Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 516 (30.6.1920)
- Date
- 1920-06-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mtts-levemNlar Preis K «.N« Prä««merattonspretfe: Bf»tt: An« AStzoir« in dee Uxpedttion» 2. Bezirk, Taborßraße 1 bis 8, oder i« einer Lerschlrißstelle <Trafik): Monnittch . . Krone» KN.- vierteljÄrlich »0.- Wkit Pvstversand Ntr Wim und Oesterreich: «onatttch .. KronenNN.- Tichecho^lowakei: Monatlich .. Krone« 1*.- viertelMrlich i» tschecho^lowakifcherSSHrn», Ungarn: Monatlich .. Kronen 3«.- vterteljährlich V«- i« «ngarischer DSHrnng Jngoflawten: Monatlich .. Dinar Vierteljährlich „ »8- K J|J PrarmmerattousPrrisev «Womrtli* «•.—f Vierteljichrlich, in polnischer WSHrMtz \ - Tentsihland:,. _• Moaattich , . tf.-* Ntanleetchi I Monatlich. . .Hranr» »— Italien: M ■ ■ ' Mqnatkich . ' . . Are S.-- _,-tUi Monatlich: . . Frave» Mr da» Lbriee «Man» ', s BirrteljLyrNch Kröne» 13S.—. RedstUi«,n.Äd»i»Mrat«ach rSie»,S.B«z.,T«bor-r,1—iK Telephone: ÄMlntst-Mo« im, -rechäkttv» 4SSfi, «t> 6 Nhr «henv- $*. 1680L Lostshaklaflenkonto 1BMSS *«*■ 91r. 516 Wien, Mittwoch, den 36. Juni 1920 2. Jahrgang Oesterreich» Tfchecho-Slowakien, Pole«. ic. D i e n, 30. Juni. Von Tag zu Tag verdüstert sich der Horizont am europäischen Himmel in . demselben Maße, als auch die Zustände in allen übrigen Weltteilen sich immer krisenhafter gestalten. Nichts ist in dieser Hinsicht kennzeichnender als ein Ausspruch des sozialdemokratischen Abgeordneten Turati im italienischen Parlament: „Die Kevision des Vertrages von Versailles ist unerläßlich, denn nicht in ganz Europa die Revolution ausbrechen soll." Von Seiten der antisemitischen Demagogie macht man' sichs sehr bequem, für alle Umwälzungen, die nationalen und sozialen Motiven entspringen, die tzuden in ihrer Totalität verantwortlich zu machen, obwohl "in der Judenschaft genau so wie in allen anderen Völkern die verschiedensten Auffassungen über die nationalem religiösen und ökonomischen Zeitfragen existieren. Diese harren in allen Kulturstaaten bereits seit Jahrzehnten ihrer Lösung; sie durch antisemitische Schlagstorte Men zu wollen, heißt, sie unlösbar machen. Kann etwa nationaler Friede zwischen den verschiedenen Völkern Mitteleuropas und Osteuropas dadurch herbeistefühtt werden, daß man bei ihnen allen den antisemitischen Kassenhaß entfacht, und wird etwa dieser bei den pichen / haltmachen, oder wird er etwa einen „rnteryMonalen Zusammenschluß der christlichen Völker" erleichtern? Oder ist vielleicht die Richtigkeit, beziehungS- Weise Unrichtigkeit der marxistischen Theorie (die keineswegs identisch ist mit dem Sozialismus schlechtweg) davon abhängig, welcher Rasse ihre Vorkgmpfer/, änge- » W ' iöTVtt ' riWgkert^ der ' soziäloemokraLisHen, beziehungswwie komntunistischen Taktik das als Maßstab gelten, wieviel Jude« in dieser oder jener-Parteileitung sitzen? /' Darum ist ja' unser arnies Oesterreich politisch und Ökonomisch, aber auch ethisch so tief vor dem Ausland Munken, weil kein Kampf um klarümrissene Prinzipien geführt, sondern weil insbesondere vor den Wählen eine ausschließliche Mandatspolitik verfolgt wird, die an die WsschtefiNl Instinkte der Massen appelliert und in letzter HsstE ^» ganzen Parlamentarismusum den ßtzriNSM Krvdit, Len er noch bei der Bevölkerung besitzt,' bringen NMtz. Wenndiesö Tatsachen sich nicht ändern, dann werden auch ein etwaiger Ministerwechsel und die Neuwahlen in hiß KationoLve^mnmLMg keine Gesundung ' des wfterreichWen GtaatAMsstS herbeiführen. Was wir Mstchen, und zwar nicht nurhierzulande, chasM nicht kn erster Linie ein Personenwechsel; sondern: die Beseitigung des Systems der Systecklosigkeit, aufgebaut auf dem Programm der Programmlosigkeit. Eine Politik aber, die seit Jahrzehnten in" den parlamentarischen Vertretungskörpern, in der Gegenwart genau wie in töfc