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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-16 · Heft 532 (16.7.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 532 (16.7.1920)
Date
1920-07-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener Mvrgenzeitrrng 16. Juli 1920 «k. 832 . >i,m M Palästina JaboLinsry frei! London, 13. Juli. (Jnd. Korr.-Bur.) Die „TimyS" melden vom 8. d. M. aps Jerusalem: Jabotinsky und seine zwölf Kameraden wurden heute in Aera nach Verkündung der königlichen Botschaft in Freiheit gesetzt. Hi« kehren morgen nach - Jerusalem zurück, wo man für sie einen begeisterten Empfang vorbereitete Englisch-jüdische Frauenarbeit für Palästina London, 13. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Unter Borsitz der Frau de Rothschild fand heute abends ein von der englischen zionistischen Frauenföderation einberufenes Meeting statt. Der Zweck war die Bereinigung aller jüdischen Frauen für eine ZujqOmenarbxst Olt den Männern in Palästina^ Unter den Rednern befanden sich Miß Aaronsohn, Capt. Naronsohn und viele Delegierte ans Palästina und Osteuropa. Rach riuerMitteilung der zionistischen Frauenföderation. in England wurde qtzr gleichen Tage der internationale zionistische Frauenkongreß eröffnet. Audienz Kalyarej-Kis bei Körrig Faifyl. Das Jüdische Korrespondeirzbureau berichtet aus Jerusalem: Der bekannte Adrmnistrator der Jea.Chaim Kylvarejski hatte Ende Juni eine halbstündige Audienz bei F a i s n l, hexen Gegenstand die Verbesserung der Mgiischarabischen Beziehungen bildete. Faisul erwähnte seine guten Beziehungen zu W e i z m a n. Kolvarejski wies darauf hin, daß von seiten der Juden immer die Bereitwilligkeit zur Schaffung guter Beziehungen bestand. Kolvärejski hatte dann längere Besprechungen mit dtzm Ministerpräsidenten Faisuls und mit seinem Minister des Aeußern. Er äußerte sich dahin, daß durch Verbesserung der Beziehungen zu Faisul und zu sxiner Regierung sich der ganze Sicherheitszustand der Kolonien in Galiläa ändnm würde. Postverkehr -wische» Palästina mrd Seftsreeich Nach einem tm Jerusalemer ,Laarez" erschienenen Communiqutz der Postverwaltung vpn Palästina werden nunmehr an allen Postämtern Pakete zur Beförderung nach Oesterkejch, Bulgarien^ Deutschland, Ungarn, Rumänien Japan und Korea Übernommen. Drahtloser Tele graphenverkehr mit Jerufale« In Jerusalem wurde eine drahtlose Tekegeaphenzentrale errichtet, von welcher aus der funkentelegrgphische Verkehr mit London und Paris abgewickelt wird. Herzl-Feier i« IerrrsakeM. Am 20. Tamuz fand, wie aus Jerusalem berichtet wird, im Betham eine Überaus zahlreich besuchte Herzl- Feier statt, bei welcher die Heroen L. Jose und L. Silman die Gedenkreden hielten «ab ein Chor nationale Lieder vortrug. Am Abend desselben Tages wurde im großen Kinosaal Zion ein Vortragsabend zum Andenken Herzls veranstaltet, an welchem Dr. I. Klau-«er die Festrede hielt. Auch in den Kolonien und de« Übriges Städten Palästinas wurde der Todestag Herzls in besonders feierlicher Weise begangen. Die Lage am Jordg« gebessert, Nach ei«rm Telegramm drs ^DmeS"-Lonespo«de«tz» h»r sich die Lage imJ o r d a n--G eb ixte wesentlich g eb e s fett, DaS jüdische B a taillo «, welches hier i» Aktion iß, habe sich avsgezeichnn bewährt «nd findet die dolle Anerkenn»«- der britisch««Behörde». Die Jorda»-BrÜcke bei I« r i ch « wird auf der eise» Seite do« j il d j f ch e « S « l d a t e», a«f der . andere» Seite von Soldate» de» 9 «i r ß Faif»l bewacht. beite 2 Wie«, Freitag . r i -nmwrfy ■ ' ' ■■ n ■■■»-. - kmn Zweck es ist, die Mittel zu untersuchen, mit denen man die Lebenshaltung der Bergarbeiter, in Nahrung, Kleidung und Wohnung und damit die Förderung in «den Kohienminm des Ruhrgebietes