Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 516 (30.6.1920)
- Date
- 1920-06-30
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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» Sir. 51Ö Wien, Mittwoch Heut Zeit schreitet. Sie tragt rmS. Wir tragen sie. Im ganze» ei« Kampf gegen das Philisterinm, den man in seiner Ehrlichkeit nicht imshmpatbisch findet. -In die arbeitsreiche eigene Werkstatt führt mt8 Max K linger m seiner Schrift ^Malerei und ZeichnungE (Jnsclverlag, Leidig). Man hört da viele kleine Weisheiten, die zusammen eine gefestigte Kunstanschanung ergeben. KlingerS Idee eines Gesamtkunstwerkes und manche andere, wie das Problem der Nacktheit in der Kunst, wird hier von einem leinen Stilisten anziehend dargesteNt. ' » . Eine Technik, die erst seit kurzem wieder in Blüte steht, der Holzschnitt, wird in seiner historischen Entwicklung von Kurt G l a s e t (Der Holzschnitt", B. Cassitrer, Derbri) übersichtlich dargefiellt. Es ist die Reaktion gegen die Epoche der Maschinen, eine neuerliche Wertsteigerung der' künstlerischen Hkndearbeit, dir stch in dieser Zeiterscheinvug manifestiert. Zugleich eine Rettung de- Holzschnittes aus seiner Unwürdige« Roste als geistloses VervielsLltignngsnnttel, als welches er vor der Erfindung der photogravhischm ReprodnktionSmethoden km AllustrationSdruck zu dienen hatte. Einen der grüßte« Meister dieser Technik, Äl-recht Dürer, bringt eine mustergültige Veröffentlichung Otto F is ch e r S („Albrecht Dürers Leben und Werke", Gelber Ber lag, Dachau) dem allgemeinen Verständnis sähe. Die Frage, ob Dürer seine Zeichnungen selbst auch geschnitten hat, ist biS heute noch nicht gelöst. Jedenfalls aber sind seine Holzschnitte (man findet die berühmtesten i« diesem tmPsehleuSwcrten Vändchm reproduziert) dauernd» Kunstbrfitz aller Zeiten. Es gibt wohl kaum einen zweiten Künstler der die Geistesrichtung seines Volkes in ihren feinsten Abspiegelungen so getreu uf seinem Werke bewahrt hat wie Dürer und so ist es nicht zu verwundern, daß er förmlich zvm National-- brtos Deutschlands ausgnuseu wurde und seine Kunst in der kommenden Zeit der Selbstbesinnung berufen sein durste, die Hölle, eines klärenden und reinigenden Linimnts zu spielen. —1« Sport. Jüdisches Sportlebe« in Siebenbürgen. Das fiebenbürguche jüdische Preßbsrean meldet: DaS jüdische Gportleben hat stch in letzter Zeit in Siebenbürgen erfrenücher' v«ise stark entfaltet. In beinahe jeder Stadt haben sich jüdische Sportvereine gebildet, welche irden Zweig des SporlletenS kultivieren und dabei auch Gewicht legen aus die zielbewnßte jüdische Erziehung der Jugend. Die zwei grüßten Sportvereine kmd der Haggibor inKlausenbnrg nnd der Samson in Marmarossziget. Aus den bisherigen Wettkämpfen ist zu konstatieren, daß der Haggibor ttt kurzem der beste Sportverein Siebenbürgens sein wird. Am lS. d. M. hat ein Footkballwetttampf stvttgesundtn zwischen dem Haggrbvr nnd dem besten rumänische« Sportklub Viktoria, welcher unentschieden endete. Rapid—Wacker 4 : 0. Durch diesen sicheren Sieg errang Rapid die Meistcrschaf ber ersten Klaffe. Die Tore «weite« Uridil (B) und Dieser. Amateure—Hertha 3 r 1. DaS Nachspiel endete 1:1, so drß daS Endresultat 3:1 lautet. Das anschließende Freundschaftsspiel gewannen die Amateme2:i. Vienna-Oftmark 4:3 (2:1). Eine sehr beachtenswerte Leistung vollbrachte die vom Vortag ermüdete Ostmarlmannschast gegen die auSgeruhten Ersiklaffigen. Die Tore erzielten Tremmel (2), Fridthum und Blum für Vienna, Hosbauer i und tt und Maschl für Ostmark. Schiedsrichter Amberger. Red Star—Ostmark 3 r 1. DaS Resultat entspricht nicht dem Kräfteverhältnis. da Ostmark gleichviel vom Spiele hatte. Die Abtrünnige. Bon Hermann Vlumenthal. 