Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 515 (29.6.1920)
- Date
- 1920-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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K t.SO PpilMÄ««<ttronrvreife: Wiens Snm -»hole« te Me «xpetttis». S. Bezirk. Tabor- - jlrete 1 »iS 8. oder i« einer Aers»lektzstelle Ärastk): Msitcktli» . . Krone« 80- Dt-tteljaHrttch .. so.- Mtt Poftverianb «Ar Wie» nn, Oesterreich: -Monatlich .. Kronen 88.— Tlchrcho-Llowakri: Monatlich .. Krone» 18.— «Vierteltächrltch .. 89.- intschechsslawarischerWSHrunz Uitgnnt: Donatttch .. Krone» *<>.- vterteljsthrlich .. 90.— « ungarischer WSHrung Kngoslawie«: Monatlich .. Tina» 6.— Vierteljährlich 18.- Wiener r ' n .--'3 •/ i ■- i»i<K| "Wlefe SffiSfe"T5E? rnpEMWchi«,; SaMfaf! «•»^««7.^ fNrt 1«.- Monatlich . . . . Lire § Monatlich. . .0t^at9 S. Für dq» übrige'Aütland: vierteljährlich Krearn LS».- Sredaktion «. Nd»tni Löte»,» a» « «h-a»e»v»Rr.Z«»vt Vostsparkafsenkouto;UÖjm 9lt. 515 Wien» DiensLKg. den 2S. Juni 1S20 L. 'Zahrs««tz .Jr ■ i-- Vor neuen Kämpfen. ' ' —y.'W r'e ». 3S.'fkir«i. " Sie Legratuliereneinander. Die Nichtjüdischnatio-, Men sind' glücklich,' daß sie nur vierzehn Mandate verloren haben. Sie werden ans diesem Glückstraum sehr unsanft gelüccft werde^ Das allgemeine Wahlrecht.pocht on 'die Tür,, und-keine Künste keine Lügen und. keine Mheimversammlungen werden' etwas nützen.' Man HW ein Wahlrechts für gestern konstruiert, das. eine-Karikatur dürstellt., Fünf Prozent,, sage.und schreibeftsinf PMent der Judenschaft sind wahlberechtigt! und selbst diese ängstlich auf ihre Bodenständigkeit gepriist loordeir.Es'sollte dev Beweis, erbracht .werden, daß, dgs, eingejesstire,. jüdische Bürgertum das zionistische "Programm ablehnt und sich hinter die 9Nchtsüdsschnatichiaken^stM.- Däs>° sollte^ istit. Wfe eines grandiosen WählreckMi.-äü6es.' über' i&tt f die; gesinnungsgenössische freiheitlich^ demokratische Presse einvernehmlich geschwiegen hat-' - ermöglicht werden. Aber was geschah'? Die Hälfte. dieser ^bodenständigen- Biirgev warfdoch den zionistischen.Stimmzettel in die Urne. Eine stärke, geschlossene-Opposition von - dreizehn Zionisten erscheint in der Seilenstett.engasse, erfüllt von deyl festen Willen,, dem letzten Nest einer ehr- und pflichtvergessene Wirtschaft,' um den schon die Wellen.des Bankrotts spielen,' das verdiente Ende zu bereitend Wir werden den Käsig schon sprengen. Der neugewählte Vorstand der Wiener Kultusgemeinde ist genau so qrbeitsunfähig -wie der »eben-abgetretene. Er ist nicht vom jüdischen Volke Wiens gewählt, er ist aus einem Betrug entstanden, und dieser Betrüg wird in nicht zu ferner Zeit in sich zusammenbrechen. &. v M diesesL'^chtMWchtra^ stalsn,ober..auch nicht die LWho-oxen vorbereitet.