Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 528 (12.7.1920)
- Date
- 1920-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Moskauer Meldungen besagen, datz die russische SoWjot- ^Spnbttk unter gewiffen Bedingungen geneigt sei, mit Polen in Friedensverhaudlungen zu treten. Rußland verlangt die Räumung aller strittigen Gebiete durch die Polen. Rußland will Ostgalizien besetzen, um eine Volksabstimmung durchzuführen. Die Bestrebungen der englischen Regierung zielen in erster Reihe dahin, einen weiteren Vormarsch der Bolschewiken gegen Polen anfzuhalten und einen sofortigen Waffenstillstand 31t erzielen, dem sodann Friedensverhandlungen folgen sollen. Die dissbeZngliche englische Rote ist bereits «ach Moskau abgegangen. England als Vermittler Spa, 11. Juli. (Havas.) . Wie verlautet, soll PI 0 Y d George beschlossen haben, die S 0 wj etreg 1 erung zu ersuchen, mit Polen einen Waffen» stillstand abzuschließen. Falls die Bolschewiken sich weigern sollten, wird'Lloyd George Polen die vollständige Hilfe Englands gewähren. - Da die Sowjets sich weigern, die äußere russische Schuld zu übernehmen, ist es1 für Frankreich, dessen Sympathien für Polen alte und tiefe sind, schwer, an diesen Verhandlungen teilzunehmen, die zu einer tatsächlichen Anerkennung der Sowjetregierung führen würden. Es ist für die französischen Delegierten unmöglich, auf diese Weise die Interessen Frankreichs bloßzustellen, aber die diplomatischen Kreise geben der Hoffnung Ausdruck, daß England, Frankreich und Italien diesbezüglich zu einer gemeinsamen Aktion gelangen werden. Gegenwärtig hat die f r a n z ö fisch e Regier u n g beschlossen, die Unterstützung Päl^irs Zu . L Spa> 11. Juli. (Privat.) Der Ober st e Rack hat heute vormittags eine Sitzung abgehalten, um die BediüMgen zu: prüfen, unter denen Polen Hilfe gegen Rußland gewährt werden könnte. F o ch hatte eine längere Unterredung mit dem polnischen Ministerpräsidenten, der erklärte, daß Polen ohne Unterstützung seitens der Entente zusammenbrechen müsse. Die Alliierten haben es abgelehnt, Polen einen Teil des von Deutschland abzulieseriideri Kriegsmateriales abzntreten, da dies dem Versailler Vertrag zuwiderläuft. Man versichert indes, daß die Regierungen Frankreichs Englands und Italiens den Parlamenten über die polnische Frage berichten und die Unterstützungdes neuen Staates beantragen werde». Wrlnn geräumt. Kowno, 10. Juli.' Nach einer Meldung der litauischen Telegraphen-Agentur ziehen sich die Polen aus dem von ihnen besetzten Gebieten Litauens zurück. Wilna werde geräumt. Die litauischen Truppen seien gestern abends 12 Kilometer vor Wilna angekommen. Die Russe» stehen mit ihren Vorposten in der Nähe von Swenzjany. Tschechische Meldungen 12. Juli. Wie »Pravo Stbu“ meldet, sind die sozialistischen ' Abgeordnetender Slowakei . . iM aus Polen über' die Grenze au me slowakischen Behörden wenden, dänK? ihnen'das Asylrecht gewährt werde. „Nürodni Politika" berichtet 'aus llugvar über eine große Zuwanderung von Flüchtlingen aus Polen in die Slowakei. ' Die Konferenz in Millerand für eine Einigung mit Deutschland. Paris, 10. Juli. Der Sonderberichterstatter der Ägence Havas in Spa meldet: In der Nachmittagsitzung wies Ministerpräsident Millerand mit maßvoller Festigkeit auf d i e u n a n g e b r a ch t e n A e u ß e r u n g e n Stinues hin. Niemals, .sagte