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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-11 · Heft 527 (11.7.1920) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 527 (11.7.1920)
Date
1920-07-11
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 527 ^Wien, Sonntag . « .. ~.i■ lim, i ..-. ■ .i imui■■■■■;r, kungen dürfen n u r bis zum 31. August 1920 stattfinden. Me Geschäftsleute, bie: Einkaüfscheine (Jmportscheine) mit Zahlungsanweisungen der „Centralna uprava" in Belgrad oder einer ihrer Zweigstellen in Agram, Laibach, Sarajewo zmd Spalato besitzen, müssen diese Einkaüfscheine so rasch wie piögljch dem Deutschösterreichischen Warenverkehrsbureasi in Wen, 2. Bezirk, Aspexpbrückengasse 2, oder einer -seiner - Zweigstellen in Graz, Linz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg sind Feldkirch zur Einlösung präsentieren- - weilnach dem - ßl. August keinesfalls mehr auf Grund dieser:-. Einkaufscheine Zahlungen gelerftet Und ÄusfuhrbelvMgungen eReilt werden können. - ,1: :■ > 5 Da sich zweifellos noch zahlreiche, auf große Beträge lautende Einkaufscheitle uneingelöspsin Händen von Geschäftsleuten befinden und dieses große Material keinesfalls in den setzten Tagen des Monats August aufgeärbeitet werden' kann, empfiehlt es sich dringend-'die Einkaüfscheine sofort ^zu präsentieren. 2. Alle Geschäftsleute, welche beim Deutschösterteichi« fchen Warenverkehrsbureau oder einer seiner inländischen Zweigstellen; Hinkaufscheine (ImportsHeine) für - Warenbezüge aus Jugoslawien gelöst habenwerden ebenfalls aufgefordert, ' dieselben so rasch» äts^^gÜ^bV^Mey'^alna uprava" in Hlgrad oder)eiNLr ihrerborertöähnten Zweigstellen zu präseNtteren, da' aucH für diese ScMine der 31. August 1920 als s^ter Auszahlungstag' gilt. ,. .! ° 3.' Alle n a ch dem 31. August zur Einlösung eingö-, deichten Einkaüfscheine (Jmportscheine) gelten als st o-r n i e r t; hierauf werden weder von der ..Ecntralng uprava" noch vom Warenberkehrsbureau Zahlungen geleistet oder Ausfuhrbewilligungen erteilt werdem Ganz besonders werden aber die Besitzer von bereits eingereichtew und nur teilweise austzenützten Einkaufschein,en> darauf aufmerksam gemacht, daß nach dem 81. August 1920 die noch nicht abgehobenen Beträge Keinesfalls mehr liquidiert werden können. \ : 4. Die «Eentralna uprava" ist bis. zum 31. August 1920 sioch berechtigt, Einzahlungen jugoslawischer Kaufleut? anzunehmen, wenn es sich um Restzahlungen für in Oesterreich früher gemachte und ausgeführte Bestellungen handelt, sofern hiefür bereits vor dem 31. Mai 1920 Teileinkaufscheine (für Anzahlungen) ausgestellt worden sind. Die Gültigkeit dieser scheine wurde ausnahmsweise bis zürn 31. Oktober 1926 Erstreckt, doch empfiehlt sich auch hier die rascheste Prasen- Eiue neue innere Anleihe angekündigt. . Der Finanz und Budgetausschuß hqt gestern das Krieg §- « « leihege s e tz erledigt. In die Debatte griff auch Staatssekretär Dr. Reisch mit einer Rede ein, in der er zunächst hervorhob, daß der Gesetzentwurf von der allergrößten W i ck t i fl JE c 11 fiir weiteste Kreise der Bevölkerung, vor allem aber für die Ain'rechterhalrung des Staaiskredits ist. Wir betrachten,. sagte Dr.. Reisch, die Verabschiedung des Gesetzentwurfes als die nnnisileldare Voraussetzüng dafür, daß mir einen «eüen Versuch machen, an. das-yüändiiche Publikum mit der Aufforderung zur Bcteilioung an einer staatliche n E m t f f i o n einer ntutn Art v o n S ck a tz s ch e i n e n heran- -Utr e t e n. Es ist uns in Aussicht gcstclll worden, daß weite Kreise, und zwar auch die Sparkassen, sich mit Eifer an einer solchen Operation beteiligen werden, wenn die Voraussetzungen hiefiir durch die Verabschiedung des vorliegenden Gesetzentwurfes geschaffen sein werden. Wrever Morgerrzeitung Eine Anfrage über KriegsanleihegeschLfte. Mit Bezug auf die in unserem gestrigen Blatt? enthaltene Noti; teilt uns di? l.