Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 519 (3.7.1920)
- Date
- 1920-07-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979597--04586-2990345- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Rr. 519 Wien, Samstag -. Tirol und Kärnten hat sich die Bevölkerung in'si'hr bescheidenem Matze, unter einem Hundertstel jährlich, vermehrt, in den anderen Länden beträchtlich vermindert, sp daß die jährliche Abnahme im Staatsdurchschnitt A Promille beträgt. Durch die Verminderung der Gesamteinwohnerzahl ist die Dichte der Bevölkerung von 81 Bewohnern auf etnem Quadratkilometer Ende 1910 auf 78. zu Ende Jänner 1920 gesunken. Von' dem Kärntner nördlichen Abstimmungsgebiete, mit seiner Hauptstadt Klagenfurt abgesehen, ist Niederösterreich ohne Wien noch immer am dichtesten bevölkert mit 75 Bewohnern, an zweiter Stelle folgt Oberosterreich, dessen Dichte sogar noch zugenommen hat, mit 72 Bewohnern. Die übrigen Länder hgben wegen ihrer gebirgigen Beschaffenheit eine ge- "*ngere Bevölkerungsdichte. > - Die Verteilung nach dem Geschlecht.' Sehr interessant sind die Mitteilungen über die Verteilung nach dem Geschlecht. Von der gesamtenanwesenden Bevölkerung sind 3,162.952 Personen weiblich und nur 2,904.478 männlich. Die weibliche Bevölkerung ist nur um ein geringes schwächer als 1910, nicht einmal um 1 Prozent hat sie abgenommen, dagegen ist die männliche unter 3 Millionen gesunken, indem sie sich um 208.664 oder 6,61 Prozent vermindert hat. An dieser Ziffer wirkt mit der Kriegsverlust Oesterreichs, dann auch die änderen Einbußen infolge des Krieges. Die unmittelbaren Kriegsverluste an männlichen Lotest können auf 160,000 bis 180.000 geschätzt werden. Von dem Geburtenausfall trifft natürlich nur ein Teil das männliche Geschlecht. Die männliche Bevölkerung hat sich am stärksten in Wien und V o t tt 116 c t g, dann in der Stadt Klagenfurt vermindert, in Wien um volle 121.868, ist. Dvrarlbeög utft 7769, in Klagenfurt sogar um 18,78 Prozent. In allen diesen Gebieten hat. auch die weibliche Bevölkerung abgenommen, in Wien um 6,39, in Vorarlberg um 6,30, in Klagenfurt um 0,10 Prozent- Sonst hat sich in allen Ländern und angeführten Städten die weibliche Bevölkerung weiter be'rmehrt, wenn auch natürlich infolge der Geburtenabnahme schwächer als in dem Jahrzehnt zuvor. Der Frauenüberschuß .war schon längst in Wien am größten, hat sich aber — abgesehen von dem durch Klagenfurt beeinflußten. Abstimmungsgebiet — auch noch weiter am meisten vergrößert,, danach verhältnismäßig am meisten in Steiermak und Tirol, wo noch 1910 ein namhafter Männerüberschuß gezählt worden war. Außerhalb Wiens -hatte in allen Alpenländern von 1000 bis 1910 der Frauenüberschuß abgenommen, mm gibt W überall weit mehr.Frauen als Männer' Das günstigste Verhältnis ist noch in Kärnten, Tirol und Steiermark mit nahe an 105Q Frauen auf 1000 Männer zu -finden. - Gegenwärtig besitzt die Republik Oesterreich: 9 Städte mit eigenem Statut, 75 politische und 248 GerichWezirko mit 3895 Ortsgemeinden. Tagesbericht. Kultussterrerzahler, welche ihre Kultussteuer rechtzeitig entrichtet hatte«, die österreichische Staatsbürgerschaft besitze«und trotzdem nicht in die WählerlistederKnltusgemeinde a-n f g e n o m m e «, deziehnngsweife nicht zur Krrltnstvahl zugelaffe« wurden, werden aufgefordert, dies umgehend schriftlich unter Angabe der genauen Adresse in der Redaktion der »Wiener Morgenzeitung", H., Taborstrabe 1'—3, bekanntzugeben. Der Herzl-Wald. DettNmal für die Ewigkeit. Herzls Dodestag kehrt wieder und findet das jüdischa Volk am Werke, das aufzubauon, wozu Theodor H'erzls Genje den Grundstein gelegt hat. Heute, nach den Beschlüssen