er, hätte sich eine deutsche Regierung und insbesondere ein deutscher Minister des Äeußern solche Behauptungen erlaubt. Der Ministerpräsident präzisierte sodann die technischen Bedingungen der Entente in der Kohsenfrage und schloß mit folgenden Worten: Die Verbündeten sind entschloffen, fortgesetzt den Beweis des grötzten E n tgegeukommens und der größten Loyalität zu geben. Ich möchte das Wort hervorhebe«, das sicherlich dem Minister des Pentzern entschlüpft ist, als er sagte, daß wir gestern davon gesprochen hätten, Deutschland eine Züchtigung aufznerlegen. Es handelt sich nicht um eine Züchtigung. Die Verbündeten wolle« Deutschland nicht züchtigen. Wir sind weder krank noch siegesberarrscht, wir find gesunde Völker, die sich von den wirtschaftlichen Notwendigkeiten Rechnung oblegen und die verstehen, daß ein D e u t s ch l a n d, das feine Produktions Kraft wieder Merlan g t hat, nicht allein nützlich, sondern notwendig für das allgemeine Ke b e n E n r 0 p a s und der Welt ist. Die Verbündete« haben in dieser Hinsicht nur tzlNen Wille«, aber einen sehr festen. Gleich-, ig find fie b e r e i t, Deuts ch l a n b « helfen, seine Produktionsähigkeit wieder zu erlangen. Sie find durchaus entfchloffen, von ihm die Erfüllung seiner Derfttchtmrge» zu erlangen. Wir alle sind entschlossen, alles zu tun, damit in dem miederhergeftellten Frieden das -Einvernehmen Und die Beziehungen zwischen den Verbündeten und Deutschland so friedlich als nur irgend m V g l i ch feien und damit es zVischen den Verbündeten und Deutschland so wenig als möglich Reibungen und Schwierigkeiten gebe. Deshalb sind Sie hier. Das Programm der Deutschen. Berlin, 11. Juli. D.ie, Blätter melden aus Spa unter dem 10. d.: In her Nachmiltagssitzung ergriff Minister Dr. Simons das Wort und besprach die Grundlinien seines W i e d e r g u t m a chn n g sr 0 g r a, otni Er erklärte die Bereitwilligkeit der .deutschen Mgierung, eine Gesamtsumme für die Wiedergutmachungen ftstzttsetzen, ferner Annuitäten" für deren Zahlbarkeit und endlich ein System zu schaffen,, wodurch ckm Falle der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands die Zahlungen erhöht werden sollen. Deutschland habe, um 'eine' derartige Wiedergutmachung ausführen zu können,'finanzielle Hilfe nötig. (Hier machte Lloyd George den Zwischenruf: Die brauchen wir alle!) Wie die Plätter weiter melden, hat diese Rede des Ministers Simons in den Kreisen der' Alliierten und besonders auf französischer Seite einen außerordentlich günstigen Eindruck gemacht. In der Sitzung selbst haben Lloyd George wie Mill er and die Rede mit großem Interesse verfolgt, Millerand sagte in kurzen, aber mit großer Freund l t ch k e i t betonten Worten, daß die einzelnen Ausführungen und Anregungen. des Ministers geradezu vorweggenommen.hätten, was die französische Delegation zu, erklären, beabsichtigt hätte. Uebrigens war, wie es scheint,, die ganze.Sitzung auch vor der Rede Dr. Simons aus einen bedeutend freundlicheren Ton gestimmt als die Vormittagsitzung. Die Kohlenfrage «och immer nicht bereinigt. Spa, 11. Juli. (Wolff.) Bei Beginn der heutige» Sitzung teilte der Vorsitzende Ministerpräsident D e l ac r 0 i x mit. daß der britische Ministerpräsident unpäßlich sei und daß daher die Entscheidung m der; Kohlensrage bis zur morgigen Sitzung verschoben werde. Er richte daher an die