verbessern kann. 6. Dis Alliierten erklären sich bereit, Deutschland zur Einführung ausländischer Lebensrnittel für seine Bevölkerung sowie von Rohstoffen für die deutsche Industrie und Landwirtschaft einen angemessenen Vorschuß zu gewahren. Die Beratungen über den Vorschuß werden im Zusammenhang mit den allgemeinen Beratungen über hie finonzielle Lag« alsbald unter Hinzuziehung der beiderfertigen Sachverständigen ausgenommen. Die' Besytzmrg des Rufirgedietes. Paris, 15. Inst. Nach einer Meldung der „Chierrgo Tribuns aus Spa sind die Bedingungen für dir Besetzung des Ruhrgebietes vereinbart worden. Die Besetzung stckk zw>8-i. Stunden nach Ablauf des Ultimatums bsgirmen. Schd«rze 'Truppen sollen ' au ihr nicht teilnehmen dürfen. Die Besetzung .soll so ausgeführt werden, daß der Ruhrbezirk durch einen Kordon von Dnrppen eingeschlossen und von dem übrigen Deutschland abgeschnitterr wird. Größere Städte sollen nur im Notfall durch Truppen besetzt werden.. Die Zivilrechte her Bevölkerung sollen gewährleistet bteihen, jedoch soll die Lokalpolizei unter Kontrolle genommen werden. Für die Kohle soll ein höherer Preis gezahlt werden, damit die Arbeiter ein Jnterßffe an einer stärkeren Förderung hätten. Die Eruährung des Ruhrgebietes während der Besetzung soll durch die Alliierten sichergestellt werben. Hamburg wird nicht besetzt! Paris, 15. Juli. Wie die „C h i c a g o Tribüne" «us Spa meldet, habe die französische Regierung der englischen Regierung vorgeschlagen, während der Zeit der Besetzung des Rahrgebietes Hamburg durch englische Seestreitkräfte besetzen zu lassen, falls Deutschland das Ultimatum in der Kohlenfrag« ablehnen sollte. Die englische Legierung habe diesen Vorschlag« iabgelehnt. Abgeordneter tzue in Spa. Sp«, 15. Juli. (Wofff.) Reichsratsabgeordneter Hue trifft heule vormittags hier ein. Es wird weiter verhandelt. Spa, 15. Juli. (Wolff). Hmte abends um 7 Ubr fand eine Besprechung zwischen dem Premicrm nister Ltoyd George, dem Ministerpräsidenten M i ll e r a n d und dem Reichsminister Dr. S i m o n S statt. Die Finanzkottferenz. Paris. 15. Juli. Nach einer Meldung des „Matin" vns Spa soll der Oberste Rat dem Völkerbundrat auf eine Anfrage erklärt haben, die internationale Finanzkonferenz in Brüssel werde auch in dem Falle, daß die Frage einer internationalen Anleihe unter Beteiligung Deutschlands noch nicht behandelt werden könne, am 23. Juli zusainmcntreten. Es seien noch genug Verhandlungsge-^ustl-we tu nützlicher Arbeit vorhanden. Sitzung der BotschafterKonfereuz. Pari«, 15. Juli. (Wolff.) Die Dotschrsterloirsrrrvz trat heute morgens nnter dem Vorsttz EambonS zusammen. Ei« Dementi. Spa, 14. Juli. (Wolff.) Im Leitartikel des „Temps" vom 13. Juni wird der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Simons mit dem deutsch-rumänischen Friedensschluß vom Jahre 1918 in Verbindung gebracht, wobei bemerkt wird, baß er einer der Mitarbeiter des damaligen Ministerialdirektors Kriege, des Urhebers des bekannten Petroleumabkommens, gewesen sei. Diese Unterstellung ist vollkommen unrichtig. Der Minister hat niemals in irgendeiner Form an der Vorbereitung oder an der Durchführung der Verhandlungen, dir zum Bukarefter Frieden geführt haben, teilgenommen. Der Vorschlag Dr. Bonns. Paris, 15. Juli. Nach einer Meldung des „Matin" aus Spa soll d^r Vorschlag, den Dr. Bonn gestern abends Lloyd Gorge unterbreitet hat. sich, ohne den Forderungen der Alliierten voll gerecht zu wetden, dock beträchtlich dem französischen Standpunkt nähern. - Pe rt i na r erklärt im .,(?cho de Par is", die Deutschen hätten unter Vorbehalt der Lieferung von.zwei Mitli-mcn Tonnen monatlich zugestimmt. Heute vormittagmüsse das Problem gelöst werden, welche' Garantie man. verlangen solle, um sich zu versichern, daß Deutschland feine Verpflichtungen erfülle. Man müsse fragen, ob die Vorschläge, die man gestern ausgearbeitet habe, vollkommen verschwinden oder gewisser- / maßen wie ein Damokles-Schtueri über den, Haupte. Deutschlands bleiben würden. Die internütionate Anleihe für Deutschland verschoben. Berti«, 15. Inli. (Korr.