--. Die Bodenständigkeit, mit' der alle unsere bunt zusammengewürfelten Gegner krebsen gegangen sind, tomint in den jüdischen Fragen von nun an nicht mehr zrrr Bedeutung. Diese Waffe haben wir zerbrochen, und das ist nicht allein für die jüdische Gemeinde von Wichtigkeit, sondern kn noch weit höherem Maße für die nichtjüdische Bepölkerung, die sehr schlecht daran tut, die politischen Strömungen im Wiener jüdischen Leben zu ignorieren. Sie muß aus' dem Resultat des Sonntags erkennen, daß Re- Basis für die Entwicklung des Judentums im riationalsozialen und nationalkulturellen Sinne sich seit den Februarwahlen des Jahres '1919 verbreitert hat. Sie-muß wissen, daß unsere Forderung nach Heran- Siehung-unserer breiten Massen zur Verwaltung der Gemeinde auf dem Wege zur' Erfüllung ist, und daß ihr dann nicht mehr eine feige, rückgratlose und in jeder Weise unfähige und unjüdische Clique gegenüberstehen wirdderen ganze Tätigkeit sich in Schweigen ausdrückt, sondern dos jüdische. Volk, selbst, das sich-nicht weg. leugnen läßt. Las, äuf . nichts verzichtet, was ihm die politische Entwicklung gebracht hat.' Wir stellen Forderungen-sowöhl als jüdische Staatsbürger als auch als ludisches Volk.- Wir lassen uns unsere Rechte als Bürger und Menschen nicht schmälern und jeder Versuch' würde auf heftigsten Widerstand stoßen.' Wir verzichten aber-auch-nicht auf die uns nach dem klaren Wottlaut dbs - Friedensverträges' zustehenden Rechte einer MinoritBsnation. Wir verlangen'für uns die kulturelle Selbstverwaltung und Selbstbestimmung^ Für unsere nationalen, sozialen und kulturellen Notwendigkeiten wollen wir selbst sorgen, ohne natürlich , uns dem Kontrollrecht des Staates zu entziehen. Wir verlangen unser Recht. Nicht .mehr, aber auch nicht 'weniger.“ v Die Presse der Nichtjüdischüationalen hat auch am Sonntag . ihre altbewährte «Schirldigkeit getan,- Wen diese Presse unterstützt, _ der geht zugrunde. - Sie . wird ja aüf diesem Wege fortfahren, und die jubelnde Be« merkpng^des „Morgen", der Wahltag habe eine Zusammenfassung der bodenständigen Elemente manifestiert, die voraussichtlich zu einer Revision des Ergebnisses der letztest Nationalratswahlen führen, werde, kann niemand, der Wählziffern richtig lieshanders als-mit größter Heiter- MauWWen. : Wir haben, weiß Gott, stets die größte Hochachtung vor der politischen Ahnungslosigkeit, unserer Gegner an den Tag gelegt. Aber diese Aeußerung des „Morgen" geht selbst über unsere., Erwartung. Davon abgesehen aber ist es eine Affenschande, daß dieses demokmtische Organ nichts über die'Besudelung der Demokratie zu. sagen weiß, die in dem geltenden Wahlrecht dtzr ^Kultusgemeinde. verübt worden ist. Wir werden pns'"das - Merken, geben aber jetzt schyn dem „Morgen" und allen seinen Gesinnungsgenossen die bündige Versicherung, daß Herr Ofner auf jüdischem Rücken nie mehr ins Parlament gelangen wird. In die Nationalversammlung wählen nicht die von der Plutokratengesellschaft Ausgesuchteii, sondern alle: die wahlreifen Männer und Frauen; nicht drei Prozent-- sondern die Gesamtheit der am Schicksal des jüdischen Volkes Interessierten. Die schönen Zeiten der Wahltischgenosseuschaften sind, vorbist und unser Volk läßt sich nicht mehr betrügen., Wenn unsere Gegner dieses Resultat des Sonntags nicht erkennen, wenn sie weiter ftarrsinnio bleiben uns känn's. recht sein^ > . '. Me Wollen in Wnü. VeHästungen englischer Generale. — Sinnserner setzen Gerichte ein. — Der gestörte Eisenbahnverkehr. Parts, 28. Juni. In Irland verursacht nach der Einstellung des Straßenkampfes