von San Remo, ist die Bahn frei, um Evez Israel zum jüdischen Heim zu machen. Ungeheures ist KU leisten, damit bas Land, welches jahrhundertelang wüst und leer war, durch die ehrliche Arbeit jüdischer Hände zu dem werde, was Theodor Herzl erträumt 'hat: ZU eistem blühenden Gemeinwesen, in deck 'HNndePttqüsende unseres Volkes neues Leben hervorbringen, damit das ewige Volk sein Land für ewig besitze. : Das größte Unp unzerstörbarste Denk mal für dtlß Ewigkeit aber muß in ErLz Israel ihm gesetzt werden, der uns den Weg in das Land gewiesen hat: Theodor H or z l. Kein Denkmal ans Stein oder Erz, wäre es auch ragender als die Freiheitsä stätue ick Hafen von New-Uotk, gibt das wieder^ Was Theodor Herzl für das jüdische Volk und sein Land bedeuten Das kann stur ein ewiges Werk schaffender Arbeit, aus deck bas Land immer neue Kräfte zieht. Darum ist heute, wo wir zü bauen vnfaNgen, die Ausführung des Gedankens, einest , ' großen HerZlMald anzülegen, bis erste jüdische PftichN Erez Uraet^p-ücht Bäume, braucht Wälder, damit es seine alte Lebenskraft wiederetlange. Und diese Wälder sollen alle; .Herzls Namen tragen. An seinem SinNe ist iß,' weil das Land dadurch zu iöstbatem PrvdUktionsgut Lommt; w feinLM Sinne ist eg* weil duM die PIauzuug -r, Wiener Morgenzeitung S. Juli 1920 Seite 3 ver Boykott gegen 7 „ . In Brüssel findet heute eine Vorstandssitzung des Internationalen Gewerkschaftsbundes statt, ist welcher der aus Wien kommende Sekretär des Bundes Edo Fimmen über die Besprechungen, welche die Vertreter döö' WewerkschLftsbundeö' nnter Vorsitz des Staats- ' kanzlers Dr.' R en ne r in Wien mit dem ungarischen Gesandttzn Dr. Gratz geführt haben, Bericht erstatten wird. Es verlautet, baß in der Sitzung möglicherweise der Beschluß gefaßt werden wirb, den Boykott gegen Ungarn für eine gewisse Zeit zu suspendieren. Der ungarische Gesandte Hat während der Verhandf langen Aufklärungen über die Verhältnisse in Ungarn ' gegeben und gleichzeitig die Schwierigkeiten geschildert, mit denen düs Land, das zwei Revolutionen hinter sich' hat, zu kämpfen habe, daß Ungarn nurschrittweise wieder zu konsoMertSm, Rechtsverhältnissen gelangen könne.'Daß die ungarische Regierung bestrebt ist, Ruhe und Qrtr.ung im Lande wteoer herzustellen, habe sie durch eine Reihe von Anordnungen bewiesen. Diesen Erklärungen trat-rndie Vertreter der Gewerkschaften^ sehr scharf entgegen und. legten 'Herrn r ct\ tz'. eine Reihe bestintckher Aälle von Grausamkeiten vor,, die mit W i s sen der Regier u n g geschehen find. Der Gesandte konnte keine Antwort geben, wiederholte jedoch die Versicherung, es sei seiner Regierung ernstmit" der Absicht, die NejchtsgaräntM wieder herzustellen. Er teilte auch eine Reihe von Maßregeln mit, die die ungarische Regierung ergreifen wolle. Die Entscheidung steht nun bet Brüssel. Inzwischen nimmt der Boykott, dem sich nunmehr auch die Münchner Arbeiter angeschlvssen haben, seinen ungestörten Fortgang. Die gestern verfügte Einstellung des Personenzügsvcrkehrs «ach Ungarn bezieht sich natürlich, nicht auf das Inland. des Herzl-Kaldes Ta u sen den von Juden Arbeitsgelegenhit gegeben ist/ in seinem Sinne ist es, weil hier ein ewiger Wert geschaffen wird, wie Herzl es immer wollte,.für den nie Tagwerk, sondern nur Ewigkeitswerk Bedeutung hätte, in seinem Sinne ist es, weil der' Ertrag der M^H^flanAnngen deNr geistigen Wohl der kommenden Geschlechter, dem hebräischen 'Schulwerk ist Erez Israel, zufallen soll. Dieses Denkmal aber muß vom ganzen Volke errichtet werben, auf dem Boden, der dem gesamten jüdischen Volte gehört, auf Nationalsvmdsb öden« Mt den Mitteln die das g. anzeBolk ausbringt. Dia Kosten der