^benöversicheiungsgesellschast Phönix folgendes mit: „Tie Mlönng deS „P r a v o lid'u" hak sich aus Knegsanlcihegeschä'ie unserer Anstalt überhaupt nicht bezogen. Tatsächlich liegt eine derarttge' Anzeige eines unserer - ehemaligen Agenten vor, doch haben die hierüber vom Finanzministerium in Prag gepflogenen Erhebungen sogleich ei geben, daß von Gc- . schäften, welche, .zu.einer .derartigen Beschuldigung Anlaß bieten könnten, nicht dlejNede . stm. kann. Der »Pravo l>du* hat vielmehr die GinbriNgiM 1mtt?Jnterprllativn in der Prager Nationalversänimtnng, betreffend'Wen angeblichen Zusammenhang unserer Anstalt m t der Widerstandsbewegung gegen die Kiirsimg der Kriegsaisiethe,. aNgesiindsW Auch diesfalls ,st^, durch Erhebungen, der zuständigen Behörde-sesigestellt worden, daß un'ere Anstalt m kemK i Weile' gegen"'die -gesetzlichen Vörschrrften verstoßenan polttischcn Bewegungen n ch't teilgepommen hat ünd .über die korrekte., pflic!,«gemäße- Wahrung der Interessen ihrer Versicherten nicht Hmailsgegangen :st."; - •/ ■ Anglo vsterreichische Banl. In der unter dem Vorsitz des Generalrates Herrn Michael Benies fiat«acbubten Sitzung . des, Generalrakrs dcr Anglo-österreichlichen Bank wurde der -''Großindustrielle. Herr ' Bernhard W e tz l e r, einstimmig, zum P r ä s i b e n t e tt des Generalrates gewählt. Von der Besetzung der Stellen der Vizepräsidenten wurde vorläufig Abstand aenommm/ Außerdem, wurden die langjährigen Direktoren und Mrtglstd'er des Erekutivkoinitces, Ko mm er stalrat Hugo Schwar¬ und Gustav K o rn e r, in den G e n e r a l r a t kooptiert. PritzüLverkehr. Im gestrigen Privatverkehr machte sich lebhafte Nachfrage nach Sudbahnwerten geltend. So stiegen Lombarden bei lebhafteren Umsätzen bis K 734 um K 21 und Südbahn-Prioritäten avancierten bis K. 11.35/ mit K 23. In den übrigen Berkehisgebieien kam kein Abschluß zustande. Palrrteubur.se. Von den fremden Zahlungsmittel wären im gestrigen freien Verkehr R u b e l n o t e n wesentlich höher. Es notierten: L e i n o t e n K 4.18, Nubelnoten K 3.-7-, Dollar K 160.—, Marknoten grünK 4.44 und t> ch e ch ische Noten K 3.78. Bors« für landwirtsüjastttche Produkte. D'.e Ein- .bcimsung der Ernte geht unter gjriistrgcn WetiervcrhäliNissen vor sich, aie momeniane Abkühlung scheint bedeutungslos zu sein, zumal Niederschläge bisnun in den Erzeugungsgcb'.elen nur vereinzelt zu verzeichnen waren. Der Streik der Landarbeiter hat glücklicherwerse keine größeie Ausdehnuna erfahren, die Forderungen ' der noch int Ausstand befindlichen dürften im Interesse der rn.gestorten Embringnng der Ernte znm größten Teil bewilligt werden. Die noch ungeklärten Verhältnisse, bezüglich der Bcwirjschaiiung der heurigen Ernte, äitfscrn sich vor allem in weitestgehender Zurückhaltung der Interessenten. Insbesonders d^r Konsum, 8er mit Rücksicht aus die Freigabe des Getrerdebastdels mit einer Vcrwohlfeilung der Bodenfrüchte rechnet, beschränkt sich aus Deckung des dringendsten Bedarfes, wobei er auch in diesem Falle Preisnachlässe durchzuseyen bestrebt ist. Aus Jugoslawien wie aus Amerika liegen reiche Offerte an Mars vor', die deshalb nicht zu Abschlüssen 'gelangen können, weil bie Bezahlung in fremder Valuta geiordert wird. Der Handel vermeidet es, derartige Geschäfte abzuschließcn, da infolge der Schwankungen