11. Fortsetzung.) Nun ve suchten die Bauern zu beiden Seiten des Flusses etwas vom Holze zu retten. Mit langen Stangen trieben sie^, manche 'Holzstücke dem Ufer zu, doch es war szu späst, das Hochwasser hatte das meiste Holz fort-- j getragen, und den letzten Rest hatten die Leute vei> schleppt. - Bald Konnte Schachne das Haus verlassen. Langsam und gebückt ging er am User entlang und nun Lsnnte er erst ermessen, welch ungeheuren Schaden die Flut angerichtet hatte. Die weiten Lagerplätze waren leer und Schachne war in einer Nacht ein armer Mann tzeworden. Die Kräfte drohten ihn zu verlassen uitb er ließ sich' auf einer Lehmbank vor dem Hause nieder. L^rst murmelte er: „Der Herr hat's gegeben, her Herr hat'S genommen, sein Wille geschehe." In wildem Trab kam irin Reiter daher und als er ganz in der Nähe war, erkannte er Dr. Lazar, den Bräutigam seiner Tochter. - . Der Arzt sprang ab und eilte auf Schachne zu. „Wie befinden sich die'Walkend ries <er, „Hsftsnt« lrch ist ihnen nichts züßestoffen." „Körperlich ist bei Ws altes beim Rechten, aber der Schao.zilj den'ich erlitten habe, ist Erm," er^ widerte Schachne ernst. „Ich dachte tnit’fc!" Aber das wird sich' wohl wieder geben," kueints der Arät, „Sie müssen erst wieder einen muti Kops hüben, Sie sind ja in der einen Nächst um Mhrö gealtert." Schachne erwiderte nichts und Langsam bägabeN ^'ich die v^iden Männer zu den FraULn ins Haus. Wiener MorgettzettuttK --- ---«ij...j»YWlv.vaar.-.i*i Dlue Star—Donaustadt 4:2 (Ir2). Glücklicher Steg. Donaustadt vergab zwei Elfer. Hatto ah-Sportklub. Die beiden Unterlegene» ans der Cup-Vorschlußrunde, Hakoah nnd Sportklubstehen einander am SamStag auf dem Dvrubachrr Sportplatz gegenüber. Der Sportklub hat für die siegreiche Mannschaft einen schone» Pokal gestiftet Sportklub Hakoah. Hente findet um 7 Uhr abends eine äußerst wichtige Klubleitungssitzung statt. Da» Eup-Gutscheiduugsspiel zwischen Amateure und Rapid findet am Sonntag ans dem Simmeringer Sportplatz statt. Der Vivo öS Athletik«? Club trägt im Laufe des Juli Wettspiele in Brelitz und Czenrowitz aus. Eventuelle Wett« fprelanträge sind an den SporMub Hakoah. Wien. Börse« gaffe 14,. zu richten, da die Tournee werter ausgedehnt wird. S.-S. Aharoath Zion. Bortrag im Klublokal (siehe Biremsnachrichteii). Gerichtssaal. Eike Klage gegen die israelische Kultus gemeinde. Einzelrichter Oberlcmdesgerichtsrat Dr. K l a « g des ZivillaudeSgerichtes verhandelte m dm letzten Tagen über die Klage der Buchdruckerfirma V.Bick L G o b n gegen die israelitckche KultuSgemeinde (zu Händen des Vorstandes) wegen eines Betrages von K 11.459*92 für Drucksorten in der Zeit vom 31. Mär- IS l8 bis 13. November 1919. Die Kulturgemeinde führte in der Verhandlung durch ihren Vertreter folgendes ans: Die Gemeinde hat inzwischen von dem geforderten Betrage einen Teilbetrag von'- K 3i9fi‘08 auf Grund eines Gutachtens des SchutzverbaudrS der Buchdrucker anerkannt und bezahlt, die Forderung des Restbetrages von L 8263 84 .ist vollständig unberechtigt und wird deren Bezahlung verweigert. Die Klägerin hat vier Rechnungen für die angeführte Zeit erstellt, und zwar am 31. Dezember 1918; am 31. März ISIS, am 81. Aprrl ISIS und am Sl. November ISIS. Was die drei -ersten Rechnungen im Gesamtbeträge von K 6939.34 anbelangt, so hat der Schützverband diese Rechnungen für exorbitant hoch befunden und sie m dieser Höhe für ungerechtfertigt bezeichnet, somit der Abstrich von kl-3106.84 auf Grund des Gutachtens berechtigt erscheint. ~ Was nun dir vrerte Rechnung vom 13. November 1919 per K 6084.94 anlangt, so hat es damit folgende Bewandtnis: Die klägerifche Firma, welche seit 20 Jahren die Drucklegung des Budgets der KultuSgemeinde