Vergangenheit, achtlos an allen Lehren des Weltkrieges und der verschiedenen Umwälzungen vorübergeht und aller positiven Leistungen auf dem Gebiet der ethischen Erziehung ' und der Verbesserung der * wirtschaftlichen Lage der produzierenden Schichten entbehrt, mutz zu neuen Katastrophenführen.'; . Man braucht nur über die Grenze Oesterreichs hinüber Nach. Tschecho-SIowakien zu sehen. Waren schön die letzten Verhandlungen im Prager Parlament, die an hie.,schlimmsten Zeiten des österreichischen.Parlamentarismus erinnern, .sehr ernster Natur und enthüllten in aller Scharbe die nationalen Gegensätze, so muß über die Vorgchige. in.Jglau. und Olmütz jeder.Kulturmensch ohne Afticksicht auf Nation und Beruf,, der eine Nkilderung der nationalen und sozialen Gegensätze erstrebt, trauernd sein AMtz vekhüllen. .Haben in Jglau sich Tschechen und 'Deutsche gegenseitig gemordet/und verwundet^ so. haben in Olmütz tschechische Legionäre den tschechischfozialistischen Abgeordneten Muna, ihren eigenen Volksgenossen. mißhandelt und sein. Leben so gefährdet, daß er noch am selben Abend mit einem Auto nach Proßnitz gebrächt werben mußte. Diese traurigen Vorgänge haben eine maßlose Erbitterung in der gesamten tschechischen Arbeiterschaft. Hervorgerufen upd sind gqnz danach angetan,'die sozialen Gegensätze ist'Tschechö-Slowakien rn "demselben Matze znzuspitzen, als /es bei den Ratio- Mell'bereits leider der Fallest. Wrd nicht in zwölfter Stunde vom Ministerium Tusar ' mit aller- Energie gegen den überschäumenden . nationalen Chauvinismus Stellung genommen, dann droht dem tsche'cho-slowakischeu Staate eine neue ernste Parlaments- und Staatsknse, umsomehr, als der Nationalitäten--und Klassenkampf eine Komplikation durch den Kulturkampf zu erfahren droht. Daß dabei auch die Jrrdenfrage eine Rolle spielen wird, ist zweifellos. Sehr .schlimm siehtes in bezug auf die Judenfrage auch in Polen aus. Der rreue Kabinettschef ist der seit altersher bekannte allpolnisch und allrussisch gesinnte antisemitische Parteiführer Grabski, der - seinerzeitige Chefredakteur des „Slowo Polski". Er hat die Regierung untxr sehr düsteren Auspizien angetreten.. Die wirtschaftliche und speziell auch die finanzielle Lage des Landes wird immer trauriger, die sozialen Gegensätze wachsen, die Disharmonie zwischen Galizien, Posen und dem ehemaligen Russisch-Polen .ist in Zunahme begriffen, das Parteienchaos im Warschauer Parlament verhindert die Schaffung einer definitiven Majorität und drängt genau so wie rm Prager und Pefter Pastsstf.' ment zu Neuwahlen. Zu alledem kommt/ die' steD' / wachsende Gefahr, daß der polnische Staat: äist Ost./ galizien zugunsten der Ukraine, wo iibrigens auch sehr verworrene Verhältnisse herrschen, verzichten Muß. Da. iiberdies auch über das Schicksal von Teschen, Zips strch Arwa durch eine Volksabstimmung entschiedest werbest soll, der man in Warschau mit gemischten Emststnöünsteu entgegenblickt, so macht sich in Polen die ErbiUtzrung über hiese. Gesamtlage, da sie kein anderes- Vö«M Häk, im Antisemitismus Luft. Man 'fühlt sich ist Warschau * immer mehr und mehr isoliert und; glaubt nurr Stufen | einzigen Frermd zu besitzen, das magyarische. Bpudeu^ j Volk. Abergerade die Entwicklung. in Polen \ Ungarn sollte, alle Völker, einschließlich der. MbeM M! lehren, wohin nationaler Chauvinismus, AntisemitiKvr^ \ und Klassenegoismus, ihre Ursachen und WiÄuntzPi. führen.' . . r:- Italien verMeit mit der aibankch: Ginstellung des Feldzuges^ R o m, 29. Juni (WsWi.) Die Kammer setzte die Diykusfiv« Äber das BudgetzsMstü > fort. Im BetlMfe chrMMM Mte Kiolitikr, Jtalie« merde «e ErMARRN: MWMDMM/ ÄWHHMdtSriWWM«W^ . Äiplömat Mbit W Dienstag- «ach Äl^Men j.chegeden,^ M/Mt der"Uvh/chMMDW' K e g i c m it g z u v e r# and e l it* Es sei zv erMrten, d<U M diese Weise ei»e GM Verständigung mit Albanien werde erzielt werden. GioliLti sprach syvann über die EreißWe. in A n c o n a und erklarte^ die Regiernng werde nicht so hart mit den rebEschen EkemstW« verfahren. Wias die begangenes Äerbrechen betrifft, so werde sich dN/Jnsttr/lMrtWWWM-'. haben» in voster rtnabhängigkeit und ohne jede Veeinstntznng durch die NegierNng Dre Kammer beschloß den Schluß der Debatte und Äebergang zur Tage-ordnnng «it 88Y tzege« S3 Stimmen. '; . . V'--? F 1 ."V1 null I mm .. 