-Birr.) DaS „S-llhr-Abendblatt* raeibct mrS Vai?l: Nach einer Londoner Meldung des ,Baller sind au der Londoner Börse Gerüchte verbreitet» wonach die internationale Anleihe an Deutschland bis zu« Herl-st vertagt wardrn sei» soll. PolitischeRundschau. Die politische Haltung der Jude« in RumSuien. Sine Unterredung mit Senator Dr. Straucher. Bekanntlich ist Dr. Benno Straucher, der viele Jahre hindurch die Juden der Stadt Czernowitz mit jüdischnationalem Programm im alten österreichischen Roichsrat vertreten hat, der. einzige Jüdischnationale, der als Senator dem rumänischen Parlament angehört. Wieder waren es die Czernowitzer Juden, die dielen alten, erfahrenen Politiker in den rumänischen Senat entsendet haben. Einem Redakteur der Bukarefter „Mantmrea" gegenüber äußerte sich Dr. Straucher über sein politisches Programm folgendermaßen: „Als dem Vertreter der Bukowina stehen mir große und vielseitige Arbeiten bevor. .Ich werde die Interessen der gesamten Bevölkerung Nordrumäniens zu verteidigen haben. Was das nächste Arbeitsprogramm betrifft, so werde ich vor allem die Forderung stellen, daß den Kriegsbeschädigten ihr gesamtes bewegliches und unbewegliches Vermögen wieder ersetzt werde. Die öffentliche Verwaltung muß auf breitester Grundlage demokratisiert werden. Wir bedürfen dem Zeitgeiste entsprechender demokratischer Einrichtungen, damit wir nicht hinter den Weststaaten Zurückbleiben. Die neuen rumänischen Gebiete müssen eine breite Länderautonomie erhalten, was durchaus nicht im Widerspruch zu einer einheitlichen Länderpolitik in dem Sinne steht, daß etwa durch die Gewährung von weitgehenden Autonomien an die einzelnen Provinzen Staaten im Staate entständen. Die Bukowina, die zwischen zwei großen Ländern liegt, ist berufen, sich zu einem großen Handels- und Industriezentrum zu entwickeln. Aber die Bukowina wird gegenwärtig vom Mutterlande sehr stiefmütterlich behandelt, indem sie jeder Selbständigkeit als Provinz beraubt wurde. Diele in der Vergangenheit nützliche Institutionen wurden aufgelöst. Diese Maßnahmen schä. digen die Bevölkerung in außerordentlichem Maße.. Das am meisten Interesse erweckende Problem ist jetzt die Frage der Einlösung der Krone. Wir fordern, daß diese überaus wichtige Finanzfrage unter Berücksichtigung der Bevölkerung der neuangeschlossenen Gebiete gelöst werde. Die Korruption und die Erpressungstaktik, ein Krebsschaden für das Land, müssen ein Ende nehmen. Viel, sehr viel gibt es zu tun, vor allen anderen Dingen aber muß eine gründliche Reform der Verwaltung durchgeführt werden. Als der einzige jüdischnationale Vertreter im rumänischen Parlament werde ich natürlich für die Interessen der Judenschaft Großrumäniens kämpfen. Den Juden des Landes muß die Möglichkeit zur politischen, kulturellen und bürgerlichen Entwicklung geboten werden. Die Inden Rumäniens verhalten sich dem Maate gegenüber durchaus loyal, erfüllen ohne Vorbehalt ihre Pflicht gegen das Land, ohne jedoch ihre nationale Sonderllellung aujzugeben oder sich irgend einer anderen politischen Partei-anzuschlietzen. Nach dem Grundsatz „gleiche Pflichten und gleiche Rechte" erwartet -ie Judenschaft Großrumäniens die wirkliche Emanzipation, die nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch im praktischen Leben vorhanden ist. Rumänien ist dazu berufen, die Zivilisation und die imrtschaftliche Entwicklung Südosteuropas zu fördern. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muß jedoch Rumänien ein Land der F re i h e i t sein. Nicht das , Bajonett gibtdem Staate die Machte sondern das hohe kulturelle Niveau seiner freien Bürger« Wo Unterdrückung herrscht, dort gibt eS keine Zivilisation« Rumänien wird nur dann groß und mächtsig fein, wenn sämtliche hier lebenden Voller frei ihre produktiven Kräfte zugunsten des Staates werden entfalten können. Im Parlament werde ich die Anerkennung sämtlicher Rechte aller Nationalitäten, in erster Reihe jedoch derjenigen der j ü d is ch e n Nation, wie sie im Friedensvertrag festgelegt find, anstreben. Das rumänische Judentum krankt jetzt an seiner völligen Desorganisation, was unsere parlamentarische Tätigkeit sehr erschwert. Diesem Umstand ist es auch zuzuschreiben, daß ich allein die gesamte, über eine MMon zahlende Judenschast Rumäniens rm Parlament vertrete. Die wichtigste und unauffchiebbare Arbeit für uns ist die Schaffung einer einheitlichen jüdisch-politischeN Vertretung, denn ohne sine solche ist eine nationale Autonomie gar nicht denkbar, Ich halte dementsprechend die Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongressefür unerläßlich, auf welchem wir alle unsere national-politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Probleme diskutieren könnten. Unser Weg ist vorgez«sichnet: ES ist der Weg der felbstbewutztsn jüdischnaiionalen Politik, der allein uns die Möglichkeit einer freien und gesunden Entwicklung zu sichern vermag. Da- Mische Element in der Karpathorrrssta. Prag, 15. IM. (Jüd. Iretzbur.) „GeSrofliov-mSka Republika", das amtliche Organ her ischecho-slowakischen Regierung, schreibt unter dem Titel „Traurig»' Zustände in de» PvdkarpatSka Rus" bezüglich der j ü d t s ch e n Fra ge in diesem Gebiete unter anderem folgendes: Es kann nicht bestritten werden, daß hier sonderbare Zustände herrschen, welche einem hieher versetzt«» Beamten unmöglich erscheinen, und es ist lewer hie Schust» der Be a m t e n s ch a f t, daß bisher keine Gesundung eingetreten ist. Feder will die Regeneration nach dem alten Schimmel durchführen. Sv ist das Benehmen der Beamte», besonders das der verantwortlichen, den hiesigen Juden gegenüber zumindest unvernünftig. Di« Beamten oer Republik gefallen sich in einem Antisemitismus gröbster Prägung und wollen, wie «z scheint, auf diese Weise baS hiesige, sehr starke jüdische Wement in unsere Reihen herüberführen und aus den hiesigen Juden auf diese Art gute Republikaner machen. Daß dieses Experiment gelingen könnte, wird jeder verständige Mensch entschieden bezweifeln. Eine andere Seite, richtiger die Schwäche der hiesigen Verhältnisse, ist die, daß die hiesigen Aemter es gar nicht verstehen, sich Respekt zu verschaffen. Alles bewegt /ich' in Unsicherheit, niemand traut sich etwas bestirnmteS anzuvrdnen und ist etwas verfügt, bann ist niemand da, der die Ausführung gewissenhaft kontrollieren würde. Die Bramrenschaft selbst bestrebt sich nicht, in das Volk einzudringen; man möchte fast sagen, daß 'sie da? Volk scheut. Damit ist rben die Möglichkeit gegeben, daß magyarische Agitatoren auf diese Erscheinungen Hinweisen und damit die Einwohnerschaft von der Republik abwenden, obwohl sich der größt« Teil der Einwohner gern als Zugehörige der Republik deklariert. Und wieder sind es gerade die verhaßten Juden, welche zum Großteil lo ya l. sind, vielleicht auch aus dem Grunde, weil sie hier ihres Lebens und Vermögens sicherer sind als in Ungarn. Aber ich glaube nicht, daß die Loyalität dieser Leute durch das Benehmen der Beamtenschaft gestärkt wirb, falls, in dieser Richtung picht Remrdur geschaffen wirb»

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