der weiter ausgedehnte Eisenbahnerstreik Unruhe. Die L e ll e n s m ittele s ch ä s t ewerde n, wie aus London' gemeldet wirdb e stürmt. Die Eisenbiahner weigern sich auch-weiterhin, Munition, und Truppen zu befördern. Die Hauptliitic, die Dublin mit dem Süd osten Irlands verbindet, war gestern zürn ersten Mal eingestellt Als Truppen in den Zug Wexford-Dublin eittwaggoniert wurden, verließ der Lokomotivführer seine Maschine. . . Nach einer Meldung des ,,Petik Journal" habe die Advokatenkammer die Streichung aller Mitglieder verfügt, die vor den Sinnseiner-Gerichten Vertretungen übernehmen.. Junge Advokaten lehpen ' sich gegen diese Maßregel auf, da sie in ihr eine Beeinträchtigünx ihreik Freiheit sehen. Dre „Times" melden.aus Cork, gestern astend»' seien Brigadegeneral Leicas und die Oberste Dstt».-. ford und Tyrrell im Namen der irlättpi. schcn Republik verhaftet worden. Dauford'^ sprang aus dem Automobil, in das man ihn gebracht hatte. Er wurde durch Schüsse am Kotzf und an der, Schulter verletzt. ' Die Angreifer ließen hierauf Oberst Thrett z» seiner Pflege bei ihm zurück, während General Leteas in ein unstekanutes Gefängnis derschleppt wurde. Der Zustand Damords flösse Brsorgnis ein. - : : Er py iivmvh i/viM/y wiisywii**: . 1 Die VerhandlUNgen der Gewerkschaftsvertreter mit dem ungarischen Gesandten. Amüich wird gemeldet: ■ : Gestern vormittags unt 10 Uhr eröfsnete der. Staats-- lanzler Dc. Renner, zu dessen Vertretung - und Unterstützung Sektionschef Dr. Schüller und. Legationssekretär Dr. S ch m i d an - den VerharMung-en teilna-hmen, die Aussprache zwischendem- Vertreter - der ungarischen Regierung, 'Gesandten Dr. G-ratz, der vom. Mimsterialserretär Boroviczeuy begleitet war, einerseits.und den Vertretern des -Internationalen. GewerkfchcvftsL-uudes und - des -Jmternationalen-'?Transportiar!beiterverbanüeS . andererseits. Anwesend waren von -Internationalen Gewerkschaftsbund der Sekretär. Cdo- F i m-m e n> K a d l c.c als Vertreter per.iLändergruppe Tschecho-Slowakei,- Jugoslawien, RunlänirN und Polen. Hu eherals .Vertreter .im JntevnatiottalLN-'MwLrkschafts-. bund der ^Ländergrupp.e , Deutschland - und .Oesterreich, vom ' Jrrternationalen Transpoxtariheiterv.evband W r o de c k y als Vertreter , der. tschechischen Transportarbeiter in der Tschecho- Slowakei,/ Sch ä f e r. als ..Vertreter der deutschen-: TvaNsportarbeiter in derTschechoMowakei,'und Forstner als Vertreter der Trarrsportarheiter: Oesterreichs.' : ' - ■ - - Die Vertreter '.' der Grades- Unions; konnten wegen Schwierigkeiten des - Anschürsses micht rechtzeitig abreisen und warteneine drahtliche-^Verständigung ab. Der. Ssaatshrnrlexr.-exkläxte-i.- die.-österrekchtM-Regierung niüchte gerne nlles. dazu tun., um -die ^Aufhebung - des Boykotts . zu eriviröen, und habe - sichdeshalb zur PevmittkUttg bereit erklä.rt.