deutschen Delegierten die Frage, ob sie bereit seien, die Wiedergutmachungsvorschlüge vorzulegen. .Reichsminister Dr. Simons entgegnete, er habe erfahren, daß bei den Verhandlungen zwischen den Sachverständigen für die Kohlensrage keine Einigung erzielt worden sei. Die Delegation sei nicht imstande, Vorschläge fürdie, Wiedergutulachung vorzulegen, solange die Kohlensrage unerledigt sei. Ministerpräsident Millerand erklärte, daß ih «.diese M i t t e i l u n g b e u n r u h i g e. Er verlas den Bericht der alliierten Sachverständigen, betonte indeffen, daß die. Entscheic-rrng der^ alliierten Regierungen erst..morgen stattfinden werde und ersuchte erneut um Ueberreichnng der deutschen Wiedergutmachungsvorschlage. Reichsmimster Dr. Simons führte darauf aus/ daß nach der Forderung der Entente der b e u t s ch en, Industrie ,nur ein Drittel ihreS n 0 t-.. w e n-d i g e n K 0 h l e n b e d a r f e s v e r b 1 e i 6 c n werde. . ... ,' .r .\- i Auf sein Ersuchen wurde die Sitzung;; zu dem . Zweck einer internen Besprechung der. deutschen, Dele- . gierten aus kurze Zeit vertagt./»; Reichsmimster Dr. Sim 0 nS^rklsixte sodann^ hgß die deutschen Delegierten beschlossen Habens dje deutschen Weder. Er ersuchte dabei die.HünfUenz,^issKesaW^^hläk^M.^ Hand dieser Vorschläge a lß e in e n 1 ei;I P lan anzusehen,, die Vorschläge zusammen mit der/ Kohlensrage zu prüfen und vorerst eine Entscheidung in letzterer anzusetzeu. : - . Berli». 12. Juli. Wie die „Deutsche Allge«eme Zeivmg" meldet, findet heute früh eine wichtige Kabiuettfitzung statt. Staats-' fekretär Albert ifi Sonntag nach Spa abgerrist. nachdem vorher zwischen ihm, dem Minister Dr. Koch «nd Severing eine Be- ' syrechimg statttzefunde« hatte. . - ' . ' Pariser Blattevstimmeu. Poris, 11. Juli. Die Morgenpreffe stellt eben Umschwung in der Stimmung in Spa im Laufe ch« gestrigen Nachmittagssitzung fest. Nach dem ’JBt a tt n° trete man nunmehr in die Periode der Berhandlungenem; das System der gebieterischen Noten sei vorüber. Zwar würden die Grundsätze ansiecht erhalten, aber mau werde vonseiten; der Alliierten mit dem aufrichtigen Wunsche nach Verständigung. verhandeln. Die gestrige Rede SimovS bedeute einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte, der Konferenz. Auch Saint-Brice sagt im „Journal", die Konferenz sei nun in ihre wirkliche Tagesordnung eingetreten; zum erstenmal würden Deutschlands V orschläge zur Diskussion gestellt. . Die Anslieferungsfrage. London, 10. Juli. (Unterhaus.) BonarLaw teilte mit, daß die alliierten Regierungen von' der devtschm Regierung dieAuslieferung von 892 Personen forderten, die in einem Verzeichnis namentlich .aufgeführt seien. Allerdings hätten die Alliierten der deutschen Regierung zugestanden, einen Teil dieser Leute dem Reichsgericht in Leipzig aburteilen zu lasten. Internierte Ruffeu in Belgien. Flucht aus de« L«ger. Antwerpen, 11. Juli. (Havas). 700 im Lager von Turnhout internierte Ruffen, die mangels eines endgültigen Abkonimens zwischen England, und Rußland nicht heimbefördert werden konnten, entwichen aus dem Lager und zogen nach Antwerpen. Sie wurden von Militär und Gendärmen festgenommen und in einem Fort von An^ werpen interniert. Der griechisch-türkische Krieg. ' . Paris, 11. Jnli. (Funksprnch) Die Blätter bericksty.' .d.u» L 1 u s i a von der miechischru Armee bücht «ord«» sch '