durchführt, erhielt die letzte Zuweisung für die drei Jahre 1917/18/19. Die letzte Drucklegung erfolgte für das Jahr 1918, wahrend iür das Jahr 1919 mit Rücksicht auf die fortwährenden Schwankungen die ArrScrrbe'rtrmg des Budgets und infolgedeffen die Drucklegung untcrblub. Nichtsdestoweniger hat die Klägerin der KultuSgemeinde. obgleich sie die Drucklegung überhaupt für das Jahr ISIS nicht besorgte, kl 6034,94 in Rechnung gestellt, und zwar fiw .Aufi- und Lagerbringen der Satze", für »Aufbewahrung des Satzes für zwei Jahre", für „taS Abegen und Abräumen des Satze-" (kl 3740) und „teilweise Materialentwertung". Der Beklagtenvertreter wies darauf hin, daß daS Honorar für die Drucklegung deS Budgets für drei Jahre mit kl 2500 per Jahr vereinbart wurde und daß bereits im ersten und zweiten Jahre ausnahmsweise Preiserhöhungen zugestanden worden sind. Für das dritte Jahr (ISIS) wurde eme solche Preiserhöhnng nicht zugesiandeu, da ja die Ausarbeitung des Budgets unterblieben ist. Es ergibt sich daher, die bemerkenswerte aber auch widersinnige Tatsache, daß die Firma, wenn sie eine Drucklegung besorgt hätte, ll 2500 samt einer geringfügigen Erhöhung erhalten hätte, daß sie aber für die Nichtlieferung K 6034 verlangt. Bon diesem Betrage hat die KultuSgemeinde nun den Betrag von K 880 anerkannt (Aufbewahrung deS Satzes auf zwei Jahre), den Restbetrag jedoch abgelthnt. Die Klägerin bemerkt, daß ihre Forderung nach jeder V. Tage vergingen und mit jeder Stunde erkannte Schachne mehr, daß es für ihn keine Rettung gab. Wechsel und Arbeitslöhne waren fällig, ohne daß er sie bezahlen konnte: Es blieb »ihm nichts übrig, als' bas Haus und den Besitz herzugeben. Auch' dann hatte er nach Nicht alle seine Verbindlichkeiten erfüllt. Es war ein Kommen und Gehen in SchachnerS Comptoir und er gab Stück für Stück von sisinensi Besitz her, dem eine Schuldverschreibung, dem anderen ein wertvolles Kleinod ans besseren Tagen, doch all! dies* reichte nicht hin, so groß war seine Schuldenlast. Ehawe war mit jedem Dag mürrischer, denn sie konnte sich nur schwer von all den Kostbarkeiten, die bisnun ihr eig,rn gewesen, trennen. In der ersten Zeit überhäufte sie ihren Mann mit Vorwürfen und vergoß viele Tränen über ihr Unglück, bann war ihr Schmerz so ungltheuer, baß sie für ihn keine Worte fand uckd nur in Tränen aufgelöst vor sich hinbrütete. In diesen Tagen waren die beiden Ehegatten einander fremd g-rworden. V Rahel sah und hört« alles, was im Hause vorging und sie v'Srsnchte es, den Vator mit vielen guten Worten zu trösten. „Ist denn Hab und Gut alles?" .fragte sie. „Werden uns denn die Menschen jetzt weniger achten?. Kannst du denn nicht mit GotteS Hilft wieder zu Wohlstand kommend „Du sprichst verrlüNftig, mrin Kind» aber daß Unglück kam zu plötzlich über uns und darum ist B Nicht leicht, .sich drsinzufinden Was ich und meine Verfahren seit Fahvzehnbsu aufgebant haben, ist zusammen^ gebrochen-"' ' Ehawe betrat daS Zünmer und Schachne brach sb. Rahel neigw bas Haupt nnd stand bekümmert da. Sie ahnt:, was d?r Aller in dü'sl'N Tagen dlirchgemacht hatte. .30,.Sunt 1920 ' Seite 7 Richtung bin berechtigt erscheine. Der Richter v e r t a aTe Verhandlung, um einen Sachverständigen im Duchdrnckereifach,' besten Wahl dem Gerichte überlasten wurde, in dieser Antzeleaenheit emzuvernehmen. Die Neunkirchner Affäre. Die belannlen Zwischenfälle in der Neuukirchner Spinnerei» sabrik, die auchein diplomatisches Nachspiel zur Folge hatten, kommen heute und morgen zur gerichtlichen Verhandlung. Der Direktor der Fabrik. Jost Zweifel,, hatte mit dem Arbeiter Jvstf M a r k o einen Streit, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Sie schlugen fest gegeneinander los. Später wmde der Direktor von einer größeren Arbeitermenge aus der Fabrik geholt, auf den Marktplatz in Neunkirchrn gebracht und schwer, mißhandelt. Die dabei beteiügten fünfzehn Personen haben sich nuumrhr vor dem hiesigen Landesgerichte zu verantworten. Wir werden über Verlauf und Ausgang des Prozesses berichten. OST-BANK A. 6. CZERN0W1TZ Aktienkapital 20,000.000 Kronen, bar eingezahlt 16,000.000 Kronen. 