- Sywohl her Gesandte D'r-Grätz <üB auch Sekretär Fimmeu danken dem Vertreter, der ^österreichischen- Regie-, rung für die nuternommeue.Vermittlung. . Sekretär Fl.m me «.legte nun die^ Gründe., dar, die derw- JnternätiouMr- Gewerkschaftsbimd zur ErklärMg-des Boykotts bestimmt Haben. Der Bund'wolle sich in keiner Weise in dw politischen Fragen "Ungarns eünnengen, ' ob ' chese nun die StaatSfö'rm öder was imnwr' betreffen,' sondern kümmere .sich einzig und allein um die MbLUerklasse'in Ungarn.' Nach den vor den Bund gelangten Berichten sei die' Arbeiterschaft u n t e r-d r ü ck t und außerstande, - sich gesverkschäftlich und politisch-'zu betätigen. Äer- Internationale Ge'werkschastsbund- - habe im Interesse der Freiheit dsr 'ärbeichnden'Klässen Ungarns den Bbykott ausgesprochen, nachdem 'er sichvorher, leider ohne AntivorL zu erhalten, an die ungarische Regierung gewendet habe. Der Boykott sei von dem Willen-der Weiter dev dem Internationalen Gewerkschäftsbund' angeschlossenen Länder, das heißt von 3$ Millionen gewerkschaftlich «organisierten- Arbeitern der Welt, getragen und' könne, nichr ab'e gebrochen werden, tvenn nicht die' wirtschaftliche und politische Bewegungsfreiheit der ungarischen Arbeiterschaft sichergest-Kt und der Weiße Terror beseitigt sei. Der ungarische Gesandte Dr. «Trotz, besprach' düZ - -Manifest des Internationalen G'ewerffchastsvundes Putztt m Punkt, um zu zeigen, daß es vielfach Jrrtümer, Unrichh'ß»" leiten und starke Ueberireibungen enthalte. Der Gesandte wies darauf hin,-daß das Land nach dem Zusammenbruch im Kürge ' zwei Revolutionen und die wirtschaftliche Katastrophe ber rnmänischen Besetzung durchgemacht habe und daß daher die Wiederherstellung der Autorität der Staatsgewalt -und der - vollen Rechtsordnung von der ungarischen Regierung : beim besten W.illen nicht in so kurzer Zeit er«; reich t wer den ,kvn nie, daß aber von T er rn r. alß : Regierun.gs.fy stem. (-!?) nicht.gesprochen,werden:könne..! Die von den Arbeiterorgarlisationen beklagten. Maßregeln.-? richteten sich nicht gegen die Weiter, sondern ausschlreßlich gegen den Bolschewismus (?).,. Außerdem.,, hgbe,^-das Mätzb-- system iw einem Teile-der-Bevölkerung eine .starke Reattsi»« ausgelöst, die-'allerdings zu bedauerlichen Vorfällen gssührt' habe. Die Regierung M ständig bemüht, diese Morsälld, astrzudämmen und unmöglich zu machen, lieber einzelne, twn den Arbeiterorganisationen vorgebrachte: Fälle sei er -bereit, Erkundigungen einzuziehen. ' ' ' ' An diese beiden Erllärungen schloß sich eine vierstündige ' Erörterung. Um 1 Uhr 'wurden die - V^rhandlüngeü'-untdr-' -'' brachen und um 1 Uhr nachmittags wieder aufgeyömme«. ‘ : ' Der Vorsitzende resümierte-hierauf dis VerhäMstckHu, - über deren Ergebnis der Gesandte - Dr.- G'rstz? äP 'die i ungarische Regierung, Herr Kimmen an beit JnternaMIlen \ G'ewerkschäftsbnnd berichten werben, und vertagte- ' Handlungen bis Mittwoch den 30'. 'b. M., 6 Uhr Äb'ön6s. ' Fimmens Bohkottbericht. - r Das gewerkschaftliche 'Permanenzkomitee-Leist Samstag nachmittags trafen die Mtgsieder des' Hnt'kr-.' nationalen Gelverkschaftsbundes in Wien ^eik/'Hs'.stch' ' Sonntag .nachmittags im Bureau des KomitM zu/esyet"' Vorbesprechung versammelten. Außer dem Sekretsi^^des! Internationalen Gewerkschaftsbundes Edo Iimmen j erschienen vom Vorstand für' die Ländergruppe Deutsch- ' land rmd Oesterreichische'Republick in Vertretung Legien^ H n e b e r, ft'ir die Vertretung der Lälrdergrisppe T-Eche- ‘