Pflanzung und Erhaltung eines Kaumes bstraaen 30 Kronen. Ein Wald, der Herzls Namen LN tragen würdig ist, der'eist prächtiges ewiges Wahrzeichen für einen der Größten unseres Volkes'wäre, muß mindestens eine Million Väüme hüben. Wenn jeder Jude in Oesterreich für die Pflanzung von zwei Bäumen beiträgt, so ist dadurch die Möglichkeit gegeben, sofort das Denkmal zu errichten, das Herzl gebührt. Und wer wäre dazu mehr verpflichtet, als die Juden Wiens und Oesterreichs, die das Glück hatten, Theodor Herzls Leben und Wirken mitzuerleben? .Daher ist es. gerade jetzt, am Tage der Herzb- Jahrzeit, Mische Pflicht, zu diesem Werke beizutragen. Die Hunderte und Tausende.junger Juden, die letzt über Wien ihren Weg nach Erez-Jsrael nehmen, die werden sofort an dem großen Werke Mitarbeiten können, wenn die Juden in Wien und Oesterreich ihre Pflicht tun, bannt Theodor Herzl ein ewiges Dcnkckal in Etez-Jsrael erhalte. Jeder Jude in Wiest und Oesterreich spende am 20. Siwan (6. Juli) für den Herzl-Wüld! Spenden nimmt die Samnrelstelle des Jüdischen NativnalföNds für Oesterreich- Wien, 2. Bezirk, ZirkuZtzasse 33, entgegen! ' " i ' Lehrdrbttdungsknrs für Hochschulen. Die Unterrichtskommission des Jüdischen Natioualrates teilt mit: 1. Zu Beginn des Schuljahres 1921/22 werden in Wien Volksschullehrerstellen mit deutscher Unterrichtssprache zur Besetzung gelangen. Da es geenwärtig an entsprechend qualifizierten Lehrkräften mangelt, hat die Unterrichtskommission des Jüdischen Nationalrates in ihrer Sitzung vom 28. Juni 1920 beschlossen, für jüdische Hochschüler und Hochschülerinuen, welche Willens Und geeignet sind, sich unter Verzicht auf die Fortsetzung ihres Hochschulstudiums deck schönen und verantwortungsvollen Beruf von Erziehern ihres Volkes zu widmen,' im September 1920 einen Lehrerbildungskurs zu eröffnen,.der es den an ihm mit Erfolg Teilnehmenden ermöglichen soll, im Frühjahr 1921 sich au der staatlichen Lehrerbildungsanstalt ist Wien der Reifeprüfung zu unterziehen. Die Unterrichtskommissiou sichert den Absolventen dieses Kurses zu, daß sie nach bestandener. Reifeprüfung eine Anstellung als..provisorischer Lehrer,, (beziehungsweise Lehrerin) an einer jüdischen Volksschule in Wien auf die Daue^ von zwei Jahren erhalten lverden, und zwar mit Wirksamkeit vom Beginn betz Schuljahres- 1921/22 und mit Behügen, welche den. von der Gemeinde Wien den provisorischen städtischen Lehrern gezahlten Gesamtbezügen mindejteM LleMonnnen werden. Die Untexrichtskom- Ein scharfer Beschluß der Münchner Betriebs-! täte. München, 9. Juli. Eine stark besuchte Vollver^ sammlung der Münchner Betriebsräte faßte einen.Peschluß, tvorin die Betriebsräte dem seiner Menschen-«, rechte beraubten Proletariat Ungarns ihren Gruß ent^ bieten und erklären, daß sie sich dem BoykottgeM« die Reaktion in Ungarn anfchließen und jede Arbeit^, verweigern, die den derzeitigen Machthabern in Ungarw zugute kommen könnte. Alle jene Münchner Arbeiters die gegen diesen Beschluß handeln sollten, würden alÄ Streikütecher erklärt werden. r / Außerdem wurde in der Versammlung angeregt^ daß auch die B u ch d r n ck e r anfgefordert werden /ollen/ das Setzen von Artikeln zu verweigern, die sich gegech den Boykott wenden und die ungarischen Machthabevj verteidigen. . Der Verband der Transportarbeiter hat bereits, vor einigen Tagen den Beschluß gefaßt, sich dem Boykott anzu schließen und die Mannschaften der Donau-D'ampf- Ichiffahrts-Geseilschaft anfgefordert,. leine Dampfer nach Ungarn abaehen und die nach Nninünierc und anderen! Staaten an der unteren Donau führenden Dampfer in Ungarn nicht, anlegen zu lassen. Dev Boykott der Slowaken gegen Angarn. . Prag. 2. Juli. Das Abendblatt des „Pravo Lidu"' imeldet: Die slowakischen Sozialdemokraten haben '44D Waggons in verschi-denen Stationen mit Waren, dia für Ungarn bestimmt tvaren, darunter auch Getreide,,' «ufgehalten. Waren, die verderben könnten, werden onj Konsumvereine und Wirtschaftsorganisationen verteilt.