des Valutamarktrs auch nur tm kleinerer Abschluß ungeheuere Verluste verursachen kann. Hülsenfrüchie und Futterstoffe verzerchnetcn mäßigen Umsatz zu vorwöchiger PieiSbasis. Dre Wellmarkiberichte lauten mdu einheitlich; ermähnt sei die feste Weirenlknlenz an Amerikas Börsen, iiir welche fortgesetzte Käufe Europas ins Treffen-geführt werden. Verliner Mrse. Berlin, 10. Juli. Unter dem Eindrücke der neuerlichen Forderungen der alli-erten Mächte hinsichtlich der Kohlenlieferungrn trat an der hentigen Börse anfangs bei ungleichmäßiger, jedoch n. Juls 1920' ' 9 | vorwiegend schwächerer Kursbildung auSgesprochnte ZurÜckhalt««^ zutage. Im Verlaute konnte sich aber die Stimmung etwabescstigenj als Deutsche Erdöl-Aktien von 1500 auf 1700 und Deutsche Petroleum-Aktien, letztere bei lebhaften Umsätzen, von 683 bis 875 stiegen und auf dem Markte der Monlanwerte anfängliche mäßige'Rückgänge wieder ausgeglichen wurden. In ihrer Gesamiheit gingen diedKursvcränderungcn nach oben oder unten nnr selten über 6% hinaus. Dagegen stellten sich Argo- und Adlerwerke-Aklien um je 15, Tb. Goldschmidt-Aktien um 22 und Orrentbahn-Aktien um 25°/° höher. Rheinische Braunkvhlen- Aktien gaben nach. Von Bankwerren gewannen dre Anteile der Deutschen Bank 3<7<>, von österreichischen Papieren Südbabn- Aktien und-Prioritäten 2°/„. Renten lagen bei unveränderten Kursen still. Das Geschäft flaute schließlich .bei leichten Kursschwankungen wieder ab. E__ Die Devisenkurse. Wie«, 10. Iulr. (Kurse der osterr. Devisenzentrale.l Amsterdam £650.— (5650.—), Berlin 444.50 (445.—), Zürich 2700.— (2700.—), Christiania 2550.— (2550.—), Kopenhagen 2425.— (2425.—), Stockholm 3200.— (3200.—), Mark-Noten 440.50 ,441-). Lei-Noten 360.- (350—l. Leva-Noten 260.— (26ü.—), Schweizer Noten 2675.— (2675.—), Französische Noten 1250.— (1250.—), Italienische Noten 925.— (925.—), Englische Noten 585.— (585.—), Dollar-No^rn 145,— (145.—), Rubel-Noten (Romanows) 280.— (320.—). , Wien, 10. Juli. (Kurse tm freie« Verkehr.) Agram 235.— bis 255.—, Budapest: Zahlung in Post». . svarkastageld 37.— bis 107.—, Budapest: Zahlung in gestempelte« Noten 97.— bis 107.—, Ungarische gestempelte Noten 97.— bis 107.—, Warschau, Krakau in poln. Mark 90.— bis 102.—, Prag 362.— bis 382.—, Tschecho-slow. Kronennoten 5000er 364.— bis 384.—, kleinere 365.— bis 385.—, Neue Dinarnotcn 925.— bis 975.—. Prag, 10. Juli. lKnrse der Devstenzenttale.) Amsterdam 1588.50. (1583.50^. Belgrad 259.- (252.—), Berlin 117.25 (117.25). Bukarest 114.25 (111.25', Sofia 91.50 (85.50), Zürich 803.50 (798.50), Kopenhagen 738.50 (738.50), Stockholm 988.50 (978.50).. Mailand 271.—(271.—), Paris 374.- (374.-). London 175.25 (175.25), Rew-York 44.50(44.—), Wien 26.87 (26.37>. Brüffel 401.- (399.-), Agram 64.50 (62.75V LLarschau 26.— (25.50), Budapest 27.50 (27.50), Jugoslawische Noten 255.— (248.—\ Marknolen 116.25 (116.25), Rumänische Roten 110.75 (107-75), Bulgarische Noten 88.50 (82.50), Sänveizer Noten 799.50 (794.50), Dgnilche Noten 734.60 (734.cö), Schwedische Noten 984.50 (974.50), Italienische Noten 268.- (268.-). Französische Noten 371.— (871.—), Englische Noten von 1 Pfund Sterling aufwärts 173.25 (173.25), bis 1 Psund Sterling 172.25 (172.25); Amerikanische Noten von 10 Dollar auswärts 43.50 (43.—), von 1 bis 10 Dollar 42.50 (42.—), Oesterreichrsche gestempelte Kronen 2\37 (25.37 >, Holländische 1583.50 (1578.50), Belgische 401.— (396.—), Serbische Notcn —(—,—). Zürich» 10. Juli. (Devisenkurse. — Mitgeteilt von der Schwerzerischen Kreditanstalt.) Berlm 14.70 (14.76), Holland 197.50 (197.90t, New-Dork 556.— (556.