasslich ist. Abonnementspreise für Deatachöstexreich-, - K löO.— jähri.; Emzelnnmmer K 8.— für Tschechien: tßcbech. K 50.— jährl.; Einzelnummer tschech. 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