^ Ist den Bahnhöfen werden Sendungen'nach' Ungar» überhaupt nicht angenommen. Die ankommendow Waggons, werden zurückgeschickt. .; \ ’sntfjiott wird ferner den Besuchern des Kurses etwa, msti jüdischen Pädagogium die Gelegenheit geben, sich zum Teil schon vor, hauptsächlich' aber während ihrer provisorischen Dieustleistuttg in der hebräischen Sprache aus^ Kubilden und im-Juni 1923 durch! Ablegung einer be^ sonderen. Prüfung die Befähigung zum Unterricht deÄ Hebräischen an jüdifcheu Volksschulen mitdeutWep 'Unterrichtssprache zu erwerben. Denjenigen, welche die Prüfung aus dem Hebräischen bestanden haben? werden, sichert die Unterrichtskommissiou bei fortgesetzt' zufriedenstellender Dienstleistung die Fortdauer derz provisorischen Anstellung bis zur Ablegung der staatlichen Lehrbefähigungsprüfung und für den'fZeitjrrmkt nach Ablegung dieser Prüfung die definitive ÄüsEUna! zu. Dagegen ist eine weitere dienstliche VerwerÄunF! solcher Teilnehmer am Lehrerbildungskurs, wesihe im Juni 1923 die Lehrbefähigung aus hebräischer Sprache nicht erwerben, grundsätzlich nicht beabsichtigt undj Löttnie daher nur in besonders berücksichtigenswertenj Fällen ausnahmsweise in Erwägung gezogen werden 2. Der Unterricht am Lehrerbildungskurs wird! kostenlos erteilt werden; außerdem beabsichtigt dia Unterrichtskommissiou. bedürftigen Besuchern des Kurses während dessen Dauer Stipendien von angemessener! Höhe zuzuwenden. . ' j 3. Vorbedingungen für die Aufnahme in . dem Lehrerbitdungskurs sind: a) der Nachweis der österreichischen Staatsbürgers schüft oder der Aussicht, sie binnen Jahresfrist zu er.^ langen; " .! b) das. Bekenntnis zur jüdischen NatioualitÄ; ' c) der durch sin amtsärztliches Zeugnis M 'er-! ^bringende Nachweis, der physischen Eignung zum Lehr.-' berufe; . j d) der Nachweis der an einer öffentlWen Mittel-: schstle bestandenen Reifeprüfung; i e) Beherrschung der deutschen SpraW in WrO und Schrift. 4. 'Hochschüler und Hochschülerinnen, webhst/ dA . Aufnahme in den Lehrerbildungskurs a-nstreben, wtzrdeM hiemit aufgefordert, sich in der Zeit vom. 5. bis zust» 16. Juli persönlich dem zuständigen Referenten dev! Unterrichtskommisswn, Universitätsdvzcnten Dr. Ernfh. -Stein, vorzustellen, der zu diesem Zwecke während: heÄ genannten Zeitraumes an jedem Moartag, Mitüvvchj lund Freitag von 2 bis 3 Uhr im Lokale des. ttutoii richtsamtes des Jüdischen Natioualrates, 2. Bezirk«! -Taborstraße 20 a, zu sprechen sein wird. ' - , Das. Unterrichtsamt des. Jüdischen NationalrateZ. / Vollversammlung der Rechtsanwaltskammer) In der gestern unter dem Vorsitze des Präsidentin Doktor'. Pfeiffer obgeheltevm ordentlichen Vollversammlung der Niederöfierreichischen RechtsanwaltSkammer wurde» die Wahlen! der Kammrrfunktionäre zu Ende geführt. Nach dem Er'gebMe derselben gehöre» dem Ausschuß nunmehr an: Dr. Julius! P f ei ffe r als Präsident, Dr. O fn «r und Dr. Harpurrj als MzrprLsidmten, als Ausschußmitglieder, bqiehAntzS^ «eise Ersatzmänner die Rechtsanwälte Dr. Abel. Doktor! Wilhelm Haus B o h u s l a w, Dr. Georg B U S i k (St. Pölten), Dr. Eckel, Dr. G r ü n e r (Ne»ukirchen)^ Dr. Map H i t s ch m a n n, Dr. Josef Irsch (Korneubmg^j. Dr. Siegfried Kantor, Dr. Kelvl, Dr. Koüirsch< Dr. Külbl, Dr. Rasp (Krems), Dr. Alois SchüÄ Dr. Rudolf S ch e r b a k, Dr. Km! Wagner, Doktor D »r i an. Dr. Goy - rh r tz-v, Dr. Edm«ud 6