—), London 22.02 (22,—). Paris 47.15 (46.80), Mailand 33.50 (33 35). Brüssel 50 50 (49.75), Kopenhagen 92.50 (92.-), Stockholm 123.50 (122.75), Ehrlstiaüia 93.— (92.50), Madrid 90.25 (90.50),' Buenos-Aires 230.— (200.-), Prag 12.60 (12.50;, Ägram 8.25 (7.90), Budapest 3.50 (3.55), Warschau 3.20 (3.25), Belgrad' 32.- (31.50), Wien Geld 3.85 (3.85V Wren Ware —(—.—), österr. gest. Kronen Geld 4.— (4.—), österr. gest. Kronen Ware — Amsterdam, 9. Juli. (Devisenkurse.) London 11-18 (ll.l572y Berlin 7.40 (7.50), Paris 23.80 (23.52‘A), Schweiz 50.80 (50.727,), Wien 1.97»/, (1.97‘/,V Kopenhagen 46.60 (46-65), Stockholm 62.40 (62.40), Christiania 47.— (47.30). New-York 282.25 (282.25), Brüssel 25.40 (25.10), Madrid 46.— (45 25), Italien (17.15). Zentrale Pressbnrg ° Filiale Wien, I., Wipplingsrstrasse 24-26 ° Teieplion 12358,18296,17408 Besorgung aller bankgeschäftl. Transaktionen. Entg-egeniiahnre von Geldeinlagen. Ausgabe Ton Einlagsbücltern. Uebernaliinc Ton YemögensYerTrraltxmgen. Warenabteilung, Export Ton Serienmöbeln n. landwirtscbaftl. Geräten. □ Import von deutschen Heizmaterialien etc. n Ein literarisches Anternehmen. Aus dem Tohuwabohu Sammy Gronemanns.*) ) ' I. Es ist cinigerm-aßen zweifelhaft, ob etwa ein Noethe oder ein Lessing, in ihrer Art noch gewiß Leute, dieihr Metier verstanden, in der Lage gewesen wäre, in dem-Zweige der/Literatur, den Wolf Klatzke sich jgewählt hatte, zu reüssieren. Während sich diese Männer verhältnismäßig leicht gmrgbare/ Gebiete ausgesucht hatten, hatte Wolf Klahke sich ein überaus 'schwieriges jSpezialgebiet zum Tummelplatz seiner Talente gewählt, ials' ex ■ cirte Anstalt zur Anfertigung von Bettelbriefen ins Leben, rief. _v. ,.v, ' l s Mit .s.Phantäsie, -^Sprach^ uH^- Stilgefühl, mit SiMftgewanothe.iö.'allein ^wari< da^.kein Erfolg zu erzielen; zu .einem Schnovrbrieflieferanteu: gehört /bei weitem-emelw; er muß ein tiefer Psychologe sein, er virtrws /auf allem'Instrumenten des 'Gemüies wie des^Verstcsnde^ -z-ü-' spieen), verstehen- '.er (muß . Line uyrfassenoe. Kenntnis' gar.v.ieler. und Htr- Kältnisse besitzen — er muß — was .muß er nichtriftes! duvch' fi^mm so' viel schwierig'er.kund mühevoller Jedes Erzeugnis der Feder des Schnorrbriefschreiöers ishlin der Regel nur für einem Leser, höchstens e'nmal für ersten -kleinen - Kdeis von Lesern ‘ bestimmt; gerade lauf diesen einen Leser muß der Brief wirken und die Wirkung muß spontan sich in bare Münze umsetzen. iSv muß also Ton und Inhalt jeweilig geirau ans den Empfänger abgestinunt tverden und der wäre ein elender Stümper, btt, da glaubte, mit einem, und deinselben B35:ief auf eine Menge von Leuten in gleicher Weise *) Dec jüdisch-satirckche Roman T ohuwabohu von Sammy G r o n e m a n n, über den unsere Leser Näheres an anderer Stelle dieses Blaues finden, ist soeben im W e l t- Verlag, Berlrn bk. W. 7, Dorotheenstraße 3i>, erschienen; die Freundlichkeit des Autors und seines Verlages ernröglrcht es uns, '.nuferen Vc;cvu ein ,tt.tn;:l!)./ NomureZ zu la/uacm wirken zu können. Gerade die Kreise, auf welche die 'Kunden von Wolf Klatzke reflektierten, setzen sich aus lauter ausgesprochenen Individualitäten zusammen, welche sorgfältig studiert werden müssen. Nun war Wolf Kllatzke noch ein Anfänger in der Kunst und machte bisweilen große Fehler. Er hatte die Schwierigkeiten des von ihm/erwähltest Berufes denn doch unterschätzt, als er in dem dunklen Hinterzimmer des Bornsteinschen Gasthofes 'in der Dragvnerstraße sein Konkurrenzunternehmen gegenüber dem rotnäfigen Brandler anfing, der im Vorderzimmer das gleiche Gewerbe seit Jahren betrieb. Brandler schrieb