11 n l« .. , Die drei Boten an Deutschland. Forderungen der Entente. //■/ Berlin, 28. Juni. (Wolfs.) In der ersten der drei dem Vorsitzenden 'der deutschen Frieden-dc-legation in Paris übermittelten N y t e n über ' die Entwaffnung heißt es unter asthereM: Am 21. h. M., nach Ablauf von beinahe sechs Mstat^st seit dem Inkrafttreten des Friedensvertrages» sistb oie wichtigsten Bestimmungen des Vertrages über LandMer, Luftfahrt und -Marine noch' Unausgeführt oder Unvollständig ausgtzWrt/. Die alliierten Regierungen haben nach ernsthafter' Prüfung dieser Sachlage einstimmig beschlossen, die-in dem von Deutschland. unterzeichnten Friedensvertrag enthaltenen- Bestimmungen über die Entwaffnung, sowohl was die Heeresstärke als auch was das Kriegsmaterial, betrifft, in vollem Uckfang aufrecht zu erhalten und deren schon allzu lang verzögerte vollständige Durchführung unverzüglich, zu betreiben. In gleicher Weise erivarten die alliierten Regierungen, daß die deutsche Negierung ihnen keinen Antrag auf Aenderung der militärischen Bestimmungen des Vertrages wehr Vorlagenwerde, da solche Anträge nur abschlägig beschieden. cherden könnten und daher nutzlose, neue Verzögerungen Mt sich bringen würden. Die Antwort der alliierten Regierungen auf den Antrag der deutschen Negierung wegen Beibehaltung eines Heeres von 209.600 Mann geht dahin, daß diemilitärischen Kräfte Deutschlands in der durch den Friedensvertrag bestinnnten Starkevon 100.000 Mann mrd in der durch diesen Vertrag vorgesehenen Gliederung zu belassen sind, daß die Sicherheitspolizei innerhalb von drei Monaten vollständig aufznlösen ist und. daß. änderersests die Stärke der Polizei aus 130.000 Mannerhöht, somit um 70.000 Monn im -Verglnö': :}>v: Stärke V»öm Jahre 1913 vermehrt wird, Des weiteren fordern die allsteptt«-/Witzrusttzest-! die deutsche Negierung auf, unverzüglich, die ' deutsche Gesetzgebung. / entsprechend der Bestimmungj des Artikes 211 mit de» nnlitärischen Bestimmungen des FriedensveMstgeS h nr" Einklang zu' bringen,' gesetzliche Maßregelst zu?' Lrtstest, .um entsprechend dem Artikel 170 > die t Ausfuhr/ 'Wst' Kriegsmaterial nach dem Ausland Huverbietst t'dtkk Formationen der j Einwohnerwehren^ die' in -Mh^DyW mit der EntfWeßung vom 8. Aprilnoch -foMtzstHH, tatsächlich aufzulösen und die Auslieferung der-Mj^fW dieser Formationen ^durchzufiihren. ' Die alliierten' Regierungen erwarten-, daß - bÄ^-he«: Zerstörung des Kriegsmaterials keine neue Verzögerung eintritt -«yd? führung aller Bestinimungen über die EntwaffNiWg/ fywohl hinsichtlich der Truppenstärke als auch/hmsiDlich der Kriegsgeräte ohne weiteren Aufschub, erfökste^ Anderenfalls , würden sich die alliierten RegierunKtN' ge-7 ^wyngen,sehen, die'-steeignetest Mittel M prüfeMMUe. ' AusMMNg der BestiMmllngests''D^S. F-r!ed.MsverLrages sichdrzuftellen. ' 'HDjiy Kiv-e^e/N;Msti-wehst zunächst darauf hin,, daß .4. Huni aN Lie HW ferenz' geweWÄ' hätte,' um 'ein vorläufige VerlängerstM öerühr gestellten, am 10,-Jüli'äbläufenden ^rist herW« zu führen,, binnen deren die Heeresstärke in Deutschland aus 106.000 Mann herabgesetzt werden -fpllte mit der Begrünbung, daß nach dW. was hie chAjerten Regitzrüsttze» ihr auf der Konferellz von SaN Remo mitgMeAL Haste«, sw erwatten mußte, daß.erst dieKo'nftzrenss von Äm chidgültitz' über dieses Ersuchen'.'^ftinnneN wsirdei < /Die alliierten-Mächte könnend heißt''es in det Note,'' diese