808 Alle bankgeschäftlichen Transaktionen. Auszahlungen und Inkassi an allen Plätzen Rumäniens, einschliesslich Bessarabien, Siebenbürgen und Bukowina sowie im Auslande. Der Volkswirt. Eine Krone --- 3.85 Centimes Geld. Gestern notierte in Zürich: die österreichische Krone Geld . die sisterr. gestempelte Krone Geld die tschechische Krone. die Mark. Agram .. Warschau. Budapest.. . 3.85 ( 3.90 am 28. Juni) . 3.90 ( 4.— am 23. Jnm> . 12.85 <1310 am 28. Juni) . 14.40 (14.85 am 28. Juni) . 7.40 ( 7.65 am 28. Juni) . 8Ü5 ( 3.75 am 28. Juni) . 3.40 ( 3.50 am 28 Juni) Die Wirtschaftslage in Palästina nnd Syrien. Dem „Jüdischen Handelsjournal", auf dessen gute Informationen wir schon mehrfach 'Hinweisen konnten, entnehmen wir folgenden Ende Mai 1920 verfaßten Wirtschaftsbericht aus Palästina Und Syrien von Doktor M. Mibaschan: Die Entwicklung des Orients hat am Schlüsse des- Weltkrieges nach der Besetzung der Orientgebiete durch europäische Truppen lebhaften Aufschwung auf dem Gebiete des Handels genommen. Durch die Bahnverbindung mit Aegypten und die Verbesserung des Schiffahrtsverkehrs wurde es den orientalischen Provinzen des ehemaligen türkischen Reiches möglich, Waren, welche sie früher nicht hatten erhalten können, zu bekommen, und die Handelswelt in Europa und Amerika begann diesen Gebieten ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. England, Frankreich, Amerika und andere Länder gründeten Gesellschaften und Banken für den Orientverkehr. Viele maßgebende Handels- und Finanzfachleute dieser Staaten ankhaüs Schuber & Brenner Wien, I, Georg Cochplatz 8 / Telephon Kr. 18185 Kulanteste Durebföhrong aller bankmässigen Transaktionen Im Innnd Auslände. I .. I I .. .. " ■ ■!' '■ .. I ' I Doch noch ein größerer Schmerz stand ihr bevor..' Dr. Lazar, ihr Verlobter, war jetzt so bedrückt und ernst. Es schiirn, daß er sich in dem traurigen Hause nicht mehr zurechtfand. 'Seine Besuche wurden immer seltener. „Was hattest du mit deinem Verlobten?" fragte Schachne seine Tochter eines Tages. „Er ist mir heute auf der Straße ausgewichen." Rahel sah ihren Vater verständnislos an. ) In diesem Augenblick betrat die Dienerin DoktoP Lazars die Stube, überbrachte Schachne einen Brief, und verließ eiligst wieder das Haus. Schachne riß den Umschlag auf und da fiel ein blitzendes Däng auf die Erde tzind kollerte in einen/ Winkel. Schachne durchflog die Zeilen und erbleichte. Rahel bückte sich und hob einen Ring vom Boden auf. Ein leiser Aufschrei entschlüpfte ihren Lippen.! „Auch er," sagte Schachne leise, „auch er hat sich von uns gewendet. Wie ein Vater war ich zu ihm inj ^iuen Studienjahren, und nun. . Rahel weinte still vor sich hin. Das Haus des Kaufherrn war jetzt noch stiller geworden. Nur noch wenige Wochen blieb Schachne nn Städtchen, dann verkaufte er alles und dev karge Rest,j der ihm noch verblieben war, reichte gerade noch aus, tont Schachne die Uebersiedlung nach der Landeshaupt» ffcwt zn ermöglich«:. VI. ' Schachne mnßhe sich in der Hauptftaot um einett Beruf' umsehen. Er mietete einen kleinen Laden im Judenviertel und lief den ganzen Tag in der Stadt umher, um allerhand Trödlerwaren einzukaufen. Bald waren es alte Möbelstücke, bald Kleider und Gebrauchsgegenstände, die er erstand und mit kleinem wieder verkaufte. . . (Fortsetzung folgte