für zehn Pfennig 'per Stück mit der in langjähriger Routine erworbenen Fixigkeit, seine Schstorrbpiefe. und »betrieb gleichzeitig einen schwungvM«;st--HanU.l/. m|t[' Adressen geeigneter Änschnorrungsobjekte. — Klatzke machte sich anheischig, den Brief für 8 Pfennig zu liefern und setzte — eine ungeheuerliche Feuerung ist' der Branche — für die Adressen einen-EiNherispreis von 5 Pfennig per Kopf fest, während doch.sonst, wie männiglich bekannt, der Preis für -Wohltätier je wach Güte und Kredit zwischen einem Pfennig und einer Mark schwankt. Es versteht sich, daß nicht'Namen und Adressen allein bezahlt werden, sondern das eigentliche Wertobjekt bildet die nähere Keirntnis über Art und Wesen der (betreffenden PersönlichKitey.^diese.< Kenntnis /findet Wied er ihren Niedersch lag in Form und Inhalt ‘ des betreffenden Briefes, über dessen besondere Fassung Schreiber rmd Besteller oft ausführliche Beratungen halten. Keine Auskunftei der Welt hat. solch delikate Aufgaben zu lösen, lute solch ein Vertrauensmann und Setrrtär der Schnörrerzunft. Er muß genau wissen, wofür sich der Betreffende, an dessen Geldbeutel appelliert werden soll, am meisten interessiert — ob er fromm und gesetzeStren oder von laxen Anschauungen ist — ob er es liebt, wenn der Petent verzweifelt oder wenn er von gläubigem Vertrauen erfüllt ist. Den einen rühren Drohungen mit Selbstmord — dem anderen rnuß man erzählen, nrie man mit ein paar Brotrinden sich wochenlang genährt hat. Den packt die Geschichte von dem erbarmunasl"fen Hansun 't. Jener zieht Witwen mit hilflosen Kindexn vor, ein anderer, gibt nur ,für Vollwaisen; recht beliebt Äst der verarmte Handwerker, weniger der durch die harten Gläubiger oder durch eitlen betrügerischen Sozius ins Unglück gestürzte Kaufmann. Einige geben mit Vorliebe zur AuSstattungi von Bräntenl andere haben eine ganz besondere Lieb- . haberei sür'Krüppel. Opfer russischer Judenverfolgungen und aus Sibirien entflohene politische Gefangene befriedigen romantisch angelegte Gemüter — den Armen aus Palästina geben manche Kreise besonders gern rwährend wieder andere für diese Zwecke keinen Pfennigherausrücken würden, die dagegen für Rückwanderer aus Amerika eine offene Hand haben. Dann gibt eK noch besonders ergiebige Quellen, die für die Herausgabe hebräischer Werke oder für den Aufbau abgebrannter Bethäuser zu erschließen sind..Kurz/Man must bei der Fülle von Geschnvacksrichtungen über eine reichhaltige Musterkollektion verfügen und' stets imstande sein/- gerade das für den besonderen Fall Passende hervorzusuchen. Und es kommt auch hier wie in jedem Ge-; schüft auf die Aufmachung an: Der Stil des Briefs ist von allerhöchster Wichtigkeit. Marrchen Leuten müß^ man in reinem Hebräisch schreiben — bei anderen^ wenigstens dem Text rnöglichst viel Bibelzitate bM) mischen; bisweilen ist ein absolut fehlerloses Deutsch- Bedingung, aber das Zugkräftigste ist im allgemeinen doch ein 'besonders' schlechtes, nüiv- und komisch-wirkendes Quasi-Deutsch. Das wird schon der Kuriosität^ wegen gelesen, erheitert und rührt zugleich und prägt sich ein. 1 ^' JA. In vielen Fällen wird naturgemäß der reelle Vertrauensmann gar keinen Brief schreiben, sondern seinen: Kunden raten, persönlich vorzusprechen. In solchem Falle gibt er'ihm über das notwendige und geeignete Auftreten, die vorzubringende Geschichte, aber auch über die geeignetste Defuchstunde, die Behandlung der Dienstboten, die Methode, ins Sprechzimmer zw gelangen, und hundert andere Dinge die erforderlichen Informationen. (Fortsetzung folat.)

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